Channel Fokus: Refurbishing & Remarketing Ein zweites Leben für IT-Produkte

Autor: Ann-Marie Struck

Das Designerkleid oder Kinderfahrrad gebraucht im Internet kaufen: Second Hand ist oft nicht nur günstiger, sondern auch nachhaltig. Ähnlich verhält es sich mit gebrauchter Hard- und Software. Die Nachfrage nach Refurbishing- und Remarketing-Lösungen steigt.

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Mit unserem IT-BUSINESS Panel sammeln wir Meinungen, Wünsche und Einschätzungen aus dem ITK-Channel zu aktuellen Branchen-Themen.
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(Bild: apinan - stock.adobe.com)

Plastikmüll, Papier und Glas werden regelmäßig recycelt. Elektroschrott verweilt ­jedoch bei vielen Verbrauchern noch Jahre in der Wohnung. So auch alte Handys. ­Einer Studie des Bitkom zufolge haben 57 Prozent der Verbraucher mehr als drei ausrangierte Handys zuhause. Folglich bewahren die Bundesbürger rund 206 Millionen Alt-Geräte in ihren eigenen vier Wänden auf. Immerhin haben 67 Prozent der ­Befragten bereits ein Alt-Handy schon einmal entsorgt, verkauft oder weggegeben. Als Hauptgrund für das Horten von alten Handys nennen 45 Prozent der Befragten, dass sie Angst haben, die Daten könnten ­gestohlen werden.

Das sieht in Unternehmen leider nicht ­anders aus, denn in vielen Firmen stapeln sich in den Kellern ausgemusterte Geräte vom Notebook bis zum kompletten Server oder Storage-System. Und der Grund ­dafür: Viele IT-Verantwortliche wissen nicht, wie sie die Daten auf den Geräten sicher ­löschen können. Deshalb werden auch häufig alte, jedoch noch funktionsfähige Geräte, zerstört, um damit die Vernichtung der Daten zu belegen. Das produziert nicht nur ­unnötig Elektromüll, sondern ist auch ­wenig lukrativ.

Das Geschäft mit gebrauchter Hardware

Denn Systemhäuser können mit gebrauchten Produkte sogar noch Geld verdienen. Insbesondere mit gebrauchter Software, denn sie wird durch Klicks nicht abgenutzt, und der Weiterverkauf von Lizenzen schont definitiv den Geldbeutel. Des Weiteren ist die Aufbereitung und Wiedervermarktung gebrauchter Business-Geräte nicht nur ein gutes Geschäft, sondern tut auch der Umwelt gut. Und Nachhaltigkeit liegt im Trend, wie die Ergebnisse des IT-BUSINESS-Panels zeigen. Vor allem bei den Endkunden ist die Nachfrage nach gebrauchter Hard- und Software gestiegen. 85 Prozent der befragten ITK-Fachhändler und auch 89 Prozent der Remarketing-Anbieter und ihre Distributoren bestätigen eine erhöhte Nachfrage nach aufbereiteter IT bei ihren Kunden ­sowie Partnern.

Demnach ist es nicht verwunderlich, dass Refurbishing- und Remarketing-Lösungen eine Rolle im Portfolio der Fachhändler spielen. Für 80 Prozent der ITK-Fachhändler und Systemintegratoren ist aufberei­tete Hardware sowie gebrauchte Software „wichtig“ für ihr Portfolio. Davon bewerten es 42 Prozent sogar als „sehr wichtig“.

Das Konzept entscheidet

Bei der Frage, welche Bereiche das Remarketing-Konzept der befragten ITK-Fachhändler und Systemintegratoren umfasst, steht der Verkauf von aufbereiteter Hardware von Refurbishing-Anbietern auf Platz eins (65 %). 59 Prozent der Befragten bereiten gebrauchte Hardware im eigenen Haus auf und verkaufen sie dann weiter. Knapp die Hälfte der Partner (48 % ) entsorgt gebrauchte Hardware für das Recycling. Nur 36 Prozent der Umfrageteilnehmer verkaufen gebrauchte Software von Remarketing-Anbietern und weitere 26 Prozent verkaufen gebrauchte Hardware an Remarketing-Dienstleister weiter. Das ­Geschäft mit gebrauchten Software-Lizenzen scheint noch nicht zu boomen, denn nur 21 Prozent verkaufen diese selbstständig und 20 Prozent an Gebraucht-Software-Händler weiter.

Vielfältiges Angebot

Die Palette an aufbereiteten und hergerichteten IT-Produkten ist groß, jedoch machen die Channel-Akteure das meiste Geschäft mit Hardware. Den ersten Platz der Umfrageteilnehmer belegen aufbereitete Notebooks (ITK-Fachhändler / Systemintegratoren 73 %; Distributoren / Remarketing-Anbieter 78 %). Den zweiten Platz der Partner bekommen mit 60 Prozent aufbereitete Desktop-PCs. Mit 66 Prozent Platz vier der Distributoren / Remarketing-Anbieter. Ihre Nummer zwei im Portfolio sind aufbereitete Workstations, die 51 Prozent der Partner ebenfalls anbieten. Auf Platz drei bei den Partnern (76 %) stehen aufbereitete Monitore (Distributoren / Remarketing-Anbieter 49 %), gefolgt von Desktop-PCs (66 %). Gebrauchte Windows-Lizenzen (Partner 46 %; Distributoren / Remarketing-Anbieter 33 %) sowie Applikations-Lizenzen (32 %; 11 %) werden hingegen weniger verkauft.

Es kommt auf den Kanal an

Hardware aufzubereiten ist eine Sache, doch wie bekommt man die gebrauchten Produkte wieder an den Mann? Auf Platz eins der Vertriebskanäle für aufbereitete Hardware oder gebrauchte Software-Lizenzen steht bei 55 Prozent der befragten IT-Remarketing-Anbieter und Distributoren der Direktvertrieb. E-Tailer und Retailer belegen mit 44 Prozent einen geteilten zweiten Platz. Nur 33 Prozent der Befragten vertreiben über den IT-Fachhandel und weitere 11 Prozent über IT-Systemhäuser.

Weitere Ergebnisse des IT-BUSINESS-Panels finden Sie in der Bildergalerie:

IT-BUSINESS-Panel 2021: Refurbishing & Remarketing
Bildergalerie mit 7 Bildern

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Über den Autor

 Ann-Marie Struck

Ann-Marie Struck

Redakteurin, Vogel IT-Medien