Kooperation mit Nvidia, Red Hat, Deepset Secunet plant KI-Cloud für Verschlusssachen

Von Ira Zahorsky 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Eine KI-Cloud von Secunet soll Behörden Anwendungen mit Verschlusssachen ermöglichen. Red Hat, Deepset und Nvidia liefern zentrale Bausteine. Der Dienst soll – vorbehaltlich Integration, Tests und behördlicher Freigaben – in deutschen Rechenzentren laufen.

(v. l.) Andreas Rückriegel (Secunet), Christof Orth (Red Hat) und Milos Rusic (Deepset) freuen sich auf die Zusammenarbeit.(Bild:  Secunet / Red Hat / Deepset / bearb. m. Canva)
(v. l.) Andreas Rückriegel (Secunet), Christof Orth (Red Hat) und Milos Rusic (Deepset) freuen sich auf die Zusammenarbeit.
(Bild: Secunet / Red Hat / Deepset / bearb. m. Canva)

Secunet, Red Hat und Deepset arbeiten an einer Cloud-Umgebung für KI-Anwendungen mit Verschlusssachen. Auf der Nvidia GTC Berlin bekräftigten die Partner das Vorhaben. Nvidia-Technologien bilden einen zentralen Teil der technischen Grundlage. Doch noch ist das neue KI-Angebot kein einsatzbereiter Dienst.

Der geplante Service soll als Runtime as a Service in deutschen Rechenzentren von Secunet betrieben werden. Behörden und andere Organisationen mit VS-Anforderungen könnten dort KI-Anwendungen nutzen, ohne Betrieb und Schutzarchitektur selbst vollständig aufbauen zu müssen. Bis zur Bereitstellung müssen allerdings Integration, Validierung und erforderliche Zulassungs- und Freigabeverfahren abgeschlossen sein.

Sicherheitsarchitektur als Fundament

Die Architektur baut auf der SINA Cloud von Secunet auf. Sicherheitsfunktionen sollen dabei auf einer Nvidia-Bluefield-3-DPU hardwareseitig isoliert laufen. Das soll die Verarbeitung eingestufter Daten gemäß den Anforderungen der Verschlusssachenanweisung unterstützen. Andreas Rückriegel, Vice President Cloud Services bei Secunet, beschreibt den Anspruch so: „Der Einsatz moderner KI in Verbindung mit Verschlusssachen erfordert, Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Souveränität von Beginn an zusammenzudenken.“

Red Hat steuert mit der AI Factory mit Nvidia eine Plattform für den containerisierten Betrieb bei. Sie soll die Nvidia-KI-Infrastruktur und offene Nemotron-Modelle einbinden. „Offene Technologien schaffen Wahlfreiheit und Transparenz und bilden eine wesentliche Grundlage für Digitale Souveränität“, weiß Christof Orth, Director Sales Federal, Local States Government and HealthCare, Red Hat GmbH. „Zusammen verbinden wir Offenheit und Skalierbarkeit mit den besonderen Anforderungen sicherheitskritischer Einsatzbereiche.“

„Der konkrete Nutzen generativer und agentischer KI entsteht in Anwendungen, die Modelle mit relevantem Wissen, Daten und Werkzeugen verbinden“, erläutert Milos Rusic, CEO und Co-Founder von Deepset. Um dies zu gewährleisten, ergänzt Deepset die Umgebung mit Haystack, einem Framework zur Orchestrierung von KI-Agenten. Damit sollen sich unter anderem RAG- und agentische Anwendungen für geschützte Einsatzbereiche entwickeln lassen.

Für die Freigabe ist eine wichtige Einschränkung zu beachten: Die genannten Einsatzerlaubnisse des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beziehen sich auf Sicherheitskomponenten der SINA Cloud. Sie erleichtern laut Secunet die Freigabe konkreter Implementierungen, bedeuten aber nicht, dass das neue Gesamtangebot bereits zugelassen ist.

Offenheit soll Abhängigkeiten begrenzen

Das Konsortium setzt auf einen modularen Aufbau und standardisierte Schnittstellen. Behörden sollen Modelle, Daten und Anwendungen selbst auswählen und Komponenten bei Bedarf austauschen oder erweitern können. Offenheit allein garantiert jedoch noch keine Digitale Souveränität: Entscheidend wird sein, wie viel Kontrolle Kunden im konkreten Betrieb tatsächlich erhalten und welche Komponenten sie unabhängig wechseln können.

Die Kooperationspartner wollen nach der technischen Integration zunächst das Zusammenspiel der Komponenten für vorgesehene Einsatzszenarien prüfen. Anschließend sollen die notwendigen Zulassungs- und Freigabeschritte folgen. Einen konkreten Starttermin für dieses KI-Angebot nennen sie nicht.

Teil einer breiteren Cloud-Strategie

Die Zusammenarbeit reiht sich in weitere Vorhaben von Secunet ein, die unterschiedliche sensible Einsatzbereiche adressieren. So ist Fides Sovereign Governance bereits als SaaS-Angebot auf Secunet-Infrastruktur in Deutschland verfügbar. Eine geplante ServiceNow-Plattform soll künftig Workflows für regulierte Bereiche unterstützen und ist für VS-NfD-Anforderungen vorgesehen; als Zieljahr wird 2027 genannt.

Wissen, was läuft

Täglich die wichtigsten Infos aus dem ITK-Markt

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Bereits im Juni gab Secunet die Zusammenarbeit mit Cloudflare bezüglich souveräner Cloud-Angebote bekannt. Die Partnerschaft soll Cloudflare-Technologien mit einem europäischen Betriebsmodell verbinden.

Die Vorhaben zeigen eine Strategie, bei der Secunet neben eigener Sicherheitsinfrastruktur auch Partnertechnologien in Cloud-Angebote für Behörden und weitere sensible Organisationen einbindet. Das neue KI-Angebot führt diesen Ansatz in Richtung generativer und agentischer Anwendungen weiter.

(ID:51000123)