Serie: Alternative Cloud-Anbieter (Teil 3) Auch in Europa gibt es Alternativen

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Zu den Angeboten der ganz großen Public Cloud-Provider hat sich eine Szene alternativer Anbieter gesellt – mit OVHcloud und Ionos, sowie dem aufstrebenden DigitalOcean bieten sich interessante Wahlmöglichkeiten auch in Europa.

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Zu den Angeboten der ganz großen Public-Cloud-Provider hat sich eine Szene alternativer Anbieter gesellt.
Zu den Angeboten der ganz großen Public-Cloud-Provider hat sich eine Szene alternativer Anbieter gesellt.
(Bild: gemeinfrei© Squarefrog / Pixabay )

Cloud von der Stange ist für vielfältige Einsatzzwecke gut, die Angebote von AWS und Co. Haben nicht umsonst so großen Zuspruch. Aber gerade für viele Freiberufler, Entwickler, Agenturen und kleine Unternehmen passt das vergleichsweise anonyme Produktportfolio und der damit verbundene schmale Support nicht. Sie suchen nach Alternativen, die eben genau das bieten: alternative Angebote, alternative Preise und vor allem eine alternative Lebenseinstellung. Nachdem wir im bislang letzten Beitrag dieser Reihe die Cloud Provider Linode, Vultr und Kamatera vorgestellt haben, wenden wir uns heute europäischen Anbietern zu, nämlich OVHcloud und Ionos. Als Dritten werfen wir ein Auge auf DigitalOcean, das sein Heil wohl eher in Indien sucht.

OVHcloud

OVHcloud ist alles andere als ein Start-up – bereits 1999 gründete Octave Klaba das Unternehmen in Lille, Frankreich. Es war und ist damit eines der ersten Internet-Hosting-Unternehmen in Europa. Den Begriff „Cloud Computing“ gab es damals noch gar nicht. Erste Aktivitäten starten ein Jahr später in Frankreich und Belgien und wurden in den folgenden zehn Jahren auf ganz Europa ausgeweitet.

2010 beginnt für OVHcloud die Cloud-Ära mit neuen Dienstleistungen wie einer Private Cloud. Ein Jahr später bezeichnet man sich als Europas Webhoster Nr. 1 und entwickelt gemeinsam mit VMware ein Public-Cloud-Angebot auf Basis von OpenStack. 2018 kommt Michel Paulin als CEO zu OVHcloud und unterstützt Octave Klaba bei der Leitung des Unternehmens. Zeitgleich ändert man den bisherigen Firmennamen OVH in OVHcloud, aktuell bedient es mehr als 1,5 Millionen Kunden auf der ganzen Welt.

Zuletzt verstärkte das Unternehmen seine Aktivitäten gerade in Deutschland, mit Falk Weinreich wurde erst vor einem Jahr von Colt Data Centre Services ein neuer General Manager Central Europe geholt. Er erklärte uns gegenüber, den Schwerpunkt in naher Zukunft auf „Green Technology“ legen zu wollen. Dazu plant man den ökologischen Fußabdruck seiner Rechenzentren zu verkleinern, bereits 2003 hat man dort Wasserkühlung eingeführt.

Das Hauptgeschäft ist nach wie vor das Webhosting, aber auch virtuelle sowie dedizierte Server und Domain-Registrierung werden angeboten. Erweitert wird das Angebot mit einem eigens entwickelten Schutz gegen Denial-of-Service-Attacken. Bei dem Angebot Dedicated Server hat der Kunde je nach Unterstützungsbedarf die Möglichkeit, zwischen drei Produktmodellen zu wählen: „Kimsufi“ für Studenten und Einsteiger mit sehr niedrigen Preisen, „So You Start“ für Existenzgründer und kleine Unternehmen sowie „OVHcloud“ für professionelle Nutzer. Je nach Bedarf und Einsatzgebiet können diese aus den drei Server-Reihen „Enterprise“, „Hosting“ und „Infrastructure“ das passende Angebot auswählen. Hier geht es zu den Preisen für Hosted Private Clouds, das Portfolio umfasst aber sehr viel mehr und ist im Umfang fast vergleichbar mit dem von AWS.

Wie alternativ, um nicht zu sagen trutz- bzw. trotzig man ist, zeigt sich auch daran, dass die Franzosen seit Dezember 2010 WikiLeaks hosten. Zuvor hatte Amazon die Dokumente der Enthüllungsplattform von seinen Servern verbannt. Selbst der damalige französische Industrieminister Eric Besson war in den Fall verwickelt – letztlich wurde gerichtlich entschieden, dass „es keine rechtliche Verpflichtung seitens OVH gebe, das Hosting der WikiLeaks Seiten zu unterlassen“, wie in Archiven nachzulesen ist. Vive la France!

Ionos

Nach einem französischen Anbieter wollen wir nun einen deutschen Vertreter unter die Lupe nehmen: Ionos wurde bereits 1988 (!) als 1&1 EDV-Marketing GmbH gegründet, es folgten turbulente Jahre, in denen sich gelegentlich Ausrichtung und Name änderten. Seit 2001 bietet 1&1 neben Shared Hosting auch dedizierte Server an. 2018 wurde das Hosting-Geschäft in 1&1 Ionos umbenannt. Die Marke steht nun für Webhosting und Cloud Computing und offeriert neben Shared-Hosting-Tarifen auch dedizierte, virtuelle Cloud Server (sowie diverse E-Mail-Lösungen). Das Angebot des übernommenen Berliner Unternehmens ProfitBricks – i.e. IaaS für Unternehmen – wird als 1&1 Ionos Enterprise Cloud fortgeführt.

Das Webhosting von Ionos ist vergleichsweise günstig und einfach strukturiert. An Servern (Linux oder Windows) stehen ab einem Euro im Monat Virtual Private Server, Cloud Server ab 5 Euro im Monat sowie Dedicated Server (CPU, RAM, Speicher, Netzwerk) ab 50 Euro im Monat bereit.

Als Standardkonfiguration kommen die Linux-Server oft mit Apache Webserver in Kombination mit einer MySQL-Datenbank und der Skriptsprache PHP. Das reicht für weit verbreitete CMS wie WordPress, Drupal und Typo3 sowie für viele Foren und Wikis. Mit der Enterprise Cloud können auch Webserver wie Tomcat, Passenger oder Nginx in Verbindung mit MariaDB und MongoDB als Datenbanken und Java und Node.js als Programmiersprachen aufgesetzt werden.

Auch Ionos wirbt mit einem preisgekrönten Support, er wurde bei den European Contact Center & Customer Service Awards mit Gold für die Beste Kundenservice-Initiative ausgezeichnet. Unter allen Alternativen zu AWS und Co ist Ionos die vielleicht am wenigsten alternative. Der Auftritt des Unternehmens stellt sich eher bieder dar, eine besonders „andere“ Philosophie ist nicht zu erkennen.

DigitalOcean

Anders beim US-Unternehmen DigitalOcean. Ganz ähnlich wie Linode wendet sich das Unternehmen zuvorderst an Entwickler und preist sich als besonders anwenderfreundlich an. Die Bedienung sei intuitiv und simpel, neue Server („Droplets“) könnten in weniger als einer Minute aufgesetzt werden. DigitalOcean bietet eine Reihe von Apps wie LAMP, RoR oder Wordpress, die sofort bereitgestellt werden können. Es gibt auch eine umfangreiche Dokumentation für Personen, die neu bei Virtual Private Servers (VPS) sind.

Die Preise beginnen bei 5 US-Dollar im Monat für 1 GB, die Abrechnung erfolgt pro Stunde. Jeder Monat hat eine 672 Stunden-(= 28 Tage)-Abrechnungsobergrenze, Serverlaufzeiten darüber hinaus sind kostenlos. DigitalOcean akzeptiert Zahlungen per Visa, MasterCard, American Express, Discover und PayPal.

Das Unternehmen verfügt über 13 Rechenzentren, leider aber ausschließlich in den USA. Nur in Indien unterhält man darüber hinaus eine Niederlassung. Für Europäer also vielleicht nicht so interessant, zumal DigitalOcean anders als der direkte Konkurrent Linode – der praktisch über dasselbe Angebot verfügt, wenngleich deutlich umfangreicher – kein deutsches Rechenzentrum oder eine deutschsprachige Website betreibt. Auch ist eine Anfrage an DigitalOcean bezüglich deutscher Kunden unbeantwortet geblieben.

Zusammenfassung

Mit OVHcloud, Ionos und DigitalOcean haben wir diesmal sehr unterschiedliche Anbieter der „Alternative Cloud“ betrachtet. Die französische OVHcloud präsentiert sich per se alternativ, ähnlich wie das US-amerikanische DigitalOcean, das ganz auf Open Source und Entwickler setzt. OVHcloud setzt stark auf den deutschen Markt und ist hier sehr aktiv, anders als DigitalOcean, das auf die USA und Indien beschränkt ist. OVHcloud setzt zudem stark auf die grüne Karte und will als umweltbewusst wahrgenommen werden. Ionos dagegen ist ein gewachsener deutscher Mischkonzern mit drei Jahrzehnten auf dem Buckel, der gegen die Telekom und andere TK-Konzerne antritt.

Anwender müssen leider für sich selbst entscheiden, in welchen Händen sie sich wohl fühlen könnten.

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Dr. Dietmar Müller

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Journalist