Unter dem Titel „Hyperscaler on the Spot“ moderiert Daniel Hagemeier auf dem Hosting & Service Provider (HSP) Summit 2018 die Präsentation von Alibaba, AWS und Microsoft. Der Hosting-Unternehmer sieht die Public-Cloud-Riesen als die großen Gewinner der Digitalisierung an.
Die großen Public-Cloud-Provider partizipieren in zweifacher Hinsicht an der Digitalisierungswelle.
ITB: Wie haben die Hyperscaler den Hosting-Markt in den vergangenen Jahren verändert?
Hagemeier: Die wesentliche Veränderung hat sich auf Nachfrageseite vollzogen. Mittlerweile ist die Digitalisierung überall, auch im Mittelstand und bei Kleinunternehmen, angekommen. Das hat Implikationen auf den Hosting-Markt. War es traditionell das Kerngeschäft der Hoster, die Services bereitzustellen, die den digitalen Touchpoint von Unternehmen bilden – also Websites, Domains, E-Mail et cetera – so geht es heute um weit mehr: Die Digitalisierung der Geschäftsprozesse erfordert viel mehr Cloud-Dienste – sowohl auf der Ebene der Infrastruktur als auch bei den Anwendungen. Und die Erkenntnis, dass digitalisierte Unternehmen erfolgreicher sind als nicht-digitalisierte, erzeugt einen immensen Bedarf, der vor allem das Wachstum der Hyperscaler treibt.
Daniel Hagemeier, CEO der Dogado-Gruppe, sieht Hyperscaler als potenzielle Partner für Hoster an.
(Bild: Dogado)
ITB: Warum profitieren gerade die Hyperscaler von dieser Entwicklung?
Hagemeier: Sie partizipieren in zweifacher Weise am Markt. Hyperscaler stellen zum einen Infrastruktur für Endkunden bereit. Zum anderen liefern sie auch die Plattformen, auf denen Software-Anbieter die Anwendungen als Service bereitstellen, die die Unternehmen wiederum zur Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategien benötigen. Deshalb „hyper-skalieren“ AWS, Azure, Google und Alibaba, weil sie doppelt vom Marktbedarf profitieren.
ITB: Welche Strategien haben Hoster entwickelt, um auf diese übermächtige Konkurrenz zu reagieren?
Hagemeier: Im Wesentlichen lassen sich drei Gruppen unterscheiden. Einige fokussieren sich ganz auf den digitalen Touchpoint und optimieren ihre entsprechenden Angebote immer weiter. Paradebeispiele dafür sind GoDaddy oder Wix.com. Andere zielen darauf ab, Kunden zunehmend auf der Anwendungsseite zu unterstützten. Strato hat beispielsweise erst kürzlich das Produkt „Online-Buchhaltung“ zur Unterstützung kleiner Unternehmen bereitgestellt. Auch wir bei Dogado helfen unseren Kunden bei der Digitalisierung. So stellen wir in Kooperation mit Reisswolf ein Online-Tool für kleine Unternehmen bereit, mit dem sich sämtliche Papierdokumente inklusive eingehender Briefpost endlich digital verwalten und gesetzeskonform archivieren lassen. Beide Strategien laufen auf eine Spezialisierung hinaus, weil die Hoster erkannt haben, dass sie in puncto Angebotsbreite und Skalierung unmöglich mit den Hyperscalern konkurrieren können. Die dritte Gruppe bilden Provider, die sich nicht weiterentwickeln und im klassischen Webhosting-, Virtual-Private-Server- und Domain-Modell verharren.
Zur Person
Daniel Hagemeier ist Geschäftsführer beim Dortmunder Hoster Dogado, zu dessen Investoren er zählt. Zuvor war der Betriebswirt als CTO beim Münsteraner Big-Data-Startup 4tree tätig, das er 2010 mitgegründet hatte und Ende 2015 an die McKinsey-Tochter Periscope verkaufte. Bis 2014 zeichnete Hagemeier in der Geschäftsleitung der Host Europe Group für Cloud-Produkte verantwortlich. Zur deutsch-britischen Gruppe kam er 2010 durch den Verkauf des Cloud-Hosting-Unternehmens Vanager, das er 2003 in Münster gegründet hatte. Neben seiner Tätigkeit als Entrepreneur und Manager initiierte Hagemeier einige IT-Zeitschriften im Verlag für die Deutsche Wirtschaft. Außerdem unterrichtet er an der Münster School of Business.
ITB: Besteht nicht eine Option für Hoster, ihr Geschäftsmodell zu ändern und auf die Hyperscaler auszurichten?
Hagemeier: Ja, das wäre sogar eine vielversprechende Option, zumal sich beobachten lässt, dass Unternehmen mittlerweile von einer Cloud-first- zu einer Cloud-only-Strategie übergehen. Die Hyperscaler bieten nicht nur immens viele Services an. Ihre Plattformen sind auch alles andere als selbsterklärend. Viele Anwender brauchen daher einen Partner, der die Angebote für sie übersetzt, der sie berät und ihnen hilft, Workloads auf die Infrastruktur von AWS oder Azure zu bringen und dort zu betreiben. Diese Mittlerrolle zwischen Hyperscalern und Kunden könnten Hoster durchaus übernehmen.
ITB: Sind tatsächlich schon viele Hoster zu solchen Mittlern geworden?
Hagemeier: Nein, bislang kaum. Und von den Massen-Hostern hat das meines Wissens noch gar keiner getan. Es gibt einige Ausnahmen wie Claranet, Nine Internet Solutions, PlusServer oder Rackspace, die erfolgreich in dieser Rolle agieren. Dabei handelt es sich durchweg um Managed Hoster, die sich von der Idee gelöst haben, sie müssten die Workloads ihrer Kunden selbst hosten. Sie sehen ihre Kernkompetenz nicht im Infrastrukturbetrieb, sondern im Management komplexer Umgebungen. Diese Unternehmen haben Automatisierungs-Tools sowie Administrations- und Service-Konzepte entwickelt, die sich relativ einfach auf die Public Cloud übertragen lassen.
Der HSP Summit – Inhalte, Konzept und Anmeldung
Beim HSP Summit treffen sich Führungskräfte aus der Szene der Hoster, Service Provider und Cloud-Anbieter mit Vertretern der für sie relevanten Technologie-Hersteller, um über die wesentlichen Markt- und Technologietrends zu diskutieren. Das Event findet traditionell in der Frankfurter Villa Kennedy statt, in diesem Jahr bereits zum siebten Mal in Folge. Thematisch im Vordergrund stehen die Geschäftspotenziale, die sich mit innovativen „As a Service“-Konzepten erschließen lassen. Da Cloud und Managed Services mittlerweile einen essenziellen Bestandteil des IT-Geschäft bilden, richtet sich der Summit explizit auch an Systemhäuser. Neben den Keynotes wartet das Programm in diesem Jahr mit Referenzberichten, Diskussionsrunden, Thinktanks und einem Investoren-Forum auf.
Der HSP-Summit 2018 findet am 17. / 18. Mai 2018 in Frankfurt / Main statt. Auf der Website www.hspsummit.de können Sie sich zu dem Event anmelden.
Stand: 08.12.2025
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ITB: Gehört zu den Aufgaben eines Mittlers auch die Auswahl des geeigneten Cloud-Anbieters für einen Kunden?
Hagemeier: Unbedingt! Ich sehe sogar eine große Herausforderung darin, den richtigen Cloud Provider für ein Unternehmen zu identifizieren. Denn die Hyperscaler haben unterschiedliche Profile, die es im Detail herauszuarbeiten gilt: zum einen eine Microsoft, auf deren Infrastruktur viele Corporate Workloads laufen und die intensiv daran arbeitet, dem deutschen Datenschutz und der DSGVO gerecht zu werden; zum anderen eine AWS, die durch große technologische Expertise zahlreiche Startups und Software-as-a-Service-Anbieter überzeugt hat. Interessant zu beobachten wird sein, wie sich Alibaba – als New Kid on the Block in Europa – künftig vom Wettbewerb differenziert.
ITB: Wie positionieren Sie sich mit Ihrem Hosting-Unternehmen zu den Hyperscalern?
Hagemeier: Wir bei Dogado betrachten sie als Freunde und nicht als Feinde, und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist, um eine Umgebung bei einem Hyperscaler zu bedienen, umfassendes Expertenwissen gefordert. Dafür gibt es ganze Lehrgänge. Oft bringen Unternehmen diese Expertise aber nicht mit. Dann helfen wir und betreiben auf Wunsch einen Workload auf einer solchen Plattform. Zum anderen sind Hyperscaler auch Infrastruktur-Dienstleister für uns als Hosting-Unternehmen. Wir können sie nutzen, um unsere eigenen Dienste effizient zu betreiben.