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Channel Fokus: Komponenten & Peripherie Besseres Geschäft durch Homeoffice und Gaming

| Autor: Klaus Länger

Die IT-Branche profitierte bisher eher von der Covid-19-Krise. Das war auch beim Geschäft mit PC-Komponenten und Peripheriegeräten der Fall. Hier sorgten vor allem das Homeoffice vieler Angestellten und das PC-Gaming für volle Auftragsbücher.

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Das Komponenten und Peripheriegeschäft läuft inzwischen zu einem guten Teil über E-Tailer und Retail. Der IT-Fachhandel sollte diesen wachsenden Markt sich aber nicht entgehen lassen, auch wenn er durch einen harten Preiskampf ein schwieriges Terrain darstellt.
Das Komponenten und Peripheriegeschäft läuft inzwischen zu einem guten Teil über E-Tailer und Retail. Der IT-Fachhandel sollte diesen wachsenden Markt sich aber nicht entgehen lassen, auch wenn er durch einen harten Preiskampf ein schwieriges Terrain darstellt.
(Bild: Vlad Kochelaevskiy - stock.adobe.com)

Statt ins Büro zu fahren, haben die Mitarbeiter vieler Firmen in den vergangenen Monaten ihre Arbeit primär in den eigenen vier Wänden verrichtet, um sich nicht der Gefahr einer Covid-19-Ansteckung auszusetzen. Zuvor war die Arbeit im Homeoffice eher die Ausnahme als die Regel. Auch für Schülerinnen und Schüler wurde die Wohnung der Eltern plötzlich zum Klassenzimmer und der Rechner zur Basis für den Unterricht. Schnell wurde dabei klar, dass es mit der Ausstattung der heimischen Computerarbeitsplätze nicht zum Besten steht. Denn in vielen Fällen wurde ein Notebook als Arbeitsgerät genutzt oder neu angeschafft. Das ist ohne zusätzliche Peripherie zwar optimal für unterwegs, aber für permanente Büroarbeit wenig ergonomisch. Auch die für Homeoffice oder Homeschooling neu angeschafften stationären PCs benötigten neue Monitore, oder Anwender stellten fest, dass ihr alter TFT-Monitor für eine längere Arbeit am Rechner nicht mehr ausreicht. Zudem fehlte es oft an Headsets und bei Desktop-PC-Nutzern auch an Webcams für die elektronische Kommunikation.

Homeoffice sorgt für Nachfrage nach Peripheriegeräten

Laut einer Studie der GfK gab es daher in den ersten drei Märzwochen des Jahres eine rasant gestiegene Nachfrage nach ­Peripheriegeräten. Der Umsatz mit Headsets stieg um 23,2 Prozent, der mit Mäusen um 37,2 Prozent und der mit Tastaturen sogar um satte 75,8 Prozent. Für privat angeschaffte Monitore verzeichnet der Home Electronics Markt Index Deutschland (HEMIX) der Gfu im ersten Quartal 2020 ein Plus von 22 Prozent ­gegenüber dem Vorjahresquartal. Gefragt sind zunehmend Displays mit großen Diagonalen oder Widescreen-Panels. Bei Monitoren oder Docking-Stationen rücken Geräte mit USB-C-Anschluss in den Fokus der Kunden, da sie von immer mehr Notebooks genutzt werden können.

Der Markt für Webcams war im März sogar kurzfristig regelrecht leergefegt, wie Zahlen von ITscope zeigen. Inzwischen sind aber wieder genügend Geräte in der Distribution verfügbar. Generell hat sich die durch die Schließung vieler Fabriken in China ­angespannte Versorgungslage bei vielen IT-Produkten inzwischen wieder normalisiert.

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Homeoffice weiter im Trend

Für Markus Hollerbaum, Geschäftsführer bei Siewert & Kau, hat das Geschäft mit dem Homeoffice gerade erst begonnen.

Markus Hollerbaum, Managing Director bei Siewert & Kau
Markus Hollerbaum, Managing Director bei Siewert & Kau
( Bild: Siewert & Kau )

ITB: Die vermehrte Homeoffice-Nutzung wegen der Covid-19-Krise soll dem Verkauf von Peripheriegeräten einen erheblichen Schub verschafft haben. Erwarten Sie, dass der Trend anhält? Und um welche Produkte geht es?

Hollerbaum: Die Homeoffice-Thematik hat nachweislich den Absatz sprunghaft erhöht. Aktuell schwächt sich dieser Trend ab. Dennoch bleibt die Nachfrage nach wie vor auf einem hohen Niveau im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie. Viele Unternehmen und Angestellte haben das Thema Homeoffice/ Remote-Work als Vorteil für sich erkannt, und alle sind sich einig, dass diese veränderte Arbeitswelt nicht nur ein Einmaleffekt war. In der neuen Arbeitswelt angekommen zeigt sich, welche Arbeitsausstattung man benötigt, um dauerhaft effizient und ergonomisch im Homeoffice arbeiten zu können. Mit dem Start der Pandemie wurde mehr oder weniger Hals über Kopf ins Homeoffice gewechselt. Die Ausstattung für einen funktionalen Homeoffice-Arbeitsplatz wurde erst nach und nach angeschafft. Daher gehen wir davon aus, dass dieser Trend weiter anhalten wird.

ITB: Intel hat angesichts der starken Konkurrenz durch AMD die Preise gesenkt. Wie sieht denn die Nachfrage nach CPUs von AMD und Intel aus? Und wie die Liefersituation?

Hollerbaum: AMD baut weiter seine Stärke aus, sowohl im Leistungs- als auch im Preisbenchmark. Die anhaltend schwierige Supply-Situation seitens Intel hat AMD sehr durchdacht genutzt, um weitere Marktanteile für diesen bereits äußerst erfolgreichen Brand gewinnen zu können. Ein großer Anteil des CPU-Umsatzes bei Siewert & Kau wurde daher zu Gunsten von AMD verschoben. Es bleibt abzuwarten, ob Intel wieder zu seiner gewohnten Stärke im Markt finden wird oder es bei einem dauerhaften Führungswechsel im Prozessoren-Segment bleibt.

ITB: Laut unserer Umfrage unter Partnern sind SSDs für sie wichtige Umsatzbringer. Wie sieht es denn hier mit Liefersituation und Preisentwicklung aus?

Hollerbaum: Das SSD-Segment ist für Siewert & Kau ein wichtiger Teil des Komponentengeschäfts. Aufgrund der in Asien durchgeführten Corona-Maßnahmen zu Anfang des Jahres kam es zwar zu einer kurzfristigen Verknappung bei einigen Herstellern, allerdings konnten diese Auswirkungen relativ schnell wieder aufgefangen und abgemildert werden. Aktuell sehen wir hier keine größeren Einschränkungen, was die Lieferfähigkeit unserer Partner angeht. Preislich unterliegt das SSD-Segment zurzeit zwar einigen Schwankungen, wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Preise in der zweiten Jahreshälfte wieder stabilisieren bis leicht fallen werden. Vermutlich wird es hierbei weiterhin eine Tendenz zu steigenden Kapazitäten geben, da aufgrund der sinkenden Durchschnittspreise im Markt auch höhere Kapazitäten immer attraktiver werden. Generell erwarten wir im SSD-Bereich in den kommenden Wochen und Monaten eine Reihe interessanter Neuerungen und Entwicklungen, die dieses Segment auch in Zukunft zu einem spannenden und wachstumsstarken Markt machen werden.

Wie das Geschäft mit Peripheriegeräten weiterläuft, hängt natürlich von der ­weiteren wirtschaftlichen Gesamtentwicklung ab. Aber die Nachfrage nach Produkten für Remote-Arbeitsplätze dürfte weiter bestehen, da laut einer Umfrage von OnePoll für LogMeIn mit 55 Prozent mehr als die Hälfte der befragten Beschäftigten zumindest zeitweise weiter im Homeoffice arbeiten wollen. Auch die Arbeitgeber haben vielfach die Vorteile einer flexibleren Arbeitsgestaltung erkannt. Ein Problem für den IT-Fachhandel bleiben aber die vergleichsweise ­hohen Händlereinkaufspreise für viele Peripherieprodukte, die es ihnen schwer machen, im Preiskampf mit E-Tailern und Elektronik-Fachmärkten mitzuhalten und trotzdem noch akzeptable Margen zu generieren.

Trends im Komponentengeschäft

Im Komponentengeschäft gehören weiterhin SSDs zu den gefragtesten Produkten. Hier verkaufen sich sowohl SATA-SSDs im 2,5-Zoll-Format für Upgrades, als auch NVMe-SSDs im M.2-Format für neue Rechner sehr gut. Durch die starke Nachfrage nach Mainboards für AMD-Ryzen-Prozessoren wächst auch das Angebot von SSDs mit PCIe-4.0-Interface. Bei Prozessoren für Privatkunden – hier sind es vor allem Gamer und PC-Enthusiasten, die ihre PCs selbst bauen oder grundlegend aufrüsten –, ist AMD mit der aktuellen Ryzen-Generation inzwischen an ­Intel vorbeigezogen.

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CPUs und SSDs weiter gesucht

Thomas Klein, Director GCC der Tech Data, sieht beim wichtigen Thema SSD einen enormen Bedarf, der sich auf die Preise auswirken kann.

Thomas Klein, Director GCC der Tech Data
Thomas Klein, Director GCC der Tech Data
( Bild: Tech Data )

ITB: Intel hat angesichts der starken Konkurrenz durch AMD die Preise gesenkt. Wie sieht denn die Nachfrage nach CPUs von AMD und Intel aus? Und wie die Liefersituation?

Klein: Es stimmt, Intel hat die Preise für CPUs gesenkt, aber nur für Gen 9. Gen 10 ist in aller Munde, wird stark beworben, und Intel kommt kaum hinterher, den Bedarf zu decken. Fehlende Supply-Kapazitäten haben sicherlich begünstigt, dass Intel an AMD Marktanteile verloren hat. Ich denke aber auch, dass AMD durch seine aggressive Marktpolitik und dank „fast“ keiner Verfügbarkeitsthemen deutlich Druck auf Intel aufbauen konnte. Hinzu kommt noch, dass andere Hersteller, wie zum Beispiel Lenovo, HP und Dell, gewaltig Server-CPUs zukaufen, sodass für den Channel nicht so richtig viel übrigbleibt.

ITB: Laut unserer Umfrage unter Partnern sind SSDs für sie wichtige Umsatzbringer. Wie sieht es denn hier mit Liefersituation und Preisentwicklung aus?

Klein: SSD ist für unseren Bereich, die Global Computing Components (GCC) von Tech Data, ein hochaktuelles Thema. Bis auf ganz wenige Ausnahmen vertreten wir alle namhaften Hersteller. Der lange diskutierte Wechsel von HDD zu SSD scheint sich jetzt in vielen Applikationen endlich anzukündigen, jedenfalls spiegelt sich das in den Themen Verfügbarkeit und Preis wider. Einerseits gilt es seitens der Hersteller, den unglaublich großen Bedarf der Cloud-Applikationsanbieter an großen SSD-Kapazitäten zu bedienen. Andererseits ist das SSD-Geschäft natürlich auch für unsere Partner ein wichtiger Markt! Der Bedarf ist riesig, denn es wird sowohl ausgetauscht (SSD gegen HDD) als auch in Neuinstallationen verbaut. Dieser extrem hohe Bedarf löst – bei immer noch sehr guten Lieferzeiten – natürlich einen Preiskampf aus. Hier gilt es, Ruhe zu bewahren und solides, seriöses Business zu machen.

Bei den Grafikkarten dominiert im höhere Preis- und Leistungsbereich weiterhin Nvidia, vor allem nach der Vorstellung der aufgefrischten RXT-Super-Modelle.

In Gaming- oder Modding-PCs spielen Komponenten mit RGB-Beleuchtung eine wichtige Rolle.
In Gaming- oder Modding-PCs spielen Komponenten mit RGB-Beleuchtung eine wichtige Rolle.
(Bild: © chiradech - stock.adobe.com)

Bei vielen Gamern und erst recht in der Modding-Szene spielt bei Rechnern nicht nur die Leistung, sondern auch die Optik eine große Rolle. Die Gehäuse von Desktop-Gaming-PCs sind mit farbigen Beleuchtungselementen und Seitenfenstern versehen, damit man die ebenfalls farbig beleuchteten Komponenten bewundern kann. Mainboards, Grafikkarten, CPU-Kühler, Lüfter und sogar die Kühlkörper von Arbeitsspeichern sind mit RGB-LEDs bestückt, die via Software gesteuert ihre Farben wechseln. Auch Gaming-Mäuse und Keyboards warten mit immer raffinierteren Beleuchtungsoptionen auf. Die Mainboardschmieden bieten für ihre RGB-Lösungen SDKs an, die es anderen Herstellern erlauben, die Lichteffekte ihrer Produkte zu synchronisieren.

Hier läuft der Großteil des Geschäfts aber über E-Tailer, da diese Kunden in der Regel keine Beratung durch den Fachhandel benötigen. Viele IT-Fachhändler spezialisieren sich daher zunehmend auf das Produkt- und Lösungsgeschäft mit Firmenkunden.

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Kommentar: Der IT-Fachhandel ruft nach niedrigeren HEKs

Für den klassischen IT-Fachhandel, der neben kleineren Firmen auch private Endkunden bedient, spielt neben dem Verkauf von Rechnern, Serviceleistungen oder Reparaturen das Geschäft mit Peripheriegeräten eine gewichtige Rolle. Allerdings verkaufen sich viele dieser Produkte primär über den Preis. Daher können IT-Fachhändler angesichts knapper Margen kaum mithalten, selbst wenn sie nur online verkaufen. Hier können ihnen die Distributoren und Hersteller mit günstigeren Konditionen unter die Arme greifen. Eine Chance für den stationären Handel liegt in der Beratungskompetenz. Sie können unsicheren Kunden die für sie optimale Hardware empfehlen.

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