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Ernesto Schmutter bei MRM Mit ruhiger Hand durchs Corona-Jahr

Autor: Michael Hase

Als Geschäftsführer der MRM Distribution hat Ernesto Schmutter seine Agenda trotz Pandemie konsequent umgesetzt: Deutlicher Personalausbau, Erweiterung des Portfolios und zweistelliges Wachstum prägten sein erstes Jahr bei dem Spezialisten für Gebrauchtsoftware.

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Ernesto Schmutter ist seit einem Jahr hauptamtlich bei der MRM Distribution aktiv.
Ernesto Schmutter ist seit einem Jahr hauptamtlich bei der MRM Distribution aktiv.
(Bild: MRM Distribution)

Vorhersehen konnte das niemand. Als ­Ernesto Schmutter vor einem Jahr bei MRM einstieg, war die Coronakrise noch weit weg. Doch nur wenige ­Monate später sah es mit Beginn des Lockdowns kurzzeitig so aus, als würde seine Strategie für den ­Distributor von Gebrauchtsoftware durchkreuzt. Immerhin hatte der neue Geschäftsführer gerade erst 15 zusätzliche Mitarbeiter verpflichtet, und nun würde das Momentum womöglich gebremst werden. Doch der langjährige Ingram-Micro-Manager bewahrte die Ruhe und änderte nichts an der Personalplanung. „Wir haben beschlossen, wir ziehen das jetzt durch.“

Bekanntlich kam es für die ITK-Branche zu keinem Einbruch. So wie in der Krise generell der Bedarf an Workplace- und Collaboration-Lösungen wuchs, stieg auch die Nachfrage nach Gebrauchtsoftware in diesem Segment. Aber auch das konnte niemand vorhersehen. Jedenfalls partizipierte die MRM Distribution an der positiven Marktentwicklung. „Wir sind keinen ­Monat weniger als 40 Prozent gewachsen“, berichtet Schmutter. So stellte das Unternehmen, das im März den Hauptsitz von Frankfurt / Main nach Unterschleißheim bei München verlegte, weiteres Personal ein. ­Mittlerweile beschäftigt es 25 Mitarbeiter. Zu Beginn dieses Jahres, als der Distributor den Einstieg des neuen Geschäftsführers offiziell bekanntgab, waren es noch sieben.

Hardware- und SaaS-Angebote

Sein Augenmerk richtete der MRM-Chef unter anderem darauf, mit der Expansion des Unternehmens die internen Strukturen weiterzuentwickeln. Aber auch das Portfolio hat er mit seinem Team ausgebaut. So handelt der Distributor in Kooperation mit den Refurbishing-Spezialisten BB-Net und GSD inzwischen auch mit gebrauchter Hardware. Darüber hinaus vertreiben die Oberbayern seit Juni das SaaS-Angebot WeEncrypt, mit dem sich E-Mail-Kommunikation schützen lässt. „Partner fragen uns häufig, wenn sie gebrauchte Collaboration-Software einkaufen, nach geeigneten Verschlüsselungslösungen.“ Diesen ­Bedarf kann MRM nun selbst bedienen.

Prinzipiell hat sich der Spezialist von Anfang als Bindeglied zwischen On Premises und Cloud verstanden. So sieht auch Schmutter den Gebrauchtsoftwarehandel als Beitrag zur Cloud-Transformation an. Denn Unternehmen, die auf SaaS-Lösungen umsteigen, können die Migrationskosten zu einem Teil gegenfinanzieren, indem sie ihr in On-Premises-Software gebundenes Kapital wieder flüssig machen.

Corona war 2020 nicht die einzige Herausforderung für MRM. Hinzu kam Störfeuer von Microsoft, dem für den Gebrauchtsoftwaremarkt wichtigsten Anbieter. Seit Mai dürfen Kunden, die von On-Premises-Verträgen mit Software Assurance („from SA“) zum Cloud-Modell wechseln, ihre Altlizenzen nicht mehr veräußern. Andernfalls verlieren sie beim Umstieg ihren Rabatt. Schmutter blieb auch angesichts des Microsoft-Vorstoßes gelassen, selbst wenn er sich darüber ärgert. „Uns stört so etwas aus Prinzip, weil es die Möglichkeiten, Gebrauchtsoftware einzukaufen, beschränkt.“ Allerdings seien die Auswirkungen der Änderung im ­Tagesgeschäft bislang kaum zu spüren.

Neue Perspektiven

Der Paradigmenwechsel zu As-a-Service macht den Handel mit gebrauchten Lizenzen freilich zu einem endlichen Modell. ­Einige Jahre wird es nach Erwartung des Geschäftsführers zwar noch gut funktionieren. Dennoch beschäftigt er sich bereits mit der strategischen Perspektive des Distributors für die Zeit danach. Eine nahe­liegende Option ist der Vertrieb von SaaS-Angeboten. Tatsächlich soll WeEncrypt nicht der einzige Cloud-Service im Portfolio bleiben. Man darf auf Schmutters zweites Jahr bei MRM gespannt sein.

Derweil macht dem 54-Jährigen die Arbeit in einem jungen Team viel Spaß, wie er betont. Umgekehrt schätzen die Mitarbeiter die Erfahrung und den besonnenen Führungsstil des Managers. „Seine enorme Expertise im Aufbau und in der Leitung größerer Unternehmen ist für MRM gerade bei der Einführung professioneller Organisations- und Reportingstrukturen Gold wert“, sagt Christian Bedel, Sales Director DACH bei dem Spezialdistributor. Dank vorausschauender Personal- und Strategieplanung werde das Unternehmen dieses „turbulente, außergewöhnliche Geschäftsjahr“ mit einem ansehnlichen Umsatzwachstum abschließen.

Starke Partnerbasis

Die kommenden Monate werden „im Zeichen von Internationalisierung und New Business“ stehen, wie der Vertriebsprofi weiter ankündigt. „Und genau dafür sehen wir Ernesto als Instanz und Garanten.“ Bedel gehört ebenso wie Ronny Drexel, Director Marketing & PR, seit 2017 dem Management von MRM an. Bevor Schmutter vor einem Jahr als Geschäftsführer dazustieß, hatte der frühere Deutschlandchef von Ingram Micro das Unternehmen bereits zehn Monate lang als Berater unterstützt.

MRM wurde im April 2017 als erster fokussierter Distributor von Gebrauchtsoftware in Frankfurt gegründet. Inzwischen kommt der Spezialist bereits auf 4.500 registrierte Reseller, von denen 1.100 regelmäßig kaufen. Ein Grund für das relativ schnelle Wachstum der Partnerbasis liegt darin, dass das Startup zielstrebig die Zusammenarbeit mit Fachhandelskooperationen wie Kiwiko, Networker NRW, Nordanex und Synaxon gesucht hat.

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Über den Autor

 Michael Hase

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Chefreporter