Strategische Zusammenarbeit T-Systems und AWS setzen gemeinsam neue Ziele

Autor: Michael Hase

Die Großkundensparte der Telekom, T-Systems, und der Hyperscaler AWS intensivieren ihre Partnerschaft. Gemeinsam wollen sie Themen wie IoT und Edge Computing angehen. Im Zuge dessen plant der Dienstleister, die Zahl seiner 1.000 AWS-Experten zu verdreifachen.

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Die Partnerschaft von T-Systems und AWS hat inzwischen den Charakter einer strategischen Kooperation.
Die Partnerschaft von T-Systems und AWS hat inzwischen den Charakter einer strategischen Kooperation.
(Bild: © peampath - stock.adobe.com)

Samstagvormittag, 10 Uhr: Frank Strecker war gerade im Baumarkt, als sein Handy klingelte. Nicht ungewöhnlich, dass den Cloud-Chef von T-Systems um die Zeit ein Kunde anruft. Oft handelt es sich um jemanden aus dem Einzelhandel, weil etwa ein Transaktionssystem klemmt. Diesmal war es anders. „Herr Strecker, Sie müssen mir helfen!“, meldete sich der IT-Verantwortliche einer Landesbehörde. Der T-Systems-Manager horchte auf.

Frank Strecker, Senior Vice President Global Cloud Computing bei T-Systems: Der Hauptnutzen der Cloud liegt auf der Ebene der Geschäftsprozesse.
Frank Strecker, Senior Vice President Global Cloud Computing bei T-Systems: Der Hauptnutzen der Cloud liegt auf der Ebene der Geschäftsprozesse.
(Bild: Deutsche Telekom AG)

Der Behördenvertreter sollte bis Montag eine Anwendung implementieren, über die betroffene Firmen finanzielle Coronahilfen beantragen können. Und Strecker konnte ihm helfen. Er mobilisierte ein Team, das innerhalb von Stunden eine maßgeschneiderte AWS-Architektur aufbaute, sodass die Applikation zum Wochenstart bereitstand. „Die Software in einer On-Premises-Umgebung zum Laufen zu bringen, wäre in der kurzen Zeit unmöglich gewesen.“

Transformation

T-Systems arbeitet seit Herbst 2018 eng mit AWS zusammen. Die Corona-Anwendung aus dem öffentlichen Sektor steht für nur eines von vielen Projekten, die die Großkundensparte der Telekom seither mit dem Hyperscaler umgesetzt hat und bei denen die Vorzüge der Cloud gegenüber traditionellen IT-Ansätzen deutlich wurden. Nicht immer ging es dabei um Schnelligkeit, sondern auch um Skalierbarkeit, um Innovation auf Prozessebene oder um Kosteneffizienz, wie Strecker berichtet. „Gemeinsam ist es uns gelungen, Unternehmen zu identifizieren, die sich mitten in einer Transformationsphase befanden, und sie als Kunden zu gewinnen.“

Als die Frage aufkam, ob man die Kooperation nicht intensivieren wolle, musste der Manager, der als Senior Vice President das weltweite Cloud-Geschäft von T-Systems verantwortet, nicht lange nachdenken. Auch für den Hyperscaler war die Antwort vor dem Hintergrund des bislang Erreichten ein No-Brainer. „Die Erwartungen an die Partnerschaft sind aus unserer Sicht übertroffen worden“, teilt Klaus Bürg, Geschäftsführer bei AWS Deutschland, mit. Im Dezember 2020 vereinbarten der Cloud Provider und der Dienstleister daher eine strategische Zusammenarbeit.

AWS schließt solche Strategic Collaboration Agreements (SCA) nur mit ausgewählten Partnern. Zu dem erlauchten Kreis gehören Beratungshäuser wie Allcloud, NTT Data, Orange Business Services oder Reply, aber auch ein Distributor wie Tech Data. Die mehrjährigen Abkommen sind individuell ausgestaltet und auf die spezifischen Profile der Unternehmen abgestimmt. Ihr Zweck ist es, die bisherige Zusammenarbeit mit den Partnern auf neue Geschäftsfelder auszudehnen. Mit Blick auf die Kompetenz der Telekom-Sparte beim Betrieb komplexer IT-Infrastrukturen und Netze (SD-WAN, Mobilfunk / 5G, Narrowband) stehen unter anderem Themen wie Internet of Things (IoT) und Edge Computing auf der gemeinsamen Agenda .

Kritische Workloads

Die Partnerschaft mit T-Systems ist AWS vor etwas mehr als zwei Jahren eingegangen, um neue Zugänge zu Kunden im Enterprise-Segment zu bekommen. Ein Schwerpunkt lag von Anfang an auf der Migration geschäftskritischer Anwendungen, insbesondere von SAP, in die Cloud und dem anschließenden Betrieb dieser Workloads. Der Dienstleister hat dazu inzwischen rund 1.000 AWS-Experten ausgebildet. Diese Zahl soll im Zuge der weiteren Zusammenarbeit verdreifacht werden. „Im Enterprise-Geschäft braucht man die notwendige Masse an Leuten, um Transformationsprozesse zu gestalten“, betont Strecker.

Denn im Kern geht es genau darum, wie der Experte ausführt: die Digitalisierung bei Kunden voranzutreiben. Workloads von On Premises in die Cloud zu verschieben, ist nach seinen Worten kein Selbstzweck. Vielmehr biete die AWS-Plattform mit der Vielzahl und Breite an Services völlig neue Möglichkeiten, Prozesse zu designen und zu automatisieren. „Geschäftsmodelle durch den Einsatz innovativer Technologien zu verändern, das ist aus meiner Sicht der spannende Aspekt, auf den ich mein Team fokussiere.“ Um diese Transformation bei Kunden zu beschleunigen, hat T-Systems ein Cloud Migration Framework entwickelt. Dabei handelt es sich um einen standardisierten Ansatz, der auf einer Methodologie des Hyperscalers und auf hochgradig automatisierten Verfahren beruht.

Kulturelle Veränderung

Den Geschäftsnutzen der Cloud betont auch AWS-Geschäftsführer Bürg. Sie könne Unternehmen helfen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessen, indem sie sich schneller im Markt bewegen, sich flexibler auf neue Gegebenheiten einstellen oder die Produktentwicklung beschleunigen. Um solche Effekte zu erzielen, müssen sich Kunden zugleich aber kulturell weiterentwickeln, wie der Manager ausführt. „Cloud Operations unterscheiden sich vom Legacy-IT-Betrieb: Sie stellen nicht nur andere Anforderungen an die technischen Skills, sondern auch an die Prozesse und die Kultur.“ Oft sei es nicht die Technologie, die es schwer macht, Cloud Computing in einer Organisation zu verankern. Vielmehr liege das Problem häufig in alten Denkstrukturen.

Klaus Bürg, Geschäftsführer bei AWS Deutschland: Cloud-Transformation bedingt bei Unternehmen eine kulturelle Veränderung.
Klaus Bürg, Geschäftsführer bei AWS Deutschland: Cloud-Transformation bedingt bei Unternehmen eine kulturelle Veränderung.
(Bild: Thorsten Jochim)

Eine kulturelle Veränderung lässt sich auch bei T-Systems beobachten, seit der Dienstleister eng mit AWS zusammenarbeitet. „Letztlich durchlaufen wir die gleiche Transformation, die wir bei den Kunden sehen“, resümiert Strecker. Er selbst fördert diesen Prozess nach Kräften, unterstützt durch den Vorstand, der inzwischen eine Cloud-first-Strategie ausgerufen hat. So möchte der Manager intern möglichst viele Mitarbeiter dazu motivieren, sich mit „der neuen Welt“ zu befassen, und bietet jedem in der Organisation, der Interesse daran hat, die Möglichkeit, sich für AWS zertifizieren zu lassen.

Alles aus einer Hand

Der Hyperscaler unterstützt den Partner im Rahmen der strategischen Zusammenarbeit mit Schulungen und stellt ihm Experten aus seinem Professional-Services-Team zur Seite, wenn sich in Projekten spezifische Anforderungen stellen. Deutschlandchef Bürg ist davon überzeugt, dass AWS wiederum vom breiten Dienstleistungsportfolio der Telekom-Sparte profitiert. Denn bei vielen Unternehmen aus der Industrie stünden heute nicht nur die Migration kritischer Workloads oder die Modernisierung von Anwendungen auf der Agenda, sondern auch Themen wie Edge Computing oder Smart Manufacturing. „Wenn ich einen Partner habe, der diese Kompetenzen aus einer Hand abdeckt, dann bedeutet das für den Kunden weniger Risiko und schnelleren Time to Value.“

Aus Sicht von T-Systems besitzt in der Kooperation das Thema Security einen besonders hohen Stellenwert. Um die Workloads von Unternehmen vor unberechtigten Zugriffen zu schützen, hat der Dienstleister eine Cloud-Sicherheitslösung konzipiert, die für Kunden weltweit verfügbar ist, und er betreibt ein eigenes Security Operations Center (SOC).

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