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Kaufmannsehre bei Gebrauchtlizenzen

Gebraucht-Software ist keine Hexerei

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Seriöse Gebraucht-Software-Distributoren sorgen für eine schlüssige Dokumentationen.
Seriöse Gebraucht-Software-Distributoren sorgen für eine schlüssige Dokumentationen. (Bild: © Kreatiw-stock.adobe.com)

Software verschleißt nicht, und der Handel mit gebrauchter Software ist grundsätzlich erlaubt. Dennoch fassen viele das Thema nicht mal mit der Zange an. Gebrauchtsoftware-Händler haben ­jedoch inzwischen Prozesse implementiert, die rechtliche Unsicherheit aus dem Markt nehmen. Ein Überblick über die Professionalisierung eines Marktsegments.

Der Gebraucht-Software-Pionier UsedSoft planierte über den Rechtsweg mit wegweisenden Urteilen den Marktplatz für Gebraucht-Software. Obwohl die Rechtslage damit geklärt wurde, gibt es dennoch Unsicherheiten im Markt, die in erster ­Linie mit Geschäftspraktiken einiger schwarzer Schafe zu tun haben.

Nachdem die Rechtslage innerhalb der EU eigentlich keine Fragen mehr offen lässt, geht es hauptsächlich darum, inwieweit dem Gebraucht-Software-Händler oder -Distributor Vertrauen entgegen gebracht werden kann. Man kann das Pferd aber auch von hinten aufzäumen: In einem Marktumfeld, in dem Vertrauen vor jedem Verkauf steht, setzen die Akteure auf Kaufmannsehre, Transparenz und Prozesse, die sicherstellen sollen, dass den Kunden keine Probleme im Fall eines Software-Audits ins Haus stehen. Es ist Zeit für einen wohlwollenden Blick auf die Einkaufs- und Verkaufsprozesse im Gebraucht-Software-Handel.

Handelbare Lizenzen

Ein zentrales Element im seriösen Gebraucht-Software-Handel besteht darin, sicherzustellen, dass die Lizenzen rechtmäßig in Verkehr gebracht wurden.

Beispielsweise geht es hier darum, dass nicht entgegen der Lizenzbestimmungen die Software von außerhalb in den europäischen Rechtsraum „importiert“ wurde oder dass die Lizenzen nicht aus Programmen stammen, die den Nutzerkreis auf das universitäre Umfeld einschränken oder ähnliche Konstellationen.

Branchen-Altmeister UsedSoft legt hier eine grundsätzliche Herangehensweise vor und verkauft zu 100 Prozent Lizenzen aus Volumenlizenzverträgen. Es werden ausschließlich Lizenzen angekauft und wieder verkauft, „die die Vorbesitzer bei den Software-Herstellern oder bei ­einem Vertragshändler dieser Hersteller erworben haben“, heißt es aus dem Unternehmen. Das heißt auch, dass keine Lizenzen gehandelt werden, die die Vorbesitzer bereits gebraucht erworben haben. Der Grund dafür ist, dass so sichergestellt werden kann, dass diese Lizenzen rechtmäßig in Verkehr gebracht wurden wurden, lässt UsedSoft wissen.

Ergänzendes zum Thema
 
Ein Gedankenspiel mit ­Volumenlizenzen

Gebraucht-Software-Handel ist erlaubt und kann eine Menge Lizenzkosten einsparen.
Gebraucht-Software-Handel ist erlaubt und kann eine Menge Lizenzkosten einsparen. (Bild: © Kreatiw-stock.adobe.com)

MRM Distribution, die sich auf den Verkauf von Gebraucht-Software an Reseller spezialisiert haben, setzt auch auf den Weiterverkauf von Volumenlizenzen. Marketing-Chef Ronny Drexel erläutert: „Die Herkunft der Software und das Nutzungsrecht ist somit leichter nachweisbar, da die erstmalige Inverkehrbringung anhand der Originalverträge, wie zum Beispiel Microsoft Select, zwischen Unternehmen und Hersteller nachvollzogen werden kann.“ Die Software müsse dabei vom Ersterwerber erstmalig in einem Land des europäischen Wirtschaftsraums in Verkehr gebracht worden sein. „Ähnlich wie im Gebrauchtwagenhandel liefern wir praktisch Software aus ­erster Hand, mit der notwendigen Dokumentation zur rechtskonformen Über­tragung der Nutzungsrechte, der Unbrauchbarmachung beim Ersterwerber mittels unterzeichneter Vernichtungs­erklärung sowie der Original-Vertragsnummern aus den ursprünglichen Volumenverträgen“.

Die Krux mit der Gebraucht-Software

Lizenzübertragung oder illegaler Key-Verkauf?

Die Krux mit der Gebraucht-Software

05.12.17 - Am Thema Gebraucht-Software scheiden sich die Geister. Die einen beharren auf der gültigen Rechtsprechung und finden gut, dass Software nicht verschleißt; die anderen fassen das Thema nicht mal mit der Zange an. Sven Langenfeld, Gründer des „Windows Server Kompetenz Clubs“, legt dar, warum der Teufel im Detail steckt. lesen

Die Einkaufsseite

Auch Björn Orth, Geschäftsführer bei Vendosoft, sagt: „Wir kaufen zu fast 100 Prozent Gebraucht-Software aus Volumen­lizenzen an.“ Das hat mehrere Gründe. „Die Unternehmen, denen wir gebrauchte Software abnehmen, haben kaum Boxprodukte im Einsatz, und die Unsicherheiten in diesem Segment sind im seriösen Gebrauchtsoftware-Handel aus meiner Sicht letztlich einfach zu groß. Zum einen sind hier viele illegale Keys unterwegs und der Prüfungsaufwand im Box-Bereich ist relativ groß“, schildert Orth. Vendosoft ist auch Microsoft-Partner, „allein schon, um den Kunden ­Komplettangebote unterbreiten zu können, die den Bedarf zu 100 Prozent abdecken. So kommen bei einem konkreten Projekt beispielsweise auf 1.000 Gebrauchtlizenzen einer Software X noch 200 neue oben drauf“. Verkauft wird nur B2B und zwar sowohl an Reseller, als auch an Unternehmen, hauptsächlich aber an letztere. Wenn das Unternehmen aus Inning am Ammersee gebrauchte Softwarelizenzen einkauft, fordert es vom Verkäufer fünf Positionen, verrät Orth:

  • Einen Screenshot vom Auszug aus dem VLSC (Volume Licensing Service Center), also dem Microsoft-Kundenportal, aus dem Produkt, Stückzahl, Keys und Vertragsnummer der Volumenlizenzverträge ersichtlich werden.
  • Eine schriftliche Vernichtungserklärung, die bestätigt, dass die Lizenzen beim verkaufenden Unternehmen nicht mehr zum Einsatz kommen.
  • Ein offizielles License-Statement, erstellt vom Lizenzgeber. Das kann beispielsweise Microsoft auf Anfrage des Verkäufers erstellen.
  • Kopien der Lizenzverträge und
  • die Rechnung, die vom Lizenzgeber erstellt wurde.

Die Verkaufsseite

Der Verkauf geht bei Vendosoft ebenso mit einem dicken Paket einher: „Wenn Kunden bei uns kaufen, erhalten sie: eine Rechnung, einen Lieferschein, eine Vernichtungserklärung (die die Deinstallation beim Ersterwerber, beziehungsweise Vorbesitzer bestätigt), einen physischen Datenträger (außer logischerweise, wenn nur CALs verkauft werden), die Software-Keys und eine Freistellungserklärung, die besagt: Lieber Kunde, wenn bei Dir ein Audit ansteht, übernimmt Vendosoft Kommunikation und Auskunft über die Rechtmäßigkeit der Lizenzierung“, erläutert Orth.

Zudem erhält der Kunde Post eines Wirtschaftsprüfers, der über die Einkaufs- und Verkaufsseite wacht.“ Orth ist überzeugt: „Unsere Herangehensweise, einen externen Wirtschaftsprüfer für jeden Verkauf ein­zuschalten, der die Rechtmäßigkeit des Vorgangs prüft und bestätigt, ist meines Wissens nach ein Alleinstellungsmerkmal von Vendosoft.“

Der Auditfall

Ein Software-Key ist im Netz mit ein paar Klicks beschafft. Aber hängt auch eine übertragbare Lizenz dran?
Ein Software-Key ist im Netz mit ein paar Klicks beschafft. Aber hängt auch eine übertragbare Lizenz dran? (Bild: Kreatiw - stock.adobe.com)

Allerdings wird kein etablierter Gebraucht-Software-Händler den Kunden im Fall der Fälle im Regen stehen lassen. So betont beispielsweise Ronny Drexel von MRM Distribution: „Im Auditfall des Herstellers gewährleisten wir volle Kooperation, sodass unsere Partner und deren Kunden auch ­darauf bauen können.“

Dass es im Auditfall keine Probleme gibt, ist die wohl wichtigste Wertschöpfung im Markt. So wirbt beispielsweise Preo Software aus Hamburg mit dem Begriff „Preo Audit­sicherheit“. Dahinter steht folgende Herangehensweise: „Unsere Lizenzen werden systemisch so gehandhabt, dass sie im Laufe des Clearings zunächst vollständig erfasst werden. Konkret bedeutet das: Für jede Volumenlizenz generieren wir eine einzelne ID. Im Clearing selbst prüfen wir die Compliance und damit die Verkehrsfähigkeit der Lizenzen. Wir können zu jeder Zeit nachweisen, wo die Lizenzen aus dem Ursprungsvertrag sind, und damit beweisen, dass die Menge der Lizenzen, die bei uns gehandelt wird, mit der Anzahl der Lizenzen auf den Löschungsbestätigungen der Ersterwerber übereinstimmen. Diese Prozesse haben wir von einer renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft verifizieren lassen. Wir sind jederzeit auditierbar und unsere Lizenzen zu 100 Prozent auditsicher“, führt eine Sprecherin des Unternehmens aus. Im „Preo Lizenzportal“ wird dabei für jeden Kunden und stets abrufbar die Anzahl der gekauften Lizenzen mit der Herkunft und der Löschungsbestätigung hinterlegt. Bei Preo sieht man es als Transparenzvorteil, dergestalt und entgegen der Marktgepflogenheiten den Erst­erwerber offenzulegen. „Unsere Kunden ­erfahren ausnahmslos, von welchen Unternehmen und Institutionen die gebrauchten Lizenzen stammen“, so Boris Vöge, Vorstand bei Preo Software.

Andreas Thyen, Präsident des Verwaltungsrat von LizenzDirekt fragt, was dem Kunden angebliche Beweise, Verträge, Nutzungsberechtigungen und Beschreibungen nutzen, wenn er diese nicht oder nur unzureichend bewerten kann. „Deswegen machen wir dies für den Kunden und übernehmen ihm gegenüber die Garantie, dass die gelieferten Lizenzen einwandfrei sind – inklusive Haftungsfreistellungen sowie unserer Versicherung für Vermögensschäden, die für Investitionssicherheit beim Kunden sorgt“, so Thyen.

Das Fazit

Im ersten Teil der Gebraucht-Software-Berichterstattung „Die Krux mit der Gebraucht-Software“ beleuchtete IT-BUSINESS, warum das Thema kontrovers diskutiert wird. Dieser zweite Teil hatte den Anspruch aufzuzeigen, dass etablierte Akteure im Gebraucht-Software-Handel Kaufmannsehre und Transparenz mit ausgefuchsten Prozessen garantieren wollen. Der Lohn der Branche für ihre Wertschöpfung und Professionalisierung, besteht aus wachsender Akzeptanz und steigenden Umsätzen.

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