30 Jahre IT-BUSINESS Das Ding braucht doch keiner!

IT-Entwicklungen reichen von nützlich über unterhaltend bis hin zu fragwürdig. Für die einen sind bestimmte Hersteller Visionäre, für andere smarte Geräte lebensnotwendig, ein Dritter hielt manches für unnötig. Wir haben die Leser der IT-BUSINESS dazu befragt.

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Vor allem Smartphones sind heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch wer hätte das vor 30 Jahren gedacht?
Vor allem Smartphones sind heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch wer hätte das vor 30 Jahren gedacht?
(Bild: kues1 - stock.adobe.com)

Manche IT-Entwicklungen sind heutzutage nicht mehr wegzudenken. Wie das Internet, das im Jahr 1991 offiziell startete oder die Inbetriebnahme der ersten weltweiten digitalen Mobilfunknetze im selben Jahr. Anders geht es vielen Menschen mit scheinbar unverzichtbaren technologischen Errungenschaften wie beispielsweise einem smarten Kühlschrank. Für die einen muss der Schrank lediglich Lebensmittel kühlen. Andere erfreuen sich an den gebotenen Zusatzoptionen, wie einer Kamera im Inneren, die dem Besitzer während des Einkaufens zeigt, was sich aktuell im Kühlschrank befindet, oder Musik, die auf Wunsch abgespielt werden kann.

Absolutes Highlight: das Smartphone

2015 wählte der Langenscheidt-Verlag den Begriff „Smombie“ zum Jugendwort des Jahres.
2015 wählte der Langenscheidt-Verlag den Begriff „Smombie“ zum Jugendwort des Jahres.
(Bild: Nata Bene – stock.adobe.com)

Doch egal, ob nützlich oder eher fragwürdig, viele IT-Entwicklungen der vergangenen 30 Jahre haben unsere Leben entweder grundsätzlich verändert oder uns zumindest zum Staunen gebracht. Als revolutionär bezeichneten 96 Prozent der Teilnehmer der IT-BUSINESS Leserumfrage das Smartphone. Keine große Überraschung, denn wer kann sich heute noch ein Leben ohne vorstellen? Mittlerweile hat sich sogar der Begriff „Smombie“ etabliert. Die Wortneuschöpfung aus den Wörtern „Smartphone“ und „Zombie“ bezeichnet Menschen, die durch den ständigen Blick auf ihr Smartphone so stark abgelenkt sind, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen.

Mit 96 Prozent führt das Smartphone die Liste der revolutionären ITK-Produkte an.
Mit 96 Prozent führt das Smartphone die Liste der revolutionären ITK-Produkte an.
(Bild: IT-BUSINESS)

Mit großem Abstand und 53 Prozent folgen das Notebook, das Tablet (35 %), USB-Sticks (21 %), MP3-Player (15 %) und drahtlose Kopfhörer (8 %). Drei Prozent konnten sich sogar noch an den guten alten Disc-Man erinnern und nennen ihn als IT-Produkt, welches ihr Leben revolutioniert hat. Das erste Modell kam 1984 von Sony auf den Markt. Auch andere Entwicklungen haben in unseren Alltag Einzug gefunden, wie zum Beispiel die E-Mail: „Heute kann man schon fast sagen, dass die E-Mail eine Art ‚Grundrecht‘ ist und ein Großteil der Menschheit so selbstverständlich über eine E-Mail-Adresse verfügt, wie etwa über einen Ausweis,“ sagt Oliver Mauss, CEO bei PlusServer.

Mit 73 Prozent gehören die Smartphones als Teil der Kategorie „internetfähige mobile Endgeräte“ für die Umfrageteilnehmer zudem zu den Highlights der vergangenen 30 Jahren. Besonders begeistert sind viele der Teilnehmer von dem rasanten Aufstieg und den Produkten von Apple. „In den 90ern war Apple praktisch tot, intern zerstritten, orientierungslos, visionslos. Dann kam Steve Jobs zurück und erfand quasi aus einem Konsumer-orientierten Denken heraus neue Produkte und Anwendungsszenarien, von denen keiner geträumt hatte“, sinniert Hans Franzl, Geschäftsführer bei Brainworks. Für Thomas Steckenborn, Vorstandsmitglied bei Cema, ist das Multi-Multi-Device iPhone sogar wichtiger als der Kühlschrank.

Als ich zum ersten Mal dieses Apple Handy gesehen habe, habe ich vermutlich in mein Blackberry Handy getippt, dass dieses ‚Ding‘ kein Mensch braucht.

Karl Trautmann, geschäftsführender Direktor bei ElectronicPartner

Internet-Suchmaschinen folgen mit 60 Prozent. Wer sich über den Plural wundert: Es gibt neben Google auch einige weitere bekannte Anbieter wie Bing oder Yahoo! oder Alternativen mit teils kuriosen Namen, wie DuckDuckGo, WolframAlpha oder Qwant. Wobei diese Anbieter gegen den Giganten, den es bereits seit 1997 gibt, kaum Chancen haben. Laut Statista war Google im Januar 2021 mit 85,86 Prozent weltweiter Marktführer. Mittlerweile ist der Anbieter zum Synonym der Internetsuche geworden. Pro Tag „googlen“ Menschen aus aller Welt insgesamt etwa drei Milliarden Mal.

Die Highlights der IT

Mal eben schnell das Ziel in das Navigationsgerät eintippen und losfahren. Klassische Landkarten haben schon lange ausgedient. Seit 1995, um genau zu sein. Damals war das Global Positioning System (GPS) erstmals voll für zivile Zwecke einsatzfähig. Ursprünglich wurde GPS für das amerikanische Militär entwickelt, heute ist es in der zivilen Nutzung nicht mehr wegzudenken. Das spiegelt sich auch in der IT-BUSINESS Leserumfrage wider, in der die Hälfte der Teilnehmer die Satellitennavigation als Highlight nennen.

Zu den IT-Highlights der letzten 30 Jahre gehören für die IT-BUSINESS-Leser vor allem internetfähige mobile Endgeräte, Internet-Suchmaschinen und Satellitennavigation.
Zu den IT-Highlights der letzten 30 Jahre gehören für die IT-BUSINESS-Leser vor allem internetfähige mobile Endgeräte, Internet-Suchmaschinen und Satellitennavigation.
(Bild: IT-BUSINESS)

Alternativen zum GPS sind das russische System Glonass, das chinesische Beidou und Galileo, das von der Europäischen Union betrieben und finanziert wird. Galileo wurde im Jahr 2016 offiziell in Betrieb genommen, also erst 21 Jahre nach dem amerikanischen System. Weitere Highlights unserer Leser sind Online Banking (37 %), Künstliche Intelligenz (36 %), Online Streaming (33 %), mobile Zahlverfahren (33 %) und Cloud Computing (32 %). Rudolf Hotter, CEO bei Cancom, bezeichnet das Cloud Computing sogar als Meilenstein in der Evolution der IT. Die Schlusslichter bilden Online Shopping (30 %), biometrische Daten (20 %), Blockchain (10 %) und Aufzeichnung von Digital-TV (7 %).

Die eine technologische Neuerung, die mich auch heute noch zum Staunen bringt, gibt es nicht. Was mich vielmehr staunen lässt, ist die Tatsache, wie all diese Innovationen mittlerweile ein ganz normaler, nicht mehr wegzudenkender Teil unseres Alltags sind.

Peer Stemmler, Head of DACH bei Zoom

Speichermedien

Die Solid State Drive (SSD) ist den Lesern der IT-BUSINESS zufolge die größte Entwicklung im Bereich Speichermedien.
Die Solid State Drive (SSD) ist den Lesern der IT-BUSINESS zufolge die größte Entwicklung im Bereich Speichermedien.
(Bild: IT-BUSINESS)

Noch konkreter haben wir nach den größten Entwicklungen im Bereich Speichermedien gefragt. Auf Platz eins rangiert die Speichertechnologie SSD mit 77 Prozent, deren Geschichte bis ins Jahr 1976 reicht. Die frühen SSDs, die erste war Bulk Core von Dataram, basierten auf batteriegepufferten RAM-Modulen und waren extrem teuer. Die erste 2,5-Zoll-Flash-SSD kam 1991 von SunDisk, später SanDisk, auf den Markt. Sie hatte 20 MB und kostete circa 1.000 US-Dollar. Zu den größten SSDs der Welt gehört die ExaDrive DC100 von Nimbus Data. Dem Hersteller zufolge bietet das Flash-Laufwerk über 100 Terabyte Speicherplatz und wird nur auf Anfrage für umgerechnet rund 35.000 Euro verkauft. Mit 3,5 Zoll ist die DC100 jedoch ein Sonderfall.

Auf SSD folgen in der Beliebtheitsskala NVM Express (25 %), SAN (16 %), NAS-Appliances (15 %), Serial ATA (14 %), Serial Attached SCSI (11 %) und Object Storage (8 %). Für Sven Janssen, Director Channel Sales DACH bei Sophos, sind Speichermedien das perfekte Symbol dafür, wie sich unser Verhalten zum Austausch von Daten grundlegend verändert hat: „Beginnend bei der 1,44 MB großen Floppy Disk bis zum heutigen Gigabyte-Speicher in der Cloud oder auf USB-Sticks.“ Und Jörg Karpinski, Sales & Marketing Director Germany bei Huawei, ist sich sicher, dass dieses Wachstum dringend notwendig war: „Ohne diese Entwicklungen könnten wir in den kommenden Jahren die Menge an Daten schlichtweg nicht mehr sinnvoll und zeitnah bearbeiten.“

Smart Home

Intelligente Fernseher, Vernetzung von Heizungen und Sprachassistenten sind beliebte Smart Home Devices.
Intelligente Fernseher, Vernetzung von Heizungen und Sprachassistenten sind beliebte Smart Home Devices.
(Bild: IT-BUSINESS)

„Mein Smart Home möchte ich nicht missen“, sagt Achim Berg, Präsident des Bitkom. „Es ist keine Spielerei, sondern macht alles einfacher. Viele lästige Alltagsgänge bleiben einem erspart.“ Unter unseren Lesern sind Smart-TVs besonders beliebt (48 %). Die vernetzte Heizung und Sprachassistenten erleichtern das Leben von 36 und 32 Prozent der Umfrageteilnehmer. Noch nicht voll etabliert ist die Nutzung von automatischen Türöffnern (12 %) und smarten Kühlschränken (4 %). „Technologie schafft Verbindungen, Nähe und Zusammengehörigkeitsgefühl“, fasst Uwe Peter, General Manager bei Cisco, zusammen. „Ein Leben ohne Internet und Smartphone möchte ich nicht mehr leben.“

Weitere Ergebnisse der IT-BUSINESS Leserumfrage finden Sie in der Bildergalerie:

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Über den Autor

 Melanie Staudacher

Melanie Staudacher

Volontärin, Vogel IT-Medien GmbH