Quartalszahlen: 9-Monats-Bericht All for One kämpft mit Sparprogramm und Übernahmeplänen

Von Agnes Panjas 4 min Lesedauer

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All for One meldet für die ersten neun Monate 2025/26 einen zwar stabilen Umsatz, ohne den Zukauf der Apsolut Group fiele dieser geringer aus. Ein Sparprogramm drückt das operative Ergebnis ins Minus. Zudem steht eine Übernahme durch Vinci Energies im Raum.

Die aktuellen Quartalszahlen der All for One Group zeigen, dass das Marktumfeld herausfordernd bleibt.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Die aktuellen Quartalszahlen der All for One Group zeigen, dass das Marktumfeld herausfordernd bleibt.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Der SAP-Spezialist All for One Group meldet in den aktuellen Quartalszahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 einen Umsatz von 379,6 Millionen Euro. Das entspricht in etwa dem Vorjahresniveau (Quartalszahlen für 9 Monate im Jahr 2024/2025 lagen bei 380,4 Millionen Euro). Bei genauerem Hinsehen wird jedoch klar: Ohne die im März 2026 übernommene Apsolut Group, die bereits rund 14,2 Millionen Euro zum Umsatz beisteuerte, wäre der Umsatz gesunken. Das eigentliche Geschäft schrumpfte also leicht – die Zukäufe kaschierten diesen Effekt.

Warum das Geschäft schwächelt

Der Vorstand der All for One Group SE hat die am 7. Mai 2026 angepasste Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26 bestätigt. Nach Angaben des Vorstands liegen die wesentlichen Gründe für die Anpassung in der anhaltend hohen wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheit – insbesondere aufgrund der Krise im Iran und in der GCC-Region – sowie in strukturellen Veränderungen der IT-Branche. Viele Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück und verschieben IT-Projekte, was besonders das Beratungsgeschäft von All for One trifft, da die Auslastung sank. Dank der neu hinzugekommenen Apsolut-Umsätze konnte der Beratungsbereich insgesamt noch um 2 Prozent zulegen. Deutlich schlechter lief es dagegen im Software- und Support-Geschäft, das um 8 Prozent einbrach.

Im März 2026 erwarb All for One sämtliche Anteile an der Apsolut Group. Durch den Zusammenschluss mit diesem SAP-Procurement-Spezialisten möchte All for One sein Leistungsspektrum erweitern und seine internationale Präsenz in Europa und Indien stärken. Die Integration soll Synergien und Skaleneffekte ermöglichen, ist jedoch mit Einmalaufwendungen verbunden.

Positive Signale: Zuwachs bei Abo-Geschäft und Cloud

Positiv heben sich dennoch zwei Bereiche ab: Die wiederkehrenden Umsätze – also Erlöse aus langfristigen Verträgen wie Wartung oder Abonnements, die für Planungssicherheit sorgen – wuchsen leicht auf 201,0 Millionen Euro und machen inzwischen mehr als die Hälfte (53 %) des Gesamtumsatzes aus. Auch das Cloud- und Servicegeschäft entwickelte sich mit einem Plus von 4 Prozent auf 115,6 Millionen Euro weiter erfreulich. Beide Trends würden zeigen, dass sich All for One zunehmend in Richtung eines planbareren, abo-ähnlichen Geschäftsmodells entwickelt – weg vom klassischen, konjunkturabhängigen Projektgeschäft.

Verlust durch Sparprogramm – operativ bleibt All for One profitabel

Deutlich dramatischer als beim Umsatz fällt der Blick auf die Ertragslage aus: Das operative Ergebnis (bereinigtes EBIT vor M&A-Effekten) rutschte auf minus 9,3 Millionen Euro – nach einem Gewinn von 17,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Auch die Marge kippte von plus 4,6 auf minus 2,4 Prozent.

Hauptursache seien jedoch keine operativen Probleme im eigentlichen Sinne, sondern hohe Einmalkosten für das im Mai 2026 gestartete Sparprogramm „Precision“, mit dem sich das Unternehmen für die Zukunft wettbewerbsfähiger aufstellen will. Das Programm „Precision“ ist darauf ausgelegt, die jährlichen Aufwendungen von All for One ab Herbst 2026 um rund 20 Millionen Euro pro Jahr zu senken. Unter der Annahme unveränderter Marktbedingungen soll dies in den kommenden Geschäftsjahren zu einer deutlichen Steigerung der operativen Margen führen.

Rechnet man diese Einmaleffekte heraus, ergibt sich ein deutlich freundlicheres Bild: Das bereinigte EBIT liegt bei plus 10,9 Millionen Euro, die bereinigte Marge bei plus 2,9 Prozent. Das operative Geschäft ist also nach wie vor profitabel – die roten Zahlen sind vor allem das Ergebnis bewusst in Kauf genommener Übergangskosten, die sich mittelfristig auszahlen sollen.

Grundlage der Quartalszahlen

Diese Quartalsmitteilung wurde in Übereinstimmung mit den International Financial Reporting Standards (IFRS), wie sie vom International Accounting Standards Board (IASB) herausgegeben werden, sowie gemäß § 53 der Börsenordnung der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) erstellt. Die Quartalsmitteilung unterliegt keiner Prüfungspflicht und wurde weder geprüft noch einer prüferischen Durchsicht unterzogen. Link hier

All for One hält an Wachstumsstrategie fest

All for One setzt seine Transformation zu einem international ausgerichteten SAP-Service- und Beratungsunternehmen fort. Das neue Betriebsmodell, die „Land-and-Expand“-Strategie sowie der Ausbau des Produktgeschäfts unter der Marke „Blue-Zone“ sollen die Grundlage für skalierbares Wachstum legen. Die Strategie soll durch weitere Internationalisierung, den Ausbau der X-Shore-Standorte sowie gezielte Akquisitionen unterstützt werden.

Übernahmeangebot von Vinci Energies

Am 16. Juli 2026 hat All for One eine Vereinbarung mit Vinci Energies über eine geplante Übernahme unterzeichnet. Der französische Infrastruktur- und Energiekonzern bietet 67,50 Euro pro Aktie – ein Aufschlag von rund 95 Prozent auf den letzten Börsenkurs vor Bekanntgabe.

Mit dem Zusammenschluss will All for One seine internationale Aufstellung stärken und über die IT-Marke Axians von Vinci Energies Zugang zu einer breiteren europäischen Kundenbasis erhalten. Die Kompetenzen beider Unternehmen in SAP, Cloud, KI und Cybersicherheit sollen sich ergänzen. Laut der Zusammenschlussvereinbarung bleibt die operative Eigenständigkeit vorerst gewahrt. Bis zum 1. Januar 2029 wird kein Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag geschlossen. Zudem bleibt der Standort Filderstadt gesichert.

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Der Deal steht derzeit noch unter Vorbehalt: Es braucht die Zustimmung der Kartellbehörden sowie mindestens eine Annahmequote von 75 Prozent durch die Aktionäre. Der Abschluss wird für das vierte Quartal 2025/26 erwartet. Danach könnte ein Rückzug der All-for-One-Aktie von der Börse geprüft werden.

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