Fusion in der Distribution Infinigate übernimmt das Security-Geschäft von Nuvias

Von Michael Hase

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Die Infinigate Group erwirbt das Networking- und Security-Geschäft der Nuvias Group. Durch die Akquisition, die in vier bis fünf Monaten abgeschlossen sein soll, entsteht einer der führenden europäischen Distributoren für IT-Sicherheitslösungen.

Klaus Schlichtherle, CEO bei Infinigate (l.), und Simon England, CEO bei Nuvias, haben sich auf eine Bündelung der Kräfte im Networking- und Security-Geschäft verständigt.
Klaus Schlichtherle, CEO bei Infinigate (l.), und Simon England, CEO bei Nuvias, haben sich auf eine Bündelung der Kräfte im Networking- und Security-Geschäft verständigt.
(Bild: Infinigate / Nuvias )

Zusammenschlüsse und Übernahmen sind in der Distribution beinahe an der Tagesordnung. Der aktuelle Deal dürfte allerdings besondere Auswirkungen auf den IT-Sicherheitsmarkt haben: Die schweizerische Infinigate Group hat sich mit der britischen Nuvias Group auf eine Übernahme von deren Networking- und Security-Geschäft verständigt. Die Transaktion soll in vier bis fünf Monaten, also noch in diesem Jahr, abgeschlossen sein. Die CEOs der beiden Gruppen, Klaus Schlichtherle (Infinigate) und Simon England (Nuvias), haben die Vereinbarung heute offiziell bekanntgegeben. Durch den Zusammenschluss entsteht einer der führenden Distributoren für Cybersecurity in Europa.

Die Verantwortlichen beider VADs sind davon überzeugt, dass sich ihre Wachstumsziele durch den Zusammenschluss besser erreichen lassen, als das jedes der Unternehmen für sich allein könnte. So strebte Infinigate bislang für das Jahr 2024 einen Umsatz in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an. Jetzt rechnet die Gruppe damit, dass sie durch die Akquisition bereits in diesem Jahr auf Erlöse von rund 1,4 Milliarden Euro kommt. Die Zahl der Mitarbeiter, die aktuell bei knapp 500 liegt, erhöht sich um 370. Auch Nuvias verfolgt ambitionierte Wachstumsziele und plante bislang für 2024 mit Erlösen von einer Milliarde Euro.

Mehr Relevanz im Markt

„Infinigate wird noch relevanter und schlagkräftiger werden“, erwartet Schlichtherle. Das Unternehmen werde „eine stärkere geografische Präsenz haben, insbesondere in den Kernmärkten in Europa“. Aktuell agiert der Distributor in elf Ländern, künftig werden es 21 sein. In Großbritannien, Frankreich, den Benelux-Ländern und Skandinavien wird die Gruppe ihre Position ausbauen. Neuland betritt sie in Süd- und Osteuropa, wo sie in der Vergangenheit noch nicht am Markt präsent war.

Infinigate ist bislang vor allem stark im deutschsprachigen Raum. Dort erwirtschaftet das Unternehmen den mit Abstand größten Teil des Geschäfts und betrachtet sich als Marktführer in der Security-Distribution. Zu den Kernmärkten von Nuvias gehört neben Großbritannien auch Deutschland, wo der VAD – mit gewissem Abstand zu Infinigate – ebenfalls zu den führenden Security-Spezialisten zählt.

Wenig Überschneidungen

In den Portfolios gibt es, was die Kernmärkte betrifft, abgesehen von den Anbietern Barracuda, Check Point und Kaspersky kaum Überschneidungen. Bei Infinigate gehören Sonicwall, Sophos und Trellix (ehemals McAfee) zu den wichtigen Herstellern, mit denen der VAD langjährige Partnerschaften unterhält, während Nuvias eng mit Fortinet, Juniper, Riverbed und Watchguard zusammenarbeitet. „Unsere komplementären Anbieterportfolios werden uns enorme Wachstumschancen eröffnen“, resümiert Schlichtherle. Zudem werde die Zusammenführung „so vieler qualifizierter Mitarbeiter“ viele neue Entwicklungsmöglichkeiten in einem schnell wachsenden Unternehmen bieten.

Nuvias-Chef England ist davon überzeugt, dass Infinigate und Nuvias vor allem kulturell gut zusammenpassen. „Wir freuen uns, unsere Kräfte zu bündeln und unsere Ressourcen zu kombinieren, um das Unternehmen und die Teams in die nächste Wachstums- und Expansionsphase zu führen.“ Nach seinen Worten betrachten beide Distributoren ihre Mitarbeiter als ihr wichtigstes Kapital und den Schlüssel zu nachhaltigen Kunden- und Lieferantenbeziehungen. „Gute Leute zu finden, ist das Thema schlechthin, und in der Hinsicht machen wir einen riesigen Sprung nach vorn.“ Dadurch erhöhe sich die Relevanz des Unternehmens sowohl für Hersteller aus auch für Partner aus dem Channel.

Infinigate befindet sich seit März 2021 mehrheitlich in Besitz des britischen Investors Bridgepoint, der den Expansionskurs des Distributors unterstützt. Hinter Nuvias steht die ebenfalls in Großbritannien beheimatete Rigby Group, die mit dem Verkauf des Netzwerk- und Security-Geschäfts eine Rückbeteiligung an Infinigate erwirbt. Darüber hinaus verbleibt bei Rigby das Unified-Communications-Geschäft von Nuvias, das nicht Teil der Transaktion ist und als separates Unternehmen weitergeführt wird. Bis zum Abschluss der heute angekündigten Übernahme werden die Distributoren weiterhin als Mitbewerber agieren.

Hohe Wachstumsraten

Beide Distributoren sind zuvor bereits stark gewachsen. Infinigate steigerte im zuletzt abgeschlossenen Fiskaljahr, das am 31. März endete, den Umsatz um 26 Prozent auf 813 Millionen Euro. Die Nuvias Group, die keine Ergebnisse veröffentlicht hat, ist im gleichen Zeitraum nach eigenen Angaben um 36 Prozent gewachsen. Dabei ging das starke Umsatzplus teils auf Akquisitionen zurück. So übernahm die Gruppe im vergangenen Fiskaljahr Cloud Distribution in Großbritannien, den VAD Deltalink in Belgien, den UC-Spezialisten Alliance Technologies in Deutschland und den VAD Netsafe in Rumänien.

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„Nach Abschluss der Transaktion wollen wir das gemeinsame Unternehmen jährlich um mehr als 20 Prozent wachsen lassen und sowohl bestehende als auch neue Kunden weiterhin koordiniert ansprechen“, kündigt Schlichtherle an. Er und England sprachen im Herbst 2021 erstmals ernsthaft über einen Zusammenschluss, wie er berichtet. Die beiden Manager kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Tech Data in den Jahren 2006 bis 2008. Seinerzeit verantwortete England das VAD-Geschäft des Broadliners in Europa, und Schlichtherle führte die Geschäfte der deutschen Landesorganisation.

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