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Welche Krise?
Eine Krise, die für den Netzwerker Lancom bislang kaum zu spüren war. Der Gründer und Geschäftsführer Ralf Koenzen sagte im Gespräch mit IT-BUSINESS: »Das letzte Quartal 2008 lief nicht herausragend, aber vollkommen o.k. Wir merken zwar, dass im Projektbereich eine gewisse Vorsicht herrscht, aber die wenigsten Projekte werden aufgegeben. In der Regel starten diese eben zwei bis drei Monate später.« Man dürfe nicht vergessen, betont Koenzen: »Es gibt auch Krisengewinner, wie die Discounter – insbesondere hier ist die IT-Infrastruktur mitunter betagter. Im medizinischen Bereich steigen die Finanzmittel sogar tendenziell sowie im öffentlichen Sektor insgesamt. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung und die Breitbandinitiative setzen hier merkliche Impulse für die gesamte Netzwerkbranche.«
Dass das keine hohlen Worte sind, belegen die Umsatzzahlen: 2008 spülte es neun Prozent mehr in die Lancom-Kasse. 2010 wird ein Umsatzplus von zehn Prozent angepeilt, so die internen Zielvorgaben. Dazu Koenzen: »Wir haben unsere Ziele also trotz viel beschworener Krise noch leicht erhöht. War das Wachstum 2008 noch sehr WLAN-getrieben, wachsen wir 2009 voraussichtlich auf der Basis von VPN-Vernetzungsprojekten. Ob sich diese Ziele so verwirklichen lassen, muss sich erst noch zeigen, aber ich halte das bislang noch für realistisch.«
Der Lancom-Chef baut in Krisenzeiten auf die Tatsache, dass die Netzwerkinfrastruktur die solide Basis für effizientes und damit kostengünstiges Arbeiten darstellt. Sie bietet aber auch die Grundlage für eine steigende Anzahl an ursprünglich analogen Techniken, die auf das TCP/IP-Protokoll getrimmt werden. In immer mehr technologischen Bereichen entwickeln sich Web-Protokolle, allen voran TCP/IP zum kleinsten gemeinsamen Nenner. Davon profitieren übrigens nicht nur Hardware-, sondern auch Software-Hersteller.
Video- und Sicherheit
Hermann Josef Schanz, Leiter Channel Business bei Sony Professional, hatte auf der Fachhandels-Roadshow Sony Professional World gute Argumente im Gespräch mit IT-BUSINESS, warum er sich um seine Reseller keine Sorgen zu machen braucht: »Dadurch, dass man heute Videokonferenzen und Videoüberwachungssysteme zusehends in IP-Netze integriert, können Systemhäuser ihren Kunden neue Lösungen anbieten«, findet Schanz.
Früher wurden analoge Videoleitungen für so genanntes CCTV (Closed Circle TV) genutzt. Gegenwärtig wandert Videokonferenz sowie die Sicherheitstechnik aber in die IT-Abteilung, genauso wie es bei der Zuständigkeit für Telefonie geschieht.
Wireless-N boomt
Auch wenn es sich bislang nur um die Draft-N-Version, also einen noch nicht offiziell verabschiedeten Standard handelt: Sowohl im Heimanwender- als auch im Business-Umfeld geht Wireless-N-Technologie weg wie warme Semmeln, bestätigt D-Link-Zentraleuropachef Thomas von Baross im Gespräch mit IT-BUSINESS. »Wireless-N ist absolut die Zukunftstechnologie«, so der Manager. Laut GfK sind die Verkaufszahlen von Wireless-N-Karten in Deutschland von 6.000 im Jahr 2006 über 51.000 im Jahr 2007 auf 243.000 im Jahr 2008 angestiegen, und der Aufwärtstrend ist ungebrochen. Die Tatsache, dass es sich um eine Draft-, also eine Vorversion des N-Standards handelt, kümmert die Kunden wenig. Von Baross weiß warum: »Zum einen wissen dies nur Fachleute. Zum anderen geht man kein Risiko ein. Selbst im eher vorsichtigen Geschäftsumfeld ist keine Zurückhaltung zu erkennen, denn sollte sich beim Standard tatsächlich noch etwas ändern, ziehen sich unsere Kunden einfach entsprechende Firmware-Updates aus der Cloud«, so der Manager. Wann der Standard verabschiedet wird, steht noch nicht fest, vielleicht 2009.
Der Homing-Effekt
Markus Speer, geschäftsführender Gesellschafter bei Media Range, beschreibt im Gespräch mit IT-BUSINESS, warum er von der so genannten Krise profitiert: »Ein weiterer positiver Effekt der Krise ist für Media Range der so genannte Homing-Effekt.« »My home is my castle« liege absolut im Trend, so Speer: »Endkunden verbringen mehr Zeit zu Hause und geben daher mehr Geld für Unterhaltungselektronik und Computerzubehör aus als zuvor.« Davon profitieren auch seine Händler. »Die Monate Dezember 2008 und Januar 2009 waren für das Unternehmen die erfolgreichsten Monate aller Zeiten«, so Speer. »Unsere Branche profitiert von den drastisch gesunkenen Logistikkosten vor allem im Bereich Seefracht aus Fernost. Darüber hinaus sind im Zuge des Konjunktureinbruchs die Einkaufspreise bei unseren Zulieferern gesunken. Die daraus resultierenden Einsparungen können wir unverzüglich an unsere Kunden weitergeben«, erläutert Speer.
Während der »Homing-Effekt« vor allem im Privatkundensegment für Umsatz sorgt, treiben verschiedene Effekte weiter Bereiche im Geschäftskundenumfeld voran.
Datenoptimierung ist gefragt
Das findet beispielsweise Martin Krömer, Regional Director Central Europe beim Hersteller von Application-Delivery-Lösungen Radware: »Die angespannte Wirtschaftssituation kann sich also durchaus positiv auf die Entwicklung in bestimmten Branchen auswirken. Vor allem im IT-Umfeld öffnen sich Chancen.« Insbesondere bei effizienzerhöhenden Investitionen sei dies der Fall. »Dazu gehören Projekte zur Optimierung von Datencentern oder aber die Konzeption rentabler IT-Umgebungen«, so Krömer. Ebenso werden die Anforderungen an die IT-Sicherheit in der wirtschaftlichen Dürreperiode nicht abnehmen, ist sich Krömer sicher. Hinzu kämen dann noch Treiber wie Green IT, also Virtualisierungstechnologien, Stromsparkonzepte und effiziente Rechenzentrumsplanungen.
Fazit: »Immer locker bleiben«
Acer-Deutschland-Chef Stefan Engel bewegt sich mit einem breiten Portfolio sowohl im Privat-, als auch im Geschäftskundenumfeld. Sein zusammenfassendes Kredo zur Krise lautet: »Was den Privatkunden als Abnehmer angeht, haben wir definitiv keine Krise. Der Sellout von Consumer-Produkten bei den Distributoren ist gut, und ich hoffe, das bleibt auch so. Was den Firmenkundenmarkt angeht, haben wir derzeit eine außergewöhnliche Situation, ich würde aber dennoch nicht Krise dazu sagen. Fakt ist, dass die Kreditversicherer gegenwärtig sehr vorsichtig sind, was derzeit einige Unternehmen scheitern lässt – das konnte man ja auch durch die Eilmeldungen von IT-BUSINESS verfolgen. Ich schätze auch, dass die letzte hier noch nicht verschickt wurde. Allerdings würde ich dies weniger an der Auftragslage festmachen. Ich kann den Händlern gegenwärtig nur raten, auf ihre Liquidität zu achten. Cashflow heißt das Gebot der Stunde. Insgesamt sehe ich, nachdem vielerorts einige verschreckt inne gehalten haben, derzeit wieder optimistische Marktbewegungen. Dass alles halb so wild ist, würde ich aber auch nicht sagen, denn die Finanzrestriktionen bereiten schon einigen erhebliches Kopfzerbrechen.«
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