VMworld 2021 VMware: „Kubernetes soll langweilig werden“

Autor: Dr. Stefan Riedl

Drei der Kernthemen der virtuellen Hausmesse VMworld waren die Company-Strategie, ­Neuerungen in Sachen Cloud-Infrastruktur und Cross-Cloud-Services. Insbesondere für das Tanzu-, beziehungsweise Kubernetes-Umfeld präsentierte VMware Konkretes.

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Cross-Cloud-Management spielt in der VMware-Programmatik eine zentrale Rolle.
Cross-Cloud-Management spielt in der VMware-Programmatik eine zentrale Rolle.
(Bild: vectorfusionart - stock.adobe.com)

Langweilig war es nicht im vergangenen Jahr bei VMware, obschon man in dem Unternehmen vor allem daran gewerkelt hat, den Einsatz moderner Technologien in der IT langweiliger zu machen, beziehungsweise „Komplexität rauszunehmen“, wie an einigen Stellen auf der VMworld betont wurde. Armin Müller, VP & Country Manager Germany bei VMware, ordnet rückblickend ein: „Mitte des Jahres haben wir den kompletten Vertrieb vertikal aufgestellt, was sich inzwischen bewährt hat.“ Die vergangenen Monate seien bei VMware zudem geprägt von aktuellen Marktentwicklungen gewesen, wie den starken ­Anstiegen bei Homeoffices oder auch Online-Bestellungen, was sich naturgemäß vor allem in der Cloud abspielte. Einher gingen also auch Herausforderungen, im wachsenden Cloud-Segment die Kontrolle zu behalten. „In diese Kerbe schlägt unsere Multi-Cloud-Plattform“, so der Manager.

Strategie, Cloud-Infrastruktur und Cross-Cloud-Services

Sein Kollege Björn Brundert, Principal Solution Engineer für Application Platforms, konkretisiert die drei Kernthemen aus den Segmenten Strategie, Cloud-Infrastruktur und Cross-Cloud-Services. Was die Company-Strategie angeht, gilt bei VMware nicht mehr wie bisher „Cloud first“, sondern vielmehr „Cloud smart“, denn die Cloud sei in den Unternehmen längst angekommen. „Wir gehen auf Basis einer Studie davon aus, dass 75 Prozent der Unternehmen inzwischen mehr als eine Cloud einsetzen, also mindestens zwei und 40 Prozent haben mehr als drei Clouds im Einsatz zu orchestrieren“, führt Brundert aus. Damit steigt naturgemäß die Komplexität in der IT, die das Unternehmen mit ihren Cross-Cloud-Services dahingehend lösen will, dass nicht für jede Cloud eigene Silos gebaut werden. Vielmehr sollen Freiheit und Sicherheitsaspekte bei der Verwendung in Einklang gebracht werden.

Hybrid-Cloud und Edge auf dem Vormarsch

In Sachen Cloud-Infrastruktur spielt eine Kooperation mit AWS im Sinne eines Hybrid-Cloud-Offerings eine zentrale Rolle auf der Hausmesse, aber auch ein erweitertes Lösungsportfolio im App-Segment, das mehrere Aspekte umfasst. Der Manager geht ins Detail: „Wir zielen es darauf ab, dass im Kubernetes-Umfeld nativ entwickelt werden kann. Außerdem wappnen wir unsere Kunden mit dem VMware Edge Portfolio für einen Trend hin zum Edge Computing.“ So geht man bei VMware davon aus, dass bis 2025 etwa 75 Prozent der Daten nicht im zentralen Data Center oder der Public Cloud anfallen, sondern am Edge. 2018 seien das noch etwa zehn Prozent gewesen. Daraus leitet sich ein Trend hin zu kleineren Rechenzentren in Geschäftsstellen, Supermärkten oder Offices ab – eben da wo sie gebraucht werden. „Darüber hinaus wird das Thema Security an Bedeutung gewinnen, in allen Bereichen, in denen VMware tätig ist, seien es Container, Container-Plattformen, Rechenzentren oder Public Clouds“, sagt Brundert.

Es passt kein Blatt zwischen Kubernetes und VMware

Kubernetes-Technologie ist bei VMware seit mehreren Jahren taktangebend.
Kubernetes-Technologie ist bei VMware seit mehreren Jahren taktangebend.
(Bild: lidiia - stock.adobe.com)

Unter dem dritten VMworld-Kernthema, Cross-Cloud-Services, subsummiert sich eine Sammlung an Diensten, die dazu dienen, Komplexität aus Multi-Cloud-Umgebungen zu nehmen. „Hier spielt das ­Tanzu-Portfolio rein, mit dem wir native Software-Entwicklung für die Cloud aus der Entweder-Oder-Situation ‚Freiheit in der Entwicklung‘ oder ‚Kontrolle der Entwicklung‘ herausbringen wollen und daraus ein ‚und‘ machen wollen, die beides ermöglicht, so der Anspruch."

Das Thema Kubernetes wird bei VMware seit vielen Jahren strategisch verfolgt. 2019 wurde auf der VMworld angekündigt, ­Kubernetes in den Hypervisor zu bringen. 2020 wurden mit „vSphere with Tanzu“ und den „Tanzu Editionen“ entsprechende Möglichkeiten für „vSphere with Kubernetes“ geschaffen. Zur VMworld in diesem Jahr wurde dann die „Tanzu Application Plattform“ vorgestellt, ein modulares System, dass eine Kubernetes-native DevSecOps Umgebung schafft, in der Applikationen auf Kubernetes-Basis entwickelt werden. „Und zwar so, dass die Developer sich auf produktives Programmieren konzentrieren können, ohne dass sie sich mit dem Thema Infrastruktur herumschlagen müssen“, betont Brundert.

Kostenfreie Tanzu Community-Edition

Die „Tanzu Community Edition“ ist eine strategisch wichtige Produkt-Einführung in diesem Zusammenhang. Das ist eine kostenfrei verfügbare und in Manier der Linux-Gemeinschaft Community-supportete Kubernetes-Lösung mit vielen integrierten Open Source Tools. In diesem Werkzeugkasten sind beispielsweise Harbor, Grafana und Knative Serving (siehe Kasten). „Wir sind diesen Weg gegangen, um Einstiegshürden für Programmierer im Kubernetes-Umfeld zu nehmen. Kubernetes soll Standard, ja langweilig werden“, sagt der Principal Solution Engineer.

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Werkzeuge aus der Tanzu Community Edition

In der kostenfrei erhältlichen Tanzu Community Edition sind mehrere Werkzeuge integriert:

„Harbor“ ist ein Registrierungsprojekt, das Inhalte speichert, signiert und scannt.

„Grafana“ ist eine plattformübergreifende Anwendung zur Datenvisualisierung aus verschiedenen Datenquellen wie MySQL, Prometheus und Graphite.

„Knative Serving“ dient der Bereitstellung von serverlosen Anwendungen.

VMware stellte auf der VMworld noch mehr „Gratis-Produkte“ in Aussicht: „Mit Tanzu Mission Control Starter bieten wir ein Gratis-Offering, das voraussichtlich Anfang kommenden Jahres verfügbar sein wird und das Kubernetes-Management in der Cloud ermöglicht.“

Holistischer Ansatz bei der Entwicklung

Der VMware-Manager betont aber, „dass Tanzu mehr als eine Kubernetes Distribution ist und sich das Portfolio über den gesamten Applikationszyklus erstreckt und auch beispielsweise die Bereiche Entwicklerframework (Spring), Service-Mesh, SQL-Datenbanken oder Advanced Load-Balancing betrifft."

Eine weitere Initiative lag dem Unternehmen, das für jeden Teilnehmer an der virtuellen Hausmesse einen Baum pflanzen lässt, auf dem Herzen: „Mit dem VMware Sovereign Cloud Programm, zu dem sich eine wachsende Anzahl an Cloud-Anbieter bekennen, wollen wir es Unternehmen ermöglichen, die Hoheit über ihre Daten in einem komplexer werdenden Multi-Cloud-Umfeld zu behalten.“ Dabei geht es darum, Abhängigkeiten von Cloud-Anbietern zu minimieren.

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Leitender Redakteur