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Digitale Transformation der Finanzberichterstattung

Weichenstellung für den XBRL-Standard

| Autor / Redakteur: Dr. Stefan Grotehans / Sarah Gandorfer

Der neuen Regelung zufolge müssen ab dem kommenden Jahr alle berichtspflichtigen Unternehmen innerhalb der EU XBRL verwenden.
Der neuen Regelung zufolge müssen ab dem kommenden Jahr alle berichtspflichtigen Unternehmen innerhalb der EU XBRL verwenden. (Bild: Wrangler - stock.adobe.com)

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Zum Jahresbeginn 2020 soll es neue Leitlinien für die Unternehmensberichterstattung unter dem EU-einheitlichen elektronischen Berichtsformat geben. Konzernabschlüsse müssen in maschinenlesbarem Format vorliegen. Die Umstellung auf XBRL bringt Vorteile, die über die Erfüllung behördlicher Auflagen hinausgehen. Dazu zählen eine bessere Analyse der Daten und das einfachere Finden von Fehlern.

Die Digitalisierung in der Finanzbranche soll die automatisierte Verarbeitung von Finanzdaten erleichtern. Seit mehr als 20 Jahren schon nutzen einige Unternehmen die international akzeptierte Standardsprache für die Finanzberichterstattung, die sogenannte eXtensible Business Reporting Language, kurz XBRL. Sie basiert auf der eXtensible Markup Language (XML) des World Wide Web Consortium (W3C) und dient als gemeinsamer globaler Mechanismus für die Kommunikation und den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Geschäftssystemen. Ab 2020 soll XBRL EU-weit für die Unternehmensberichterstattung gelten.

Die Umstrukturierungen im Zuge der Digitalisierung betreffen auch das Berichtswesen für Unternehmen sowie die Rechnungslegung und Abschlussprüfung, die an die Realitäten des digitalen Zeitalters angepasst werden müssen. Am 1. Januar 2020 gibt die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) voraussichtlich neue Leitlinien für die Unternehmensberichterstattung unter dem EU-einheitlichen elektronischen Berichtsformat (ESEF) heraus. Die Europäische Kommission hat den ESMA-Entwurf bereits gebilligt, allerdings ist die Verordnung noch nicht in Kraft getreten.

Der neuen Regelung zufolge müssen ab dem kommenden Jahr alle berichtspflichtigen Unternehmen innerhalb der EU bei der Abgabe von finanziellen Abschlussberichten XBRL verwenden. Damit legt die ESMA fest, dass alle IFRS-konformen Konzernabschlüsse (International Financial Reporting Standard) in maschinenlesbarem Format vorliegen müssen.

XBRL wird vor allem für Jahresabschlussdaten verwendet. In den USA wurde der Standard schrittweise seit 2005 verpflichtend eingeführt. Mit XBRL wird ein Dokument sowohl maschinell auswertbar als auch in einem Standard-Browser lesbar. In Deutschland wird die Nutzung des freien Standards über einen Verein organisiert, zu den Mitgliedern gehören Schwergewichte wie die Deutsche Bank, DATEV oder KPMG.

Ursprünglich wurde der freie Standard XBRL für das Berichtswesen in den Bereichen Buchhaltung, Finanzen, Steuern, Risiko und Klimawandel eingeführt, wird aber auch zunehmend für das Enterprise-Datenmanagement verwendet. Eingesetzt wird XBRL z.B. vom Ausschuss für europäische Finanzdienstleistungen sowie von der BaFin.

Ziel: Bessere Data Governance

Die Gründe für die Umstellung liegen auf der Hand. Es ist undenkbar, dass im digitalen Zeitalter Unternehmensabschlussberichte weiterhin auf Papier abgegeben werden. Jahresberichte tragen wesentlich zum Verständnis der finanziellen Lage eines Unternehmens bei. Die ESMA-Regulierungsbehörden sind der Meinung, dass die Umstellung der gesamten Unternehmensberichterstattung auf ein standardisiertes digitales Format zu mehr Transparenz führen und dazu beitragen wird, Analyse, Vergleich und Verständnis von Jahresabschlussberichten für interne Beteiligte und für die Öffentlichkeit zu erleichtern.

Regulierungsbehörden haben die Notwendigkeit einer Umstellung auf die digitale Form der Finanzberichte erkannt und bemühen sich nach Kräften um die Umsetzung. Höchste Zeit, dass auch Unternehmen die Zeichen der Zeit erkennen.

Die Auswirkungen dieser Verordnung gehen jedoch über ein reines digitales Standardberichtsformat hinaus. Regulatorisch fordert ESEF von allen betroffenen Unternehmen, ihre Taxonomie, also die Struktur nachzuweisen, die zur Klassifizierung ihrer finanziellen Informationen verwendet wurde. Dies wird zu einer verbesserten Data Governance führen. Allerdings hat diese Veränderung auch einen nicht unerheblichen praktischen Nutzen. Die Einführung von XBRL als unternehmensweite Berichtssprache macht die oft mühsame und fehlerbehaftete manuelle Analyse großer Mengen von Finanzdaten in Unternehmen überflüssig.

Indem die Daten durch XBRL maschinenlesbar gemacht werden, sorgt die ESEF-Richtlinie gleichzeitig dafür, dass die Finanzdaten von mehr als 5.000 Unternehmen in der EU problemlos zwischen XML-Technologien wie zum Beispiel NoSQL-Datenbanken übertragen werden können. Laut eines Whitepaper des Financial Reporting Council erledigen bereits mehr als zwei Millionen Firmen in Großbritannien ihre steuerlichen Meldepflichten mithilfe von Inline XBRL (iXBRL), während weitere zwei Millionen iXBRL nutzen, um Buchhaltungsinformationen an das Companies House, das britische Handelsregister, weiterzugeben. Diesem Beispiel werden auch deutsche Unternehmen folgen müssen. Die Einführung des einheitlichen Berichtsformats bedeutet jedoch, dass weitaus mehr Unternehmen, darunter auch alle börsennotierten Unternehmen, ihre Buchhaltungsunterlagen in naher Zukunft per XBRL werden einreichen müssen.

Vorteile für Unternehmen

Dies ist sowohl für die EU-weite als auch für die weltweite Entwicklung der Finanzberichterstattung zukunftsweisend. Die japanische Zentralbank beispielsweise hat diese Technologie schon früh eingesetzt. Und vor Kurzem kündigte auch die Bank of England eine Machbarkeitsstudie an, mit der herausgefunden werden soll, wie XBRL dazu beitragen kann, die Kosten des Wandels zu reduzieren, Ressourceneffizienzen zu fördern sowie Tempo und Flexibilität beim Zugriff auf riesige Mengen meldepflichtiger Daten von Finanzinstitutionen zu erhöhen. Eine operationale und transaktionale NoSQL-Datenbank beispielsweise, gibt Nutzern die Möglichkeit, über eine Webanwendung auf Daten zuzugreifen und so die Komplexität von XBRL zu umgehen. Schon jetzt scheint sich abzuzeichnen, dass dadurch erhebliche Vorteile entstehen werden, was die Geschwindigkeit angeht, mit der meldepflichtige Daten importiert, gespeichert, analysiert und dargestellt werden.

Trotz dieser Umstellung auf eine standardmäßige digitale Berichterstattung könnte in vielen Unternehmen der Eindruck entstehen, dass die Verordnung noch in weiter Ferne liegt und genügend Zeit zum Handeln bleibt. Das mag für einige Organisationen eine praktikable Strategie sein, aber für die meisten Unternehmen, die die ihnen zur Verfügung stehenden Finanzdaten effektiver nutzen möchten, bringt die Umstellung auf XBRL unmittelbare Vorteile, die über die Erfüllung behördlicher Auflagen hinausgehen. Allzu oft werden nämlich Daten für die interne Berichterstattung, das Meldewesen, für Steuererklärungen und für die aufsichtsrechtliche Berichterstattung in Silos gespeichert. Dies verhindert, dass Unternehmen fundierte Entscheidungen über Unternehmensdaten als Ganzes treffen können. Mit einer NoSQL-Datenbank beispielsweise, die XBRL nutzt, können derartige Probleme jedoch umgangen werden.

Die Compliance-Abteilungen sollten den neuen ESEF-Standard als Chance auffassen, die die Digitalisierung der unternehmerischen Berichterstattung einen entscheidenden Schritt voranbringt, statt die Neuregelung der ESMA als Belastung anzusehen. Kurzum, zukunftsorientierte Unternehmen sehen in dieser Änderung eine positive Maßnahme, mit der die Datenbestände zukünftig an regulatorische Vorgaben angepasst werden. Gleichzeitig kann so sichergestellt werden, dass Daten stets sichtbar und für eine Kontextanalyse verfügbar sind.

Data Hub für mehr Agilität

Um diese datentechnischen Herausforderungen zu meistern, wird eine Datenbank benötigt, mit der alle Daten bei minimaler Unterbrechung des Geschäftsbetriebs integriert werden können. Sinnvoll ist hier ein Multi-Modell-Ansatz für Berichtslösungen, der Agilität und Flexibilität sicherstellt und gleichzeitig eine Vielzahl unterschiedlicher Abfragen und Analysen auf Grundlage derselben Datenbestände ermöglicht. Die Lösung sollte eine regulatorische Berichtsplattform bieten, die Best Practices und operative Effektivität beinhaltet und deren Umfang und Ausmaß mit dem Unternehmen mitwachsen. Ziel des Designs sollte nicht die Lösung einer einmaligen Berichtsanforderung sein. Vielmehr sollte die Möglichkeit geschaffen werden, auf neue Anforderungen relativ entspannt und kostengünstig reagieren zu können.

Viele Unternehmen haben bereits erkannt, dass es eine einfache Methode gibt, all diese Datensilos zusammenzuführen. Die Nutzung einer ODH-Lösung (Operational Data Hub) für Finanzdaten auf Basis einer flexiblen Enterprise NoSQL-Datenbank mit integrierter Google-ähnlicher Suche kann sich selbst dann auszahlen, wenn sich sowohl die gesetzlichen Anforderungen als auch die Finanzdaten immer wieder ändern. Höchste Zeit also, die Umstellung auf XBRL im kommenden Jahr in Angriff zu nehmen.

Über den Autor

Dr. Stefan Grotehans, Senior Director Solutions Engineering DACH bei MarkLogic
Dr. Stefan Grotehans, Senior Director Solutions Engineering DACH bei MarkLogic (Bild: all images copyright daniel gaines)

Nach seiner Promotion in Theoretischer Physik begann Stefan Grotehans seine Karriere in der IT Industrie als Pre-Sales Manager bei SiliconGraphics. Später übte er dann weitere Manager-Positionen im Enterprise-Software-Umfeld für IBM, Microsoft, Brainloop und Box aus. Seit September 2015 ist er bei MarkLogic Senior Director Solutions Engineering DACH.

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