IDC-Studie Unternehmen hinken bei Vernetzung hinterher

Von Ann-Marie Struck

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Ohne Konnektivität geht es heutzutage nicht mehr. Vernetzung ist eine Grundvoraussetzung für Unternehmen, um am Markt agil und resilient zu bleiben. Jedoch ist es um die Vernetzung in Unternehmen eher schlecht bestellt, wie eine Studie von IDC aufzeigt.

Zwei Drittel der von IDC befragten Unternehmen haben Probleme, Business-Projekte zu realisieren, die von Konnektivität abhängen. Grund dafür ist eine mangelnde Agilität.
Zwei Drittel der von IDC befragten Unternehmen haben Probleme, Business-Projekte zu realisieren, die von Konnektivität abhängen. Grund dafür ist eine mangelnde Agilität.
(Bild: raccoondaydream - stock.adobe.com )

Sie sind enorm. Die schlechten Nachrichten für Wirtschaft und Gesellschaft stellen Unternehmen vor immense Herausforderungen. Um bei den aktuellen Krisen resilient und agil zu bleiben, ist Vernetzung ein wichtiges Element, wie Dr. Thomas King, CTO bei De-Cix betont: „Allein Corona und Homeoffice haben in der vergangenen Jahren Unternehmen die Relevanz von Netzwerk gezeigt.“

Jedoch ist weniger als ein Viertel der deutschen Organisationen zukunftsfähig vernetzt, wie eine Studie von IDC zeigt. Vielmehr weisen Unternehmen große Schwächen bei der Vernetzung auf. Der Gesamteindruck der Studie „Enterprise Netzwerke 2022: Connectivity-driven Business in Deutschland“ ist damit eher durchwachsen, wie Marco Becker, Senior Consultant bei IDC verdeutlicht: „Der aktuelle Zustand der Vernetzung in deutschen Unternehmen ist aus Sicht von IDC äußerst bedenklich.“

In der Studie wurde nach der derzeitigen Vernetzung der Unternehmen gefragt. Die Umfrageteilnehmer konnten in einer Skala von fünf Stufen die „Reife“ der gesamten IT-Landschaft ihres Unternehmens bewerten. 30 Prozent der Befragten gaben die geringste Stufe „minimale Vernetzung“ an. Diese definiert sich durch einen nahezu ausschließlichen Legacy-Betrieb, minimale Integration und maximale Isolation von Geschäftsprozessen und Daten. Weitere 21 Prozent sehen sich auf der zweitniedrigsten Stufe „begrenzter Vernetzung“. Hier existiert immerhin eine Integration zwischen verwandten Systemen und neue Technologien kommen zum Einsatz. Im Mittelfeld „reaktiver Vernetzung“ schätzen sich 26 Prozent ein.

Insgesamt bewerten sich nur 23 Prozent mit höheren Niveaus wie „proaktiver“ (16 %) und „umfassender“ (7 %) Vernetzung, die sich durch starke Cloud-Adaption und zentrale, einheitliche Datenmodelle auszeichnen, die im Optimalfall auch bereit für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz / Machine Learning für Geschäftsentscheidungen in Echtzeit sind.

Dementsprechend überfordert fühlen sich die Befragten, wenn es um neue Projekte im Konnektivitäts-Umfeld geht. 67 Prozent sehen deren Realisierung als eine große Herausforderung.

Es gibt jedoch Hoffnung: Denn den Befragten sind die Defizite durchaus bewusst und sie sind gewillt, daran etwas zu ändern. Und die Ziele sind hoch: 42 Prozent der befragten deutschen Unternehmen möchten innerhalb der kommenden 24 Monate auf den beiden besten Reifestufen stehen.

Top-Herausforderungen

Doch mit neuen Technologien wächst auch die Komplexität des Netzwerks. Zu den größten Herausforderungen gehören laut der Studie Cloud- / Multicloud-Migration und -Konnektivität (28 %). Weiter bewerten 27 Prozent die Einbindung neuer Zugangs- und Netzwerktechnologien sowie 22 Prozent die Konnektivität zwischen Niederlassungen als eine Hürde. Auch die Umsetzung stärker visualisierter, skalierbarer und anpassungsfähiger Netzwerke (19 %) sowie dementsprechend auch flexiblerer Nutzungsmodelle (21 %), die mit der Cloud-Adaption schritthalten, sind häufig genannte Themen.

Homeoffice und heterogene Infrastrukturen sind vor allem in Kombination das Hauptproblem der Unternehmen heutzutage.

Jürgen Metko, Regional Vice President Germany & Austria bei Riverbed

Des Weiteren beleuchtet die Studie auch generelle Herausforderungen an die Konnektivität. Die Netzwerke spielen bei diesen eine wichtige, aber nicht exklusive Rolle, denn laut IDC ist Konnektivität das Ergebnis eines Zusammenspiels verschiedener IT-Bereiche.

Als größte Hürde sehen hier die Befragten die Anpassung der IT- und Netzwerkfähigkeiten an Business-Erwartungen (38  %), gefolgt von der Einbindung neuer Technologien wie IoT und Cloud (33 %) sowie den generellen Datenwachstum (32 %). Weitere Punkte sind die Modernisierung und Automatisierung (31 %) und die Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften und Datenschutz (27 %).

Es hapert im Tagesgeschäft

Bei den Anforderungen haben es IT-Verantwortliche in Unternehmen nicht leicht. IDC sieht das Tagesgeschäft, die Network Operation (NetOps) in Unternehmen bedenklich. Problemfelder sind für ein Viertel der Befragten der Fachkräftemangel, fehlende technologische Unterstützung sowie der Mangel an Zeit für strategische Aufgaben wegen operativer Aufwände und Schulungen.

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Gleichzeitig fühlen sich nur 64 Prozent der Befragten befähigt, schnell und effizient auf Störungen zu reagieren. Das gleiche gilt für die schnelle Anpassung der Netzwerkumgebung an neue Business-Projekte oder -Applikationen. Ähnlich sieht es auch bei der Integration der Networking-Teams mit anderen Teams wie etwa Security, Anwendungsentwicklung oder LoB-Netzwerke (zum Beispiel OT-Netze) aus: Hier geben jeweils nur rund die Hälfte der Befragten gibt einen hohen Integrationsgrad an. Immerhin planen rund 10 Prozent in den kommenden zwei Jahren dies zu verbessern.

Die gleichzeitige Nutzung von verschiedensten Cloud-Anbietern und On-Premises-Ressourcen macht IT-Landschaften von Unternehmen immer komplexer – und das Gleiche gilt für die nötigen Netzwerkressourcen. Es entsteht ein enormer Mehraufwand für IT- und Netzwerk-Teams.

Dr. Thomas King, CTO bei De-Cix

Dementsprechend benötigen Netzwerk-Operation-Teams entsprechende Unterstützung. Dabei präferieren sie qualitative Unterstützung durch Strategie wie Network Cycle Management oder Change Management (37 %), Investitionen in Technologien (31 %),und Kompetenz (29 %) statt Outsourcing (28 %) und mehr Personal (22 %).

Investitionen in 5G steigen

Um die eigene Konnektivität zu verbessern, planen die Befragten künftig in Technologien sowie Dienstleistungen zu investieren. Als wichtigsten Investitionsbereich sehen 32 Prozent der Befragten 5G, gefolgt von Cloud- / Multicloud- sowie Big Data, Advanced Analytics und KI/ ML mit jeweils 29 Prozent. Doch auch Software-definded Network (27 %) und Network Security (26 %) sind weiterhin relevant.

Insbesondere SDN gilt als unabdingbar. Bereits 65 Prozent halten SDN für eine kritische Netzwerk-Technologie und genauso viele gehen davon aus, dass sich die Technologie in fünf Jahren zu einem Standard für Netzwerkumgebungen entwickelt hat.

Bei den geplanten Investitionen liegen cloudbasierte Netzwerklösungen, beispielsweise Interconnect und Network-as-a-Service (NaaS) weit vorne. Ein Viertel der Befragten sieht einen Vorteil von NaaS in der höheren Ausfallsicherheit und besseren Reaktion auf Störungen sowie der Förderung geschäftlicher Innovationen durch mehr Netzwerkflexibilität. Bei Interconnect-Lösungen ist es die Ermöglichung einer End-to-End-Sicherheit (25 %) und die bessere Verbindungsperformance (22 %). Auch skalierbare und flexible Kostenmodelle sprechen für die Cloud.

5G oder WiFi6?

Die Studie zeigt zudem einen Einblick in die Wireless- und Edge-Pläne der Unternehmen. Die befragten Unternehmen priorisieren dabei „Wireless First“ statt „Edge First“. Das zeige, dass es für einige aktuell schlichtweg wichtiger sei, überhaupt eine durchgehend gute Vernetzung umzusetzen. Dabei sei Wireless oft der einzige oder bessere Weg gegenüber kabelgebundenen Optionen. Des Weiteren ermöglicht es auch mobilitätsabhängige Anwendungsszenarien.

Für die große Mehrheit der Befragen ist auch die Kombination aus Wireless-Vernetzung und Edge-Verarbeitung für gemeinsame Synergien relevant. Auch IDC sieht hierin großes Potenzial, insbesondere für innovative connectivity-driven Geschäftsmodelle.

Bei der Wirless-Vernetzung liegt hybrid vorne. 25 Prozent wollen ein hybrides Wireless-Netz aus 5G und WiFi6 aufbauen, 41 Prozent fokussieren sich auf 5G (öffentlich und privat) und 14 Prozent auf WiFi6.

Security wird ernst genommen

Vergangenes Jahr galt Security als ein Treiber für Netzwerkmodernisierung, jetzt sind es Agilität, Resilienz und neue Geschäftsmodelle. In puncto Network Security hat sich bei den Unternehmen einiges getan. Der Umsetzungswille für moderne Security-Ansätze ist der Studie nach entsprechend hoch und wird offenbar sehr ernst genommen. Immerhin setzen 75 Prozent auf moderne Sicherheitslösungen. So haben 11 Prozent bereits Zero-Trust-Sicherheitsmodelle (ZTNA), Secure Access Service Edge (SASE) und Software Defined Perimeter (SDP) umgesetzt und 26 Prozent wollen sie innerhalb der kommenden zwölf Monate umsetzen.

Über die Studie

Für die Studie „Enterprise Netzwerke 2022: Connectivity-driven Business in Deutschland“ hat IDC im Mai und Juni 2022 um die 150 Unternehmen in Deutschland mit mindestens 15 WAN-Verbindungen und/ oder Cloud-Vernetzung zum Thema Enterprise Networking und Connectivity befragt. Die Unternehmen hatten eine Größe von mindestens 250 Mitarbeitern.
Die Gesprächspartner waren Netzwerk-Entscheider und -Influencer – aus C-Level, Netzwerkteams und interagierenden Domänen wie beispielsweise Security, Cloud oder DevOps und kamen aus unterschiedlichen Branchen. Dabei sind 19 Prozent der befragten Firmen aus der prozessorientierten Fertigung sowie 18 Prozent IT-Anbieter. Weitere Branchen sind Handel (13 %), direkte Fertigung (12 %), Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (9 %), Gesundheits- und Sozialwesen (8 %) sowie Transport, Logistik und Verkehr (7 %).

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