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Digitalisierung in den grünen Branchen

Smart Gardening: Wachsende Chancen für Systemintegratoren

| Autor / Redakteur: Oliver Schonschek / Margrit Lingner

Smart Gardening gehört laut IVG zu den Top-Themen in der Branche.
Smart Gardening gehört laut IVG zu den Top-Themen in der Branche. (Bild: Gardena)

Der Gartenmarkt ist im Umbruch. Branchenfremde und Versandhändler sind dabei, die grünen Märkte zu besetzen. Das Ziel ist aber nicht die Übernahme, sondern die Kooperation. IT-Dienstleister werden zu gefragten Partnern.

Keine Branche bleibt unbeeinflusst von der fortschreitenden Digitalisierung, auch die sogenannten grünen Branchen spüren dies zunehmend. „Es herrscht eine positive Stimmung am Markt, auch wenn Faktoren wie Wetter und steigende Konkurrenz durch E-Commerce ihre Spuren hinterlassen haben“, sagte Anna Hackstein, Geschäftsführerin beim IVG, dem Industrieverband Garten, der am 14. Februar zu seinem Medientag 2018 in die Kölner Messe eingeladen hatte. Die Anteile der einzelnen Vertriebswege im Gartenmarkt (für 2017 rund 18,4 Milliarden Euro in Deutschland) zeichnen ein klares Bild: Für die IVG-Mitglieder zählen E-Commerce (75,6 %), Fachhandel (44,4 %) und Baumarkt (22,2 %) zu den wichtigsten Wegen hin zum Kunden.

Auch im Gartenmarkt steigt die Bedeutung des Online-Handels massiv an. Doch die Digitalisierung hat weitere Folgen, bei Produkten und Services.
Auch im Gartenmarkt steigt die Bedeutung des Online-Handels massiv an. Doch die Digitalisierung hat weitere Folgen, bei Produkten und Services. (Bild: IVG)

Doch die Digitalisierung verändert nicht nur die Vertriebswege, sie betrifft auch die Produkte selbst. Smart Gardening gehört zu den Top-Themen in der Branche, die Messe Köln wird auf der Gartenfachmesse spoga+gafa im September 2018 diesen Themenbereich deutlich ausbauen. Roboter-Rasenmäher, die per App programmiert und überwacht werden, gehören ebenso zu Smart Gardening wie die intelligente, wetterabhängige Bewässerungssteuerung im Garten.

Der Marktforscher Klaus Peter Teipel erklärte auf dem IVG Medientag, dass der Marktanteil von Gartengeräten und Gartenmaschinen zwar im Jahr 2017 gesunken ist (- 0,8 %), der Umsatz mit Smart Gardening Lösungen jedoch deutlich gegen den Trend wächst, auch wenn es hierfür keine genauen Zahlen gibt. Gründe für das Wachstum bei Smart Gardening sind laut Teipel zum Beispiel die Steigerung an Ergonomie und Komfort.

Auf dem Medientag des Industrieverbandes Garten (IVG) sagte der Marktforscher Teipel eine zunehmende Bedeutung von Online-Handel und von Branchenfremden im Gartenmarkt voraus.
Auf dem Medientag des Industrieverbandes Garten (IVG) sagte der Marktforscher Teipel eine zunehmende Bedeutung von Online-Handel und von Branchenfremden im Gartenmarkt voraus. (Bild: Oliver Schonschek, IT-BUSINESS)

In den Gesprächen auf dem Medientag wurden weitere Gründe genannt, die gerade für den ITK-Handel und für die IT-Dienstleister interessant sind: Die jüngere Generation will einen schönen Garten, möchte dies aber ohne größeren Aufwand erreichen, Automatisierung ist gefragt. Ein weiterer Punkt: Der Trend hin zum Smart Home setzt sich in den Garten als „grünes Wohnzimmer“ fort.

Bedeutung von IT-Know-how im Garten nimmt zu

Die Digitalisierung verändert aber nicht nur Marktanteile und Produkte, auch die Anforderungen an die Dienstleister und Services sind im Wandel. Viele der Aussteller spüren, dass die IT stärker Einzug hält. Manche sehen sogar die Gefahr, dass die bisherigen Händler und Dienstleister im Gartenmarkt von den IT-Unternehmen „überrollt“ werden. Damit ist nicht nur Amazon gemeint, mit einem heute schon enormen Anteil am Gartenmarkt in Deutschland.

Warum die IT immer wichtiger wird, macht sich am Anwender fest: Smart Gardening ist insbesondere dann für die Nutzer interessant, wenn es eine Integration in die bestehende Smart-Home-Vernetzung gibt. Anbieter wie AL-KO gehen genau diesen Weg und haben eine Schnittstelle für ihren Roboter-Rasenmäher mit dem Innogy Gateway als Smart-Home-Zentrale entwickelt. Die meisten der anderen Anbieter planen einen ähnlichen Weg, die Integration mit Smart-Home-Zentralen der Energieversorger und Telekommunikationsanbieter.

Smart Gardening entwickelt sich weiter: Neben neuen App-Funktionen wie bei Kress Robotik kommt die Integration in die Heimvernetzung, eine interessante Option für IT-Dienstleister.
Smart Gardening entwickelt sich weiter: Neben neuen App-Funktionen wie bei Kress Robotik kommt die Integration in die Heimvernetzung, eine interessante Option für IT-Dienstleister. (Bild: Oliver Schonschek, IT-BUSINESS)

Die bestehende Integration mit Smartphone und Tablet der Nutzer über eine Smart-Gardening-App wird ebenso ausgebaut, mit neuen Funktionen und Inhalten, zum Beispiel bei Gardena, Wolf Garten und Kress. Zu den App-Funktionen gehört die Programmierung der Mähzeiten, eine Fernbedienung bei engen Durchfahrten, Analysen zu Fahrzeiten und Ladestatus, aber auch Ferndiagnosen bei Störungen und die Information des Kundendienstes.

Die Einrichtung von Smart Gardening betrifft in Zukunft mehr als Verlegen von Begrenzungsdraht im Garten und Installieren einer App. Es geht um die Integration in die Heimvernetzung. IT-Dienstleister und IT-Fachhändler, die hier aufgestellt sind, werden deshalb auch neue Marktchancen im Smart Gardening erhalten. Die klassischen Gartendienstleister (Garten- und Landschaftsbauer) brauchen nach Ansicht vieler Aussteller Unterstützung bei diesen IT-Services.

Smart Gardening: IT-Channel als Partner der grünen Branchen

Wer selbst Smart-Gardening-Lösungen listen und vertreiben will, bei dem setzen einige Hersteller voraus, dass sie eine passende Werkstatt für Servicefälle haben. Andere Anbieter wie AL-KO und Gardena bieten jedoch an, dass die Services von ihnen erbracht oder vermittelt werden. Eine Erweiterung des Smart Home Sortiments in den Bereich Smart Gardening ist damit leicht möglich. Wer zusätzlich Services anbietet, wie die Integration in die Heimvernetzung, findet weitere Geschäftsfelder, nicht nur bei Privathaushalten, sondern auch bei Wohnanlagen und Firmengebäuden. Immerhin entfallen 17 Prozent des Gartenmarktes auf gewerbliche Abnehmer wie Kommunen und Unternehmen.

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