Aktueller Channel Fokus:

Storage und Datamanagement

Cloud, All-IP und der MSA

Renaissance der IT-Infrastruktur

| Autor: Sylvia Lösel

Die Wiedergeburt - heute erlebt die Infrastruktur eine Renaissance.
Die Wiedergeburt - heute erlebt die Infrastruktur eine Renaissance. (Bild: © javarman - Fotolia.com)

Jahrelang wurde sie angesichts der Cloud totgesagt: die Infrastruktur. Künftig könnte sie eine Art Wiederauferstehung erfahren, trotz oder vielleicht gerade wegen der Cloud. Deshalb sieht der Geschäftsführer des ITK-Spezialisten Savecall, Nikolaus von Johnston, der Zukunft durchaus mit Freude entgegen.

Die Wolke dehnte sich in den vergangenen Jahren immer mehr aus. Die Cloud hielt Einzug in Privat- und Geschäftsräume, manifestierte sich in privater, öffentlicher oder hybrider Ausprägung und vermittelte oft den Eindruck, künftig benötige man kaum noch Infrastruktur. Doch weit gefehlt. Denn um in die Wolke abheben zu können, bedarf es irdischer Infrastruktur. Zu dieser Erkenntnis kommen nicht nur immer mehr Carrier, sondern auch Unternehmen und Systemhäuser. Wer kennt es nicht, das folgende Szenario? Man öffnet Outlook, und es ist auf einmal so langsam wie lange nicht mehr, abgesehen von den mehrmals täglichen Hinweisen „Keine Rückmeldung“. Ganz klar ein Bandbreitenproblem. Doch dieses lässt sich inzwischen lösen – theoretisch zumindest. Direct Access nennt sich die „Geheimwaffe“ und ist gegen Entgelt zu haben. Für Systemhäuser, Provider und nicht zuletzt auch für den Cloud-Betreiber eröffnen sich dank ihr zahlreiche Möglichkeiten, die Kundenzufriedenheit zu steigern. Aber dazu später mehr.

Drei Trends treiben Bandbreiten-Anforderungen nach oben

Eine Prognose des Cloud-Telefoniebetreibers Toplink sieht drei Trends für 2017: den flächendeckenden Wechsel von ISDN zu All-IP, das Verlangen nach mehr IT-Sicherheit und den Ruf nach mehr Bandbreite. „Firmen und Verbraucher nutzen das Internet immer häufiger, immer intensiver und für ein immer breiteres Spektrum an Kommunikationsdiensten“, erklärt Jens Weller, Geschäftsführer bei Toplink. Mit der „Cloudisierung“ der Wirtschaft gehe eine Flexibilisierung der Arbeitswelt einher, die zu einer steigenden Nachfrage von Unified Communications (UC) führen wird, vermutet der Anbieter. „Instant Messaging, Telefonie, Video – alles wächst zusammen, und Firmen wie Verbraucher erwarten, dass alles intuitiv funktioniert“, erläutert Jens Weller. Er gibt zu bedenken: „Alle diese Dienste werden allerdings nur reibungslos nutzbar sein, wenn hierfür genügend Bandbreite zur Verfügung steht. Ein massiver Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland ist daher unerlässlich, von der nächsten Mobilfunkgeneration bis zur Glasfaserführung in möglichst jede Wohnung.“

Mobilität trifft auf schlechte Ausstattung

Im krassen Gegensatz zu dieser Anforderung steht die Realität des deutschen Arbeitslebens. Das Ergebnis einer Studie von CSC unter 1.000 deutschen Arbeitnehmern zeigt: Insbesondere die mobilen Einsatzgebiete der IT werden im täglichen Arbeitsleben als echte Baustelle beschrieben. So bewertet knapp jeder zweite Arbeitnehmer (48 Prozent) die IT-Ausstattung der eigenen Firma mit befriedigend oder schlechter, wenn er auf Geschäftsreisen in Deutschland unterwegs ist. Bei Auslandsreisen sind es rund 60 Prozent.

Gleichzeitig wird mobiles Arbeiten in der digitalen Geschäftswelt der Zukunft an Bedeutung gewinnen – davon ist die klare Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer überzeugt (60 Prozent). Das gilt künftig ebenfalls für Einsatzorte außerhalb des festen Arbeitsplatzes, etwa im Homeoffice. Die technische Anbindung für den Arbeitsplatz zuhause lässt der Umfrage zufolge allerdings ebenfalls zu wünschen übrig: 42 Prozent der Befragten geben hier dem IT-Arbeitsplatz die Schulnote befriedigend oder schlechter. Zehn Prozent erteilen sogar eine glatte Sechs. Um für das digitale Business besser gerüstet zu sein, hält es eine überwältigende Mehrheit der Mitarbeiter für wichtig (89 Prozent), dass die Firmen mobiles Arbeiten künftig professioneller unterstützen.

Clever investiert

Nikolaus von Johnston, Geschäftsführer Savecall
Nikolaus von Johnston, Geschäftsführer Savecall (Bild: Savecall)

Ergänzendes zum Thema
 
Die Savecall-Historie
 
Multiservice-Anschluss
 
Colt setzt auf Gigabit

Das ist das Marktumfeld, in dem das Münchner Unternehmen Savecall unterwegs ist und das dessen Geschäftsführer Nikolaus von Johnston heute ruhiger schlafen lässt, als noch vor einigen Jahren. „Damals gab es die Diskussion, dass es das herkömmliche TK-Geschäft bald nicht mehr geben wird und wir unser Geld mit Services verdienen müssen. Damals haben wir natürlich Panik bekommen. Denn uns haben da Kompetenzen gefehlt. Das fing schon bei der Rechnungsstellung an. Das konnten wir einfach nicht. Für uns war schnell klar: Wir müssen diese Lücke als Partner schließen und Add-on-Services anbieten. Deshalb haben wir ein Systemhaus gekauft, das aus der IT-Ecke kam. Dieses haben wir sukzessive umgebaut, vom Tonerwechsel hin zum Management von Firewall und Rechenzentrums-Umgebung. Mit dieser Strategie sind wir gut gefahren. Die Panik, dass es uns bald nicht mehr geben wird, war beseitigt.“

Die Zukunft könnte sogar noch besser werden: „Industrie 4.0, IoT, Konnektivität von allem und mit allem: Das wird zu enormen Bandbreiten-Bedürfnissen führen.“ Parallel dazu explodiere der Cloud-Markt. Das, so ist sich von Johnston sicher, kann ohne die entsprechende Infrastruktur nicht funktionieren. „Die alte, nackte, einfache Leitung – so unattraktiv dieses Thema klingt – ist so sexy wie nie zuvor.“ Jedes Unternehmen das heute eine 10-Mbit-Leitung hat, werde 100 Mbit benötigen. Wer 100 Mbit hat, steige auf 500 Mbit oder Gigabit um. „ Die Kupferleitung ist für uns, die wir Geschäftskunden bedienen, weitestgehend tot. Spannend wird die Glasfaser. Da wird es großen Bedarf geben.“

Allheilmittel MSA?

Denn beim Glasfaserausbau hinkt Deutschland anderen Ländern hinterher. „Das größte Thema im Wahlkampf wird die Digitalisierung sein. Und uns fehlen die Schnüre dazu,“ schüttelt von Johnston den Kopf. Und genau deshalb glaubt der Savecall-Chef, dass „wir jetzt eine Renaissance erleben können.“ Die „Geheimwaffe“ heißt Multi-Service-Anschluss (MSA). „Mit diesem wird das Geschäft interessant. Denn damit sind gute monatliche Margen realisierbar. Man bietet dem Kunden den MSA an, der bekommt die Gigabit-Pipe gelegt und kann sich dann herauspicken, welche Dienste er darüber realisieren möchte.“ Die Lösung ist auch für Bestandskunden geeignet. Denn auch diese werden ihre Infrastruktur migrieren und vereinfachen. Dank des MSA kann man schnell agieren und die nötigen Sprachkanäle oder Services im Backend freischalten. Dafür benötigt man keine neue Leitung und kein neues Endgerät. „Der technologische Wandel wird zu einem Umdenken beim Kunden führen“, ist von Johnston überzeugt.

Auch für Systemhäuser ist dies ein interessantes Geschäft. „Man verhilft den Kunden dank Migration von der hybriden zur Universal-Infrastruktur. Und da benötigen Kunden Hilfestellung.“ Die drängenden Fragen seien: Wie geht das mit meiner TK-Anlage? Brauche ich neue Schnittstellenkarten? Wie bekomme ich das hin? Interessant für Kunden ist der MSA auch, weil es nicht das Ende der alten Infrastruktur bedeutet. Der MSA kann mit der alten Anlage, zum Beispiel auch mit ISDN, zusammenarbeiten. Beispielsweise könnte ein Homeoffice-Mitarbeiter via IP mit Softphone auf dem Desktop telefonieren, während derselbe Mitarbeiter in der Firma das alte Telefon weiternutzt.

„Genau da haben Kunden aber Beratungsbedarf. Und wer kann diesen bieten? Das ist jemand, bei dem sich alle Themen zusammenfinden. Geschäfte, die früher der TK-Anlagenbauer gemacht hat, sind jetzt eine schöne Gelegenheit für Systemhäuser.“ Die technologische Entwicklung hin zu IP spielt Systemhäusern in die Karten. „Wir machen den kompletten TK-Anlagen-Service in unserem Unternehmen selbst. Für uns ist die TK-Anlage nichts anderes als ein Desktop – eine IP-Adresse. Das können wir.“

Cloud ist gut für Infrastruktur-Anbieter

Eine weitere Geschäftsmöglichkeit sieht von Johnston in den Cloud-Aktivitäten von Firmen. Denn je mehr Anwendungen Unternehmen auslagern, desto mehr entsteht der Bedarf nach einer zuverlässigen Verbindung. Wenn die Outlook-Mails nicht mehr vom eigenen Server kommen, sondern von irgendwo, muss man mit schwankender Performance rechnen. Um dies zu vermeiden, gibt es die Möglichkeit des so genannten Direct Access – quasi eine Direktleitung in die Microsoft-Cloud. Das ist ein Service, der vom Systemhaus erbracht werden kann, zum Beispiel mit Vertriebspartnerschaften. Das ermöglicht zahlreiche individuelle Leistungen, die man dann seinen Kunden anbieten könne.

Die Chance, Kunden vom MSA zu überzeugen, sei jetzt sehr hoch. Denn im Zuge der Telekom-Umstellung auf All-IP werde der Anschluss sowieso gekündigt. Ein Carrier-Wechsel fällt dann unter Umständen leichter. Im internationalen Umfeld, so von Johnston, sei zum Beispiel Colt als Alternativ-Anbieter vorne dabei. „Wenn ich als Unternehmen mit sechs oder sieben Standorten europaweit nur noch einen Anbieter benötige, eine TK-Anlage betreibe und eine Rechnung für alles bekomme, hat das durchaus Charme.“

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44436891 / Dienstleister & Reseller)