Dass Judson Althoff statt Satya Nadella die erste Keynote der wichtigsten Hausmesse des Softwareriesens hält, überschattet fast die vielen Neuigkeiten zu Software und Partner-Business. Von denen gab es aber reichlich.
Der neue Microsoft-CEO, Judson Althoff, eröffnet die Microsoft Ignite.
(Bild: Microsoft)
Diese Woche feiert Microsoft mit der Ignite 2025 seinen größten Event des Jahres. Im Moscone Center in San Francisco fanden sich laut Unternehmensangaben 20.000 Teilnehmer ein, zehnmal so viele verfolgten den Event virtuell. Eröffnet wurde die Veranstaltung nicht wie bisher üblich von CEO Satya Nadella, sondern vom neuen starken Mann in Redmond, Judson Althoff.
Dieser war der Belegschaft am 1. Oktober per Mail als neue zweite Führungsspitze präsentiert worden. Er zeichnet als „Chief Commercial Officer“ beziehungsweise „CEO Commercial Business“ für das operative Geschäft verantwortlich inklusive Produktstrategie, Vertrieb, Service, Support, Marketing, Betrieb und Umsatzwachstum für die mehr als 120 regionale und nationale Tochtergesellschaften.
Es hat etwas von Gezeitenwechsel, dass er diese Woche die Eröffnungs-Keynote hielt. Althoff war im März 2013 bei Microsoft als Präsident für das Nordamerika-Business gestartet und hat es nun an die Spitze geschafft. Der abgetauchte Nadella, der im Februar 2014 Nachfolger von Steve Ballmer wurde, konzentriert sich seit Oktober auf die technische Weiterentwicklung von KI und Cloud, sagt man. Ungewöhnlich, dass er in dieser Rolle keinen Auftritt in San Francisco hinlegte.
Frontier Firms im Mittelpunkt
Weniger überraschend war das Hauptthema der diesjährigen Ignite, sie konzentrierte sich wie auch anderen aktuelle Konferenzen dieser Art auf die Künstliche Intelligenz (KI) beziehungsweise die „Erforschung des gesamten Lebenszyklus von KI“, wie es Microsoft ausdrückte. Mit seiner Eröffnungs-Keynote gab Althoff den Startschuss für ein Feuerwerk der Neuerungen und Updates, die allesamt mit KI in Verbindung standen und Unternehmen in „Fontier Firms“ umwandeln sollen.
„Die Zukunft der Arbeit wird von Frontier Firms geprägt sein – Organisationen, die von Menschen geführt und von Agenten gesteuert werden. Diese Unternehmen verändern die Arbeitswelt grundlegend, indem sie jeden Mitarbeiter mit einem KI-Assistenten ausstatten“, so der zugeschaltete Jared Spataro, Chief Marketing Officer, AI at Work.
Analog zu SAP-Vorstand Muhammad Alam, der erst vor wenigen Tagen in Berlin durch „seine“ Jahreshauptveranstaltung, die TechEd, führte, beteuerte Althoff, dass die KI sinnvollerweise direkt in der App angesiedelt sein müsse. Nur dort erhalte sie den für ihre „Überlegungen“ nötigen Kontext. Zu den wichtigsten, mit KI angereicherten neuen Werkzeugen und Lösungen aus San Francisco zählt Work-IQ, ein Layer, der laut Althoff das „Gehirn des Microsoft Copilots“ darstellt. Aufbauend auf Unternehmensdaten, Speicher und KI-Abfragen „geht Work-IQ über einfache APIs hinaus“, so Althoff, und greife auf Informationen aus E-Mails, Dateien, Meetings und Chats sowie individuelle Vorlieben, Arbeitsgewohnheiten, Muster und Beziehungen zu.
Microsoft Copilot selbst erhielt einige neue Fähigkeiten, u.a. kann er nun Outlook durchsuchen und E-Mails analysieren. Zudem wird er in Office 365 integriert. Fabric IQ soll Anwendern eine aktuelle Sicht auf das Unternehmen gewähren. Foundry IQ ist eine Art Wissenssystem, das KI-Agenten aus verschiedenen Datenquellen mit Informationen versorgen kann. Zu diesen Quellen zählen nicht zuletzt die beiden gerade genannten neuen Anwendungen. Eine neue Agent Factory baut KI-Agenten in Microsoft Foundry und Copilot Studio. Mit Agent 365 präsentierte der Geschäftsführer mit zunehmend heiserer Stimme eine Steuerungsebene, die jeden Agenten über Entra ID mit einer Unternehmensidentität versehe, egal wo dieser entwickelt worden sei.
Das sind aber nur die wichtigsten einer kaum zu überschauenden Anzahl von Neuerungen und Updates. Laut Frank X. Shaw, Chief Communications Officer, waren es nicht weniger als 80. Entsprechend gäbe es aus der fast dreistündigen Keynote noch viel zu berichten, etwa sechs neue Azure Copilots inklusive eines Migration Agents, einen Foundry Control Plane für Azure sowie AKS Automatic, dass die Azure Cosmos DB zu DER Datenbank für KI machen soll. Ein Seitenhieb auf Larry Ellison, Gründer und langjähriger Chef von Oracle, der erst vor wenigen Tagen auf seiner Hausmesse in Las Vegas seine „AI Data Platform“ als die genuine Datenbank für das KI-Zeitalter angepriesen hat.
Aufsehen erregte auch die Bekanntgabe einer erweiterten strategischen Partnerschaft von Microsoft mit Nvidia und Anthropic. Anthropic skaliert sein schnell wachsendes KI-Modell Claude auf Microsoft Azure, unterstützt in Sachen Design und Entwicklung vom GPU-Experten. Kunden von Microsoft Foundry erhalten damit u.a. Zugriff auf Claude Sonnet 4.5, Claude Opus 4.1 und Claude Haiku 4.5.
Stand: 08.12.2025
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Anthropic hat im Zuge des neuen Deals versprochen, Azure-Rechenkapazität im Wert von 30 Milliarden Dollar zu kaufen und zusätzliche bis zu einem Gigawatt Rechenkapazität mit Nvidia Grace Blackwell- und Vera Rubin-Systemen bereitzustellen. Microsoft verpflichtete sich seinerseits dazu, den Zugriff für Claude auf die gesamte Copilot-Familie fortzusetzen, einschließlich GitHub Copilot, Microsoft 365 Copilot und Copilot Studio.
Neben Software ging es aber auch ums Business: Bereits im Vorfeld der Veranstaltung hat Microsoft seine „Partner of the Year Awards“ vergeben. „Mit diesen Auszeichnungen werden Unternehmen ausgezeichnet, die durch ihre ‚Frontier Firm‘-Kompetenz, die Förderung der digitalen Transformation, die Schaffung von Kundenerfolg und ihren Beitrag zu positiven Veränderungen in ihren Gemeinschaften neue Maßstäbe für Exzellenz gesetzt haben“, so Nicole Dezen, Chief Partner Officer und CVP, Global Channel Partner Sales.
Zusätzlich würdigte Microsoft im Rahmen der „Länder- und Regionalpartner des Jahres“-Awards Partner aus über 80 Ländern. „German Country Partner of the Year 2025“ wurde NTT Data. Ausschlaggebend sei eine Azure-AI-gestützte Lösung für Continental gewesen, durch die zentrale Forschungs- und Entwicklungsprozesse effektiver gestaltet worden seien.
Daneben zeichnete Microsoft vier weitere deutsche Partner aus: Auf Grundlage des Microsoft-Copilots und Azure AI hat Campana & Schott GmbH Betriebe verschiedenster Branchen bei ihren individuellen KI-Transformationen begleitet. Die enge Partnerschaft mit Microsoft und der nachweisbare Impact machten Campana & Schott zu einem herausragenden „Copilot Lighthouse Partner“ und Preisträger des „Accelerate AI Innovation“-Awards.
Die Bechtle Logistik & Service GmbH ist der Gewinner des „Accelerate Security & Trust“-Awards. Der Partner setze eine umfassende Zero-Trust-Architektur über sämtliche Microsoft-Sicherheitsbereiche hinweg um und liefere damit eine skalierbare Cloud-First-Lösung, die speziell für hochregulierte Umgebungen entwickelt wurde.
Der „Act to Accelerate Culture“-Award ging an die Phat Consulting GmbH, die den kulturellen Wandel in der Arbeitswelt konsequent vorantreibe. Das zeige sich beispielsweise anhand eines Projekts mit SOS Kinderdorf e.V., in dem Phat der Organisation beim Einsatz von Microsoft 365 Copilot und Azure OpenAI unter die Arme gegriffen habe.
Die abtis GmbH wurde mit dem „Accelerate Digital Resilience“-Award geehrt. Als Partner für Souveränität und Resilienz bringe es sowohl Microsoft-Expertise als auch ein strukturiertes Delivery-Modell mit, um eine Cloud-Transformationen nach europäischen Standards zu realisieren.
Partner sollen fit für das KI-Zeitalter werden
Einige der vielen im Moscone Center präsentierten Neuheiten richteten sich direkt an Partner: Diese sollen allen voran kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) mit Microsoft 365 Copilot Business KI auf Enterprise-Niveau bereitstellen. Pro Benutzerplatz würden für Unternehmen mit bis zu 300 Anwendern 21 Dollar fällig. Das Angebot ist über die Microsoft 365 Business Basic-, Standard- und Premium-Pläne verfügbar und via Cloud Solution Provider-Programm erhältlich. Eine Kombination aus Microsoft 365 Business Premium, Microsoft 365 Business Copilot, Microsoft Business Central und der Microsoft Purview Suite bilde daneben ein neues Toolkit speziell für KMU.
Dezen stellte für Partner zudem für den 1. Dezember eine Reihe neuer Offerten in Aussicht, „darunter ein Aktionsangebot für die neue Copilot Business SKU, neue Pakete, die Microsoft 365 Business SKUs und Copilot Business in einem einzigen Angebot mit einem Aktionsrabatt zusammenfassen, sowie eine neue 50 Prozent-Rabattaktion für die Purview Suite“.
Die weltweite Channel-Verantwortliche legte den Partnern auch die bereits erwähnte Agent Factory ans Herz. Kernstück dafür sei der Microsoft Agent Pre-Purchase Plan (P3), mit dem Partner ihren Kunden Zugriff auf 32 Microsoft-Dienste über einen flexiblen Budgetpool anbieten können. „Partner unterstützen Kunden bei der Bereitstellung von Agenten überall, beispielsweise in Microsoft 365 Copilot, und nutzen die Verfügbarkeit in CSP- und anderen Lizenzmodellen, um den vielfältigen Kundenbedürfnissen gerecht zu werden“, so Dezen. „Berechtigte Organisationen erhalten zudem direkten Support von erfahrenen KI-Experten (FDEs) sowie Zugang zu maßgeschneiderten, rollenbasierten Schulungen.“
Auf der Ignite wurden auch Neuerungen im Microsoft AI Cloud Partnerprogramm vorgestellt, etwa ein Partner Skilling Hub. Es bündelt Lernpfade in einer zentralen Plattform zur Beherrschung von Microsoft Cloud- und KI-Lösungen für alle Rollen im Vertrieb, Pre-Sales und im technischen Bereich. Eine neue Webcast-Reihe „Agentic AI and Copilot Partner Skills Accelerator“ sowie neue Agentic- und KI-Workshops böten Architekten praktische Übung im Entwurf und der Bereitstellung von Multiagentenlösungen mit Microsoft Copilot Chat, Copilot Studio und Azure AI Foundry.
Diese Programme sind Teil einer globalen Weiterbildungsinitiative: „Wir haben im vergangenen Jahr Rekordinvestitionen in das Training unserer Partner getätigt und über 2,4 Millionen Lernende in verschiedenen Lösungsbereichen geschult“, berichtete Dezen. „Auch die KI-Weiterbildung schreitet rasant voran. Wir haben unser KI-Kursangebot im Vergleich zum Vorjahr um 66 Prozent erweitert und bieten nun 145 KI-Kurse an, die 1,7 Millionen Lernende beim Erwerb neuer Kompetenzen unterstützt haben.“
In San Francisco wurden neue Abzeichen für Partner vorgestellt: Ein Frontier Partner-Siegel wird künftig für herausragende Leistungen in Cloud- und KI-Disziplinen verliehen, die Auszeichnung „Frontier Distributor“ würdigt erfolgreiche Distributoren im KMU-Segment. Die Promovierung „Support Services“ erhalten Partner, die herausragende Kundenerlebnisse in der Microsoft Cloud bieten. Die Spezialisierung „Digitale Souveränität“ identifiziere Partner mit Qualifikationen für die Implementierung von Sovereign-Cloud-Strategien in Azure, Microsoft 365 und im Bereich Sicherheit.
Auf dem Microsoft Marketplace finden sich nun auch wiederverkaufsfähige Angebote von Publishern und Channel-Partnern. Das neue App Accelerate soll mit technischer Beratung, Entwicklertools und Markteinführungsressourcen Unterstützung für den gemeinsamen Vertrieb in der Microsoft Cloud offerieren. Vorabversionen seien ab sofort erhältlich, die vollständige Verfügbarkeit sei für 2026 geplant.
„Die Grundlage für den Erfolg von Microsoft-Partnern liegt darin, selbst zum Kunden zu werden“, erläuterte Dezen. „Die diesjährige Ignite-Konferenz markiert einen wichtigen Meilenstein auf unserem gemeinsamen Weg zu neuen Horizonten – sowohl hinsichtlich der Verwirklichung dieses Ziels als auch der Unterstützung, die Microsoft Ihnen dabei bietet. Das Microsoft AI Cloud Partnerprogramm wird auch weiterhin der Motor unseres Partner-Ökosystems sein und Partner stärken.“