Automatische Integration von IT-Services und Business-Anwendungen Integrationsprojekte schneller, einfacher und billliger machen

Von Sven Schindler-Grünholz

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Organisationen müssen heute eine ganze Reihe unterschiedlicher Applikationen integrieren. Wer diese Aufgabe über Einzelschnittstellen lösen will, braucht viel Zeit. Die effizientere Alternative ist eine Cloud-Lösung, die Integrationsprojekte automatisiert.

Sven Schindler-Grünholz von ONEiO erläutert, worauf es bei Integrationsprojekten ankommt und warum Integrationsplattforem unverzichtbar sind.
Sven Schindler-Grünholz von ONEiO erläutert, worauf es bei Integrationsprojekten ankommt und warum Integrationsplattforem unverzichtbar sind.
(Bild: © Ulf Büschleb / ONEiO)

Anwendungslandschaften sind selten so ordentlich und homogen, wie es die Anbieter von Softwareprodukten propagieren. Im Enterprise Service Management (ESM) beispielsweise müssen oft mehrere Tools, etwa ServiceNow für das ITSM und Jira für die DevOps, mit Anwendungen für die unterschiedlichsten Geschäftsbereiche – zum Beispiel CRM, ERP oder HR – kommunizieren.

In einem klassischen Entwicklungsprojekt ist die Herstellung dieser Kommunikation meist eine Eins-zu-Eins-Verbindung über eine separate Schnittstelle. Das mag in Einzelfällen gut funktionieren, bei komplexen Projekten sieht das schon anders aus. Sie sind oft zeitintensiv und der Erfolg keineswegs sicher. Wenn die Zahl der One-on-Ones steigt, wird auch die eigentliche IT-Architektur schnell überkomplex, sprich: Sie wird fehleranfällig, ist schwierig zu warten und erzeugt einen hohen Support-Aufwand. Außerdem sinkt die Zufriedenheit der Nutzer.

Vom Handwerk zum industriellen Ansatz

Unkomplizierter und sicherer ist der Einsatz einer Integrationsplattform, die weitgehend automatisch arbeitet. Zudem nimmt sie den Nutzern häufig einen großen Teil der notwendigen Vorarbeiten ab. Auf diese Weise können Administratoren oder Service-Manager den Betrieb und die Betreuung der Schnittstellen delegieren und sich um strategische Angelegenheiten kümmern.

Am besten wird die Plattform als Software as a Service (SaaS), also aus der Cloud heraus, bereitgestellt. Das macht sie skalierbar, flexibel und offen für Erweiterungen.

Für eine solche Plattform gelten zunächst einmal alle Kriterien, die ohnehin an eine State-of-the-Art-Software angelegt werden sollten. Insbesondere ist darauf zu achten, dass die Lösung „Cloud-native“, also speziell für den Cloud-Betrieb entwickelt wurde. Neben Vorteilen wie der Unabhängigkeit von bestimmten Systemumgebungen und Tool-Herstellern bringen diese Systeme in aller Regel eine Container-basierte Architektur mit. Als Standard für die Orchestrierung der Container hat sich die Open-Source-Entwicklung Kubernetes durchgesetzt. Hierdurch lassen sich die einzelnen Komponenten der Anwendung leicht und vollautomatisch nach oben oder unten skalieren. Es spricht also Einiges dafür, dass eine Software aus der Public Cloud im Kern auf dieser Technologie basiert. Legacy-Anwendungen, die lediglich in den Cloud-Betrieb portiert wurden, lassen diese Fähigkeiten vermissen.

Zweitens sollten Unternehmen darauf achten, dass der Anbieter im EU-Raum ansässig ist oder zumindest seinen Service aus Europa heraus erbringt. Ist dies nicht der Fall, wäre die DSGVO-Compliance gefährdet.

No-Code braucht keine Javascript-Entwickler

Sinnvoll ist auch, dass alle Softwarebestandteile, auf die der Kunde aktiv zugreifen kann, als No-Code-Anwendungen umgesetzt sind. Bisher geschieht die Individualisierung von Integrationen oft über Skripte. Diese erfordern nicht nur Programmierkenntnisse, sondern sie untergraben die Integrität der Software und erschweren den Support. Im Klartext: Der Anbieter kann keine Garantie mehr für das einwandfreie Funktionieren seiner Lösung geben, da sie auf individuellen Eigenentwicklungen der jeweils zuständigen Administratoren basieren. Wird No-Code eingesetzt, kann diese Aufgabe von autorisierten Nutzern jederzeit selbst erledigt werden.

Vielleicht noch kein absolutes Muss, aber sicher schon mehr als ein Nice-to-Have ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Denn, damit eine solche Plattform automatisiert arbeiten kann, benötigt sie einen Satz von Routing-Regeln, der sich mit KI-Technik schneller und präziser aufbauen lässt, als dies manuell möglich ist.

Überblick der Integrationstechnologie.
Überblick der Integrationstechnologie.
(Bild: © ONEiO)

Die fünf Schichten der automatischen Integration

Eine moderne Integrationsplattform besteht aus fünf Komponenten, die sich als Schichten umeinander legen. Die beiden innersten sind für alle Kundenimplementierungen gleich. Sie können mit konventionellen Mitteln programmiert werden, weil der User darauf ohnehin keinen Zugriff erhält. Die anderen werden über eine grafische Benutzeroberfläche individuell angepasst.

Der Broker – Das Herzstück einer Integrationsplattform ist der Broker. Innerhalb dieser Schicht geschieht alles, was für das Routing und die Transformation von Daten benötigt wird. Dazu gehört beispielsweise die Übersetzung von Datenformaten wie HTML- in Wiki-Code oder der Abgleich von Feldinhalten, zum Beispiel zum Angleichen von Prioritätsstufen. Im Idealfall beherrscht der Broker sogar klassische Sprachübersetzungen, also beispielsweise die Transformation englischer in deutsche Inhalte.

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Der Adapter – Während der Broker für die Geschäftsprozesslogik zuständig ist, beschäftigt sich der Adapter mit der technischen Seite der Applikationen, also mit dem Handling der Schnittstellen. Er harmonisiert die den Anwendungen zugrundeliegenden Netz- und Dateiaustausch-Formate, beispielsweise REST, SOAP, SFTP oder SQL. Die Kommunikation der jeweiligen APIs läuft über den Adapter als „Simultan-Dolmetscher“. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um die unterschiedlichen Endpunkte, also die Business-Anwendungen, miteinander zu verbinden.

Die Endpunkt-Typen – Alle Endpunkte, die später integriert werden sollen, müssen zuvor konfiguriert werden. Um das Rad nicht jedes Mal neu zu erfinden, wird der Plattform-Anbieter für jeden anzubindenden Endpunkt eine eigene Ausprägung erstellen, den so genannten Endpunkt-Typ. Drei Kategorien von Endpunkten lassen sich unterscheiden: Es gibt Typen für bestimmte Applikationen oder Systeme, Typen für Technologien wie REST oder SOAP und Typen für die Anbindung von Managed Service Providern (MSPs). Auf einem plattformeigenen „Marktplatz“ können diese Typen zur Verfügung gestellt werden.

Die Endpunkte – Das Kundenunternehmen nutzt in der Regel keine Typen, sondern konkrete Ausprägungen der jeweiligen Applikation. Deshalb müssen sich die vom Marktplatz ausgewählten Endpunkt-Typen möglichst einfach an die hauseigenen Ansprüche und Standards adaptieren lassen. Das sieht häufig so aus, dass aus unterschiedlichen Optionen die am besten geeignete ausgewählt und aktiv geschaltet wird. Es kann aber auch sein, dass neue Verbindungen hergestellt oder Felder ergänzt werden müssen. Sind die Endpunkt-Typen nicht programmiert, sondern konfiguriert, kann der Administrator sie jederzeit selbst anpassen. Er braucht dazu weder den Anbieter noch interne Entwickler oder gar externe Dienstleister.

Der Robot Etwas aus dem (Schichten-)Rahmen fällt die fünfte Komponente. Wie schon erwähnt, benötigt eine Integrationsplattform ein klar definiertes Regelwerk. Dort ist abgelegt, auf welche Weise Daten transportiert und gegebenenfalls transformiert werden müssen. Nur mit Hilfe solcher Routing-Regeln ist es möglich, die Integration vollautomatisiert ablaufen zu lassen.

Die Regeln lassen sich zweifellos auch händisch erstellen. Einfacher, schneller und sicherer geht es aber mit Hilfe eines Softwareroboters. Der Algorithmus wird von Anbieterseite bereits mit den technischen Grundinformationen über die Applikationen im Marktplatz-Regal gefüttert. Auf dieser Grundlage kann er selbständig die Regeln definieren und unter Berücksichtigung der herstellerspezifischen Logiken definieren. Diese Regeln müssen dann in der Lage sein die strukturellen Unterschiede zwischen den Tools auszugleichen.

Für die früher oder später notwendigen Änderungen und Erweiterungen ist es hilfreich, wenn die Plattform strikt zwischen Technik und Logik trennt. Entscheidet sich das Unternehmen zum Beispiel für ein neues Authentifizierungsverfahren, zum Beispiel OAuth, muss lediglich der Endpunkt geändert werden – oder der Endpunkt-Typ, falls der Hersteller ein angepasstes Template bereitstellt. Soll hingegen beispielsweise ein neuer Status in einen Geschäftsablauf eingefügt werden, hat das zwar Auswirkungen auf die Routing-Regeln, aber die Endpunkte bleiben unangetastet. Durch diese Trennung gewinnt das Unternehmen Flexibilität, ohne den manuellen Aufwand unnötig zu erhöhen.

Ein Ökosystem für Anwendungen

Diese fünf Komponenten bilden das Gerüst für ein Anwendungs-Ökosystem, in dem alle Anwendungen mit nahezu allen anderen Daten austauschen können. Der Administrator wählt die Endpunkt-Typen im Marktplatz aus und passt sie mit Hilfe grafischer Werkzeuge an – den Rest erledigen Robot, Adapter und Broker. Ist das System flexibel und skalierbar ausgelegt, lassen sich jederzeit weitere Endpunkte in das Ökosystem integrieren. Organisationen sollten jedoch darauf achten, dass der Anbieter ihrer Wahl diese Flexibilität auch tatsächlich bieten kann und will.

Fazit: Integrationsplattformen beschleunigen Modernisierung der IT

Cloud-basierte Integrationsplattformen helfen Organisationen dabei, Integrationsprojekte schneller, einfacher, kostengünstiger und ohne zusätzliche Personalressourcen umzusetzen. Die Effizienzgewinne sind enorm und bringen die Modernisierung der IT einen großen Schritt voran.

Sven Schindler-Gruenholz.
Sven Schindler-Gruenholz.
(Bild: © Ulf Büschleb / ONEiO)

Entscheider, die entsprechende Projekte planen oder ihre IT modernisieren wollen, sollten den Einsatz einer solchen Plattform in Erwägung ziehen und nach entsprechenden Anbietern Ausschau halten. Es ist jedoch ratsam, einen individuellen Anforderungskatalog zu definieren und die Anbieter hinsichtlich Lizenzpolitik und Leistungsumfang sehr genau zu vergleichen.

Über den Autor

Sven Schindler-Grünholz ist Head of DACH Region bei ONEiO.

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