KI treibt den Energiebedarf von Rechenzentren auf neue Höchststände. Gleichzeitig verschärft der Gesetzgeber die Anforderungen. Energieeffizienz wird damit vom netten Feature zu einer strategischen Pflichtaufgabe – und einem Geschäftsmodell.
Energieeffizienz ist heute nicht nur ein nettes Feature. Es ist Pflicht, Strategie und Wettbewerbsvorteil zugleich.
Zusätzlich kommt ab Mitte 2026 der regulatorische Druck in Form des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) hinzu. Das schreibt für neue Rechenzentren einen PUE-Wert von maximal 1,2 vor, ab 2027 gilt für alle Betreiber eine 100-Prozent-Ökostrom-Pflicht. Damit ist Energieeffizienz keine Option mehr, sie ist Pflicht, wirtschaftliche Notwendigkeit und Wettbewerbsfaktor zugleich.
Der Strombedarf für Rechenzentren könnte sich von 2025 bis 2030 verdoppeln.
(Bild: Statista/IEA)
Effizienz beginnt mit dem richtigen Maß
Einen pauschalen Schalter, der den steigenden Energiebedarf durch KI einfach umlegt, gibt es zwar nicht. Doch es gibt Strategien und Produkte, die hier unterstützen können. Dell setzt beispielsweise auf die Optimierung des gesamten Systems – von der Dimensionierung der Infrastruktur mit Tools wie Live Optics über softwaregestütztes Energiemanagement mit dem OpenManage Power Manager. „Entscheidend ist, dass die verfügbare Energie möglichst effizient genutzt wird und die Infrastruktur die maximale Leistung pro eingesetzte Kilowattstunde liefert“, ist Peter Dümig, Senior Server Product Manager bei Dell Technologies Deutschland, überzeugt.
Peter Dümig, Senior Server Product Manager bei Dell Technologies Deutschland „Die größte ungenutzte Chance liegt in der frühzeitigen Analyse und Optimierung bestehender Umgebungen.“
Bildquelle: Dell
Einen großen Hebel sieht er in modernen IRS-Architekturen (Integrated Rack Scalable) mit zentralisierter Stromversorgung und Flüssigkühlung, die klassische Luftkühlung zunehmend ablöst, da sie weniger Energie benötigt, aber höhere Rechendichte bietet. Dennoch werde die Tragweite des Themas oft noch unterschätzt. Die notwendigen Modernisierungen sind mit Investitionen verbunden und können, gerade bei Bestandsrechenzentren, mehrere Jahre dauern. „Bereits durch eine bessere Auslastung, präzisere Dimensionierung und den gezielten Austausch älterer Systeme lassen sich häufig deutliche Effizienzgewinne erzielen, ohne dass sofort umfangreiche Neubauten erforderlich werden“, so Dümig.
Vom Produktverkauf zum datengetriebenen Service
Bei Schneider Electric denkt man weg vom Energiesparen als technische Disziplin, hin zu Energieeffizienz als strategisches Geschäftsmodell. „Der steigende Energiebedarf durch KI ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern betriebliche Realität. Hier entscheidet sich, welche IT-Strategien langfristig tragfähig sind“, bringt es Karin Hernik, Channel Director DACH bei Schneider Electric, auf den Punkt. Denn „wer Energieeffizienz heute nicht konsequent adressiert, verliert morgen an Wettbewerbsfähigkeit.“
Karin Hernik, Channel Director DACH bei Schneider Electric „Wer Energieeffizienz heute nicht konsequent adressiert, verliert morgen an Wettbewerbsfähigkeit.“
Bildquelle: Schneider Electric
Mit der APC-Produktlinie setzt Schneider Electric auf eine Kombination aus hocheffizienter Hardware und softwaregetriebener Intelligenz. USV-Systeme mit Wirkungsgraden von bis zu 99 Prozent bilden dabei die technische Grundlage. Der größte Hebel liegt nach Hernik in der Orchestrierung des Gesamtsystems: „Mit EcoStruxure werden Energieverbräuche durchgängig messbar und steuerbar – vom Edge bis ins Rechenzentrum.“ Es kommt zu einem Paradigmenwechsel, auch für den Channel: „weg vom einmaligen Produktverkauf, hin zu datengetriebenen Services.“ Partner, die Energieeffizienz als Beratungsleistung und messbaren KPI im Kundendialog verankern, könnten neue profitablere, planbare Umsätze erschließen, davon ist Hernik überzeugt.
Mehr Leistung, weniger Verbrauch
Auch Santosh Wadwa, Vice President und Head of Platform Business Germany bei Fsas Technologies, plädiert dafür, KI nicht auszubremsen, sondern ihre technische Grundlage effizienter und transparenter zu gestalten. Die größte Wirkung sieht er in der kommenden ARM-basierten Monaka CPU, die doppelte Performance bei halbiertem Energieverbrauch liefern soll. Da die CPU den Gesamtverbrauch einer Infrastruktur maßgeblich beeinflusst, multipliziert sich dieser Effizienzgewinn über das gesamte System. Ergänzt wird sie durch die Greenline PRIMERGY Server Edition mit Liquid Cooling und End-to-End-Carbon-Footprint-Berechnungen. „So können Kunden Energieverbrauch und CO₂-Bilanz besser steuern, Investitionen gezielter ausrichten und belastbare Grundlagen für Nachhaltigkeitsberichte schaffen“, erklärt Wadwa. Ein weiteres Tool ist hier der Infrastructure System Manager für PRIMERGY Server. Dieser liefert Echtzeitdaten zu Temperatur, Hardwarefehlern und CO₂-Fußabdruck. „Hocheffiziente USV-Anlagen und die Beratung unserer Sustainability-Spezialisten runden den Ansatz ab.“
Santosh Wadwa, VP und Head of Platform Business Germany bei Fsas Technologies „Partner können Nachhaltigkeit nicht nur als technisches Feature, sondern als messbaren wirtschaftlichen Mehrwert positionieren.“
Bildquelle: Fsas Technologies
Energieeffizienz in einen belastbaren Business Case übersetzen, dabei unterstützt Fsas Channel-Partner. Denn „für Kunden wird das Thema besonders relevant, wenn klar wird, wie sich effizientere Infrastruktur auf Stromkosten, Kühlaufwand, CO₂-Bilanz, TCO und Investitionsplanung auswirkt. Partner können Nachhaltigkeit damit nicht nur als technisches Feature, sondern als messbaren wirtschaftlichen Mehrwert positionieren“, so Wadwa. Flexible Verbrauchsmodelle wie uScale sollen die unkomplizierte Umsetzung von Effizienzprojekten ermöglichen.
Stand: 08.12.2025
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Effizienz braucht Überblick und Transparenz
Für Igor Grdic, Regional Director Central Europe bei Vertiv, beginnt Energieeffizienz mit Transparenz. Er legt den Fokus auf die umfassende Überwachung aller relevanten Energieflüsse – zwischen USV, Kühlung, PDU und den IT-Systemen selbst. Vertiv wartet hierfür mit einem Portfolio aus modernen Komponenten und intelligenten Softwarelösungen auf, das von vernetzten PDUs über fortschrittliche Thermal-Management-Systeme mit Free-Cooling-Nutzung bis hin zu hocheffizienten USV-Systemen reicht.
Igor Grdic, Regional Director Central Europe bei Vertiv „Energieeffizienz ist in unserem Portfolio lange vor der Einführung regulatorischer Zielvorgaben eine zentrale Priorität gewesen.“
Bildquelle: Vertiv
„Energieeffizienz ist in unserem Portfolio bereits lange vor der Einführung regulatorischer Zielvorgaben wie dem EnEfG eine zentrale ingenieurtechnische Priorität gewesen“, betont Grdic. PUE-Werte von 1,2 und darunter seien mit den aktuellen Lösungen bereits heute erreichbar. Bestandsrechenzentren, die ab Juli 2027 einen PUE von maximal 1,5 einhalten müssen, rät er zur frühzeitigen Analyse, um ineffiziente Komponenten zu identifizieren, zu modernisieren und durch ein fortschrittliches Monitoringsystem die Gesamteffizienz weiter zu verbessern.
USV als Effizienzfaktor
Während die Diskussion um Energieeffizienz meist bei Servern und Kühlung beginnt, richtet Andreas Bichlmeir, Vorstand der Online USV-Systeme AG, seinen Blick auf die unterbrechungsfreie Stromversorgung. „Wer die USV ignoriert, wird den PUE-Zielwert verfehlen“, betont er. Die Antwort des Unternehmens ist die DPT-Technologie, standardmäßig ohne Aufpreis in allen ZINTO- und XANTO-Anlagen aktiv. Sie verspricht bis zu 38 Prozent mehr Ausgangsleistung bei gleichem Energieeinsatz und einen zertifizierten Wirkungsgrad von bis zu 99 Prozent im Eco-Mode. Ältere Anlagen kommen dagegen oft nur auf 90 bis 94 Prozent und verschenken damit unbemerkt PUE-Punkte.
Andreas Bichlmeir, Vorstand bei Online USV-Systeme „Effizienz verkauft sich, sobald man sie in Euro ausdrückt.“
Bildquelle: Online USV-Systeme
Den größten ungenutzten Markt sieht Bichlmeir im Bestand. Rund 90 Prozent der installierten USV-Anlagen in Deutschland sind älter als zehn Jahre. Dabei würde ein Komplettaustausch den Wirkungsgrad signifikant steigern und sich in vielen Fällen innerhalb weniger Jahre auszahlen. Partnern bzw. dem Channel schreibt er dabei eine essenzielle Rolle zu. „Ein Partner, der dem Kunden zeigt, wie sich eine neue USV in zwei bis drei Jahren amortisiert, verkauft kein Feature – er liefert eine belastbare Investitionsentscheidung“, so Bichlmeir.
KI als Problem und als Teil der Lösung
Der enorme Strombedarf der KI kann also durchaus als Chance verstanden werden und als Argument, Energieeffizienz aktiv in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Und KI kann ebenso Teil der Lösung sein. „Ohne intelligente Steuerung sind Energieziele kaum erreichbar“, bezieht Hernik klar Stellung. Auch Grdic betont die Rolle der KI: „Der Einsatz erneuerbarer Energiequellen und Batterie-Energiespeichersystemen wäre ohne KI-gestütztes Energie- und Lastmanagement kaum sinnvoll realisierbar.“ Besonders hebt er KI-gestützte 3D-Digital-Twin-Simulationen hervor, die bereits in der Planungsphase von Rechenzentren schnelle Implementierung und tiefe Optimierung ermöglichen. Bichlmeir sieht das ähnlich: „KI-gestütztes Energiemanagement und intelligente Laststeuerung sind echte Hebel für die Zukunft. Kurzfristig aber entscheidet die Infrastruktur.“ Das Zusammenspiel der Komponenten und des Gesamtsystems ist entscheidend. Auch Wadwa ist überzeugt, dass KI Teil der Lösung sein kann, „wenn sie Infrastruktur intelligenter steuert, Lasten besser verteilt und Energie dort einspart, wo sie heute ineffizient genutzt wird. Der Mehrwert liegt vor allem in mehr Transparenz, präziserer Steuerung und effizienterer Nutzung vorhandener Ressourcen.“
Trotz positiver Auswirkungen, erkennt Dümig bei der KI-Nutzung für mehr Effizienz aber noch ungenutztes Potenzial. Dell bietet beispielsweise mit AIOps eine Lösung, die Betriebsdaten analysiert, Anomalien erkennt und Optimierungspotenziale aufzeigt. Diese werde laut Dümig jedoch noch zu selten genutzt. „Viele Unternehmen konzentrieren sich zunächst auf den Aufbau ihrer KI-Infrastruktur. Die Nutzung von KI zur Optimierung des eigenen IT-Betriebs kommt dagegen zu kurz“, erklärt der Dell-Manager.
Und was ebenso zu kurz kommt, ist auch „die unbequeme Wahrheit“, wie es Hernik formuliert. „Ein großer Teil der installierten IT-Infrastruktur ist energetisch nicht mehr zeitgemäß“, sagt die Channel-Chefin und appelliert an die Betreiber: „Wer jetzt modernisiert, modular, skalierbar und softwaredefiniert, kann nicht nur PUE-Vorgaben erfüllen, sondern Effizienz als echten Wettbewerbsvorteil nutzen.”