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Bildung in der digitalen Welt

| Autor: Klaus Länger, Ann-Marie Struck

An vielen Schulen ist die IT-Ausstattung im vergangenen Jahrhundert stehen geblieben.
An vielen Schulen ist die IT-Ausstattung im vergangenen Jahrhundert stehen geblieben. (Bild: rolaks - stock.adobe.com)

Wirft man einen Blick in deutsche Schulen, wird eines schnell klar: was die IT betrifft, ist hier vieles noch „old school“! Dieses Problem hat die Bundesregierung erkannt und mit dem DigitalPakt Schule eine Grundlage für die Digitalisierung des Bildungswesens geschaffen.

„Herr Müllers Zug hat Verspätung“, ist die Ansage des Vertretungslehrers in der ersten Stunde an die Klasse 8B. „Die Stunde fällt heute aus. Ihr dürft gerne etwas ­malen oder lesen!“ Falls Herr Müller seinen Kollegen noch vor Unterrichtsbeginn erreicht hat, könnte dieser eventuell einen Arbeitsauftrag an die Schüler stellen oder ein Arbeitsblatt austeilen.

In der ­Praxis passiert das aber in den seltensten Fällen. 2020 könnte es anders aussehen: Der Klassenverband holt den Klassensatz ­Tablets aus dem Schrank und loggt sich ins Schulportal ein. Herr Müller schaltet sich in das virtuelle Klassenzimmer dazu und gibt den Schülerinnen und Schülern den Arbeitsauftrag für die heutige Stunde. Rückfragen beantwortet er über den Messenger. Der Unterricht findet wie ­gewohnt satt, nur eben virtuell.

Digitaler Alltag

Eine ungewöhnliche Szene für die Schule – Alltag in Unternehmen, wo Videokonferenzen und Messenger-Dienste meist zum Tagesgeschäft dazugehören. Die ­Digitalisierung hat Einzug in unseren ­Alltag genommen, auch in den von Schülerinnen und Schüler, jedenfalls außerhalb der Schule. Immerhin verbringen sie ihre Freizeit mit Computerspielen, schauen Filme oder Serien über Video-Streaming-Dienste oder chatten mit Freunden.

Und digitale Medien bedienen können die ­Digital Natives allemal. Denn 75 Prozent der Zehn- bis Elfjährigen besitzen laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom bereits ein eigenes Smartphone. Bei älteren Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren sind es schon 95 Prozent. Und ­einen eigenen PC oder ein Notebook ­haben Ergebnissen der JIM-Studie 2018 zufolge über die Hälfte aller Zwölf- bis 19-Jährigen (Mädchen: 65 %; Jungen: 77 %).

Was die IT-Ausstattung an deutschen Schulen angeht, ist der Nachholbedarf jedoch hoch. In Schulnoten ausgedrückt, bekommen diese eine 3,8. Also gerade „ausreichend“. So das Resultat ­einer Umfrage unter 25.000 Schulen des ARD zum Thema „Zukunft Bildung“. Am schlechtesten bewerteten die befragten Schulleiter die Ausstattung mit Tablets (4,5), gefolgt von interaktiven Tafeln (4,0). Aber auch die WLAN-Abdeckung wird als „ausreichend“ (3,6) eingestuft. Zumindest erhalten die bestehenden Computer ein befriedigend (2,9).

DigitalPakt Schule

Ziel des DigitalPakts ist der flächendeckende Aufbau einer zeitgemäßen digitalen Bildungs-Infrastruktur unter dem Primat der Pädagogik. Im Fokus stehen somit die Vernetzung der Schule mit LAN und WLAN sowie die Ausstattung der Klassenräume mit interaktiven Displays oder digitalen Whiteboards. Darüber ­hinaus werden mobile Endgeräte wie ­Tablets oder Notebooks und Lernplattformen, pädagogische Kommunikations- und ­Arbeitsplattformen, Portale sowie Cloud-Angebote gefördert. Kein Geld gibt es für Smartphones sowie für den IT-Bedarf der Schulverwaltung. Laufende Kosten für Wartung und Support der IT-Ausrüstung an Schulen sind ebenfalls nicht förderfähig durch den DigitalPakt. Allerdings sieht das Programm die Entwicklung neuer Strukturen für eine professionelle Administration und Wartung vor.

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Problem: IT-Services und Wartung

Zunächst haben die 16 Bundesländer zusammen mit dem Bund jeweils einen Leitfaden entwickelt, der festschreibt, wie das Geld ausgegeben werden soll. Dann mussten die einzelnen Schulträger ihre Anträge, in denen sie beschreiben, was sie denn nun in Sachen Digitalisierung machen wollen, wieder bei ihren Landesregierungen einreichen. Dazu musste jede Schule einen Medienentwicklungsplan entwerfen.

Keine Förderung ohne Pädagogik

Technik ist kein Selbstzweck und ein Lehrmittel allein erzeugt keine gute Bildung, sei es ein Buch oder die Tafel. Das kann auch kein Whiteboard oder ein Smart-Screen. Daher gilt der Grundsatz „Keine Förderung ohne Qualifizierung und ohne pädagogisches Konzept.“ Folglich ist ein wichtiger Bestandteil des ­Medienentwicklungsplans neben einer Bestandsaufnahme der vorhandenen Technik sowie Infrastruktur, die pädagogische Zielsetzung.

Das heißt, in jedem Antrag wird erklärt, wie die digitalen Geräte pädagogisch sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden sollen. Dementsprechend darf neben der Ausstattungsplanung, dem Support- und Wartungskonzept die Lehrerfort- und -weiterbildung nicht fehlen. Denn wenn die Lehrkraft weiß, wie sie digitale Mittel sinnvoll in den Unterricht einplant, kann sich die Digitalisierung langfristig in den Schulalltag integrieren.

Ein Jahr nach Verabschiedung des DigitalPakts Schule hakt es aber noch bei der Umsetzung. Bislang haben erst zwölf Bundesländer Förderanträge bewilligt. In Hessen, dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein steht das noch aus. So das Ergebnis einer Bitkom-Umfrage bei den Kultus- und Bildungsministerien der Länder.

Schule hinkt hinterher

Eine Erklärung dafür ist das fehlende Knowhow in den Schulen. Das bestätigen auch die Ergebnisse des IT-BUSINESS-Panels. 77 Prozent der befragten ITK-Fachhändler und Systemintegratoren halten dies für die größte Schwierigkeit beim Einsatz in Schulen. Ein weiterer Grund ist, dass einige Bundesländer erst Mitte 2019 überhaupt ihre Förderrichtlinien veröffentlicht haben, ohne die keine Anträge gestellt werden können. Das Verfassen der umfangreichen und komplexen Medienentwicklungspläne hat sich damit verzögert.

Unterschiede gibt es in der Vergabepraxis. Einige Länder überlassen lassen den Schulträgern bei der Beschaffung weitgehend freie Hand, was zu unkomplizierten Ausschreibungen und einem schnellen Kauf führen kann, wenn sich Schule und Träger entsprechend darum kümmern. Andere Bundesländer schließen für Geräte wie digitale Whiteboards oder interaktive Displays Rahmenverträge mit sehr hohen Volumina ab, bei denen sich die europaweiten Ausschreibungen lange hinziehen, da es immer wieder Einsprüche von bei der Vergabe unterlegenen ­Unternehmen gibt.

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Kommentar: Bewährungsprobe für die Schul-IT

Tafel oder Whiteboard?

Beim digitalen Ersatz für die Tafeln oder herkömmliche Whiteboards haben die Schulen prinzipiell die Wahl zwischen interaktiven Displays und digitalen Whiteboards. Bei der ersten Kategorie kommen in der Regel 86-Zoll-Geräte mit Stift und Toucherkennung zum Einsatz. Hier haben etliche Hersteller Modelle im Programm, deren Software an die Anforderungen der Schulen angepasst sind.

Zudem gibt es hier eigenen App-Stores mit Lernprogrammen und eigene Cloud-Dienste. Teilweise sind die Geräte sogar mit antibakteriell beschichteten Touchscreens ausgestattet. Bei den digitalen Whiteboards werden meist Kurzdistanzprojektoren eingesetzt. Zusätzliche Sensoren erkennen hier die Stiftposition oder Touch.Gesten auf der Projektionsfläche. Displays werden oft mit herkömmlichen Tafelflügeln kombiniert, und eine Dokumentenkamera ergänzt das Ensemble. Zusätzlich sollte ein Screen-Sharing möglich sein.

Ohne Netz geht nix

Die Netzwerkinfrastruktur in Schulen muss in der Lage sein, die gleichzeitige Anmeldung mehrerer hundert Clients zu Schulbeginn zu verkraften. Zusätzlich müssen die Netze für den Unterricht, die Lehrer und die Schulverwaltung sicher voneinander getrennt sein. Für den Teil des Netzwerks, auf den die Schüler ­Zugriff haben, ist ein leistungsfähiger Contentfilter notwendig. Das WLAN sollte aus einzelnen Acess Points pro Klassenzimmer aufgebaut sein, um die nötige Bandbreite zu garantieren. Repeater oder Mesh-WLANs sollen nicht eingesetzt werden.

Client-Rechner wie Notebooks, Convertibles oder Tablets werden nur in Ausnahmefällen und bis einem Anteil von 20 Prozent der Beschaffungssumme durch den DigitalPakt gefördert. Schulen können hier nur Geld bekommen, wenn die grundlegende Infrastruktur bereits vorhanden ist. Bei den Rechnern für die Schüler gibt es in der Praxis unterschiedlichste Konzepte, die von Klassensätzen vorkonfigurierter Rechner mit zugehörigen Transport- und Ladewägen bis hin zu BYOD-Lösungen in einigen Bundesländern reichen. Damit werden allerdings einkommensschwache Familien noch ­zusätzlich belastet. Zwar soll es hier finanzielle Hilfen durch die Schulen oder Spenden finanzkräftiger Eltern geben, aber bis zu welchem Grad das funktioniert, bleibt abzuwarten.

Hard- und Software

Welche Hard und Software in den Schulen konkret eingesetzt wird und wie weit die Schule bei der Nutzung von Rechnern schon ist, hängt meist davon ab, welche Vorarbeit einzelne engagierte Lehrkräfte geleistet haben und wie weit sie durch die Schulleitung und das Lehrerkollegium unterstützt wurden.

Zudem haben auch einzelne Hersteller bereits gemeinsame Modellprojekte mit Schulen durchgeführt. Einige Firmen bieten speziell für den Einsatz im Unterricht ausgelegte Rechner an, die sich durch eine kompakte Bauform und eine robuste Bauweise vor allem für untere Klassenstufen eignen. Hier reichen auch die vergleichsweise schwachen Intel-Celeron- oder Pentium-Prozessoren aus, mit denen die Rechner ausgestattet sind, um den Kaufpreis niedrig zu halten. Generell dominieren Windows-Rechner und iPads. Die in den US-amerikanischen Schulen dominierenden Chromebooks sind dagegen in Deutschland noch kaum verbreitet.

Bei der Software ist die Bandbreite der verwendeten Lösungen riesig, was den Support nicht einfacher macht. Ein Teil der Schulen setzt auf Office 365 und Teams, auch wenn hier bisweilen Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes geäußert werden, andere auf Apple und Apps. Daneben haben auch einige PC-Hersteller und Distributoren Softwarepakete für den Einsatz in der Schule geschnürt.

Mit Moodle gibt es zudem ein Open-Source-Kursmanagement-System, das von vielen Lehrern verwendet wird. Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg haben mit Mebis beziehungsweise Paed ML eigene Cloud- und Softwarelösungen im Betrieb. Nordrhein-Westfalen hat im vergangenen Jahr die webbasierte Arbeitsplattform Logineo gestartet.

Klaus Länger
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