Studie des Fraunhofer ISI Datenschutz macht Europa wettbewerbsfähiger

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Weniger Datenschutz bringt nicht automatisch mehr Innovation: Eine Studie sieht in hohen Datenschutzstandards vielmehr einen Wettbewerbsvorteil für Europa. Vor allem vertrauenswürdige Technologien könnten zum Qualitätsmerkmal werden.

Datenschutz als Standortvorteil: Einer Studie zufolge können hohe Datenschutzstandards und vertrauenswürdige Technologien Europas Wettbewerbsfähigkeit stärken.(Bild:  ChatGPT / KI-generiert)
Datenschutz als Standortvorteil: Einer Studie zufolge können hohe Datenschutzstandards und vertrauenswürdige Technologien Europas Wettbewerbsfähigkeit stärken.
(Bild: ChatGPT / KI-generiert)

Ein Abbau von Datenschutzstandards ist nach Ansicht von Wissenschaftlern kein geeignetes Mittel, um Europas Wettbewerbsfähigkeit in der digitalen Wirtschaft zu stärken. Zu diesem Schluss kommt ein Grundsatzpapier des Projekts „Plattform Privatheit“, das unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und der Universität Kassel erarbeitet wurde. Statt auf pauschale Deregulierung zu setzen, müsse Europa seine wirtschaftliche Zukunft vielmehr auf datenschutzfreundliche Technologien, Digitale Souveränität und vertrauenswürdige Innovationen aufbauen.

Die weit verbreitete Annahme „weniger Datenschutz bedeutet mehr Innovation“ sei empirisch nicht haltbar, betonen die Autoren um Michael Friedewald vom Fraunhofer ISI und Alexander Roßnagel, Hessens Beauftragten für Datenschutz und Professor an der Universität Kassel. Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sei keineswegs die zentrale Ursache für Innovationshemmnisse. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass die Regulierung nicht zu einem generellen Einbruch bei Neuerungen geführt habe.

Probleme bei kleinen Firmen und Bürokratie

Gleichwohl benennt das Papier spürbare Herausforderungen: Während große Digitalkonzerne die regulatorischen Anpassungen meist gut bewältigen könnten, litten vor allem Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unter bürokratischem Aufwand und Rechtsunsicherheit. Diese Schieflage müsse durch gezielte Entlastungen korrigiert werden. Die Forscher schlagen vor, Pflichten künftig strikt am tatsächlichen Verarbeitungsrisiko auszurichten und vermehrt Hersteller von Standardsoftware in die Pflicht zu nehmen.

Zudem gelte bei Künstlicher Intelligenz (KI) und datengetriebenen Geschäftsmodellen nicht das Prinzip der reinen Datenmaximierung. Entscheidend für unternehmerischen Erfolg seien vielmehr Datenqualität, Passgenauigkeit und die Exklusivität von Trainingsdaten.

Datenschutz als Qualitätsmerkmal „Made in Europe“

Die Autoren warnen davor, europäische Grundrechte und Innovationspolitik gegeneinander auszuspielen. Insbesondere in sensiblen Bereichen wie dem Gesundheitswesen, bei Finanzdienstleistungen oder in der Verwaltung könne ein verlässlicher Datenschutz zum entscheidenden Wettbewerbs- und Vertrauensvorteil werden.

Um die Lücke zu den USA und China nicht weiter anwachsen zu lassen, empfiehlt die „Plattform Privatheit“ unter anderem die gezielte Förderung dateneffizienter KI-Verfahren, den Ausbau von Reallaboren zur risikofreien Erprobung sowie mehr Rechtssicherheit für die Forschung. So könne Grundrechtskonformität künftig zu einem international anerkannten Qualitätsmerkmal europäischer Digitaltechnologie werden.

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