Im Gespräch mit Enrico Bartz von SVA So können Systemhäuser das Thema Container-Management angehen

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Sylvia Lösel

Red Hats Partnerprogramm „Leading with Containers” soll vor allem Systemhäuser und ISVs fit für den Einsatz von OpenShift bei der Entwicklung Kubernetes-basierter Cloud-Applikationen machen. Enrico Bartz von SVA beschreibt, wie Systemhäuser das Container-Management angehen können.

Firmen zum Thema

Systemhäuser und Container-Management: eine neue Welt entdecken.
Systemhäuser und Container-Management: eine neue Welt entdecken.
(Bild: Destina - stock.adobe.com)

Enrico Bartz, Leiter Competence Center Container Plattform & Cloud Management beim Systemhaus SVA.
Enrico Bartz, Leiter Competence Center Container Plattform & Cloud Management beim Systemhaus SVA.
(Bild: SVA)

„Sowohl Container- als auch Cloud-Infrastruktur-Projekte stehen bei unseren Kunden zunehmend im Fokus", sagt Enrico Bartz, Head of Competence Center Container Plattform & Cloud Management bei SVA, „daher steigt auch der Anteil am SVA-Gesamtumsatz in diesem Bereich stetig. Kubernetes bietet vielfältige Möglichkeiten zur Standardisierung und hebt das Level der Automatisierung auf ein ganz neues Level. Wir erkennen hier einen disruptiven Wandel ähnlich dem Einzug der Virtualisierung im Jahre 2010."

Das Systemhaus SVA ist Red Hat Premier Business Partner, qualifizierter Red Hat Container Platform Specialist und IBM Platinum Business Partner.In den vergangenen zwei Jahren habe SVA sein Team im OpenShift-Umfeld verdoppelt. „Wir erleben in diesem Jahr nochmal ein verstärktes Interesse unserer Kunden zur Einführung von Container Services und haben jetzt schon doppelt so viele Proof of Concepts als im gesamten Vorjahr durchgeführt.“

Die Red-Hat-Kampagne „Leading with Containers" könne SVA seiner Ansicht nach sowohl in den Angebotsphasen als auch in neuen Container-Marketing-Kampagnen unterstützen. Kubernetes biete die Basis, eine neue Plattform zu werden, die Applikationen im Fokus hat. „Für uns ist es wichtig, Firmen bei innovativen Themen zu begleiten, mit unseren Kunden an der Strategie für die Zukunft zu arbeiten und damit auch an einer langfristigen Kundenbindung. Denn wir möchten unseren Kunden ganzheitlich ihre individuellen Lösungen zur Verfügung zu stellen.“

Vorgehensweise beim Container-Management

Die Container-Technologie mit Kubernetes unterscheidet sich deutlich von der Virtualisierung mit Virtuellen Maschinen – und das hat viele Vorteile.
Die Container-Technologie mit Kubernetes unterscheidet sich deutlich von der Virtualisierung mit Virtuellen Maschinen – und das hat viele Vorteile.
(Bild: SVA)

Wer sich dem Thema „Container Management" nähern möchte, sollte zunächst einen Schritt zurücktreten und versuchen, das Big Picture zu sehen, rät Bartz. „Container sind das Resultat der Entwicklung der letzten zehn Jahre. Auch wenn es Docker erst seit 2013 gibt, reichen die Bestrebungen von Google zurück in das Jahr 2007 mit der Einführung von „cgroups", damals gedacht als bessere Möglichkeit der Prozessisolation auf Linux-Systemen. Wo sonst virtuelle Maschinen (VMs) für die Trennung von Applikationsbestandteilen gesorgt haben, ist es nun möglich, Prozesse innerhalb des Betriebssystems zu isolieren. Das habe zur Folge, dass viel weniger Overhead für die einzelnen Bestandteile anfalle und auch die Entwicklungszeiten drastisch reduziert würden. So wie einst bei der Einführung der Virtualisierung schaffen Unternehmensentwickler also eine höhere Effizienz sowie eine Beschleunigung diverser Prozesse.

Mit Containern lassen sich Cloud-native Applikationen u.a. ausfallsicher bereitstellen und betreiben.
Mit Containern lassen sich Cloud-native Applikationen u.a. ausfallsicher bereitstellen und betreiben.
(Bild: SVA)

Container sind nur ein Bauteil im Gesamtbild. Das Ziel bestehe häufig darin, Applikationen automatisiert und codebasiert in unterschiedlichsten Umgebungen auszurollen. Damit befinden sich Systemhäuser mitten im Thema DevOps. Neben dem Container-Thema benötigen Systemhäuser auch hier jede Menge Automatisierung, etwa in Form von Tools rund um Continuous Integration und Continuous Delivery (CI/CD-Zyklus).

Darüber hinaus sollte laut Bartz alles, was die Infrastruktur betrifft, so weit wie möglich automatisiert werden, weshalb das Thema „Infrastructure as Code" ebenfalls sehr wichtig sei. Kubernetes sei in vielen Produkten der Kern und definiere dabei eine „wundervoll modulare und beliebig erweiterbare API zur Beschreibung von Infrastruktur. Es kommt darüber hinaus nicht selten vor, dass Anpassungen an bestehenden Applikationen nötig sind, damit diese die Mehrwerte von Cloud und Containern vollumfänglich nutzen können."

Konkrete Praxistipps

Bartz gibt eine Reihe von konkreten Empfehlungen. „Bauen Sie das nötige Knowhow auf, um Kunden auf der Ebene der Architekten und Anwendungsentwickler zu verstehen. Das betrifft dabei die Architekturen der letzten 20 Jahre bis hin zu heutigen Cloud Practices." Dies sei erforderlich, um sich in bestehende Strukturen hineinzuversetzen und dabei Potentiale einschätzen und beschreiben zu können. Darüber hinaus sollten relevante und strategische Partnerschaften zu Firmen aufgebaut werden, die einem in diesem Umfeld immer wieder begegnen. „Dabei ist aber zu beachten, dass es keinen Hersteller gibt, der pauschal zu allen Kunden und Herausforderungen passt. Daher sollte das Portfolio gut überlegt und strategisch ausgerichtet sein", rät der Leiter des Kompetenzzentrums Container bei SVA.

Herausforderungen

Bartz reduziert die Herausforderungen auf zwei Kernpunkte. Es handle sich erstens um einen Wachstumsmarkt in der Konsolidierungsphase. Kubernetes wurde 2014 vorgestellt, und nach fünf bis sieben Jahren sei eine Adaption auch im Enterprise Sektor zu erwarten. „Wer einen Blick auf den The Forrester Wave-Report aus den Jahren 2018 und 2020 zum Thema „Containerplattformen" wirft, sieht im Vergleich, wie sehr sich das Umfeld geändert hat. Giganten kaufen relevante Player und verschmelzen anschließend das eigene Produktportfolio mit den akquirierten Lösungen." Dabei sei es gut möglich, dass strategische Partnerschaften „im Winde verwehen" und bereits etablierte Wertschöpfungsketten komplett neu aufgebaut werden müssten.

Auch daher sei es für ein Systemhaus relevant, ein ausgewogenes Portfolio zu pflegen. „In diesem Wachstumsmarkt", so Bartz weiter, „hat man es immer mit neuen Trends zu tun und sollte abwägen, wo sich die Investition lohnt, und vor allem wie man auch Kunden abholen kann, die bereits in eine Richtung gegangen sind, welche sich als nicht lohnenswert herausgestellt hat."

Der zweite Punkt ist der stets drängende Bedarf an Fachpersonal. Habe man ursprünglich nach Fachkräften für Einzelthemen gesucht, sei es laut Bartz nun notwendig, Personen mit breitem Wissen aus Anwendungsentwicklung, Automatisierung und IT-Betrieb aufzubauen. „Diese Breite an Kenntnissen, kombiniert mit der Erfahrung mehrerer Jahre in Großprojekten, ist schwer zu finden. Es ist daher also wichtig, für Bewerber attraktiv zu sein und bestehende Talente zu fördern, um so auch langfristig erfolgreich zu sein."

Erfolgsstrategien

Container und das DevOps-Umfeld ändern sich ständig. Neue Themen, Hersteller, Lösungen, Methoden, Programmiersprachen, Architekturen und Herangehensweisen seien laut Bartz an der Tagesordnung. „Grundvoraussetzung für den Erfolg im DevOps-Bereich ist also gelebte Agilität", empfiehlt der SVA-Manager. „DevOps ist außerdem Teamsport, daher muss jeder in der Lage sein, Veränderungen zu adaptieren und auch ins Team einzubringen." Die wichtigste Strategie sei es also, sich als Team den Herausforderungen zu stellen, gemeinsam die Zukunft zu definieren und dabei auch genügend Luft für Fortbildung und Entwicklung zu lassen, damit man ständig am Ball bleiben könne.

(ID:47595725)

Über den Autor