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Oracle setzt auf disruptive Technologien

Schöpferische ­Zerstörung durch IT

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Der Weg in die Zukunft verläuft disruptiv.
Der Weg in die Zukunft verläuft disruptiv. (Bild: Algol - stock.adobe.com)

Der Ökonom Joseph Schumpeter hat nicht nur Begriffe wie „Innovation“, „Wagniskapital“ und „­Firmenstrategie“ etabliert, sondern beschreibt mit seiner Theorie der schöpferischen Zerstörung ziemlich gut, wie Smartphones, die Cloud, KI und IoT die Wirtschaft und die Gesellschaft im Internetzeitalter ruppig und nachhaltig umbauen. Das Beispiel Oracle verdeutlicht die Marschroute.

Blockchain wird die Bankenwirtschaft durcheinanderwürfeln. IoT-Technologie und Industrie 4.0 verändern Fertigungsprozesse massiv. Cloud Computing wirft IT-Architekturen und Kostenmodelle über den Haufen. Mobile Geräte bringen Anwendungen an jeden Ort. Mixed und Augmented Reality erweitern die wahrgenommene Realität. Virtual Reality offeriert völlig neue Wahrnehmungsräume. Chatbots simulieren menschliche, textbasierte Dialoge. Künstliche Intelligenz (KI) in Kombination mit Data Mining und Analytics führt zu neuen Möglichkeiten in der Erkenntnisfindung.

Der Ökonom Joseph Schumpeter würde diese Entwicklungen wahrscheinlich als „Neukombination von Produktionsfaktoren“ bezeichnen und auf seine Theorie der schöpferischen Zerstörung verweisen, die er 1942 in „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“ veröffentlichte.Die zentrale These lautet, dass jede ökonomische Entwicklung auf dem Prozess der schöpferischen Zerstörung aufbaut, alte Strukturen verdrängt und schließlich zerstört werden. Diese Zerstörung sei kein Systemfehler, sondern notwendig, damit Innovation und Neuordnung stattfindet.

Eingebettet in den persönlichen Alltag bekommt das Gros der Menschen aber nur am Rande mit, wie schnell IT derzeit sozioökonomische Gewissheiten über Bord wirft und Wirtschaft wie Gesellschaft mit offenem Ausgang umkrempelt. Nichtsdestotrotz gilt: Was bisher geschah, war erst der Anfang, und wohin die Reise führt, ist offen.

Wellen schlagen und darauf surfen

IT-Konzerne wie Oracle haben allein schon aus Geschäftsinteresse ein gut funktionierendes Radar für die solche technologischen Entwicklungen. Derlei IT-Größen surfen hier nicht nur mit, sondern produzieren gleichzeitig durch technische Innovationen die Wellen, auf denen gesurft wird. Das Portfolio wurde laufend strategisch angepasst und lässt gegenwärtig so gut wie kein zukunftsträchtiges IT-Thema mehr aus.

Dr. Swantje Schulze, Senior Director Alliances & Channels, Oracle Deutschland
Dr. Swantje Schulze, Senior Director Alliances & Channels, Oracle Deutschland (Bild: Oracle)

Dr. Swantje Schulze, Senior Director Alliances & Channels bei Oracle Deutschland blickt zurück: „Oracle warb damit, den gesamten Red Stack bereitzustellen. Damit war gemeint, dass der Kunde vom Storage, über den Server, zur Middleware bis hin zur Applikation alles aus einer Hand erwerben kann.“ Heute umfasse das Portfolio zusätzlich die zentralen Cloud-Themen. Schulze zählt auf: „IaaS (Infrastructure as a Service), PaaS (Platform as a Service) und SaaS (Software as a Service). Wenn es um die Bereitstellung von Rechenleistung geht, haben wir das neue Datacenter in Frankfurt. Das bietet die Cloud-Infrastruktur, bei der Firmen flexibel Dienste aufsetzen oder wieder abbestellen können und Entwickler auf neue Technologien zugreifen können.“

Der disruptive Charakter der digitalen Transformation zeige sich besonders an den Themen Analytics, Cloud, KI, IoT und Native Cloud Development. Unter dem zuletzt genannten Schlagwort ist ­zusammenfassend gemeint, dass Anwendungen gleich für den Geräte-unabhängigen Betrieb in der Cloud entwickelt werden. Hierfür stellt Oracle Entwicklungstools bereit, die auch gewährleisten, dass man im laufenden Betrieb Veränderungen vornehmen kann – Stichwort ­„DevOps“.

Vom CRM bis zur KI

Oracle-Kunden nutzen IaaS-Ressourcen für Testing and Development, Backup, Hochverfügbarkeit, Spiegelung und das Abfangen von Lastspitzen. Zentrale Firmen-Applikation werden mehr und mehr in die Cloud transferiert, so Schulze, beispielsweise das Unternehmens-CRM. „Erst vor Kurzem haben wir das mit Siebel für ­einen Automobilhersteller zusammen mit einem Partner realisiert.“

Wobei sich im Falle eines CRM durch den As a Service zwar neue Möglichkeiten im mobilen Arbeiten ergeben, aber im Grunde nur die Bereitstellungsmethode wechselt. Das größte Potenzial für disruptive ­Innovationen entsteht naturgemäß im Entwicklerumfeld, wo via Native Cloud Development (auch auf Open-Source-Basis) die Einbindung neuer Technologien vereinfacht wird. Produktseitig wären hier beispielsweise Docker, die Blockchain-Technologie oder Künstliche Intelligenz zu nennen. Einen einprägsamen Namen wie „Watson“ im IBM-Umfeld gibt es für die Oracle-KI nicht. Aber der „Oracle AI Platform Cloud Service“ steht Entwicklern zur Verfügung, die mit diesem Dienst innovativ sein wollen.

Oracle bindet Partner ein

Erfindergeist bei Partnern fördert Oracle über verschiedene Programme, Schulungsangebote, Unternehmensberatung und über das so genannte Next-Team. Das sind Oracle-interne Berater mit technischem Hintergrund, die „in Tagen bis Wochen Prototypen ­[bauen], wenn es eine gute Idee für einen Geschäftskunden, basierend auf unserer Technologie, gibt“, so Schulze. „So bekommen sie die Idee umgesetzt und vermarktet, denn der Partner kann damit zur Geschäftsführung seines Kunden gehen.“ Vor diesem Hintergrund wurde eine „Partner-Cloud-Innovation-Challenge“ ins Leben gerufen. Dabei hat Oracle seine Channel-Partner aufgefordert, kreative Ideen für neue Geschäftsmodelle einzureichen. Anfang Dezember hat eine Jury die besten Vorschläge ermittelt, und die drei Gewinner arbeiten jetzt mit dem Next-Team zusammen. Dieses wird die Partner-Ideen als Prototypen umsetzen und bei der Vermarktung helfen.

Von der Theorie in die Praxis

Selbst in Personalabteilungen können Sachbearbeitertätigkeiten – zumindest teilweise – von künstlichen Entitäten (Chatbots) übernommen werden.
Selbst in Personalabteilungen können Sachbearbeitertätigkeiten – zumindest teilweise – von künstlichen Entitäten (Chatbots) übernommen werden. (Bild: aleutie - stock.adobe.com)

Die Gewinner wurden zwar noch nicht offiziell gekürt, aber die Channel-Chefin verriet bereits, welche drei Projekte obsiegt haben. So überzeugte Oracle-Partner Silbury mit einer Chatbot-Personalsoftware-Chimäre. Kern der Idee ist es, die Personal-Software Oracle HCM mit einem hauseigenen Chatbot zu verknüpfen. Dieser kann Mitarbeiter-Fragen beantworten wie „Wie viel Urlaub habe ich noch?“, „Wie viel Sonderurlaub gibt es bei einer Hochzeit?“ oder „Wann bekomme ich meine Provision ausgezahlt?“. Bis zu 50 Prozent der internen Anfragen an die Personalabteilung seien stets dieselben, sodass auf diese Weise leichte Sachbearbeiter-Tätigkeiten vom HR-Chatbot übernommen werden.

Die Esentri AG punktete bei der Jury mit einem Augmented-Reality-Projekt, bei dem „das Kauferlebnis im Laden“ durch ­Digitalisierung erweitert werden soll „und die Vorteile von on- und offline über eine App verbunden werden“. Potenzielle Käufer werden dabei durch einen „intelligenten Einkaufsassistenten“ beraten und bekommen weiterführende Informationen zu Produkten eingeblendet, wenn sie im ­Laden ihr Handy vor diese halten.

Das dritte Projekt, das bei der Jury Anklang fand, kommt aus dem IoT-Bereich und wurde von Riverland Reply aus München ersonnen. Dabei handelt es sich um eine „Customer Engagement Plattform“, die ­Autofahrern personalisiert zur richtigen Zeit Handlungsempfehlungen gibt. Grundlage dafür bilden Daten in Bezug auf das Fahrverhalten sowie Sensorik-Informationen über den Zustand des Fahrzeugs. Der Fahrer erhält die Empfehlungen als Push-Nachrichten. Das könnte zum Beispiel die Meldung sein: „Bitte kaufen Sie neue Winterreifen. Sie kosten 400 Euro, wir könnten Ihnen nächsten Montag bei folgendem Reifenhändler einen Termin anbieten.“

„Oracle hat mit den Gewinnern vereinbart, dass wir die Prototypen bauen und die Produkte dann auch vermarkten. Die offizielle Preisverleihung ist aber erst im März“, blickt Schulze voraus.

Oracle setzt auf disruptive Technologien

Chatbots und ­Schweinebraten

Oracle setzt auf disruptive Technologien

07.02.18 - Die digitale Zeitenwende schreitet voran und bringt auch in die „analoge Wirtschaft“ mehr Effizienz . Dr. Swantje Schulze, Channel-Chefin bei Oracle, will die Partner dafür rüsten. lesen

Große Umwälzungen, die in Exponentialform verlaufen

Der disruptive Ansatz lässt sich zusammenfassend dahingehend erklären, „dass Cloud einerseits Innovation begünstigt, da schnell Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird, und andererseits mit moderner Technologie wie künstlicher Intelligenz oder Blockchain neue Mehrwerte geschaffen werden“, erläutert die Channel-Chefin bei Oracle Deutschland. „Oder man optimiert mit Standardapplikationen aus der Cloud Prozesse beim Kunden – beispielsweise wickelt die Datingplattform Parship 16.000 Kundenanfragen pro Woche über die Oracle Service Cloud ab. Oder nehmen wir DB Schenker: die nutzen in über 70 Ländern die Oracle Sales Cloud“. Darüber hinaus wird Data as a Service für den Software-Riesen – und die ganze Welt – eine wachsende Rolle spielen. Hierbei werden Daten für Anwendungen Service-basiert geliefert, beispielsweise Wetterdaten oder Wechselkurse.

Einzelne Projekte oder Services mögen sich nicht weltbewegend anhören, doch hier summiert sich etwas.

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