Mähroboter Zukunftsmarkt Smart Gardening

Corona hat auch das Thema Garten in den vergangenen beiden Jahren verändert und Entwicklungen beschleunigt. Bislang werden Produkte aus dem Segment Smart Gardening vor allem über den Gartenfachhandel und Elektronikmärkte vertrieben.

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Immer mehr Rasenmähroboter pflegen die Gärten.
Immer mehr Rasenmähroboter pflegen die Gärten.
(Bild: Gardena)

Eine ideale Situation für den Channel: Die Kunden, die eine Lösung erworben haben, können oder wollen sie nicht selbst installieren. Somit kann man als Fachhändler zusätzlich zu den Produkten auch Installationsservices anbieten. Wenn man es geschickt anstellt, öffnet sich bei den Kunden zudem die Tür zu weiteren Dienstleistungen. So stellt sich die Ausgangslage im wachsenden Segment Smart Home häufig dar. Hier kann man als gut aufgestellter ITK-Reseller eine breite Vielfalt an Services anbieten und neben dem Smart Home Gateway auch die intelligenten Geräte im Haus installieren und einrichten.

In den vergangenen Jahren hat sich der Smart-Home-Markt nach draußen verlagert, in den Garten. Wer Smart Home nutzt, ist meist den Lösungen für Smart Gardening nicht abgeneigt, und wenn es die automatische Bewässerung der Pflanzen auf dem Balkon ist. Doch die Situation stellt sich für den ITK-Fachhandel in diesem Subsegment nicht gnaz so einfach dar. Die meisten Smart-Gardening-Produkte sind Mähroboter. Deren Einrichtung ist von IT-Seite kein Problem: Es gibt passende Apps und Integrationen in Smart Home Gateways, zu Amazon Alexa und Google Assistant. Aber damit ist die Installation in aller Regel nicht abgeschlossen. Bisher ist es im Endkundenbereich üblich und notwendig, dass für den smarten Rasenmäher zum Beispiel ein Begrenzungskabel im Garten verlegt werden muss. Diese Erdarbeiten gehören aber nicht wirklich zu den typischen Services des ITK-Handels. Deshalb könnte man Smart Gardening als eher problematisch ansehen.

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Der Markt in Zahlen

Der Industrieverband Garten (IVG), Interessenvertreter der Hersteller von Gebrauchs- und Verbrauchsgütern in der Grünen Branche für den Hobby- und den Profimarkt, präsentierte auf seinem Medientag 2022 in Köln die Marktzahlen für 2021. Der Marktforscher Klaus Peter Teipel bewertete die Marktentwicklung positiv: „Insgesamt unterstreicht die Entwicklung die hohe Standfestigkeit und Stabilität des Marktes, der Stellenwert von Gartenprodukten bei den Verbrauchern ist ungebrochen hoch.“ Mit einem Umsatzplus von 1,4 Prozent wuchs der Markt 2021 auf 21,2 Milliarden Euro an (2020: 20,9 Milliarden Euro). Corona habe auch die Welt rund um das Thema Garten in den vergangenen beiden Jahren stark verändert und viele Entwicklungen beschleunigt. „Ob sich dieser ‚Gartenboom‘ auch über diese Zeit hinaus bemerkbar machen wird, bleibt abzuwarten“, führt Teipel weiter aus. „Vieles spricht jedoch dafür, dass der Garten auch in Zukunft einen besonderen Stellenwert einnehmen wird.“

Überdurchschnittlich gut hat sich dabei der Gartenfachhandel entwickelt. Der Vertriebskanal hat im laufenden Jahr insbesondere davon profitieren können, dass er seine Produkte ganzjährig ohne Lockdown-Beschränkungen vermarkten konnte. Doch auch der Consumer-Electronic-/Elektrofachhandel konnte mit einem Plus von 9,1 Prozent deutlich zulegen. „In der Tat führen die CE-Märkte einiges an smarten Gartenprodukten und sind damit ein weiterer wichtiger Vertriebskanal für diese geworden“, bestätigt Heribert Wettels, Manager Unternehmenskommunikation bei Gardena.

Ein großer Teil der Produkte wird online verkauft. Die Zahlen werden dem Experten zufolge dadurch verzerrt, dass auch die E-Commerce-Umsätze der stationären Händler üblicherweise als „stationär“ gewertet und nicht bei „online“ mitgezählt werden. „Daher gehe ich davon aus, dass ein großer Teil dieser Produkte letztlich auch im E-Commerce verkauft wird.“ Tatsächlich zeigt das Beispiel Mediamarkt, dass es nicht nur smarte Gartengeräte sind, die dort online angeboten werden, sondern ein umfangreiches Gartenzubehör mit inzwischen rund 400 Artikeln. Der Garten hat somit wirklich in der ITK-Branche Einzug gehalten.

Wer Umsatzpotenzial im Segment Smart Gardening sieht, stößt womöglich auf das Thema Installation bei Mährobotern. Doch das Begrenzungskabel, das der Orientierung des smarten Rasenmähers dient, muss kein Hindernis sein. „Ich glaube, dass ein in Zukunft möglicher Wegfall der Installation keinen nennenswerten Einfluss auf die Wahl des Vertriebskanals haben wird“, meint Wettels von Gardena. „Die Mähroboter der Marke Gardena werden von den Verbrauchern schon heute fast ausschließlich zur Selbstinstallation gekauft. Das scheint also kein Hinderungsgrund zu sein und damit in Bezug auf unsere Produkte auch die Wahl des Vertriebskanals nicht wesentlich zu beeinflussen. In Bezug auf den Service bietet Gardena diesen ohnehin zentral herstellerseitig an“.

Neue Entwicklungen

Doch andere Hersteller haben sich bereits an die Abschaffung des Begrenzungskabels für Mähroboter auch im Privatkundenbereich gemacht, wie die neuen Produkte von Stiga zeigen. Mit dem Stig-A präsentierte der Hersteller auf dem IVG Medientag eine neue Mähroboter-Reihe für private Gärten, die inzwischen präzise ohne Begrenzungskabel arbeitet.

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Die Idee, nur auf GPS zu setzen, lässt sich nicht so einfach realisieren. Hindernisse wie Grundstücksmauern, Häuser und Gartenlaub können dieses Signal stören und der Mäher verliert die Verbindung. Daher findet beim Stig-A die Kommunikation per 4G-Signal statt, eine stabile Datenübertragung, die keine ununterbrochene Sichtlinie erfordert, so der Anbieter.

Dazu kommt das eigens von Stiga entwickelte Active Guidance System (AGS), ein Algorithmus, der mit prädiktiver Technologie für ein aktives Leitsystem sorgt. Beim Stig-A muss damit kein Begrenzungsdraht im Rasen verlegt werden. Stattdessen erfassen die Nutzer den Umfang ihres Rasens in der Stiga.Go-App. Sollte sich die Gartenanlage verändern, kann dies ebenfalls nachgetragen werden – ganz ohne ein Begrenzungskabel wieder ausgraben zu müssen.

Auch bei Gardena haben sich die Mähroboter weiter entwickelt. Die neue Generation der Robotermäher smart Sileno city und smart Sileno life verfügt über die Lona-Technologie (Localisation & Navigation). Sie bringt zahlreiche Möglichkeiten mit sich, den Mähroboter ganz individuell zu konfigurieren. Der Mähroboter weiß genau, wo er sich befindet, so Gardena. Dank Lona ist er in der Lage, den kompletten Garten zu erfassen, eine Karte zu erstellen und diese für seine Mäh-Aktivitäten zu nutzen. Diese Karte wird in der Smart-System-App des Herstellers abgebildet, sodass der Nutzer hier zahlreiche weitere Einstellungen vornehmen kann.

In der virtuellen Karte des Gartens lassen sich beispielsweise verschiedene Zonen definieren. Für diese können dann die Mähintensität und die Frequenz, wie oft der Mähroboter hier zum Einsatz kommt, individuell festgelegt werden. So können zum Beispiel schattige Bereiche, in denen das Gras langsamer wächst, weniger häufig gemäht oder auch komplett ausgespart werden.

Es zeigt sich: Der Bereich Smart Gardening wird noch smarter und innovativer. Das erhöht nicht nur das Interesse bei einer IT-affinen Kundenschaft, es ermöglicht auch einen immer leichteren Einstieg in dieses spannende Marktsegment. Wer im Smart-Home-Bereich daheim ist, sollte den Weg in den Garten, hin zu Smart Gardening nicht mehr scheuen.

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