Angetestet: Lenovo Thinkpad X1 Fold Verwandlungskünstler mit OLED-Faltdisplay

Autor: Klaus Länger

Das Lenovo Thinkpad X1 Fold ist das erste 2-in-1-Tablet mit flexiblem OLED-Display. So kann sich das 13,3-Zoll-Tablet mit einem Knick in ein Mini-Notebook verwandeln. Wir haben uns im Hands-on-Test angesehen, ob das Fold nur ein Hingucker ist, oder auch Nutzwert hat.

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Mit seinem flexiblen OLED-Panel ist das Thinkpad X1 Fold von Lenovo vielseitig einsetzbar. Zum besseren Tippen gehört ein kleines Bluetooth-Keyboard zum Lieferumfang.
Mit seinem flexiblen OLED-Panel ist das Thinkpad X1 Fold von Lenovo vielseitig einsetzbar. Zum besseren Tippen gehört ein kleines Bluetooth-Keyboard zum Lieferumfang.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Mit dem Thinkpad X1 Fold von Lenovo erntet man auf jeden Fall Aufmerksamkeit. Wenn man das zugeklappte Gerät aus der Tasche nimmt, dann sieht es ganz Oldschool wie ein in Leder gebundenes Notizbuch mit Stift aus. Beim Aufklappen verwandelt es sich in ein kleines Notebook mit 9,6-Zoll-Display. Nimmt man aber die ­flache Tastatur ab, dann kommt der Aha-Effekt: Das X1 Fold entpuppt sich als das, was es eigentlich ist: Das erste Windows-2-in-1-Tablet mit einem biegsamen OLED-Panel. Das in einen relativ breiten Rahmen eingefasste Display liefert dabei eine Auflösung von 2.048 x 1.536 Pixel in hervorragender Qualität mit 95 Prozent des DCI-P3-Farbraums und tollem Kontrast. Lediglich die flexible Kunststoffoberfläche, die das Panel schützt, spiegelt etwas. Das Display ist aber hell genug, um auch unter freiem Himmel einigermaßen ablesbar zu bleiben. Bei unserem Testgerät gehören zudem die Fold-Mini-Tastatur und ein aktiver Stift zum Lieferumfang, der mit dem USB-C-Netzteil des Tablets geladen wird.

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Bluetooth-Keyboard für Notebook und All-in-One-Modus

Das Keyboard passt für den Transport genau zwischen die beiden Hälften des in der Mitte gebogenen Displays und wird dort auch gleich induktiv geladen. Die Tasten im typischen Thinkbook-Design sind relativ groß. Allerdings gibt es keine eigenen Tasten für die Umlaute und Sonderzeichen. Sie sind mittels Doppelbelegung und Funktionstaste zugänglich, woran man sich erst gewöhnen muss. Das Touchpad ist sehr klein, aber es steht ja auch ein Touchscreen zur Verfügung. Das Keyboard kommuniziert über Bluetooth mit dem X1 Fold.

Es kann so auch verwendet werden, wenn das Tablet im Landscape-Modus aufgestellt genutzt wird und damit zu einem kleinen All-in-One-PC wird. Als Stütze dient dabei die fest mit einer Hälfte des Chassis verbundene Lederhülle, bei der einfach eine Ecke diagonal aufgeklappt wird. Die andere Hälfte der Lederhülle ist durch ein Schienensystem mit dem Gehäuse verbunden und gibt so einen Teil des Chassis frei, wenn das Display gefaltet wird. Der Spalt zwischen den beiden Chassishälften bleibt so durch diesen raffinierten Mechanismus hinter dem Ledercover verborgen. Von den beiden USB-C-Buchsen mit USB-3.2-Gen2-Unterstützung ist eine leider nicht nutzbar, wenn man das Tablet aufstellt. Denn die sitzt dann auf der Unterseite des Geräts.

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Die Technik hinter flexiblen OLEDs

Die Abkürzung OLED steht für „Organic Light Emitting ­Diode“. Der Begriff „organisch“ in der Bezeichnung steht für den hauchdünnen kohlenstoffhaltigen Film im Panel, der Licht emittiert, wenn Spannung angelegt wird. Im Gegensatz zu LCD-Panels sind OLEDs nicht auf externe Beleuchtung angewiesen und lassen sich so viel dünner bauen. Wenn man dann noch statt einer Glasplatte einen flexiblen Kunststoff als Substrat verwendet, dann kann ein OLED-­Panel gefaltet oder sogar aufgerollt werden.

Ein Vorteil von OLEDs gegenüber LCDs ist der sehr hohe Kontrast, da bei OLEDs schwarze Pixel tatsächlich schwarz sind und nicht nur die Hintergrundbeleuchtung verdeckt wird. Zudem ist die Farbdarstellung sehr gut und die Leistungsaufnahme geringer, vor allem bei dunklen Inhalten. Ein Nachteil ist die immer noch geringere Lebensdauer durch das organische Material im Display.

Im Notebook-Modus liegt das Keyboard magnetisch fixiert auf der unteren Hälfte des Faltdisplays. Ein Sensor erkennt das, und die Lenovo-eigene Mode-Switcher-Applikation sorgt dann dafür, dass nur die sichtbare Hälfte des Panels den Windows-Desktop anzeigt. Hebt man das Keyboard ab, wird automatisch wieder der komplette Bildschirm genutzt. Allerdings funktioniert das Umschalten nicht immer problemlos.

Der präzise Stift mit Wacom-Technologie gleitet mit etwas mehr Widerstand über die Kunststoffoberfläche des Displays, als man es von Geräten mit Schutzglas über dem Panel gewohnt ist. Das X1 Fold erinnert so eher an das Schreibgefühl eines Bleistifts auf Papier. Als reines Tablet bringt es 970 Gramm auf die Waage. Mit Keyboard sind es 1.160 Gramm. Das Gerät ist laut Lenovo trotz des geringen Gewichts und des biegsamen Displays so solide, dass es einige MIL-STD-810G-Anforderungen erfüllt.

Stromsparender Intel-Lakefield-Prozessor

Fast ebenso ungewöhnlich wie die Bauform des faltbaren Thinkpad ist der eingesetzte Intel-Prozessor: Der Core i5-L16G7 arbeitet mit fünf Prozessorkernen. Vier davon sind sehr sparsame Atom-Cores aus der Tremont-Familie. Den fünften hat Intel aus dem Ice-Lake-Core-Prozessor entlehnt. Der Sunny-Cove-Core soll das Starten von Programmen beschleunigen und bei rechenintensiven Aufgaben einen zusätzlichen Schub geben. Die fünf 10-nm-Cores sitzen gemeinsam mit der UHD-Grafikeinheit in einer 3D-Struktur auf einer gemeinsamen Basis mit Chipsatz-Elementen. Darüber ist als weitere Schicht ein 8 GB großer LPDDR4X-Speicher angeordnet. Im Prinzip ist der Lakefield-Prozessor, so sein Codename, auch eine Machbarkeitsstudie für die kommenden Alder-Lake-CPUs mit deutlich mehr Kernen.

Gemessen am Aufwand ist die Leistung der Intel-Pentacore-CPU eher bescheiden. Im PCMark 10 erzielt das X1 Fold 2.518 Punkte und damit etwa zwei Drittel der Leistung eines Notebooks mit dem Vierkern-Prozessor Core i5-10210U. Für die typischen Aufgaben eines 2-in-1-Tablets, also den mobilen Office-Einsatz mit Präsentationen und digitaler Kommunikation, reicht die Performance des kompakten Rechners aber vollkommen aus. Auch Freizeitaktivitäten wie das Abspielen von Videostreams mit hoher Auflösung oder grafisch einfachere Spiele sind möglich. Beim 3DMark kommt der kleine Rechner auf 4.074 Zähler. Im ­Akkubetrieb schafft das Thinkpad mit seinem 50-Wh-Stromspeicher im Landscape-Modus mit quer aufgestelltem Tablet im PCMark 8 eine Laufzeit von drei Stunden und vier Minuten unter permanenter Last. Im Notebook-Modus mit zur Hälfte schwarzem Display unter dem Keyboard sind es fast 45 Minuten mehr. In der Praxis reicht das knapp für einen Arbeitstag aus.

Als Massenspeicher ist eine 512 GB große NVMe-SSD mit M.2-2242-Formfaktor eingebaut. Sie sitzt auf dem Mainboard hinter einer verschraubten Abdeckung auf der Rückseite des Tablets, die sichtbar wird, wenn man die als Ständer dienende Ecke des Ledercovers aufklappt. Als WLAN-­Adapter ist Intels WiFi 6 AX200 mit zusätzlicher Bluetooth-5.2-Unterstützung integriert. Das optionale 5G-CAT20-Modem ist im Testgerät nicht eingebaut. Ein TPM ist dagegen grundsätzlich an Bord. Die Webcam im X1 Fold liefert mit ihrem 5MP-Sensor eine hohe Auflösung im Vergleich zu bei Notebooks sonst üblichen Webcams. Für Videokonferenzen ist zudem ein Array aus vier Mikrofonen integriert. Eine Audiobuchse fehlt, daher muss man auf Bluetooth- oder USB-Kopfhöhrer zurückgreifen. Für Videocalls nutzt man das Lenovo besser im Landscape-Modus, da die Kamera im Notebook-Modus seitlich neben dem Display sitzt und aus einer unvorteilhaften Froschperspektive filmt. Prinzipiell lässt sich die Webcam durch den zusätzlichen IR-Sensor auch für Windows Hello nutzen. Im Testgerät hat das aber nicht funktioniert, was als Problem auch in Lenovo-Foren auftaucht. Wir vermuten ein lösbares Treiberproblem. Leider ist dadurch die durch Lenovo vorinstallierte Glance-Software von Mirametrix ein Stück weniger praktisch. Sie erkennt mittels der Webcam, wenn der User sich vom Gerät entfernt und sperrt es automatisch. Ohne Windows Hello muss man sich manuell wieder anmelden.

Fazit: Tolles Konzept für experimentierfreudige Anwender

Mit einem Preis von knapp über 3.000 ­Euro in der Variante mit Stift und Keyboard ist das Thinkpad X1 Fold gemessen an seiner Leistung und Ausstattung objektiv überteuert. Subjektiv ist es mit seinem faltbaren und brillanten OLED-Display und dem außergewöhnlichen Design ein faszinierendes Gerät, das einfach Spaß macht.

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