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Screen Mirroring, Digital Signage und Access Point in einem

Test: Airtame Screen Mirroring

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

Bereits „out of the Box“ mit WLAN und HDMI ausgestattet kann der Airtame über Adapter auch mit Ethernet und VGA kommunizieren.
Bereits „out of the Box“ mit WLAN und HDMI ausgestattet kann der Airtame über Adapter auch mit Ethernet und VGA kommunizieren. (Bild: Srocke)

Weit mehr als Screen Mirroring bietet die gleichnamige Lösung des dänischen Anbieters Airtame. Das Produkt wertet ungenutzte Bildschirme zusätzlich mit Digital Signage auf und fungiert notfalls sogar als Access Point für das Firmennetz. Wir haben das alles ausprobiert.

Von Google Chromecast über Miracast bis zu Valves Steam Link – es gibt zahlreiche Ansätze, um Inhalte von persönlichen Rechnern und Devices auf externe Anzeigen zu bringen. Wenngleich derlei Lösungen auf den ersten Blick Ähnliches leisten, sind die funktionalen Unterschiede im Detail beachtlich. Dem entsprechend offensiv versucht auch Airtame, sich auf der eigenen Webseite von namentlich genannten Wettbewerbern abzuheben. Als Vorzüge der eigenen Lösung nennt der Anbieter dabei einerseits einen vergleichsweise moderaten Preis. Zum anderen unterstütze man per Software zahlreiche Clients und biete auf Unternehmen und Bildungsorganisationen zugeschnittene Funktionen sowie Managementmöglichkeiten.

Mit Airtame ist es nicht nur möglich, Inhalte von Computern, Tablets oder Smartphones samt Sound auf einen oder mehrere Bildschirme zu bringen. Zusätzlich fungiert der HDMI-Adapter als “Digital Signage“-Lösung und kann sogar WLANs aufspannen.

Lieferumfang

Um Airtame zu nutzen wird mindestens ein Hardware-Adapter benötigt, der per HDMI mit einem einen Monitor oder Beamer verbunden wird. Für unsere Tests hat uns der Hersteller zwei seiner Geräte der älteren Generation zur Verfügung gestellt – Mitte November sollen die leistungsfähigeren Nachfolger auf den Markt kommen.

Zum Lieferumfang unserer Teststellung gehörten neben den Geräten selbst auch passende USB-Netzteile mit 1.400 mAh Ausgangsleistung samt internationalen Steckeradaptern. In der Verpackung lagen zudem je eine kurze HDMI-Verlängerung (samt Steckern circa 18,5 Zentimeter) sowie ein langes USB-Kabel (circa ein Meter).

Optisch ist der knapp acht Zentimeter lange Airtame-Adapter mit einem Google Chromecast der ersten Generation vergleichbar. Im Gegensatz zu diesem besitzt das Gerät jedoch zwei Micro-USB-Anschlüsse: Einen für die Stromversorgung und einen hinter einer Schutzkappe verborgenen Accessory Port für die Verbindung zu einem Ethernet-Adapter (ASIX AX88772A Chipset, 100 Mbit/s); damit lässt sich der WLAN-taugliche Adapter wahlweise auch per Kupferkabel mit Netzwerken verbinden. Der Hersteller selbst bietet entsprechende Netzwerkadapter samt PoE-Lösungen an; für unsere Tests wählten wir jedoch den Adapter eines Drittanbieters (Plugable USB 2.0 OTG Mico Typ-B). Zudem adaptierten wir den HDMI-Stecker des besagten Airtame ohne Probleme auf VGA und 3,5-Klinke für den Sound (Splaks HDMI-zu-VGA-Adapter).

Inbetriebnahme

Der Airtame-Adapter wird per LAN oder WLAN konfiguriert und mit Inhalten versorgt. Dem entsprechend benötigen Nutzer als sendende Gegenstelle ein netzwerkfähiges Device samt passender Software.

Für Mobilsysteme mit Android und iOS liefert der Anbieter eher rudimentäre Apps. Damit lassen sich die Airtames nicht einrichten, jedoch mit Bildern oder Präsentationen versorgen.

Zu den unterstützen Desktop-Systemen gehören Windows, macOS, Ubuntu sowie Chromebooks mit Intel-CPU. Auf einem frischen Linux-System (Ubuntu 18.10, 64 Bit, minimal Install) haben wir die Software mit moderater Frickelei installiert bekommen (sudo apt-get install libgtk2.0 / sudo apt -y install libconf2-4). Für unsere nachfolgenden Betrachtungen konzentrierten wir uns allerdings auf das Windows-Programm, welches der Hersteller übrigens auch in Varianten für Nutzer mit eingeschränkten Rechten oder das Deployment per MSI anbietet.

Die Airtames spannen bereits „out of the Box“ offene WLANs in den Bändern um 2,4 GHz sowie fünf GHz auf und können somit direkt von Clients angesteuert werden sobald diese eine Verbindung zum HDMI-Dongle herstellen. Es empfiehlt sich dennoch, die Systeme vor dem ersten Gebrauch einzurichten und in bestehende Infrastrukturen einzubinden – allein schon, um die Geräte und auch das eigene Firmennetzwerk per Passwort vor unberechtigten Zugriffen zu schützen.

Die Ersteinrichtung funktioniert per Ethernet oder WLAN. An einem Windows-10-Rechner mit interner Intel Dual-Band Wireless-AC 3168 hatten wir dabei zunächst Verbindungsprobleme, die vermutlich auf Betriebssystem- und Treiberebene zurückzuführen sind – nach dem vorübergehenden Anschluss eines zusätzlichen WLAN-Sticks spielte auch die eigentliche WLAN-Hardware des Rechners klaglos mit Airtime zusammen.

Beim initialen Setup legen Nutzer neben einem Bezeichner für jeden Airtame auch fest, ob das Device als Ad-hoc-Netzwerk fungieren oder per WLAN respektive Ethernet in bestehende Infrastrukturen eingebunden werden soll. Über weitere Einstellungen können Administratoren die Geräte nach Belieben weiter konfigurieren – etwa die Auflösung der Displays auf Werte von VGA bis Full HD erzwingen sowie die Geräte per Passwort und PIN-Code vor unautorisierten Zugriffen schützen, zum Access Point machen oder mit Airtames Cloud-Management-Konsole verbinden. Mehr dazu in den kommenden Absätzen.

Grundfunktion: Streaming

Airtames Kernfunktion ist zweifelsohne das Übertragen von Bildschirminhalten, beispielsweise im Rahmen von Präsentationen. Nutzer beanspruchen dabei freie Bildschirme per Klick in der jeweiligen Client-App – und reservieren die Airtames damit auch bis zur Freigabe für sich. Der Zugriff kann über eine vierstellige PIN eingeschränkt werden, die auf dem jeweiligen Bildschirm angezeigt wird. Somit stellt Airtame sicher, dass nur Nutzer in Sichtweite eines betreffenden Anzeigegerätes auf dieses zugreifen.

Holprige Mobil-Apps...

Wie bereits erwähnt, bieten die Anwendungen für mobile Geräte und klassische Rechner einen unterschiedlich leistungsfähigen Zugang zu den Airtame-Geräten. Während sich Fotos von mobilen Geräten unkompliziert übertragen lassen, gestaltet sich der Prozess bei Präsentationen etwas holpriger – so konvertierte Airtames Android-App PDF-Dateien zunächst, bevor diese angezeigt werden konnten; auf iOS mussten die entsprechende Files zunächst von der jeweiligen Drittapp zur Airtame-App exportiert werden.

Als Alternative zur App können Apple-Nutzer den Airtame allerdings direkt mit iOS-Bordmitteln als Airplay-Ziel ansteuern – und damit ihre komplette Bildschirm- und Soundausgabe auf ein entferntes Anzeigegerät übertragen. Hierbei ist mit Latenzen von einer Sekunde zu rechnen.

...leistungsfähige Desktop-Clients

Auf klassischen Desktopsystemen können Nutzer sehr granular einstellen, mit welcher Qualität und Bildwiederholrate Inhalte zum Airtame-Empfänger geschickt werden. Dabei werden wahlweise einzelne Fenster oder der gesamten Bildschirm auf externe Displays und Beamer übertragen. Sollen mehrere Ausgabeziele gleichzeitig bedient werden, muss allerdings der gesamte Bildschirminhalt übertragen werden.

Je nach Anforderung empfiehlt der Hersteller für das Streaming Bandbreiten zwischen einem und fünf Mbit/s für Streams ohne Ton; soll Sound übertragen werden, müssen es zwischen fünf und 13 Mbit/s sein.

Als limitierenden Faktor haben wir bei unseren Versuchen allerdings weniger das Netzwerk als die Rechenleistung ausgemacht. Auf einem zugegebenermaßen angestaubten Core i5-3317 war an eine flüssige Übertragung von Bewegtbildern nicht zu denken: Die Airtame-Anwendung allein beanspruchte bis zu 50 Prozent aller CPU-Ressourcen, übertrug Bewegungen auf den entfernten Bildschirm nur ruckelig sowie mit erheblicher Verzögerung und beendete die Übertragung schließlich nicht sauber – was einen Neustart des Airtame-Empfängers notwendig machte. Bei einfachen Präsentationen lief die Anwendung allerdings stabil.

Umso mehr überraschten uns die Ergebnisse, die wir mit einem zeitgemäßeren Desktop und dessen Core i5-6400 erzielten. Der lieferte genug Performance, um ein entferntes Display sogar als passablen Ersatzmonitor zu gebrauchen. Beim Streamen von YouTube-Videos genehmigte sich die Airtame-Lösung zwar einen Puffer von einer Sekunde. Dafür landeten Bild und Ton synchron auf mehreren Bildschirmen zeitgleich – trotz voneinander unabhängiger Tonwiedergabe auf beiden Zielsystemen innerhalb eines Raumes waren für uns keine Echos zu vernehmen.

Zusatzfunktionen: Digital Signage & Cloud Management

Bespielen Vortragende oder Konferenzteilnehmer die Airtames nicht aktiv mit Daten, taugen die Systeme auch für Digital Signage – zeigen also selbstständig Werbung, gefällige Bilder oder Informationen an. Bereits in der Client-Software können Nutzer hierfür rudimentäre Vorgaben machen und eigene Bilder (maximal zwei MByte) hochladen oder eine Webseite zur Anzeige vorgeben; zudem lässt sich jener Overlaytext grob positionieren, der Namen und Verbindungshinweise zum jeweiligen Airtame liefert. Noch umfassendere Möglichkeiten für individuelle Darstellungen liefern allerdings erst die erweiterten Untermenüs von Airtames Cloud-Mangemant-Lösung.

Per Token in die Cloud

Um Airtame-Device und Cloud zu koppeln liefert letztere ein Token, das Nutzer einmalig für jedes Device in ein Feld der Client-Software kopieren. Die Funktionen der per Browser nutzbaren Managementkonsole lassen sich grob in zwei Kategorien gliedern.

Zum einen lassen sich die Geräte rollenbasiert verwalten. Administratoren sehen hier Verbindungsstatus, Firmwareversion und IP-Adresse der einzelnen Airtames. Zudem können IT-Verantwortliche die Devices remote rebooten.

In der aktuell noch gratis nutzbaren Betaversion des künftig kostenpflichtigen Unterpunktes „Homescreen“ bietet der Hersteller zum anderen umfangreiche Optionen um online verfügbare Airtames für das Digital Signage zu rüsten. Das beginnt bereits beim Overlaytext, der sich per Markupsprache frei festlegen lässt. Auch Farbe für Hintergrund und Text können angepasst werden. Folgendes Codebeispiel liefert beispielsweise eine kurze Hilfestellung darüber, wie Nutzer den Monitor für eigene Präsentationen nutzen können:

# Present Wirelessly
Connect to WiFi **{{WIFI_NAME}}**
Download app **airtame.com/start**
Present from app **{{DEVICE_NAME}}** or type **{{DEVICE_IP}}**

Bei unserem Test funktionierten allerdings nicht alle von Airtame dokumentierten Variablen einwandfrei.

HTML-Seiten für Dashboards

Wie schon per Desktop-Client können Nutzer den Airtame auch per Cloud anweisen, ein Bild oder eine Webseite anzuzeigen – allerdings mit deutlich mehr Optionen. So lassen sich etwa sechs fest vorgegebene Intervalle wählen, um HTML-Seiten in Abständen von zehn Minuten bis zu einem Tag zu aktualisieren. Derlei Seiten könnten beispielsweise in Form eines Dashboards Daten zum aktuellen Status des Firmennetzwerks anzeigen. Für Videos und Animationen eignet sich diese Option allerdings nicht – ein von uns testweise verlinktes MP4-Video in HD aus dem Internet ruckelte ungenießbar vor sich hin. Überdies unterstützt Airtame auch keine Techniken, wie Java, Flash, Silverlight oder WebGL.

Apps zeigen Bilder, Weltzeituhr, Webanwendungen

Dafür liefert der Anbieter eigene Apps zur Darstellung weiterer Inhalte. Hierzu zählen eine anpassbare Weltzeituhr. Zudem können Nutzer Google Slides, von Trello zugespielte Aufgabenpläne oder thematisch eingegrenzte Bilder von Unsplash auf ihren Bildschirmen anzeigen.

Per Preview kann die Airtame.cloud schließlich nahezu in Echtzeit einen Blick auf das Aussehen entfernter Bildschirme gewähren. Direkt von Nutzern auf Anzeigen gestreamte Inhalte verbirgt die Lösung jedoch prinzipiell aus Datenschutzgründen.

Betrieb als Access Point

Die Airtame-Devices können gleichzeitig auf 2,4 GHz sowie fünf GHz funken und damit auch die Funktion eines Access Points übernehmen. Funkkänale und Passwort legen Administratoren in den erweiterten Einstellungen der Desktop-Software fest. Wird zusätzlich noch der Schalter „WiFi forwarding“ aktiviert, erhalten verbundene Nutzer Zugriff auf das mit dem Airtame verbundene Netzwerk; dabei nutzt das Device augenscheinlich NAT und teilt verbundenen Clients IP-Adressen aus einem eigenen Pool zu.

In Sachen Performance sind die Airtames freilich nicht mit dedizierten Access Points für den geschäftlichen Einsatz zu vergleichen. Zur Einordnung haben wir Airtame unter ähnlichen Bedingungen gegen einen HPE OfficeConnect OC20 antreten lassen und mit Smartphone sowie der App WiFi Speed Test vermessen. In direkter Nähe dauerten die Downloads per Airtame dabei viermal länger (26 Mbit/s vs. 117 Mbit/s). Im Nachbarzimmer musste sich das System noch deutlicher geschlagen geben (1 Mbit/s vs. 46 Mbit/s).

Fazit

Auf den ersten Blick recht unscheinbar, präsentieren sich die Airtame-Sticks bei näherer Betrachtung als kleine Universalgenies. Durchdachte Managementfunktionen und umfassende Features prädestinieren die Systeme dabei für den Unternehmenseinsatz. Insbesondere die individualisierbaren Darstellungen für Digital Signage liefern dabei einen echten Mehrwert. Die Integration in bestehende Netze wirkt gelungen, der Betrieb von Airtames als Access Point dürfte allerdings bestenfalls als Notlösung durchgehen.

In unserem Test begnügten sich die Systeme mit einer Leistungsaufnahme bis zu fünf Watt und erwärmten sich auf bis zu 60 Grad – beides halten wir für durchaus akzeptable Werte.

Zu bedenken geben wir, dass für das Streaming bewegter Bilder ein aktueller Rechner vorhanden sein sollte. Zudem ließe sich die Nutzung mobiler Devices sicher noch etwas komfortabler gestalten; Apple-Nutzer können die Einschränkungen dank einer AirPlay-Unterstützung eher wegstecken als Android-Anwender.

Der leistungsfähigere Nachfolger des von uns getesteten Gerätes soll 399 Euro pro Stück kosten.

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