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Titelstory: Fujitsu Made in Germany und Big in Japan

Redakteur: Klaus Länger

Fujitsu feiert gerade den 80. Geburtstag als ältestes japanisches IT-Unternehmen. Auf der anderen Seite betont die Firma den Vorteil des „Made in Germany“. IT-BUSINESS erklärt, wie das zusammenpasst und ob der Channel davon Vorteile hat. Daneben werfen wir einen Blick auf den aktuellen Stand von Fujitsu im Markt und die Pläne angesichts des Wandels der IT-Landschaft.

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Die Zentrale von Fujitsu Technology Solutions in München
Die Zentrale von Fujitsu Technology Solutions in München
(Bild: Fujitsu)

Mit 80 Jahren ist Fujitsu nicht nur das älteste IT-Unternehmen Japans, sondern nach IBM auch die zweitälteste permanent aktive Computerfirma überhaupt. Diesen Umstand nutzt das Unternehmen in der Außenkommunikation auch dafür, die Beständigkeit des eigenen Geschäfts und die Verlässlichkeit gegenüber den Partnern herauszustellen. Jörg Brünig, Senior Director Channel and Retail bei Fujitsu Technology Solutions, sieht darin auch einen großen Vorteil gegenüber Mitbewerbern wie HP oder IBM. HP ist dabei, sich in zwei Unternehmen aufzuspalten. Ein nicht unkomplizierter Vorgang. Und IBM hat die komplette x86-Server-Sparte an Lenovo abgegeben, was natürlich auch für Unruhe bei den Partnern sorgt.

Japanische Firma mit deutscher Tradition

Fujitsu wurde 1935 als Ableger der Fuji Electric Company gegründet. Und an dieser war wiederum die Siemens AG beteiligt, deren Computersparte Fujitsu vor sechs Jahren komplett übernommen hat, nachdem man zehn Jahre lang im Joint-Venture Fujitsu-Siemens zusammengearbeitet hatte.

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Und damit sind wir bei dem Slogan „Made in Germany“ angelangt, mit dem Fujitsu für sich wirbt. Denn Siemens brachte die Fabriken in Augsburg und Paderborn in die Ehe ein. Das Paderborner Werk kam 1990 mit der Übernahme von Nixdorf zu Siemens. Das Fujitsu-Werk im sächsischen Sömmerda wurde der dritte Produktionsstandort des Joint-Ventures. Dort hatte die deutsche Fujitsu-Tochter Fujitsu ICL Computer GmbH PCs hergestellt, während vom Werk in Sömmerda nur noch ein Service-Standort übrig geblieben ist.

In Augsburg und Paderborn produziert Fujitsu auch weiterhin. Aus dem Augsburger Werk kommen alle PCs, und dort ist auch die eigene Mainboard-Herstellung angesiedelt. Auch aus Japan angelieferte Notebook-Barebones werden dort komplettiert. Zudem liegt in Augsburg die weltweite Produktionsverantwortung für die Primergy-Server von Fujitsu. Täglich können bis zu 13.000 kundenindividuell konfigurierte Systeme und bis zu 8.000 Mainboards hergestellt werden. In Augsburg wird nicht nur produziert, sondern dort sind auch eine große Entwicklungsabteilung und ein Test-Zentrum angesiedelt.

Die in den Fujitsu-PCs und allen x86-Servern verwendeten Mainboards stammen komplett aus eigener Produktion. Ein kleiner Teil der produzierten PC-Boards werden auch als OEM-Produkte an andere PC-Hersteller verkauft. Ein wichtiger Zweig der Mainboard-Fertigung ist die Produktion von Industrie-Boards für härtere Einsatzbedingungen. Diese werden unter anderem für die Steuerung von Industrierobotern verwendet, etwa bei Kuka.

Breite Produktpalette

Eine Augsburger Innovation ist beispielsweise der Low-Power-Active-Mode beim Esprimo Q920 und X923. In dieser Betriebsart verbraucht der Rechner nur minimal Strom, hält aber Betriebssystem und Netzwerkverbindung aktiv. Damit bleibt er für IP- oder Video-Telefonate erreichbar, was im S3-Stromsparmodus nicht möglich wäre.

Mit den 2-in-1-Geräten der Stylistic-Q-Serien hat Fujitsu auch sehr gut an an Windows 10 angepasste Geräte im Programm, die durch die Continuum-Funktion ebenso gut als Tablet, wie als Notebook nutzbar sind. Ganz neu ist dabei das lüfterlose Core-M-Tablet Stylistic Q665.

Eine spannende Entwicklung aus Japan ist auch der Handvenenscanner Palmsecure, der im Gegensatz zu herkömmlichen Fingerprint-Readern nicht überlistet werden kann.

Auch der Service wird teilweise in Augsburg abgewickelt und profitiert von der räumlichen Nähe zu Fertigung und Entwicklung.

In Paderborn werden größere Primergy-Server mit mehr als zwei Prozessoren, die Storage-Geräte der Eternus-Serie und die BS2000-Mainframes entwickelt und hergestellt. Auch das „Stealth Datacenter“, ein neues Sicherheitskonzept für Rechenzentren, stammt aus Paderborn. Die Sparc-Server stammen aus Japan.

Zudem hat Fujitsu am Standort Paderborn ein Recycling-Zentrum angesiedelt, das sich um Fujitsu-Rechner kümmert, die das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben. Seit 1988 werden gebrauchte Geräte oder ihre Bestandteile in einem dreistufigen Konzept aufgearbeitet, um wiederverwendet zu werden.

Auch die Forschung und Entwicklung zur Sicherheitstechnologie findet in Deutschland und mit deutschen Partnern statt. Das Ziel ist eine vollständig gekapselte, extrem sichere Anwendungsumgebung, die weitgehend auf bisherigen IT-Infrastrukturen betrieben werden kann. Das „Stealth Data Center“ mit End-to-End-Verschlüsselung und einem verstärkten Rack-Gehäuse mit biometrischer Zugangskontrolle per von Fujitsu entwickeltem Handvenenscanner ist eines der Elemente dieser Strategie, die Fujitsu unter den Oberbegriff „Digitale Souveränität“ stellt.

Auf der zweiten Seite geht es um Fujitsu und den Channel

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