Der Charme der Webanwendung

Redakteur: Katariina Hoffmann-Remy

Viele Unternehmens-Softwarelösungen haben bis zu 30 Jahren Lebenszeit auf dem Buckel. Sie sind deshalb nicht weniger erfolgreich, doch es ist nicht zu übersehen, dass mehr und mehr Anbieter mit so genannter webbasierter Software auf den Markt kommen.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Wer mit einer webbasierten Applikation arbeitet, benötigt keinen Software-Client, sondern lediglich einen Web-Browser. Auch Anbieter traditioneller Client-Server-Anwendungen ermöglichen einen Zugriff über Web-Browser, allerdings fällt dieser in der Regel eingeschränkt aus. Die Ursache dafür liegt in den deutlichen Unterschieden in der Architektur.

portierung mit mühen

Herkömmliche Client-Server-Anwendungen lassen sich nicht ohne grundlegende Neukonzipierung zu Webanwendungen portieren. Der serviceorientierte Ansatz, wie ihn webbasierte Anwendungen bieten, unterscheidet sich so sehr vom klassischen Modell, dass eine Neuentwicklung notwendig wird. Vereinzelte Ansätze einiger Hersteller, Webclients zu bestehenden Anwendungen zu erstellen, bieten daher immer nur ausgewählte Funktionalitäten und erfordern als Parallelimplementierungen doppelte Entwicklung von Geschäftsprozessen.

früher: citrix-Ansatz

Webanwendungen basieren auf einem klaren Schichtenmodell. Die Businesslogik, die sich über der Datenzugriffsschicht befindet, ist dabei so gestaltet, dass alle Methoden als Servicedienste zur Verfügung gestellt werden können und daher keine globalen Objekte verwenden. Die Benutzeroberfläche wird auf dem Server generiert und an den Browser geschickt. Die Berechtigungs- und Sprachsteuerung erfolgt dabei zentralisiert. Der Anwender bekommt genau die Elemente, auf die er Rechte hat, und die Oberfläche wird in seiner Sprache erstellt. Unterschiedliche Installationen für verschiedene Sprachen sind also nicht nötig.

In der Vergangenheit wurde versucht, Zugriffe auf interne Anwendungen durch Terminal Server beziehungsweise Citrix-Lösungen zu ermöglichen. Vereinfacht gesagt, werden dabei klassische Client-Server-Produkte mehrfach auf einem System gestartet und die Bildschirminhalte an die User übertragen. Neben dem immensen Ressourcenverbrauch und dem hohen administrativen Aufwand ergeben sich dabei grundlegende Sicherheits- und Zugangsbeschränkungen, da für jeden Nutzer ein Windows-Account nötig ist und ein vernetztes Arbeiten mit externen Geschäftspartnern nicht möglich ist.

SOA-Architektur

Der wesentliche Gedanke der Architektur von Webanwendungen ist das serviceorientierte Modell. Alle Anwendungsfunktionen sind als Dienste implementiert, die als Prozess ablaufen. Ein solcher Dienst erhält Eingangsparameter, dabei unter anderem die Benutzerauthentifizierung, führt mit diesen Parametern den Prozess aus und liefert definierte Resultate zurück. Die Ressourcen des Servers werden nur in dem Zeitraum der Prozessausführung beansprucht. Während frühere Client-Server-anwendungen eine anfängliche Verbindung aufbauen, umfangreiche Objektdaten einlesen, diese über den gesamten Zeitraum der Benutzeranmeldung beibehalten und damit Ressourcen allokieren, ist es bei Webanwendungen unerheblich, wie viele Benutzer angemeldet sind. Hier ist die Anzahl der parallel angeforderten Dienste für die Serverlast ausschlaggebend.

Da die Zeiten für die Ausführung eines Dienstes deutlich kürzer sind als die Zeiten, in denen ein Anwender keine Leistung abfordert, lassen sich mit einer Webanwendung wesentlich mehr Anwender gleichzeitig auf der gleichen Hardware unterstützen als mit Client-Server-Technik. Wird folgende spekulative Zeitverteilung betrachtet, so wird das deutlich: Die Eingabe einer neuen Adresse dauert 30 Sekunden. Danach betätigt der Anwender die »Speichern«-Schaltfläche und der Service zum Ablegen in der Datenbank wird in einer halben Sekunde ausgeführt. Der User hat damit also eine tatsächliche Last von 0,5 Sekunden auf dem Server erzeugt.

Bis vor kurzer Zeit wurde mit dem Begriff »Webanwendung« oftmals die Vorstellung einer unkomfortablen, einfach strukturierten Benutzeroberfläche verbunden. In den letzten Monaten ist durch die Begriffe »AJAX« (Asynchronous Javascript and XML) und »Web 2.0« aber eine technische Möglichkeit in die allgemeine Aufmerksamkeit gerückt, die bereits seit 1999 mit dem Erscheinen des Internet Explorer 5.0 existiert.

flüssig mit ajax

Während klassische Webseiten bei jeder Interaktion komplett neu aufgebaut werden, bieten zeitgemäße Webanwendungen Oberflächen, die den Anforderungen an die Usability von Business-Applikationen gerecht werden. Durch geschickte Verteilung der Oberflächengenerierung zwischen dem Webbrowser als Client und dem Webserver als Dienstanbieter wird eine Arbeitsweise ermöglicht, die der herkömmlicher Windowsapplikationen gleicht. Der Client kommuniziert in AJAX-Anwendungen über XML-Aufrufe mit dem Server, der die gewünschten Datenpakete als Service zur Verfügung stellt. Im Browser wird mit Hilfe der Scriptsprache Javascript und einem Objektmodel (DOM, Document Object Model) aus den Dateninhalten die Oberfläche gefüllt und angepasst. Mit Hilfe von Javascript wird dabei auf Ereignisse wie Benutzereingaben oder Aktionen mit der Maus reagiert, um darauf basierende nötige Aktionen anstoßen zu können.

Vernetzt mit Geschäftspartnern

Webanwendungen bieten Daten service-orientiert an. Die Kommunikation kann mit externen Systemen und mit Lösungen des Herstellers der Anwendung erfolgen. Üblicherweise haben Hersteller webbasierter Businesslösungen auch Portale oder eBusiness-Anwendungen im Portfolio. Diese Module nutzen eine gemeinsame Datenbasis, können direkt auf die Geschäftsprozesse der Anwendung zugreifen und stellen dabei nur die Daten dar, auf die ein externer Nutzer Zugriff haben soll.

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