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Fünfter Mobilfunkstandard spaltet die Gesellschaft

Startschuss für 5G

| Autor: Sarah Böttcher

Ab heute geht es bei der 5G-Frequenzauktion in Mainz um Milliarden und um die digitale Zukunft Deutschlands.
Ab heute geht es bei der 5G-Frequenzauktion in Mainz um Milliarden und um die digitale Zukunft Deutschlands. (Bild: LHG - stock.adobe.com)

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Seit heute werden die Frequenzen für die fünfte Mobilfunkgeneration (5G) versteigert. Für die Auktion zugelassen sind die Unternehmen 1&1 Drillisch, Telefónica, Telekom und Vodafone. 5G gilt als großer Hoffnungsträger für die digitale Zukunft Deutschlands. In den letzten Monaten hat sich der Ausbau jedoch auch durch den Einfluss Huaweis zu einem Wirtschaftskrimi entwickelt.

Zahlreiche Studien belegen: Deutschland hinkt beim 5G-Ausbau im internationalen Vergleich hinterher. Zwar pocht die Regierung auf einen raschen und vor allem flächendeckenden Ausbau des schnellen Netzes, trotz zahlreicher Regularien rückt dieser jedoch in weite Ferne. So dauert es laut Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbandes Bitkom, 18 Monate, bis man die Genehmigung zum Bau eines Sendemasten erhält. Da das Genehmigungsverfahren für Antennenstandorte eines der langsamsten in Europa ist, wird das Gigabit-Zeitalter noch auf sich warten lassen.

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28.11.18 - Die Bundesnetzagentur hat die finalen Vergabebedingungen und -Regeln für die 5G-Frequenz­auktion im kommenden Frühjahr bekannt gegeben. Bis zum 25. Januar können Unternehmen Zulassungsanträge für die Auktion stellen. Vielen geht das Regelwerk jedoch gegen den Strich. lesen

Am 14. Mai 2018 hat die Bundesnetzagentur entschieden, die 5G-Frequenzen, wie schon im Jahr 2000 die UMTS-Lizenzen, zu versteigern. Im November letzten Jahres wurden die Vergabebedingungen festgelegt, ungeachtet des heftigen Widerstands der Mobilfunkbetreiber. Trotz gerichtlicher Eilanträge gegen die Auktionsbedingungen von Telefónica, Telekom und Vodafone hat das Verwaltungsgericht Köln erst vor Kurzem beschlossen, dass der Auktion kein Aufschub gewährt wird. Seit heute 10 Uhr geht es in Mainz um Milliarden und um die digitale Zukunft Deutschlands.

Für die Auktion werden 41 Frequenzblöcke unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen zwischen den vier Wettbewerbern versteigert. Die Frequenzblöcke setzen sich aus 12 Paaren zu je 5 MHz im 2-GHz-Spektrum, 18 Blöcke zu 10 MHz und einem zu 20 MHz ab 3,4 GHz und schließlich 10 Blöcke ab 3,6 GHz zusammen. In verschiedenen Auktionsrunden, die maximal eine Stunde dauern sollen, werden die Frequenzen versteigert. Eine Runde endet, sobald keiner der Wettbewerber mehr bietet. Auf der Webseite der Bundesnetzagentur können die jeweiligen Rundenergebnisse und die Ergebnisse aus den vergangenen Versteigerungsrunden eingesehen werden.

Netzriesen vs. Bundesnetzagentur

Für Telefónica, Telekom und Vodafone gehen die staatlichen Auflagen zu weit. Als einer der größten Streitpunkte galt das sogenannte „nationale Roaming“. Das bundesweite Roaming ist zwar vom Tisch, trotzdem drängt die Bundesnetzagentur auf das sogenannte „lokale Roaming“. So möchte die Regierung Funklöchern den Kampf ansagen. Durch das „lokale Roaming“ wird von den großen Netzbetreibern jedoch eine Zusammenarbeit mit den Wettbewerbern erwartet. So müsste beispielsweise die Telekom seinem Konkurrenten 1&1 Drillisch die eigenen Netze öffnen, was dem Netzriesen gewaltig gegen den Strich geht. Für die Platzhirsche bietet vor allem auch die Forderung reichlich Diskussionsstoff, bis Ende 2022 für 98 Prozent aller Haushalte einen Zugang zum schnellen Netz zu gewährleisten.

Auch einige Politiker sehen diese Forderung als nicht notwendig. Vor allem Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, erntete für ihre Aussage, dass 5G nicht an jeder Milchkanne notwendig ist, mächtig Kritik. Der Staat folgt mit dieser Forderung allerdings dem Grundgesetz, welches gleichwertige Lebensverhältnisse für die Stadt und das Land vorsieht.

5G-Ausbau gefährdet Dorffrieden

Doch vor allem auf dem Land gefährdet der 5G-Ausbau den Dorffrieden. Die einen sehnen sich nach dem schnellen Netz und dem Ende aller Funklöcher, die anderen möchten auf keinen Fall zusätzliche Funkmasten in ihrer Nähe haben. Neben der Zerstörung des Landschaftsbildes, stört sie vor allem die noch nicht ausreichend erforschte Strahlenbelastung sowie die Gefahr einer Wertminderung ihrer Grundstücke. Viele Gemeinden und Behörden stehen daher vor einer Herkulesaufgabe. Denn der Mobilfunkpakt sieht vor, dass diese sich um den 5G-Ausbau kümmern. Ab sofort wird wohl in vielen Gemeinden der Haussegen schief hängen.

Die Mobilfunktechnologie 5G hat einen großen Nachteil: ihre geringe Reichweite. Eine 5G-Netzabdeckung benötigt viel mehr Masten als ein flächendeckendes 4G-Netz und kostet die Betreiber somit auch mehr Geld. Diese warnen bereits vor einer „Verspargelung“ der Landschaft. Dem Digitalverband Bitkom zufolge müsste für ein flächendeckendes 5G-Netz im Abstand von je einem Kilometer das Land schachbrettmusterartig aufgebaggert oder aufgefräst und mit Funkmasten gespickt werden. Andere Quellen werden konkreter: Für ein flächendeckendes Netz seien 750.000 zusätzliche Sendemasten nötig. Die Bundesnetzagentur und weitere Quellen sprechen von einer geringeren Zahl. Mindestens sei jedoch mit einer Verdopplung der bisherigen 75.000 Masten zu rechnen. Dagegen würden aktuell bereits die ersten Bürgerinitiativen entstehen.

Kosten- und Sicherheitsprobleme

Die zahlreichen Masten gefährden nicht nur das Landschaftsbild, sie bringen auch hohe Kosten mit sich. In Südkorea hat die Regierung erst vor Kurzem den Launch von 5G verschoben. Einer der Gründe war die zu hohe Kostenstruktur. Experten sehen dieses Problem auch in Deutschland. Ab 2020 soll es 5G-fähige Geräte geben, doch werden diese anfangs vermutlich nicht unter 1.000 Euro im Handel erhältlich sein.

Neben den Kosten stellt auch die Gewährleistung der Sicherheit ein ernstzunehmendes Problem dar. 5G bietet die Grundlage für das Internet der Dinge (IoT) und für die Vernetzung von Milliarden von Geräten. Hierbei handelt es sich auch um Milliarden von Einfallstoren, die abgesichert werden müssen. Experten zufolge müssen Unternehmen eine vollkommen neue Sicherheitsstrategie entwickeln.

Ist das 5G-Netz ein Gesundheitsrisiko?

Ob das schnelle Netz Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen hat, ist zwar noch nicht ausreichend erforscht. Doch einige Ärzte haben sich bereits im Oktober vergangenen Jahres in einem offenen Brief an Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, gewandt. Sie warnen vor möglichen Auswirkungen für elektrosensible Patienten. Etwa sechs bis acht Prozent der Bevölkerung leidet demnach unter dem „Mikrowellensyndrom“, was sich unter anderem durch Migräne, Schmerzzustände oder Depressionen äußere. Zudem finden sich im Internet mehrere Petitionen gegen den 5G-Ausbau.

Gefährdet Huawei die Sicherheit Deutschlands?

Vor allem die Skandale der letzten Wochen und Monaten haben die Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit Huawei verstärkt. Im Dezember letzten Jahres äußerte Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, noch keine Bedenken gegenüber dem chinesischen Unternehmen. Einige Kritiker, darunter auch Konstantin von Notz, Bundestagsabgeordneter der Grünen, warfen ihm Naivität im Umgang mit Huawei vor und forderte schärfere Sicherheitsanforderungen an den neuen Mobilfunkstandard. So ist beispielsweise aktuell kein Zertifizierungsverfahren für das schnelle Netz vorgesehen.

Huawei arbeitet eng mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zusammen. Durch die dortige Offenlegung der Quellcodes kann dem BSI zufolge kontrolliert werden, ob der chinesische Geheimdienst Daten abgreift. Vor allem die USA warnt vor einer Zusammenarbeit mit China beziehungsweise Huawei. Trotz zahlreicher Anschuldigungen legte die amerikanische Behörde jedoch keine Beweise für etwaige Spionage-Aktivitäten des Telekommunikationsausrüsters vor.

Eins steht fest: Wenn der chinesische Konzern die Mobilfunknetze in Deutschland nicht aufbaut, und Deutschland Huawei komplett aus dem Ausbau ausschließen würde, verzögert sich dieser um Jahre, was die Kosten weiter nach oben treibt. Eine Unabhängigkeit von den USA und China gelingt Deutschland nur mit einer europäischen 5G-Lösung. Europäische Firmen, die sich um den Ausbau des 5G-Netzes kümmern könnten, gibt es genug.

Industrie setzt auf eigene 5G-Infrastruktur

Während sich die Regierung mit dem Netzriesen streitet und die Skepsis der Bürger vor dem 5G-Netz und die der Politiker vor Huawei wächst, bauen einige Unternehmen ihre eigene 5G-Infrastruktur auf. Denn vor allem in der Industrie spielt die fünfte Mobilfunkgeneration eine nicht unbedeutende Rolle. 5G erhöht durch die Echtzeitkommunikation zwischen Maschinen die Effizienz in Produktionshallen und Unternehmen. Aktuell verfügen große Industriekonzerne über ein eigenes WLAN-Netz. Doch für die industrielle Entwicklung und zahlreiche IoT-Anwendungen, die hohe Übertragungsraten und Echtzeitkommunikation benötigen, wie beispielsweise autonomes Fahren, ist 5G dringend notwendig.

Dass Unternehmen eigene 5G-Netze aufbauen, ärgert wiederum die Mobilfunkbetreiber. Diese verlieren dadurch große Kunden und viel Geld. Doch die Regierung hat für die Industrie ein Viertel der Frequenzen reserviert. Diese sollen in der zweiten Jahreshälfte versteigert werden.

5G: Das Netz der Zukunft

So bietet 5G vor allem für die Industrie zahlreiche Vorteile. Im Unterschied zu den Vorgängernetzen LTE (4G) und UMTS (3G) kann die 5. Mobilfunkgeneration deutlich flexibler auf Anwenderbedürfnisse zugeschnitten werden. Hierbei sind drei Hauptszenarien möglich:

  • Ultra-schnelles mobiles Breitband
  • Kommunikation zwischen Maschinen und Anwendungen
  • Hoch-Zuverlässigkeitsnetz mit kurzen Antwortzeiten.

Die Vorteile können allerdings nur dann ausgeschöpft werden, wenn die Mobilfunkstationen an das Glasfasernetz angebunden werden. Neben den vielen zusätzlichen Sendemasten, müsste, um die geringen Latenzen, die 5G verspricht, zudem alle 15 Kilometer ein Rechenzentrum stehen. Eine mögliche Lösung bieten hier Container-Rechenzentren.

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