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Titelstory Cisco

Die Digitalisierung braucht neue Netze

| Autor: Michael Hase

Der Einsatz von Smart Devices in der Industrie stellt höhere Anforderungen an Performance und Sicherheit des Netzwerks.
Der Einsatz von Smart Devices in der Industrie stellt höhere Anforderungen an Performance und Sicherheit des Netzwerks. (Bild: Fraunhofer IPA, Rainer Bez)

Mit den im Juni präsentierten Neuheiten erhöht Cisco den Automatisierungsgrad des Netzwerks und macht es zu einem selbstlernenden System. Der Anbieter reagiert damit auf die gestiegenen Anforderungen, die die Digitalisierung an Netze stellt. Partner versprechen sich von Ciscos Tech­nologie-Offensive einen Schub für ihr Geschäft mit hochwertigen Lösungen.

Performance-Probleme bremsen die digitale Transformation. Zu dem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Software-Anbieters Dynatrace, der dafür weltweit 1.200 IT- und Business-Verantwortliche befragt hat. Demnach sorgt die unzuverlässige Leistung der IT nicht nur für ­Ärger bei Mitarbeitern und Kunden, sondern verzögert auch Arbeitsabläufe und be­einträchtigt so den Geschäftserfolg der Unternehmen. Die befragten IT-Manager führten diese Probleme fast unisono auf die steigende Komplexität zurück. Drei von vier gaben an, sie fühlten sich mit der Situation überfordert und hätten Mühe, ihrer Herr zu werden.

Solche Studien stimmen mit der Wahrnehmung von Cisco überein. Auch bei dem Hersteller beobachtet man, dass die steigende Anzahl von Endgeräten, die zunehmende Vernetzung von Menschen und Dingen, der vermehrte Einsatz verteilter Technologien und die wachsende Bedrohung durch Cyber-Attacken die Kom­plexität für IT-Verantwortliche und Administratoren massiv erhöht. Während diese Problematik einerseits mit der fortschreitenden Digitalisierung einhergeht, hemmt sie andererseits die Entwicklung und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle, die auf eine reibungslos funktionierende IT angewiesen sind.

Die Lösung des Dilemmas liegt für Cisco, wie könnte es anders sein, im Netz. Unter dem Label „The Network. Intuitive“ präsentierte der Hersteller im Juni ein Bündel an Neuheiten, die für einen höheren Automatisierungsgrad und für mehr Transparenz der Datenströme sorgen sollen. So lassen sich beispielsweise die neuen Management-Tools von Administratoren intuitiv bedienen. Zu den Neuheiten zählen auch selbstlernende Mechanismen, die die Absichten von Nutzern verstehen sollen, um Prozesse zu beschleunigen, aber auch um potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen. Darüber hinaus erweitert das intuitive Netz die Möglichkeiten für Anwender, auf Basis offener Schnittstellen individuelle Cloud-, Internet-of-Things- oder Mobility-Lösungen zu entwickeln.

Flexibilität und Kontrolle

Man dürfe nicht so tun, als ließe sich die Digitalisierung „auf den bestehenden Netzen realisieren“, betonte Oliver Tuszik, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Cisco Deutschland, Ende Juni bei der Produktankündigung. Vielmehr mache die Transformation eine andere Infrastruktur notwendig. Cisco ziele deswegen „mit dem neuen Ansatz darauf ab, die Fähigkeiten des Netzwerks an die Anforderungen der Digitalisierung anzupassen“, konkretisiert Tuszik im aktuellen Gespräch mit IT-BUSINESS (siehe Interview). Der Hersteller schaffe damit „die Flexibilität, die digitale ­Geschäftsmodelle brauchen“, und gebe zugleich den Administratoren die Kontrolle zurück.

Aufgabe des Channels ist es nun, die Neuheiten, von denen einige bereits verfügbar sind, andere bis zum Herbst auf den Markt kommen, zu den Endkunden zu tragen. Immerhin vertreibt der Anbieter seine Produkte fast ausschließlich über Partner. Nur große Carrier, die für einen Anteil von zwei, drei Prozent des Geschäfts stehen, bedient Cisco direkt.

Zur Integration der neuen Funktionen in bestehende Strukturen ebenso wie zur kompletten Erneuerung von Netzen stellt das Professional-Services-Team von Cisco eine Reihe von Beratungs-, Implementierungs- und Support-Dienstleistungen bereit. Systemhäusern bietet der Hersteller die Möglichkeit, diese Services an ihre Endkunden zu vertreiben. Außerdem können sie, darauf aufbauend, eigene ­Lösungen erstellen, die sich die Automatisierungs-, Security-und Analytics-Funktionen zunutze machen.

Programmieren statt Konfigurieren

Mit dem neuen Netz verlagert sich nach Einschätzung von Cisco die Tätigkeit der Partner künftig stärker vom Konfigurieren, das weitgehend automatisiert wird, hin zum Programmieren. Demnach könnte ein Geschäftsfeld für Systemhäuser darin liegen, für ihre Kunden spezifische Anwendungen zu entwickeln, die auf der neuen Netzwerk-Architektur basieren. Um deren Möglichkeiten dem Channel nahezubringen, bietet der Hersteller über das Cisco Learning Network verschiedene Trainings für Techniker und Entwickler an.

Die Resonanz der Partner auf die Ankündigung des intuitiven Netzes sei „extrem positiv“ ausgefallen, berichtet Tuszik. Das bestätigen Gespräche, die IT-BUSINESS mit Unternehmen aus dem Channel führte (siehe auch Interview). Mit steigender Innovationsgeschwindigkeit erhöhe sich „das Tempo, mit dem wir als Systemhaus neue Technologien bei unseren Kunden in die IT-Landschaft integrieren“, führt Stefan Schneider, Geschäftsführer bei PCO in Osnabrück, aus. Außerdem ändere sich bei Unternehmen häufiger als früher der Bedarf, der meist mit dedizierten Lösungen zu adressieren sei. „Dazu müssen wir oft Dinge ausprobieren und, wenn sie nicht gleich funktionieren, flexibel darauf reagieren“, so der IT-Profi weiter. Umso hilfreicher sei es, „wenn die darunter liegende Netzwerkstruktur einen hohen Automatisierungsgrad aufweist und sich ebenso flexibel an die Anforderungen anpassen lässt“.

Stefan Schneider, Geschäftsführer bei PCO, hält Flexibilität im Netzwerk für extrem hilfreich.
Stefan Schneider, Geschäftsführer bei PCO, hält Flexibilität im Netzwerk für extrem hilfreich. (Bild: FOTO-VIP)

Darüber hinaus schätzt Schneider an Ciscos neuem Netz die Möglichkeit, Daten am Ort ihres Entstehens zu verarbeiten – zum Beispiel in Maschinen, Fahrzeugen oder Anlagen. Cisco bezeichnet solche Szenarien als Fog Computing in Abgrenzung zur zentralen Verarbeitung in der Cloud. „Wenn es um größere Datenmengen geht, die in Echtzeit zu bewältigen sind, wie ­etwa in der Produktions- oder Verkehrssteuerung, muss das wegen möglicher Latenzen im Fog geschehen“, erläutert Schneider. In anderen Szenarien könnten auch Sicherheits- oder Wirtschaftlichkeitsgründe ­dafür sprechen, Daten lokal am „Edge“ zu verarbeiten, statt sie übers Netz in die Cloud zu schicken. „Die sinnvolle Kombination von Cloud und Fog Computing wird häufig die richtige Lösung sein.“ Dafür liefere das Cisco-Netz die technischen Voraussetzungen, mit denen sich PCO auseinandersetzen werde.

Hochintegriertes System

Ebenso wie Schneider begrüßt Christian Werner, Geschäftsführer bei Inforsacom Logicalis, den hohen Automatisierungsgrad der Technologien. „Die Komplexität in der IT nimmt dramatisch zu.“ Deshalb sei er dankbar für „jede Innovation, mit der die Komplexität wieder ein Stück weit ­reduziert wird“. Nachdem er lange bei Oracle gearbeitet habe, wisse er ein hochintegriertes System zu schätzen, betont der Systemhaus-Chef. Ein solches System liefere Cisco nämlich mit dem neuen Netz, in dem sämtliche Ressourcen und Prozesse ganzheitlich gesteuert würden.

Christian Werner, CEO bei Inforsacom Logicalis, schätzt den hohen Integrationsgrad des neuen Cisco-Netzes.
Christian Werner, CEO bei Inforsacom Logicalis, schätzt den hohen Integrationsgrad des neuen Cisco-Netzes. (Bild: Inforsacom Logicalis GmbH)

Es helfe den Kunden ebenso „wie uns als Dienstleister, wenn wir durch Automatisierung gut ausgebildete Fachleute von Basistätigkeiten entlasten“, ergänzt Werner. Statt Netzwerkprofis mit der manuellen Konfiguration von Routern und Switches zu beschäftigen, könne man ihnen höherwertige Aufgaben übertragen, wie etwa die, eine Netzarchitektur zu designen. Generell habe sich das Netzwerkgeschäft für ein Systemhaus verändert, beobachtet der Inforsacom-Logicalis-Chef. Früher habe man für den Kunden eine Infrastruktur aufgebaut. „Heute geht es zunehmend darum, dass wir den Kunden dazu beraten, was er mit seinem Netz anfängt, und dass wir ­Lösungen für ihn entwickeln, mit denen er den Business-Nutzen seiner IT erhöht.“

Den Business-Nutzen hat auch Martin Venmann, Practice Lead Comstor beim Distributor Westcon-Comstor, im Blick. Nach seiner Einschätzung schafft Cisco mit dem Software-zentrierten Modell des intuitiven Netzes neue Möglichkeiten für Partner, „aktiv den Geschäftserfolg ihrer Kunden zu unterstützen“. So bietet der Hersteller seinen Anwendern über Subskriptionen die Option, Netzwerkfunktionen per Software-Update kontinuierlich zu aktualisieren. „Der Ansatz erlaubt es Systemhäusern, ihre Kunden dauerhaft als Consultant zu begleiten und so wesentlich tiefere Beziehungen zu ihnen aufzubauen“, betont der Manager. Dabei könnten sie den Unternehmen aufzeigen, wie sich die neuen Features bestmöglich für geschäftliche Zwecke nutzen lassen. „Auf diese Weise erhöhen Partner ihre Relevanz für den Kunden.“

Comstor-Chef Martin Venmann sieht Chancen für Partner, ihre Relevanz beim Kunden zu erhöhen.
Comstor-Chef Martin Venmann sieht Chancen für Partner, ihre Relevanz beim Kunden zu erhöhen. (Bild: Comstor)

Für ebenso essenziell hält Venmann die zentralen Sicherheits-Features, mit denen Cisco das Netz ausgestattet hat. „Security wird zu einer Schlüsselkompetenz für Partner“, erwartet der Comstor-Chef. „Jedes Systemhaus, das mit Cisco zusammenarbeitet, muss sich zwingend mit der Disziplin auseinandersetzen“. Sie erfordere zwar viel Knowhow und Beratungskompetenz. Da IT heute „mehr denn je im Mittelpunkt des Geschäftserfolgs“ stehe, sei profundes Wissen darüber, wie man Netze, Systeme und Daten von Unternehmen effektiv schützt, jedoch umso wichtiger, resümiert Venmann. Schließlich sollen Security-Probleme nicht – ebenso wenig wie Performance-Probleme – zum Showstopper der Digitalisierung werden.

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