Der SAP-Spezialist All for One kämpft mit massiven Gewinneinbrüchen und reagiert mit einem Restrukturierungsprogramm. Auch personelle Veränderungen stehen an. Doch das Management sieht vor allem in der KI-Transformation Chancen.
Die All for One Group hat die Zahlen für das erste Halbjahr ihres Geschäftsjahres vorgelegt.
Die All for One Group steht vor erheblichen Herausforderungen. Im ersten Halbjahr 25/26 des Geschäftsjahres brach das EBIT vor M&A-Effekten um mehr als die Hälfte auf 6,9 Millionen Euro ein (Vorjahr: 14,0 Millionen Euro). Die EBIT-Marge halbierte sich nahezu von 5,4 Prozent auf 2,8 Prozent. Der Umsatz ging um 3 Prozent auf 250,4 Millionen Euro zurück.
Besonders dramatisch stellt sich das zweite Quartal dar. Hier sackte das EBIT auf 0,3 Millionen Euro ab, ein Rückgang von 90 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal (3,0 Millionen Euro). Dies trotz eines leichten Umsatzplus von einem Prozent, das allerdings ausschließlich der Erstkonsolidierung der akquirierten Apsolut Group geschuldet ist. Bereinigt um diesen Effekt wäre der Umsatz um zwei Prozent gesunken.
Geopolitik und Investitionszurückhaltung bremsen Geschäft
Als Hauptursachen nennt CEO Michael Zitz vor allem externe Faktoren: Die anhaltend hohe wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit, zuletzt verstärkt durch die Eskalation des Konflikts im Iran, führe dazu, dass Kunden insbesondere im deutschsprachigen Raum Investitionsentscheidungen verschieben. „Ein Nachholeffekt im laufenden Geschäftsjahr ist nicht mehr absehbar“, heißt es ernüchternd.
Die Geschäftsentwicklung:
Consulting-Umsätze: minus 3 % durch geringere Auslastung
Software und Support: minus 8 % – deutlich rückläufig
Cloud & Services: plus 3 % auf 75,7 Millionen Euro – ein Lichtblick
Wiederkehrende Erlöse: mit 133,2 Millionen Euro knapp unter Vorjahr, machen aber 53% des Gesamtumsatzes aus
Deutschland schwächelt, internationale Expansion läuft
Regional zeigt sich eine deutliche Zweiteilung: Das Hauptsegment Deutschland (80 Prozent des Umsatzes) verlor vier Prozent und kam auf 200,3 Millionen Euro. Der Bereich „Übriges Europa“ wuchs dagegen leicht auf 61,6 Millionen Euro, allerdings sank die Marge auf 3,5 Prozent. Der noch vergleichsweise kleine Bereich „Übrige Welt“ entwickelt sich ebenfalls profitabel (Marge 8,6 Prozent) und wuchs durch die Apsolut-Akquisition auf 7,0 Millionen Euro.
Die Eigenkapitalquote verschlechterte sich deutlich von 33 Prozent (September 2025) auf 25 Prozent (März 2026), auch eine Folge der Akquisitionen. Die Mitarbeiterzahl stieg auf 3.073 (Vorjahr: 2.723).
Strategische Weichenstellung: M&A und KI-Offensive
Trotz der schwierigen Lage treibt All for One seine strategische Neuausrichtung voran. Mit der Übernahme der internationalen Apsolut Group und einer Minderheitsbeteiligung am österreichischen Cybersecurity-Anbieter BrightFlare FlexCo erweitert das Unternehmen sein Portfolio bei SAP Procurement und Cybersicherheit. All for One gehört damit nach eigenen Angaben weltweit zu den wenigen Anbietern, die das komplette SAP-Business-Suite-Portfolio ganzheitlich abdecken.
Thomas Herbst ist Geschäftsführer der Apsolut Group und wird am 1. Juli 2026 COO der All for One Group.
(Bild: Apsolut)
Mit Thomas Herbst wird zum 1. Juli 2026 ein neuer Chief Operating Officer (COO) installiert, der das Beratungsgeschäft der Gruppe verantworten soll. Ein Signal für die Bedeutung des internationalen Consulting- und Großkundengeschäfts.
Wer sind Apsolut und Thomas Herbst?
Thomas Herbst gründete Apsolut gemeinsam mit Tim Kollmeier im Jahr 2005. Der Schwerpunkt des Unternehmens lag auf IT-Anwendungen im Bereich eProcurement auf Basis von SAP Supplier Relationship Management. Seit über 15 Jahren ist Apsolut im Bereich der Beschaffung tätig. Das Hauptziel des Unternehmens ist es, Kunden zu beraten und sie entsprechend ihrer Geschäftsprozesse und Anforderungen zu verbessern und die betriebliche Effizienz und Produktivität zu steigern und Kosten zu senken. Nach dem Erfolg im Beschaffungsbereich und als Teil der Expansionsstrategie hat Apsolut seine Tätigkeit auf SAP Ariba, SAP Fieldglass, SAP S/4HANA Central Procurement, SAP S/4HANA Enterprise Management, Integrationslösungen, SAP Fiori und zusätzliche Lösungs-Add-Ons ausgeweitet. Herbst begann seine Karriere als Berater bei Hewlett Packard, wo er an der Optimierung von SAP-basierten Beschaffungsprozessen für mehrere Kunden arbeitete. Die Apsolut Group ist seit 2026 Teil der All for One Group. Mit dem geplanten Abschluss der Akquisition im ersten Quartal 2026 entsteht ein Beratungsportfolio, das SAP‑Transformation, SAP Cloud Business und SAP‑basierten Einkauf erstmals in dieser Breite unter einem Dach vereint. Apsolut bleibt dabei als eigene Line of Business innerhalb der All for One Group bestehen.
All for One sieht den IT-Dienstleistungsmarkt an einem Wendepunkt. Mit Agentic AI verschiebt sich die Wertschöpfung deutlich weg von reiner Implementierung hin zu integrierten Daten- und Prozessarchitekturen sowie einem governance-gestützten Betrieb.
SAPs Strategie, sich als AI-Company zu positionieren, mit Joule als zentralem KI-Assistenten und KI-Apps mit integriertem Prozess- und Regulatorikwissen, eröffnet nach Einschätzung von All for One neue Wachstumschancen.
Erweiterte KI-Beratungs- und Transformationsangebote
Eigenentwickelte KI-Agenten und Produkte
Ausbau von Managed und KI-Governance Services
Cybersecurity-Angebote
Intern nutzt All for One bereits das eigene "All41-GPT" und fachbereichsspezifische KI-Anwendungen für Produktivitätssteigerungen
„Precision“-Programm: Radikaler Umbau mit 20 Millionen Einmalkosten
Die Antwort des Managements auf die Krise ist ein Programm namens „Precision“, das folgendes umfasst:
Neuausrichtung des Delivery-Modells und der Go-to-Market-Strategie
Synergien in den Management-Strukturen
Konsequenter Abbau von Personal- und Sachkosten (Abfindungsprogramm)
Beschleunigte Integration der "apsolut Group"
Ausbau eines skalierbaren Delivery-Setups mit stärkerem Near- und Offshore-Einsatz
Umbau zu einer globalen Sales-Organisation
Verstärkte Investitionen in KI-Ressourcen und -Entwicklung
Im Geschäftsjahr 2025/26 plant All for One dafür einmalige Aufwendungen von bis zu 20 Millionen Euro ein. Ab Herbst 2026 soll das Programm jedoch einen positiven Effekt von jährlich bis zu 20 Millionen Euro auf das EBIT haben – bei gleichbleibenden Marktbedingungen.
Prognosesenkung: Von Gewinn zu Nulllinie
Die ursprüngliche Prognose für das Geschäftsjahr musste drastisch angepasst werden. Noch im ersten Quartal hatte All for One die Jahresziele bestätigt. Nun die Kehrtwende:
1. Umsatz: 500 bis 530 Millionen Euro (unverändert, aber nun inklusive der Apsolut Group)
2. EBIT vor M&A-Effekten: 0 EUR ±5 Millionen Euro (zuvor: 27,5 bis 34,5 Millionen Euro)
Das bedeutet: Statt einer EBIT-Marge von fünf bis sieben Prozent wird das Unternehmen bestenfalls die Gewinnschwelle erreichen.
Fazit: Transformation in schwierigem Umfeld
All for One steht vor einer großen Transformation. Das Unternehmen vollzieht einen Umbau von einem klassischen SAP-Implementierungspartner hin zu einem KI- und Cloud-getriebenen Service-Provider mit globalem Delivery-Modell.
Die Risiken sind da. Der Gewinneinbruch, die massive Prognosesenkung und die Belastung durch 20 Millionen Euro Einmalkosten treffen auf ein fragiles Marktumfeld mit zurückhaltenden Kunden. Die gesunkene Eigenkapitalquote reduziert finanzielle Spielräume.
Die Chancen liegen in der strategischen Neuausrichtung: Die Komplettierung des SAP-Portfolios, die Internationalisierung, die Fokussierung auf wiederkehrende Cloud- und Managed-Services sowie die frühe Positionierung im KI-Bereich könnten sich mittelfristig auszahlen, wenn die Restrukturierung gelingt und sich das Marktumfeld stabilisiert.
Stand: 08.12.2025
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