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Netzwerk-Service geht in die Cloud

| Autor: Klaus Länger

Lancom hebt ab in die Cloud: Mit der Lancom Management Cloud sollen Partner komplexe Netze besser verwalten und als Service vermarken können.
Lancom hebt ab in die Cloud: Mit der Lancom Management Cloud sollen Partner komplexe Netze besser verwalten und als Service vermarken können. (Bild: © Senohrabek – Fotolia.com)

Mit der Management Cloud bringt Lancom die nach eigenen Angaben erste Komplettlösung für ein Cloud-basiertes Management von Netzwerk-Produkten. Sie soll nicht nur die Einrichtung und ­Wartung eines Netzwerks einfacher und schneller machen, sondern auch dem Handel Vorteile ­bringen. Die Firma hat für die Cloud-Lösung ein eigenes Vertriebsteam gegründet.

Kisten schieben und Strippen ziehen ist für Systemhäuser aus dem Netzwerksektor heute kein tragfähiges Geschäfts­modell mehr. Die vermehrte Nutzung von Cloud-Infrastukturen für das Speichern und die Verarbeitung von Daten, die ­Integration von IoT-Lösungen und der Trend zur Tele-Arbeit über VPN führen zu mehr Komplexität beim Aufbau eines Netzwerks und machen die Konfigura­tion der diversen Geräte nicht gerade einfacher.

Dieses Problem will Lancom mit einer Cloud-Lösung angehen, die auf Software-defined Networking (SDN) basiert. Die Firma aus Würselen ist zwar nicht der einzige und auch nicht der erste Hersteller von Netzwerk-Equipment, der eine Cloud-Lösung für das Management seiner Geräte an den Start bringt, aber wohl der mit dem umfangreichsten Portfolio an Cloud-fähigen Produkten. Denn das gesamte Lancom-Sortiment, bestehend aus Gateways, Routern, WLAN-Access-Points und Switches soll bereits „Cloud-Ready” sein. Lancom spricht zudem von mehr als 350.000 bei Kunden installierten Geräten, die nachträglich in die Lancom Management Cloud aufgenommen werden können. Voraussetzung ist lediglich ein Firmware-Update auf die kommende LCOS-Version 10.0.

Eigene Vertriebseinheit für die Management Cloud

Lancom ist derzeit laut eigenen Angaben der größte deutsche Hersteller von Netzwerkgeräten. Gegründet wurde die Firma vor 15 Jahren als Management-Buyout aus der früheren Elsa AG in Aachen. Elsa hatte sich nicht nur mit Grafikkarten einen Namen gemacht, sondern vor allem als Hersteller von Modems und Netzwerk-Komponenten wie etwa ISDN-Routern und auch WLAN-Adaptern. Aus ­anfänglich zehn Mitarbeitern wurden inzwischen mehr als 250. Ralf Koenzen, der das Unternehmen 2002 mit einem Kollegen gründete, ist als Geschäftsführender Gründungsgesellschafter immer noch an Bord. Neben Koenzen ist der ehemalige Siemens-Manager Stefan Herrlich seit 2013 geschäftsführender Gesellschafter.

Für die Lancom Management Cloud, die als kostenpflichtiger Dienst vertrieben wird, hat der Hersteller im Oktober ­vergangenen Jahres eine eigene Vertriebseinheit aus der Taufe gehoben. Das sechsköpfige Team kam komplett von dem SDN-Spezialisten Ocedo aus Karlsruhe, der Anfang 2016 von Riverbed übernommen wurde. Geleitet wird es von Ralf Haubrich, zuvor VP Sales bei Ocedo. Das Cloud-Geschäft soll das neue Team von Karlsruhe aus länderübergreifend betreiben und dafür mit Distribution und Fachhändlern zusammenarbeiten.

Software-Defined-Networking als Basis

Die Lancom Management Cloud soll sich dafür eignen, Netzwerke jeder Größe zentral zu verwalten. Dabei verspricht der Hersteller, dass ein Systemhaus nur die Anforderungen der Kunden ermitteln muss. In der Management-Oberfläche müssen dann lediglich die Rahmenbedingungen für das Netzwerk-Design eingegeben werden. Die Konfiguration der ­beteiligten Netzwerkkomponenten soll dann automatisch errechnet und ausgerollt werden, ohne dass eine manuelle Einstellung der einzelnen Geräte nötig ist. Für den Lancom-Geschäftsführer Ralf Koenzen ist diese automatische Konfi­guration der unterschiedlichsten Geräte im Netz die herausragende Eigenschaft der Lancom Management Cloud. Der Schlüssel dazu sind drei Software-Defined-Networking-Technologien, aus denen sich die Basis der Management Cloud zusammensetzt:

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Weiteres Standbein: Digitale Schilder mit WLAN
  • SD-WAN übernimmt bei Routern und Gateways den automatischen Aufbau von VPNs für die Anbindung von Home-Offices und Außenstellen.
  • SD-LAN ist für die automatische Konfiguration der Managed Switches zuständig. Unterstützt wird dabei auch die Trennung des Netzwerks in VLANs einschließlich zentraler Port-Profile. Bei Unternehmen mit Filialen, in denen Netzwerke mit ähnlicher Struktur vorhanden sind, kann eine Vorlage für den Aufbau der virtuellen LANs mit der Belegung der einzelnen Ports in den Switches erstellt und dann über alle Standorte ausgerollt werden.
  • SD-WLAN übernimmt eigenständig die WLAN-Konfiguration. Dabei werden auch Multi-SSIDs einschließlich einer Netztrennung unterstützt, etwa für eigene Gästenetze.

Bei Geräten, die mehrere Funktionen in sich vereinen, etwa bei WLAN-Routern, kommen dann auch mehrere Software-­Defined-Networking-Technologien zum Einsatz.

Die Cloud-Software soll zudem eine 24/7-Netzwerküberwachung mit Alarmfunktion bieten. So lassen sich Fehler identifizieren und beheben, bevor sie zu Störungen führen. Über die Cloud laufen laut Lancom ausschließlich Monitoring und Steuerungsdaten. Nutzdaten verbleiben im lokalen Netzwerk oder werden über VPN übertragen.

Gehosted wird die Management Cloud in Deutschland. Systemhäuser haben die Möglichkeit, die Management-Software auf eigenen Servern als Private Cloud zu betreiben. Kunden mit großen Netzwerken können die Lancom-Software auch im eigenen Rechenzentrum laufen lassen. Eine Mischform aus Public- und Private-Cloud ist nicht möglich.

Eine Oberfläche für alles

Bei der Lancon Management Cloud gibt es nur eine Web-Oberfläche für alle Geräte, alle Aufgaben und alle Nutzer. Allerdings setzt Lancom hier ein Rollenmodell ein, das die Ansichtsoptionen und die Zugriffsrechte regelt. Unterschiedlichen Personen oder Gruppen können verschiedene Rechte eingeräumt werden. So kann etwa ein Kunde Zugriff auf die Monitoring-Ansichten bekommen, ohne selbst in die Konfiguration eingreifen zu können. Auch für den Support und Techniker können beispielsweise eigene Zugriffsrechte definiert werden. So kann etwa nur ein qualifizierter Techniker Vollzugriff erhalten.

Flexible Lösung und keine Einbahnstraße

Die Größe der von der Management Cloud abgedeckten Netzwerke kann laut Lancom von wenigen Geräten bis hin zu tausenden von Netzwerkkomponenten bei international tätigen Unternehmen reichen. Gerade für kleine Unternehmen ­ohne eigene IT-Abteilung soll sich der ­Managed Service auf Basis der Lancom-­Lösung eignen, da sie auf eine schnelle und sichere Konfiguration durch ihr Systemhaus angewiesen sind. Lancom verspricht den Nutzern der kostenpflichtigen Cloud-Lösung zudem deutliche Einsparungen durch reduzierte Betriebskosten aufgrund der schnelleren und einfacheren Konfiguration der Lancom-Produkte.

Die Management Cloud ist laut Lancom auch keine Einbahnstraße. Der Kunde entscheidet, ob Geräte über die Cloud oder über die klassischen Netzwerkmanagement-Tools LANconfig und LANmonitor verwaltet werden. Über die Cloud-Lösung lassen sich bei einzelnen Geräten alle Parameter beeinflussen, die auch über die ­bisherigen Tools möglich sind.

Wenn bei Geräten von Kunden mit Manangement-Cloud-Vertrag keine Internetverbindung möglich sein sollte, kann vor Ort auch LANConfig zum Einsatz kommen. Das Ein- und Ausbuchen von Lancom-Geräten in die Management Cloud soll problemlos vonstatten gehen. Das ist bei den Cloud-Lösungen einiger Mitbewerber laut Koenzen nicht möglich. Zudem können einzelne Geräte auch zwischen verschiedenen Projekten verschoben werden.

Vorteile für den Channel

Der Channel soll ebenfalls von der Management Cloud profitieren. Die Konfiguration komplexer Netzwerke wird für die Techniker der Systemhäuser einfacher und damit weniger fehleranfällig. Zudem kann sie als Einstiegspunkt zu weiteren Managed-Service-Verträgen dienen. Der Vertrieb der Lancom Manangement Cloud soll über die Distribution erfolgen. Laut Ralf Koenzen gibt es Verträge mit einem, drei oder fünf Jahren Laufzeit und jeweils vier unterschiedlichen Preisstufen, abhängig von der Komplexität der verwalteten Geräte. Die Management Cloud soll Multi-Projekt- und Multi-Mandanten-fähig sein, was den Aufwand für Systemhäuser beim Betrieb eigener Private-Cloud-Server erheblich ­reduziert.

Konkrete Preise gibt es derzeit noch nicht, da der offizielle Start für April geplant ist. Derzeit fährt Lancom einen Testlauf bei einigen ausgewählten Solution Partnern.

Nach dem offiziellen Start soll das Produkt aber Partnern aller Stufen offen stehen. Das Netzwerk-Management als Service könnte gerade kleineren Partnern erhebliche Vorteile bringen. Sie können durch die erleichterte Konfiguration selbst aufwändigere Projekte angehen ohne dafür zusätzliche Techniker zu benötigen. Und sie kommen bei der Public-Cloud-Variante ohne zusätzliche Infrastruktur aus.

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