ISC2 Cybersecurity-Workforce-Studie Cybersecurity-Fachkräfte händeringend gesucht

Von Ira Zahorsky 4 min Lesedauer

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Der Fachkräftemangel in der Cybersicherheit wird durch den bevorstehenden Ruhestand erfahrener Experten massiv verschärft. Warum das besonders in Deutschland ein Problem ist.

Der aktuell bereits hohe Fachkräftemangel könnte sich in den kommenden Jahren noch verschlimmern. Denn durch den vermehrten Einsatz Künstlicher Intelligenz für „Junior“-Aufgaben, sägen Unternehmen an dem Ast, auf dem sie sitzen. (Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Der aktuell bereits hohe Fachkräftemangel könnte sich in den kommenden Jahren noch verschlimmern. Denn durch den vermehrten Einsatz Künstlicher Intelligenz für „Junior“-Aufgaben, sägen Unternehmen an dem Ast, auf dem sie sitzen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Das Problem des Fachkräftemangels im Bereich Cybersicherheit trifft Deutschland aus mehreren Gründen besonders hart:

  • Massiver demografischer Wandel
  • Überdurchschnittliche Schwierigkeiten bei der Personalfindung
  • Häufigere negative Konsequenzen im Unternehmensalltag durch Kompetenzdefizite

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts werden bis zum Jahr 2039 rund 13,4 Millionen Erwerbstätige in den Ruhestand gehen, was etwa 31 Prozent der derzeitigen Erwerbsbevölkerung entspricht. Dies beschleunigt bereits heute bestehende Engpässe und führt zu einem gravierenden Verlust an langjähriger Praxiserfahrung und strategischem Knowhow.

Deutsche Unternehmen haben im internationalen Vergleich ohnehin schon größere Probleme, passendes Personal zu finden. Aktuell gelingt es der Studie zufolge 43 Prozent der Unternehmen in Deutschland nicht, ausreichend qualifizierte Talente zu finden, um ihre Sicherheitsteams angemessen zu besetzen. Zum Vergleich: Der weltweite Durchschnitt liegt bei 30 Prozent. Zudem scheitert die Einstellung von Spezialisten bei 26 Prozent der Unternehmen schlichtweg an unzureichenden Budgets.

Der Mangel an Kompetenzen stellt in Deutschland bereits heute ein akutes Risiko dar. 77 Prozent der deutschen Befragten (weltweit 69 %) berichten, bereits mehrfach mit negativen Folgen durch fehlende Cybersecurity-Kompetenzen konfrontiert gewesen zu sein. Insgesamt gaben sogar 92 Prozent an, mindestens eine negative Folge durch diese Kompetenzdefizite erlebt zu haben.

KI als Lösung?

Künstliche Intelligenz (KI) spielt bei der Bewältigung des Fachkräftemangels eine ambivalente Rolle. Sie bietet einerseits wertvolle Lösungsansätze durch Effizienzsteigerungen, stellt Unternehmen aber gleichzeitig vor neue Herausforderungen bei der Kompetenzentwicklung.

KI-basierte Sicherheitswerkzeuge können die bestehenden, stark ausgelasteten Teams spürbar entlasten. So verzeichnen 56 Prozent der Cybersecurity-Teams in Deutschland einen deutlichen Produktivitätsschub nach der Einführung solcher Technologien.

Trotz dieser erheblichen Effizienzgewinne kann KI den Bedarf an qualifizierten Cybersecurity-Fachkräften nicht ersetzen. Unternehmen benötigen weiterhin erfahrene und kompetente Teams, um KI-Technologien sicher einzuführen, zu verwalten, zu steuern und deren Ergebnisse zu validieren. Der Einsatz von KI verändert somit das benötigte Fähigkeitenprofil der Mitarbeiter und zählt mittlerweile zu den gefragtesten Kompetenzen. Daraus resultiert ein klarer und wachsender Bedarf an kontinuierlicher Weiterbildung für Cybersecurity-Fachkräfte, damit diese die neuen Werkzeuge überhaupt sicher handhaben können. Darüber hinaus müssen völlig neue Risiken, die durch KI überhaupt erst entstehen, aktiv gemanagt werden.

Knowhow und Nachfolge sichern

Um den bevorstehenden Verlust von strategischem Knowhow und langjähriger Praxiserfahrung durch die Rentenwelle abzufedern, müssen Unternehmen frühzeitig handeln und konkrete Maßnahmen ergreifen. Dazu zählen:

  • Systematische Prozesse für den Wissenstransfer
  • Gezielte Nachfolgeplanung
  • Erweiterte Zugangswege und Nachwuchsförderung
  • Investitionen in strukturierte Weiterbildung

Es ist entscheidend, strukturierte Abläufe zu etablieren, bevor kritisches Expertenwissen das Unternehmen verlässt. Dazu sollte der Personalbereich proaktiv kritische Rollen, voraussichtliche Ruhestandszeitpunkte und interne Nachfolgekandidaten identifizieren. Dadurch können künftige Kapazitätsbedarfe adressiert werden, noch bevor sie zu einem operativen Risiko für das Unternehmen werden.

Um neues Personal aufzubauen, an das Wissen weitergegeben werden kann, sollten Unternehmen die Einstiegswege in die Cybersicherheit erweitern, beispielsweise durch Ausbildungsprogramme oder Praktika, und Nachwuchskräfte gezielt fördern. Solche Weiterbildungsmaßnahmen tragen dazu bei, die Fähigkeiten innerhalb der verbleibenden Belegschaft zu stabilisieren, das Risiko von Sicherheitsvorfällen zu minimieren und die operative Resilienz aufrechtzuerhalten.

Zu berücksichtigen ist auch der Shift im Berufseinstieg. 43 Prozent der Befragten über 45 Jahre weltweit kamen über einen Quereinstieg in die Branche, indem sie Cybersecurity-Aufgaben im Rahmen ihrer bereits bestehenden IT-Tätigkeiten übernommen haben. Die Generation der 21- bis 29-Jährigen nutzt zunehmend direktere Wege. In dieser Altersgruppe steigen 23 Prozent über eine gezielte Cybersecurity-Ausbildung in das Berufsfeld ein.

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Neben dem Quereinstieg aus der IT oder völlig anderen Bereichen und zielgerichteten Ausbildungsprogrammen gewinnen ebenso Praktika, Zertifizierungen, Weiterbildungen sowie das Sammeln praktischer Erfahrung in Junior-Positionen an Relevanz.

Der programmierte Kollaps

ein Kommentar von Ira Zahorsky

Die Ironie könnte kaum größer sein: Eine Technologie, die den Mangel an IT-Fachkräften reduzieren soll, könnte ihn in den kommenden Jahren dramatisch verschärfen. Künstliche Intelligenz, die Unternehmen effizienter machen soll, droht die Grundlage für den künftigen Fachkräftenachwuchs zu zerstören.
Jahrelang fungierten einfache Programmieraufgaben, Datenpflege und Junior-Entwicklerstellen als Einstiegstor in die IT-Welt. Hier sammelten Berufseinsteiger praktische Erfahrung, lernten die Arbeitsabläufe kennen und bauten Fachwissen auf. Genau diese Positionen fallen nun zunehmend der KI zum Opfer.
Wer nicht mehr als Junior einsteigen kann, wird auch niemals Senior. Diese simple Wahrheit scheint in den Chefetagen vieler Unternehmen übersehen zu werden. Man streicht Stellen und implementiert KI-Tools, spart dadurch Kosten und steigert die Effizienz. Gleichzeitig sägt man damit aber an dem Ast, auf dem man in fünf bis zehn Jahren sitzen möchte.
Mögliche Folgen: Eine überalterte IT-Belegschaft, explodierende Gehälter für die wenigen verbliebenen Experten, eine zunehmende Abhängigkeit von KI-Systemen, die niemand mehr wirklich versteht und weiterentwickeln kann – eine Branche, die ihre Innovationskraft verliert, weil ihr der Nachwuchs fehlt.
Um diese Konsequenzen abzuwenden, sollten Unternehmen Ausbildung und Nachwuchsförderung nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Investition in die eigene Zukunft sehen. Gefragt ist hier auch ein Umdenken in der Politik und den Bildungseinrichtungen. Sonst werden wir in ein paar Jahren nach Experten suchen, die es nicht gibt, weil man ihnen nie die Chance gab, welche zu werden.

Über die Studie

Die „2025 ISC2 Cybersecurity Workforce Study“ basiert auf Daten einer Online-Befragung, die im Juli und August 2025 durchgeführt wurde. Insgesamt nahmen 16.029 Cybersecurity-Fachkräfte und Entscheidungsträger aus Nordamerika, Lateinamerika, dem asiatisch-pazifischen Raum sowie Europa, dem Nahen Osten und Afrika an der Studie teil. In Deutschland wurden 515 Cybersecurity-Fachkräfte befragt.

Download der Studie (englisch)

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