Breko-Marktanalyse 2026 Glasfaserausbau kommt voran, doch die Kosten steigen

Von Agnes Panjas 4 min Lesedauer

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Die Netzbetreiber in Deutschland konnten den Glasfaserausbau im Jahr 2026 erfolgreich vorantreiben. Allerdings trüben schwierige Investitionsbedingungen wie hohe Material-, Bau- und Finanzierungskosten die Zukunftsaussichten der Branche.

Die Netzbetreiber in Deutschland konnten den Glasfaserausbau auf eine Ausbauquote von 62 Prozent voranbringen.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Die Netzbetreiber in Deutschland konnten den Glasfaserausbau auf eine Ausbauquote von 62 Prozent voranbringen.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Die deutschen Netzbetreiber haben die Ausbauquote auf 62 Prozent hochgeschraubt, was 28,7 Millionen Haushalten und Unternehmen sowie ein Plus von 9,2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch bei den aktiven Anschlüssen geht es nach oben: 7,9 Millionen Nutzer sind es inzwischen, 1,3 Millionen mehr als im Vorjahr. Trotz der derzeit positiven Geschäftslage verschlechtert sich laut der Marktanalyse 2026 des Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. die Stimmung in der Branche zusehends. Vor allem stark gestiegene Material-, Bau- und Finanzierungskosten, werden den Glasfaserausbau ausbremsen.

Der Geschäftsklimaindex zeigt ein geteiltes Bild: Während die aktuelle Geschäftslage positiv bewertet wird, fällt der Blick auf die Investitionsbedingungen deutlich negativ aus.(Bild:  Breko Marktanalyse 2026)
Der Geschäftsklimaindex zeigt ein geteiltes Bild: Während die aktuelle Geschäftslage positiv bewertet wird, fällt der Blick auf die Investitionsbedingungen deutlich negativ aus.
(Bild: Breko Marktanalyse 2026)

„Der Glasfaserausbau kommt voran. Bis zur Flächendeckung ist es aber noch ein weiter Weg. Zu denken geben sollten uns die steigenden Kosten und das damit verbundene verhaltene Investitionsklima.“ erklärt Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Hüther bewertet die Situation des Glasfaserausbaus auch mit Blick auf eine veränderte wirtschaftliche Realität: „Künstliche Intelligenz lässt den Bedarf an Netzkapazität weiter stark wachsen. Wer morgen bundesweit leistungsfähige Netze haben will, muss heute die Investitionsbedingungen dafür setzen.“

KI und regionale Rechenzentren als neue Wachstumstreiber

Rechenzentren als neues Geschäftsfeld: 46,8 Prozent der befragten Netzbetreiber betreiben bereits ein eigenes Rechenzentrum, weitere 6,4 Prozent planen dies innerhalb der nächsten fünf Jahre.(Bild:  Breko Marktanalyse 2026)
Rechenzentren als neues Geschäftsfeld: 46,8 Prozent der befragten Netzbetreiber betreiben bereits ein eigenes Rechenzentrum, weitere 6,4 Prozent planen dies innerhalb der nächsten fünf Jahre.
(Bild: Breko Marktanalyse 2026)

Durch die stark zunehmende Nutzung Künstlicher Intelligenz steigt der Bedarf an Rechenzentrumskapazitäten. Wachsende Anforderungen an Datensouveränität, Resilienz und Latenz machen insbesondere regionale Rechenzentren zu einem attraktiven Geschäftszweig für viele Unternehmen der Telekommunikationsbranche. Rund die Hälfte der befragten Netzbetreiber (46,8 %) betreibt bereits eigene Rechenzentren oder plant dies (6,4 %). Allerdings hemmt 80 Prozent der Unternehmen das hohe erforderliche Investitionsvolumen beim Aufbau von Rechenzentren und über die Hälfte (58,2 %) schreckt vor Energieeffizienzanforderungen für den Betrieb zurück.

Steigende Tiefbaukosten bremsen Glasfaserausbau

Die Glasfaseranschlussquote (Homes Connected) ist von 17,4 Prozent im Juni 2022 auf 29,8 Prozent im Juni 2026 gestiegen. Je nach Szenario könnte sie bis 2030 auf 40,4 bis 53,7 Prozent wachsen.(Bild:  Breko Marktanalyse 2026)
Die Glasfaseranschlussquote (Homes Connected) ist von 17,4 Prozent im Juni 2022 auf 29,8 Prozent im Juni 2026 gestiegen. Je nach Szenario könnte sie bis 2030 auf 40,4 bis 53,7 Prozent wachsen.
(Bild: Breko Marktanalyse 2026)

Die steigenden Investitionskosten gelten als zentrales Hemmnis beim Glasfaserausbau. So berichten drei von vier Unternehmen von zunehmenden Tiefbaukosten. Erstmals seit zehn Jahren führte der Kostenanstieg im Jahr 2025 bei den Telekom-Wettbewerbern sogar zu leicht rückläufigen Investitionszahlen. Obwohl sie mit 72 Prozent (plus 2 Prozentpunkte) der real angeschlossenen Gebäude und Wohnungen (Homes Connected) den Hauptteil des bisherigen Glasfaserausbaus gestemmt haben und auch 2025 fast zwei Drittel (9,8 Milliarden Euro; minus 0,4 Milliarden Euro) des branchenweiten Investitionsvolumens von 15,3 Milliarden Euro (gleichbleibend zum Vorjahr) trugen, stellen die aktuellen Rahmenbedingungen viele Unternehmen vor große wirtschaftliche Herausforderungen.

Glasfaseranschluss auf Vorrat nicht wirtschaftlich

Die Glasfaserausbauquote könnte bis 2030 je nach Szenario auf 84,1 bis 89,5 Prozent steigen.(Bild:  Breko Marktanalyse 2026)
Die Glasfaserausbauquote könnte bis 2030 je nach Szenario auf 84,1 bis 89,5 Prozent steigen.
(Bild: Breko Marktanalyse 2026)

Zwar ist die Glasfaserausbauquote (Homes Passed) auf 62 Prozent gestiegen. Doch die Zahl der tatsächlich mit Glasfaser angeschlossenen Gebäude und Wohnungen (Homes Connected) ist nur um 1,2 Millionen gewachsen – deutlich langsamer als im Vorjahreszeitraum (plus 2,1 Millionen). Damit nähert sich Deutschland dem europäischen Durchschnitt etwas an, liegt aber insgesamt noch weit zurück.

Die Take-Up-Rate bei Glasfaseranschlüssen liegt Mitte 2026 stabil bei 27 Prozent: Von 28,7 Millionen Haushalten und Unternehmen mit Glasfaseranschluss (Homes Passed) nutzen 7,9 Millionen tatsächlich einen aktiven Anschluss (Homes Activated).(Bild:  Breko Marktanalyse 2026)
Die Take-Up-Rate bei Glasfaseranschlüssen liegt Mitte 2026 stabil bei 27 Prozent: Von 28,7 Millionen Haushalten und Unternehmen mit Glasfaseranschluss (Homes Passed) nutzen 7,9 Millionen tatsächlich einen aktiven Anschluss (Homes Activated).
(Bild: Breko Marktanalyse 2026)

Netzbetreiber schließen Gebäude angesichts hoher Bau-, Material- und Finanzierungskosten also nicht mehr „auf Vorrat“ an. Das heißt, Hausanschlüsse werden kaum noch ohne vorliegenden Kundenvertrag (Homes Activated) gelegt, da der sogenannte Hausstich – die Verlegung der Leitung von der Straße bis in den Keller – mit mittleren Kosten von 1.950 Euro pro Anschluss der teuerste Teil des gesamten Glasfaserausbaus ist.

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Wettbewerber fordern verlässlichen Rahmen für Glasfaserausbau

Wettbewerber dominieren den Glasfaserausbau: Mit Stand Juni 2026 entfallen 59 Prozent der Homes Passed, 72 Prozent der Homes Connected und 70 Prozent der Homes Activated auf die Telekom-Wettbewerber.(Bild:  Breko Marktanalyse 2026)
Wettbewerber dominieren den Glasfaserausbau: Mit Stand Juni 2026 entfallen 59 Prozent der Homes Passed, 72 Prozent der Homes Connected und 70 Prozent der Homes Activated auf die Telekom-Wettbewerber.
(Bild: Breko Marktanalyse 2026)

Die Marktdaten unterstreichen die Rolle der Wettbewerber der Telekom im Glasfaserausbau: Breko-Mitglieder haben mittlerweile in Summe fast 900.000 Kilometer Glasfaser verlegt – davon knapp 40.000 Kilometer im Jahr 2025. Gemessen am Umsatz investieren alle Wettbewerber mit 29,4 Prozent nach wie vor fast 50 Prozent mehr als die Deutsche Telekom (20,9 %). Um die Wirtschaftlichkeit ihrer Glasfaserinvestitionen zu stärken, setzen bereits 88 Prozent der Netzbetreiber auf Marktkooperationen – vorwiegend in Form von Open Access über Layer-2 Bitstromzugänge.

Die Wettbewerber leisten den größten Beitrag zum Glasfaserausbau in Deutschland und wollen dies auch weiterhin tun. Wir können diesen Kraftakt aber nur im Rahmen des wirtschaftlich Machbaren umsetzen.Um Ressourcen effizient zu bündeln und Netze auszulasten, sehen wir Open Access als wichtigsten Treiber.

Norbert Westfal, Breko-Präsident

Voraussetzung dafür sei jedoch ein wirksamer Schutz vor unfairem Verdrängungswettbewerb, so Westfal. Die Branche habe mit dem Fairplay-Agreement für Open Access in Festnetz und Mobilfunk bereits selbst eine Lösung für verlässliche Spielregeln vorgeschlagen. Seiner Meinung nach würden „neue regulatorische Eingriffe diese marktgetriebene Einigung gefährden."

Ausbauquote statt Anschlussquote als Hebel

Auf Basis eines verbindlichen, regelgebundenen Fahrplans für den Umstieg vom Kupfer- auf das Glasfasernetz wären gut drei Viertel (77 %) der Unternehmen zu weiteren Investitionen in den Glasfaserausbau bereit. Ohne eine solche Regelung würden über die Hälfte der Netzbetreiber (52 %) ihren weiteren Ausbau einschränken. Um den Ausstieg aus dem Kupfernetz einzuleiten, ist die Netzdichte in vielen Regionen heute schon hoch genug: Bei knapp einem Fünftel aller Adressen (5,7 Millionen Haushalte und Unternehmensstandorte) liegt die Glasfaserausbauquote bereits über 85 Prozent. In diesen Gebieten kann also sichergestellt werden, dass in den mindestens drei Jahren bis zur tatsächlichen Abschaltung des DSL-Netzes genügend Glasfaseranschlüsse gebaut werden und kein Haushalt oder Unternehmen ohne Internetanschluss dasteht.

Wer die Netze der Zukunft will, muss den Wechsel auf das zukunftsfähige Glasfasernetz jetzt forcieren.

Dr. Stephan Albers, Breko-Geschäftsführer

Albers betont die Dringlichkeit für den von der Branche geforderten Weg: „Die Ergebnisse unserer Marktanalyse zeigen: Entscheidend für den Start des Übergangsprozesses ist eine hohe Ausbauquote vor Ort. Die Homes-Passed-Quote muss als maßgeblicher Hebel angesetzt werden, statt den Wechsel an einer hohen Rate bereits fertig angeschlossener Gebäude festzumachen. Nur so schaffe man den nötigen Investitionsschub für den weiteren Ausbau. „Von Bundesregierung und Bundesnetzagentur erwarten wir, dass sie sich in Brüssel mit starker Stimme für eine wettbewerbskonforme, regelgebundene Ausgestaltung des Kupfer-Glasfaser-Upgrades im Digital Networks Act einsetzen. Eine verbindliche Regelung schafft Netzauslastung und die nötige Investitionssicherheit“, schlussfolgert der Breko-Geschäftsführer.

Zu viel Regulierung könnte Glasfaserausbau ausbremsen

Bei anhaltendem Wachstumstempo könnten Glasfaseranschlüsse bis 2030 die DSL-Anschlüsse überholen.(Bild:  Breko Martkanalyse 2026)
Bei anhaltendem Wachstumstempo könnten Glasfaseranschlüsse bis 2030 die DSL-Anschlüsse überholen.
(Bild: Breko Martkanalyse 2026)

Wenn das Ausbautempo der letzten fünf Jahre aufrechterhalten werden kann, gäbe es nach Prognose der Breko-Marktanalyse bereits 2030 mehr aktiv genutzte Glasfaser- als DSL-Anschlüsse. Damit Deutschland ein flächendeckendes Glasfasernetz erhalte, seien noch hohe Milliardenbeträge an privatem Kapital notwendig.

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