AI Workforce Consortium IT-Entscheider vermissen KI-Kompetenz beim Cybernachwuchs

Von Alexander Siegert 3 min Lesedauer

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Während Unternehmen massiv in Künstliche Intelligenz investieren, fehlt ihnen das Personal, um die Systeme zu bedienen. Deutsche IT-Entscheider beklagen laut einer Studie des AI Workforce Consortium mangelnde KI-Kompetenzen bei den Nachwuchskräften.

Senior-Rollen wachsen, Junior-Stellen schrumpfen. Ohne  gezielte Nachwuchsförderung fehlt der Branche bald die nächste Generation erfahrener  Cybersecurity-Experten.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Senior-Rollen wachsen, Junior-Stellen schrumpfen. Ohne gezielte Nachwuchsförderung fehlt der Branche bald die nächste Generation erfahrener Cybersecurity-Experten.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Der Arbeitsmarkt für Cybersicherheit befindet sich im Umbruch. Nicht nur fehlen weltweit bereits 4,8 Millionen Fachkräfte, während der Bedarf jährlich um rund zehn Prozent wächst. Hinzu kommt ein fundamentaler Wandel durch Künstliche Intelligenz: KI-Agenten automatisieren zunehmend sowohl die Abwehr als auch die Attacken. Das verändert die gesamte Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine.

Der aktuelle Report „AI Agents and the Impact on Cybersecurity" des AI Workforce Consortiums zeigt nun die massiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die zentrale Erkenntnis: Cybersecurity-Fachkräfte benötigen künftig ein völlig neues Kompetenzprofil. Nicht mehr manuelle Ausführung steht im Mittelpunkt, sondern Agent-Orchestrierung, Validierung, Governance und Accountability – die sogenannte „Human-in-the-Lead"-Strategie, bei der Menschen Ziele, Leitplanken und Eskalationsregeln für KI-Agenten vorgeben.

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Der Arbeitsmarkt spaltet sich

Besonders bemerkenswert ist die Verschiebung auf dem Stellenmarkt. Im Zeitraum Oktober 2025 bis März 2026 stiegen Positionen mit Senior-Titel um 65 Prozent an – Junior-Stellen dagegen wuchsen nur um 5,9 Prozent. Diese dramatische Diskrepanz zeigt, dass Unternehmen herkömmliche Einstiegsqualifikationen zunehmend für unzureichend erachten. Viele Routinetätigkeiten werden von KI übernommen, weshalb der direkte Berufseinstieg an Attraktivität verliert.

Defizite beim Cybernachwuchs in Deutschland

Besonders deutlich wird das Problem in Deutschland. Laut einer Cisco-Studie unter 8.000 Sicherheitsverantwortlichen in 30 Märkten nennen deutsche IT-Entscheider folgende Defizite beim Cybernachwuchs als am schwierigsten zu finden:

  • Fehlende technische Tiefe: 50 Prozent
  • Praktische Erfahrung mit KI-Agenten: 44 Prozent
  • Human-centered Professional Skills wie kritisches Denken: 38 Prozent

Deutschlandweit sagen 44 Prozent der IT-Entscheider, dass beim Cybernachwuchs vor allem KI-Kompetenz fehlt.

Die Verdoppelung der KI-Anforderungen

Die Nachfrage nach KI-Skills in Stellenausschreibungen hat sich rasant verschärft. Während KI-Kompetenzen im Vorjahr in 14,2 Prozent der Cybersecurity-Stellenanzeigen in den G7-Staaten erwähnt wurden, sind es im aktuellen Betrachtungszeitraum bereits 28,5 Prozent – eine faktische Verdoppelung.

Gleichzeitig ist die Nachfrage nach spezifischen Soft Skills explodiert:

  • Ethisches Urteilsvermögen: +533 Prozent im Jahresvergleich
  • Systemisches Denken: +251 Prozent im Jahresvergleich
  • Stakeholder-Management: +125 Prozent im Jahresvergleich

Neue Skill-Sets gefragt

Der Report identifiziert einen neuen Skill-Mix für die Cybersicherheit von morgen: Python, Prompt und Context Engineering, AI Security, Agent Orchestration und Machine-Learning Operations rücken in den Fokus. Das sind nicht mehr nur technische, sondern auch strategisch-gestaltende Fähigkeiten.

Investitionen in KI-gestützte Abwehr

In Deutschland priorisieren Unternehmen ihre Cybersecurity-Investitionen klar: 34 Prozent der IT-Entscheider nennen die KI-gestützte Automatisierung von Cybersecurity-Lösungen als oberstes Investitionsfeld – der höchste Wert unter allen in Deutschland abgefragten Investitionsfeldern. Das verstärkt die Diskrepanz zwischen Technologie-Deployment und verfügbaren Fachkräften zusätzlich: Massiv in KI investieren, gleichzeitig Junior-Positionen abbauen – diese Rechnung kann nicht aufgehen.

Bildung muss umdenken

Michael von der Horst, Cybersicherheitsexperte bei Cisco, fordert deshalb ein Umdenken in Ausbildung und Personalauswahl: „Wir müssen die nächste Generation von Cybersecurity-ExpertInnen besser und gezielter ausbilden, indem wir neue Schwerpunkte setzen. KI-basierte Cybersicherheit entfaltet ihre volle Wirkung nur durch kompetente Mitarbeitende. Unternehmen und Beschäftigte, die diese Entwicklung bewusst mitgehen, werden im Wettbewerb bestehen können."

Michael von der Horst, Cybersicherheitsexperte bei Cisco(Bild:  Lukas Schramm)
Michael von der Horst, Cybersicherheitsexperte bei Cisco
(Bild: Lukas Schramm)

Seine konkrete Empfehlung: Lehrpläne müssen stärker praxisorientiert werden. Studierende brauchen bereits vor dem Berufseinstieg praktische Erfahrung durch Praktika, Ausbildungsplätze und geförderte Projekte – um zu lernen, wie sie von KI-Agenten erzeugte Ergebnisse überprüfen, validieren und kritisch bewerten können. Zusätzlich plädiert von der Horst für einen Perspektivwechsel bei der Personalauswahl: „weg von der einseitigen Orientierung an Berufserfahrung, hin zu einer kompetenzbasierten und vorausschauenden Betrachtung der Potenziale."

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Das Chancenpotenzial ist real

Trotz aller Herausforderungen eröffnen sich damit echte Chancen für Fachkräfte: Wer sich heute mit KI-gestützten Werkzeugen auskennt, KI-Agenten orchestriert und ihre Ergebnisse kritisch prüfen kann, verbessert seine Marktposition erheblich.

Was ist das AI Workforce Consortium?

Cisco hat das AI Workforce Consortium 2024 gemeinsam mit Accenture, Cornerstone, Eightfold AI, Google, IBM, Indeed, Intel, Microsoft und SAP gegründet. Die Initiative soll Unternehmen und Beschäftigte auf die Veränderungen durch Künstliche Intelligenz vorbereiten. Dafür setzt das Konsortium auf Forschung, gemeinsame Rahmenwerke und den Zugang zu Lern- und Weiterbildungsangeboten.

Ursprünglich war das Ziel, weltweit 95 Millionen Menschen weiterzubilden. Inzwischen wurde diese Marke auf 130 Millionen Menschen innerhalb der kommenden zehn Jahre angehoben. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Cybersicherheit, wo der Bedarf an qualifizierten Fachkräften angesichts zunehmender KI-Nutzung besonders groß ist.

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