KI-Wettrennen KI-Investitionen: USA hängen Deutschland deutlich ab

Von Agnes Panjas 4 min Lesedauer

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US-Industrieunternehmen investieren laut einer Studie der Managementberatung Horváth 2026 im Schnitt 2,9 Prozent ihres Umsatzes, deutsche Firmen nur 0,6 Prozent. Damit investieren US-Unternehmen fast fünfmal so viel in KI wie deutsche Firmen.

„Der fast fünffache Investitionsabstand ist ein deutliches Warnsignal für den Industriestandort Deutschland“, sagt Dr. Matthias Emler, Partner bei der Managementberatung Horváth. (Bild:  Gemini / KI-generiert)
„Der fast fünffache Investitionsabstand ist ein deutliches Warnsignal für den Industriestandort Deutschland“, sagt Dr. Matthias Emler, Partner bei der Managementberatung Horváth.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Bei den Investitionen in Künstliche Intelligenz droht die deutsche Industrie gegenüber den USA deutlich zurückzufallen. US-amerikanische Industrieunternehmen investieren im Jahr 2026 durchschnittlich 2,9 Prozent ihres Umsatzes in KI. Bei deutschen Industrieunternehmen sind es lediglich 0,6 Prozent. Damit liegt die Investitionsquote in den USA fast fünfmal so hoch wie in Deutschland. Das zeigt eine Analyse der Managementberatung Horváth.

Der fast fünffache Investitionsabstand ist ein deutliches Warnsignal für den Industriestandort Deutschland.

Dr. Matthias Emler, Partner bei Horváth

Dr. Matthias Emler, Partner bei Horváth, erklärt: „Zwar erhöhen neun von zehn deutsche Unternehmen ihre Budgets für KI und Big Data spürbar. Die Ausgangsbasis bleibt jedoch vergleichsweise niedrig, und das Investitionstempo reicht bislang nicht aus, um mit US-amerikanischen Wettbewerbern Schritt zu halten.“

Zur Methodik der Studie:

Für die Untersuchung der KI-Investitionen wurden mehr als 1.000 Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder großer Unternehmen aus über 30 Ländern und über 15 Branchen befragt. Vier von fünf der teilnehmenden Unternehmen erzielen einen Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro. Der größte Anteil der befragten Firmen stammt aus dem produzierenden Gewerbe. Die Datenerhebung wurde zum Ende des zweiten Quartals 2026 abgeschlossen.

Unzureichende Data Foundation und fehlende Skills

Der Budgetabstand zu den USA lässt sich nicht allein mit mangelnder Investitionsbereitschaft erklären. Deutsche Unternehmen stoßen bei der Umsetzung auf größere strukturelle Hürden:

  • Als größte Herausforderung der KI-Transformation wird in der Studie die Datenbasis identifiziert. Die eigene Datenbasis bewerten deutsche Unternehmen mit 3,19 von maximal 4 Punkten. In den USA liegt der entsprechende Wert bei 3,04 Punkten.
  • Auch fehlende Kompetenzen wiegen in Deutschland etwas schwerer: Deutsche Führungskräfte bewerten diese Herausforderung mit 3,14 Punkten, ihre US-amerikanischen Pendants mit 2,91 Punkten.
  • Investitions- und Softwarekosten landen dagegen sowohl in Deutschland als auch in den USA eher unten auf Rang sechs der größten Herausforderungen.

Entscheidend ist demnach nicht nur, wie viel Kapital Unternehmen zur Verfügung stellen, sondern ob sie KI-Anwendungen auf einer belastbaren Datenbasis entwickeln, in bestehende Prozesse integrieren und unternehmensweit skalieren können. „Dafür braucht es vor allem die Fähigkeit, KI organisatorisch zu verankern und die Akzeptanz bei Führungskräften und Mitarbeitenden zu sichern. Denn erst wenn KI wirklich Teil der täglichen Entscheidungen und Arbeitsabläufe wird, entsteht nachhaltiger Geschäftswert“, sagt Horváth-Experte Emler.

Dienstleistungssektor zieht der Industrie davon

Auch beim Vergleich der Wirtschaftssektoren, in denen KI eingesetzt wird, zeigt sich ein deutlicher Abstand: Industrieunternehmen wollen ihre KI-Investitionen von durchschnittlich 0,4 Prozent ihres Umsatzes im Jahr 2025 auf 0,7 Prozent im Jahr 2027 steigern. Im Dienstleistungssektor soll die Quote im gleichen Zeitraum von 0,6 auf 2,9 Prozent wachsen. Damit investieren Dienstleistungsunternehmen deutlich dynamischer in KI als Industrieunternehmen. Ein Grund dafür liegt dabei in besser standardisierbaren, datengetriebenen Prozessen und der schnelleren Skalierbarkeit entsprechender Anwendungen.

Für die deutsche Industrie ist der Rückstand besonders relevant: Sie muss KI in komplexe Produktionsumgebungen, bestehende IT- und Maschinenlandschaften sowie internationale Lieferketten integrieren. Die Umsetzung ist damit häufig aufwendiger und kapitalintensiver – zugleich sind die Potenziale von industrieller KI groß. Als Beispiele können hier die automatisierte Qualitätskontrolle, intelligente Produktionsplanung, KI-gestützte Forschung und Entwicklung und vorausschauender Wartung genannt werden.

Wo KI Produktivitätsgewinne bringen soll

Die Investitionen sind generell mit hohen Erwartungen verknüpft. Über alle Branchen hinweg rechnen die Unternehmen innerhalb der kommenden drei Jahre mit zweistelligen Produktivitätssteigerungen durch KI. In IT und Digitalisierung erwarten sie durchschnittlich 14,7 Prozent, in Finance und Controlling 13,2 Prozent sowie in Vertrieb und Marketing 12,4 Prozent.

In Industrieunternehmen werden die größten Effekte in IT und Digitalisierung mit rund 14,0 Prozent sowie in Finance und Controlling mit rund 13,2 Prozent erwartet. In den operativen Prozessen prognostizieren die befragten Industrieunternehmen ein Plus von rund 12,1 Prozent. Dienstleistungsunternehmen erwarten in Vertrieb und Marketing einen Zuwachs von rund 15,4 Prozent, in IT und Digitalisierung rund 15,5 Prozent und in operativen Prozessen rund 8,8 Prozent.

KI-Einsatz wächst, doch die Skalierung stockt

Beim KI-Reifegrad haben die Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr Fortschritte erzielt. Am weitesten fortgeschritten ist der Einsatz in operativen und administrativen Prozessen. Deutlich geringer ist die Reife bei Managemententscheidungen, innovativen Produkt- und Serviceangeboten sowie durchgängigen End-to-End-Prozessen. Vollständig integrierte Anwendungen bleiben in nahezu allen untersuchten Bereichen die Ausnahme.

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Der fehlende Reifegrad betrifft auch besonders die Industrie. Viele produzierende Unternehmen haben zwar einen strukturierten Ansatz entwickelt oder einzelne Anwendungen implementiert. Eine unternehmensweite Skalierung findet jedoch weiterhin selten statt. Der geringe Anteil vollständig integrierter Lösungen steht damit in deutlichem Kontrast zu den erwarteten Produktivitätsgewinnen und dem Investitionstempo der US-amerikanischen Wettbewerber.

„Der Vergleich zwischen Deutschland und den USA zeigt eine doppelte Herausforderung: Deutsche Unternehmen investieren erheblich weniger, tun sich aber gleichzeitig schwerer mit Technologiezugang, Kompetenzen und organisatorischer Integration. Um den Rückstand aufzuholen, müssen sie ihre Budgets erhöhen, Investitionen stärker bündeln und KI konsequent vom wirtschaftlichen Ergebnis her steuern – aber eben auch unternehmerisch und mutig in die Umsetzung kommen“, so Emler. Weiter warnt er: „Wer auf den perfekten Zeitpunkt wartet, verliert den Anschluss.“

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