Plädoyer für mehr Mut Doch keine so harten Zeiten für Hardware-Hersteller

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Es ist eine Binsenweisheit: Mit Hardware-Schieben ist kein Geld mehr zu verdienen. Durchschnittspreise und Margen kennen seit geraumer Zeit nur die Richtung in den Keller. Dennoch sucht man in weiten Teilen der Hardware-Branche lange nach mutlosen Gestalten. IT-BUSINESS beleuchtet, warum dies so ist.

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Viele Hardware-Hersteller sehen trotz der finanziell schwierigen Zeiten Lichtblicke für den Handel.
Viele Hardware-Hersteller sehen trotz der finanziell schwierigen Zeiten Lichtblicke für den Handel.
( Archiv: Vogel Business Media )

Über die Dienstleistungsschiene kommt man im Reseller- und Systemhausumfeld inzwischen auf seine Kosten. Von der Hardware-Marge können nur noch auf das Volumengeschäft spezialisierte Online-Händler leben.

Dieser Beitrag stammt aus der Mutmacher-Ausgabe von IT-BUSINESS (5/2009 vom 2.3.2009, zur CeBIT 2009). (Archiv: Vogel Business Media)

Es ist kein Geheimnis: Der Konkurrenzdruck bei den Hardware-Herstellern war schon vor dem Beginn der Rezession hart, da Preiskriege in vielen Produktsegmenten dazu geführt haben, dass auch die Herstellermargen in den Keller gegangen sind. Nachdem bereits einige den Gang zum Insolvenzgericht antreten mussten und sich andere aus bestimmten Produktsegmenten verabschiedeten, ist von den übrigen bereits etwas Last von den Schultern genommen.

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Außerdem ist der Margenkannibalismus nur noch im Commodity-Bereich besonders stark ausgeprägt. Die Hersteller, die es vom Vertriebsprinzip her Rockefeller gleich tun und Öllampen verschenken, um dann Öl zu verkaufen, sind nicht mehr besonders dicht gesät.

Im Spielekonsolenbereich, wo das Geld mit Lizenzgebühren verdient wird, oder bei Projekten mit besonders imageträchtigen und langfristig lukrativen Prestigekunden wird noch Hardware quasi ohne Gewinn verschenkt. Ansonsten kann sich kaum noch jemand leisten, mit roten Zahlen aus einem Projekt zu gehen. Das war früher häufiger an der Tagesordnung, was weiteren Druck aus dem Markt genommen hat. Die Frage lautet also: Ist es wirklich so schlimm um die Hardware-Hersteller bestellt?

Zu viel Krisengerede

Dirk Thomaere, General Manager bei Toshiba, hat jedenfalls die Nase voll vom Krisengerede: »Egal, wie man sich informiert, ob übers Internet, die Zeitung, Radio oder Fernsehen – überall schlagen uns die negativen Meldungen zur Finanzkrise ins Gesicht.« Die guten Botschaften erhalten ihm zufolge momentan nicht die wünschenswerte Aufmerksamkeit durch die Medien. »Rekordgewinne, positive Prognosen aus den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen – alles nicht der Rede wert? Leiden wir alle an selektiver Wahrnehmung aus Betroffenheit, oder hat der Pessimismus gerade Hochkonjunktur?«, fragt der Manager zurecht.

Thomaere führt gute Argumente ins Feld: »Sehr interessant fand ich eine Äußerung von Techconsult, die deutlich macht, dass die journalistische Berichterstattung manchmal nur die halbe Wahrheit zeigt.« Konkret ging es um eine Pressemeldung von Forrester, die einen weltweiten Rückgang der IT-Ausgaben um drei Prozent prognostizierte, wenn man sie in US-Dollar bewertet. Betrachtet man dagegen die lokalen Währungen, erhält man ein Ergebnis von 2,5 Prozent Wachstum weltweit. Für den Euro-Raum wurde ein Wachstum von 1,3 Prozent – wohlgemerkt in Euro ermittelt. Es war also allein die Darstellung in Dollar, die eine negative Meldung verursachte. »Momentan neigen die Medien meiner Ansicht nach leider dazu, die negative Variante stärker in den Vordergrund zu stellen.« Die Redaktion von IT-BUSINESS teilt diesen Standpunkt, was letztlich auch zur »Mutmacher-Ausgabe« (Ausgabe 05/2009) geführt hat.

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