Cloud wird Mainstream. Viele Anwender sind dabei auf Dienstleister angewiesen, die sie beraten und Workloads für sie zu den Hyperscalern migrieren, die sie aber auch dauerhaft beim Betrieb unterstützen. Damit finden Managed Services zunehmend in der Cloud statt.
Da Unternehmen zunehmend Workloads zu Hyperscalern verlagern, wächst bei ihnen der Bedarf an Managed Cloud Services.
(Bild: Shutter2U - stock.adobe.com)
Schluss, aus und vorbei. Der Managed Service Provider Tec Networks zog im vergangenen Monat bei den letzten Servern in seinem Frankfurter Rechenzentrum den Stecker. Mittlerweile hat der Microsoft-Partner aus Emden seine Klientel vollständig auf Hyperscaler-Plattformen, vor allem auf Azure, migriert und unterstützt sie im Betrieb. Schon 2015 ging der Dienstleister mit ersten Kunden auf die Cloud-Reise. Bis dahin stellte er für deren Workloads physische Infrastrukturen bei Colocation Providern bereit. „Die letzten Verträge sind ausgelaufen, und wir haben schon seit Jahren keine neuen Kunden mehr an den RZ-Standorten ongeboardet“, berichtet Daniel Juhnke, CEO bei Tec Networks. „Rückblickend war die Entscheidung, dies so zu tun, genau die richtige.“
Mit der Weiterentwicklung zum Managed Cloud Provider sind die Ostfriesen, die sich zuvor bereits früh als MSP positionierten, ihrer Zeit erneut um einiges voraus. Viele Systemhäuser stehen momentan erst am Anfang ihrer Cloud-Transformation. Wenn sie Managed Services anbieten, dann handelt es sich zumeist um Remote-Überwachung und -Betrieb von Client-Server-Landschaften oder um die Bereitstellung von IT-Ressourcen auf eigenen Infrastrukturen, so wie das Tec Networks ursprünglich auch getan hat. Doch der Druck kommt mittlerweile von den Kunden. Immer mehr Unternehmen in Deutschland entdecken die Vorzüge der Cloud, wie die Verfügbarkeit von Infrastrukturservices auf Knopfdruck, die flexible Skalierbarkeit oder das breite Angebot an Plattform- und Machine-Learning-Diensten. Die Pandemie hat diese Entwicklung beschleunigt. Daraus ergeben sich für Systemhäuser und MSPs neue Aufgaben.
Dass das Management von Cloud-Umgebungen einen wachsenden Anteil am Geschäft von Dienstleistern ausmacht, bestätigen internationale Studien wie etwa der „2022 Global MSP Benchmark Survey Report“ des Herstellers Kaseya. Demnach verzeichneten 51 Prozent der weltweit Befragten im zurückliegenden Jahr einen Anstieg ihrer Erlöse aus dem Cloud Management, aber nur 6 Prozent einen Rückgang. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Wie aus dem letztjährigen „Bericht zur weltweiten Lage der MSPs“ der Kaseya-Tochter Datto hervorgeht, erwarten fast alle Dienstleister, dass ihre Kunden bis 2024 mindestens die Hälfte der Workloads in die Cloud verlagert haben werden. Gut die Hälfte rechnet sogar mit einem Anteil von 75 Prozent oder mehr.
Von 2025 an fließen IT-Budgets überwiegend in die Cloud
Das Jahr 2025 markiert für Gartner einen Wendepunkt. Dann werden Unternehmen weltweit im Schnitt 51 Prozent des IT-Budgets für Cloud-Services aufwenden, wie die Analysten im Februar dieses Jahres prognostizierten. In Summe handelt es sich um 917 Milliarden Dollar. Die Ausgaben für IT as a Service werden damit 2025 erstmals die für traditionelle IT-Systeme übersteigen. 2022 liegen die Cloud-Investitionen bei 544 Milliarden Dollar, ein Anteil von 41 Prozent an den Gesamtausgaben. Der Anstieg bis 2025 entspricht einem jährlichen Wachstum von 19 Prozent. In dem Bericht hat Gartner nur relevante Kategorien berücksichtigt, bei denen sich On-Premises-Systeme durch Cloud-Dienste ablösen lassen: Infrastruktur-Hardware und -Software, Applikationen und Geschäftsprozess-Services.
Cloud Shift
Die Zahlen korrespondieren mit einer aktuellen Prognose von Gartner, wonach Unternehmen weltweit im Jahr 2025 erstmals einen größeren Anteil ihrer IT-Budgets für Cloud-Dienste ausgeben werden als für On-Premises-Systeme (siehe „Ergänzendes zum Thema“). Dabei wird sich der Anteil der Cloud-Investitionen in den kommenden drei Jahren von heute 41 Prozent auf 51 Prozent erhöhen, was im Jahresmittel einem Wachstum von 19 Prozent entspricht. Auf diese rasante Entwicklung müssen sich alle Akteure im Markt, auch der Channel, einstellen, wie Michael Warrilow, Research Vice President bei Gartner, betont: „Technologie- und Service-Anbieter, die sich nicht an das Tempo des Cloud Shifts anpassen, laufen zunehmend Gefahr, überflüssig zu werden oder bestenfalls in Märkte mit geringem Wachstum abzugleiten."
Die Cloud stellt den Channel aber nicht nur vor neue Herausforderungen. Sie ist zugleich ein Treiber für das Geschäft mit Managed Services. Weil das Bereitstellungsmodell mit anderen Verfahren und Tools einhergeht als das klassische Client-Server-Paradigma und bei Administratoren andere Fähigkeiten voraussetzt, tendieren Unternehmen jeglicher Größe dazu, das Management ihrer Cloud-Umgebung an Dienstleister auszulagern.
„Bei der Vielzahl an Features und Funktionen in der Cloud fällt es IT-Abteilungen oft schwer, einen professionellen und sicheren Betrieb zu gewährleisten“, beobachtet Melanie Schüle, Geschäftsführerin Bechtle Clouds. Die damit verbundenen Aufgaben werden daher Dienstleistern übertragen. Nach den Worten der Managerin brauchen kleine und mittelgroße Unternehmen „häufig Unterstützung bei den grundlegenden Betriebsaufgaben“, während größere Kunden „vor allem an der Härtung der Cloud-Systeme, der Standardisierung durch Automatisierung sowie dem Management der Cloud-Kosten interessiert“ sind.
Bechtle als Managed Cloud Provider
Als Reaktion auf den wachsenden Bedarf an solchen Leistungen bietet Bechtle seit Mai dieses Jahres standardisierte Managed Services für die Plattformen der drei führenden Hyperscaler an. Damit agiert die Systemhausgruppe aus Neckarsulm jetzt auch als Managed Cloud Provider. AWS, Azure und Google Operations sind strukturell gleich aufgebaut und schließen Konfiguration, Monitoring, Betrieb und Wartung der jeweiligen Cloud-Umgebung sowie Kosten- und Compliance-Management ein. „Da jeder Hyperscaler spezifische Stärken hat und unsere Kunden unterschiedliche Anforderungen stellen, ist es für uns als Full Service Provider wichtig, jeden Kunden mit einem einheitlichen Service bedienen zu können, unabhängig davon, welcher Hyperscaler präferiert wird“, betont Schüle.
Stand: 08.12.2025
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Melanie Schüle, Geschäftsführerin Bechtle Clouds „Mit dem Multicloud-Operations-Angebot unterstützt Bechtle die Digitalisierung der Kunden und stellt den schnellen, unkomplizierten Einsatz moderner Features sicher. Die Kunden können sich darauf konzentrieren, mit den Möglichkeiten der Cloud ihr Business voranzubringen, ohne sich mit den operativen Herausforderungen auseinandersetzen zu müssen.“
Bildquelle: Bechtle
Wie sich Betriebskonzepte nicht eins zu eins aus der alten in die neue Welt übertragen lassen, unterscheiden sich Managed Cloud Services von ihren traditionellen Pendants. Stabilität, Servicequalität und Prozessorientierung sind laut der Bechtle-Expertin zwar hier wie dort wichtig. „In der Managed Cloud müssen wir aber neue Wege gehen, um den Anforderungen der Unternehmen nach Schnelligkeit und Agilität nachzukommen.“ So bietet der Dienstleister den Kunden die Möglichkeit, einen Managed Service flexibel um zusätzliche Cloud-Dienste zu erweitern oder sie wieder zu entfernen. Um die Ressourcen zu- beziehungsweise abzuschalten, ist kein manueller Eingriff erforderlich: Das Monitoringsystem, die Dokumentation und die Configuration Management Database (CMDB) werden automatisiert angepasst.
Flexible Vertragsmodelle
Den markantesten Unterschied zwischen traditioneller und neuer Welt sieht Tec-Networks-Chef Juhnke ganz ähnlich in der Dynamik des Geschäfts, die eine größere Flexibilität erfordert. Nach seinen Worten sollten Managed Cloud Services so konzipiert sein, dass sie sich an die technologische Weiterentwicklung anpassen lassen. „Früher blieben von Vertragsstart bis Vertragsende der Service sowie die Leistungserfüllung nahezu unverändert.“ Mittlerweile komme es immer wieder vor, dass die Leistungserfüllung „entweder durch den Kunden oder durch uns als Anbieter angepasst wird“. Juhnke hält es daher für sinnvoll, Managed-Service-Verträge flexibel zu gestalten, und zwar mit Spielraum für solche Szenarien.
Daniel Juhnke, CEO bei Tec Networks „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, ein Technologiepartner mit Cloud-Fokus zu werden, der Cloud-Technologien mit seinem Expertenwissen hervorragend beherrscht. Die Fokussierung – und nicht die Verbreiterung unseres Angebots – hat uns geholfen, diesem hohen Standard schneller gerecht zu werden.“
Bildquelle: Tec Networks
Hinzu kommt, dass sich Managed Services im Cloud-Geschäft enger mit Professional Services verzahnen. Die Ostfriesen bilden diese Konvergenz in ihrem „Cloud Companion“-Angebot ab, mit dem sie Kunden dauerhaft auf ihrer Reise begleiten. Das Dienstleistungspaket verbindet Betriebsservices und laufenden Support mit Consulting, regelmäßigen Security-Assessments, Reviews der Architektur und der Weiterentwicklung der Cloud-Umgebung. Tec Networks bietet diese Leistungen inzwischen für Microsoft, AWS und Google an. „Wir stehen dabei permanent im Austausch mit den Kunden und helfen ihnen auch bei Themen, die man nicht direkt in einen Managed Service packen kann“, so Juhnke.
Managed Services als „Dauerberatung“
Noch einen Schritt weiter geht Oliver Schallhorn, CEO der Public Cloud Group (PCG). Für ihn sind Managed Cloud Services notwendigerweise eine Art „Dauerberatung“. Schließlich agiert ein Dienstleister an der Schnittstelle zwischen Endkunden, die sich im Zuge der Digitalisierung zu agilen Organisationen transformieren, und hochdynamischen Anbietern. „Es geht also darum, die sich ändernden Bedürfnisse der Kunden und die sich ständig weiterentwickelnden Angebote der Cloud Provider fortlaufend miteinander zu verknüpfen.“ Die Konsequenz daraus ist, dass bei der PCG die Betriebsleute, die sich um Monitoring und Management von Cloud-Umgebungen kümmern, Hand in Hand mit den Cloud-Architekten arbeiten, die Kunden beraten und Workloads für sie auf Hyperscaler-Plattformen bringen, wie Schallhorn erläutert. „Einen reinen Cloud-MSP ohne Beratung kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“
Die PCG formierte sich im Mai dieses Jahres. 2021 hatte die Beteiligungsgesellschaft Nord Holding, die hinter der Gruppe steht, die auf AWS, Google beziehungsweise Microsoft spezialisierten Dienstleister Innovations On (Ulm), Cloudwürdig (Magstadt bei Stuttgart) und Switcom (Hamburg) erworben. Derzeit machen Professional Services wie Consulting, Architekturdesign und Migration den größten Teil des PCG-Geschäfts aus. Auf Managed Services entfallen bislang erst 15 bis 20 Prozent der Erlöse. Der CEO rechnet aber damit, dass dieser Anteil stark wachsen und schon in zwei Jahren bei 40 bis 50 Prozent liegen wird.
Oliver Schallhorn, CEO der Public Cloud Group (PCG) „Managed Services sind auf dem Vormarsch. Und wir betreiben natürlich virtuelle Maschinen, Datenbanken, Storage, machen Monitoring, checken regelmäßig Kosten und Compliance. Einen reinen Cloud-MSP ohne Beratung kann ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen. Der Vorteil liegt ja gerade im engen Zusammenspiel von Beratung und Betrieb.“
Bildquelle: Public Cloud Group
Die Gründe für den zunehmenden Bedarf an Managed Cloud Services bei Unternehmen sieht Schallhorn vor allem in fehlendem Wissen und fehlenden Fachkräften. Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass Cloud-Umgebungen sinnvollerweise automatisiert über Infrastructure as Code (IaC) bereitgestellt und betrieben werden. Dazu sind aber Entwickler-Skills erforderlich. „Für kleinere Unternehmen mit kleinen Umgebungen lohnt es sich oft nicht, DevOps-Experten mit sechsstelligen Gehältern einzustellen.“ Diese Zielgruppe sei mit passgenauen Managed Services besser bedient. Aber auch größere Unternehmen entscheiden sich dem IT-Profi zufolge vermehrt für einen extern gemanagten Cloud-Betrieb, „damit sich das interne Team stärker auf das Business und die Digitale Transformation fokussieren kann“. Ähnlich wie Bechtle oder Tec Networks bietet die PCG flexible Vertragsmodelle an, die sich an den Bedarf der Kunden anpassen und mit den genutzten Services skalieren.
Heterogener Markt
Zahlreiche Dienstleister unterschiedlichen Typs konkurrieren inzwischen in diesem Marktsegment. In der Kategorie „Managed Cloud Services für den Midmarket“ verzeichnet die aktuelle „ISG Provider Lens Public Cloud“ neben größeren Systemhäusern wie Axians, Datagroup und Logicalis auch IT-Beratungshäuser wie NTT Data und Syntax, Born-in-the-Cloud-Unternehmen wie Allcloud sowie Hosting Provider wie Ratiokontakt. Als führende Cloud-MSPs sehen die Analysten von ISG derzeit Cancom, Claranet, Plusserver, Skaylink und die Telekom an. Bechtle stufen sie als „Markt-Herausforderer“ ein. In der Studie sind die neuen Operations-Services der Schwaben noch nicht berücksichtigt.
Im Zuge des von Gartner prognostizierten Cloud Shifts wird sich über kurz oder lang ein größerer Kreis von Systemhäusern dem Managed-Cloud-Geschäft widmen müssen. Es setzt jedoch spezifische Kompetenz und genügend Fachpersonal voraus, um die Leistungen bei Bedarf 24 / 7 anbieten zu können. Wer loslegen möchte, obwohl ihm beides noch fehlt, der kann sich bei Distributoren wie Ingram Micro und Tech Data bedienen. Mit ihren zertifizierten Experten für AWS und Azure stellen sie Managed Cloud Services als Whitelabel bereit. Sinn und Zweck der Angebote ist es, Partner in das Geschäft einzuführen und sukzessive zu entwickeln. „Wir können ihnen Starthilfe geben, damit sie nach dem ‚Learning on the Job‘-Prinzip als Cloud-MSP schnell Fuß fassen“, versichert Igor Guss, Business Group Manager IaaS bei Ingram Micro (siehe auch Interview). Ein möglicher Anfang von etwas Neuem!