Für Plusserver sind die Hyperscaler kein Wettbewerb, sondern Bestandteil des Geschäftsmodells. Im Auftrag seiner Kunden betreibt der Managed-Hosting-Spezialist zunehmend Workloads, die nicht in seinen eigenen Rechenzentren, sondern in der Public Cloud laufen.
Thomas Noglik (l.) und Holger Müller zeichnen als CEO und COO von Plusserver für Strategie und Tagesgeschäft des Kölner Providers verantwortlich.
(Bild: PlusServer)
Gegen Windmühlen zu kämpfen, war seit jeher ein aussichtsloses Unterfangen. Daher arbeiten einige Hoster inzwischen, statt sich gegen die Übermacht der Hyperscaler zu stemmen, mit ihnen zusammen. So betreiben beispielsweise Claranet, Rackspace oder die Cancom-Tochter Pironet heute Workloads ihrer Kunden auf den Plattformen von Amazon Web Services (AWS), Google und Microsoft. In die Reihe dieser Unternehmen gehört auch der Kölner Managed-Hosting-Spezialist Plusserver. Sie alle haben erkannt, dass ihre Kernkompetenz nicht nur im Betrieb eigener Infrastrukturen liegt, sondern im Management komplexer IT-Umgebungen.
In die Rolle des Managed Cloud Providers ist Plusserver nach und nach geschlüpft. Seit März 2017 unterstützt der Dienstleister seine Kunden bei der Migration und dem Betrieb von Workloads auf Microsoft Azure. Dabei agiert er als Cloud Solution Provider (CSP) im Rahmen des gleichnamigen Programms. Im Juni dieses Jahres traten die Rheinländer dem AWS Partner Network (APN) bei. Mit Google stehen sie in Kontakt und werden voraussichtlich noch in diesem Jahr offiziell die Zusammenarbeit aufnehmen. „Wir verstehen uns heute als Multicloud Service Provider“, sagt Thomas Noglik, CEO von Plusserver, im Gespräch mit IT-BUSINESS. „Unser Anspruch ist, als unabhängiger Provider alle relevanten Technologie-Stacks anzubieten und für den Kunden jeweils die Cloud-Plattform auszuwählen, die seinen Anforderungen am besten gerecht wird.“
Als Managed Hoster hat Plusserver bislang vor allem für den reibungslosen Betrieb der E-Commerce-Systeme von mittelständischen und großen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen gesorgt. Mit der voranschreitenden Digitalisierung weicht diese Fokussierung allerdings auf. „Web-Facing-Technologien sind das Gebiet, auf dem wir traditionell zu Hause sind“, führt Noglik aus. „Immer häufiger kommen aber Kunden mit der Anfrage auf uns zu, ob wir auch andere Workloads aus ihrer internen IT für sie betreiben können.“ Nach seinen Worten geht es dabei um klassische Enterprise-IT ebenso wie um Themen wie Big Data und Internet of Things (IoT).
Größter Managed Hosting Provider in Deutschland
PlusServer blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Der Kölner Hoster, der 1999 gegründet wurde, kaufte mehrere Mitbewerber und wurde schließlich selbst geschluckt. Am Ende ging das Unternehmen nach einem Management Buyout im Juli 2017, an dem sich der britische Investor BC Partners beteiligte, gestärkt aus diesem Prozess hervor. Im Oktober darauf übernahm der Provider den Hamburger Mitbewerber Nexinto, dessen Integration inzwischen weitgehend abgeschlossen ist. Durch die Akquisition kam das Unternehmen nach eigenen Angaben auf ein Umsatzvolumen von mehr als 140 Millionen Euro. Rund 500 Mitarbeiter betreuen mehr als 4.000 Kunden. Damit sieht sich PlusServer hierzulande als Marktführer im Segment Managed Hosting.
In Deutschland betreibt der Provider derzeit Rechenzentren an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Gütersloh, Hamburg, Köln und München. Neben der Zentrale in Köln unterhält PlusServer weitere große Niederlassungen in Gütersloh, Hamburg und Dresden, wo sich das Service Center befindet. Für international agierende Kunden betreibt der Hoster weitere Rechenzentren in Frankreich (Straßburg), Großbritannien (Leeds) und den USA (St. Louis).
Einen Meilenstein in der Entwicklung des Unternehmens bedeutete Ende 2014 die Übernahme durch die Host Europe Group (HEG), die daraufhin alle Marken aus dem Geschäftsfeld Managed Hosting unter der Marke PlusServer vereinte. Dazu gehörte unter anderem die Hosting-Sparte des Telco-Konzerns Telefónica, die 2013 zur HEG kam. Ende 2016 wurde die deutsch-britische Gruppe ihrerseits durch den US-Riesen GoDaddy gekauft. Da das Managed-Hosting-Geschäft nicht zum Geschäftsmodell des Massenhosters passte, entließ er PlusServer kurz darauf in die Eigenständigkeit.
Neue Manager
Die Erweiterung des Technologiespektrums treibt Plusserver seinerseits aktiv voran und baut dafür Knowhow und Ressourcen aus. Auch an der Spitze des Providers spiegelt sich diese Strategie wider. „Wir haben unser Führungsteam bewusst mit Managern verstärkt, die einen anderen Hintergrund als ausschließlich E-Commerce haben und Erfahrungen aus der Enterprise-IT mitbringen.“ Ein Neuzugang ist Holger Müller, der lange beim SystemhausAxians IT-Solutions, ehemals Fritz & Macziol, tätig war und zuletzt als Direktor für IT Infrastructure & Security verantwortlich zeichnete. Im Juni fing er als Chief Operating Officer (COO) bei Plusserver an.
In seiner Rolle als Managed Cloud Provider tritt der Hoster immer häufiger in Erscheinung. Das hat seinen Grund darin, dass Unternehmen zunehmend von den Vorteilen der Hyperscaler-Plattformen in puncto Agilität und Skalierbarkeit profitieren wollen, ihren IT-Organisationen dafür aber notwendige Kenntnisse und Fähigkeiten fehlen. „Bei unseren Kunden beobachten wir eine starke Bewegung in Richtung Public Cloud“, berichtet der CEO. „Gleichzeitig stellen wir aber fest, dass sie in ihrer IT nicht so weit entwickelt sind, um Migration und Betrieb aus eigener Kraft bewältigen zu können. Sie brauchen einen Partner, der sie dabei unterstützt.“
Die gleiche Beobachtung hat Müller gemacht: „Cloud-Skills sind rar gesät.“ Daran wird sich nach seiner Einschätzung auf absehbare Zeit nichts ändern. Für Unternehmen bleibe es deshalb auch in Zukunft schwierig, sämtliche damit verbundenen Aufgaben, wie Planung und Design von Cloud-Architekturen, Migration von Workloads, Betrieb und Weiterentwicklung von Lösungsszenarien, mit internen Ressourcen abzudecken.
Durchgängige Betreuung
Wo Knowhow und Ressourcen fehlen, springt Plusserver in die Bresche. Meist sind die Dienste des Providers nicht nur in der ein oder anderen Situation gefragt, sondern durchgängig über alle Aufgaben hinweg, wie Noglik darlegt. „Kunden wollen einen Provider, der den gesamten Prozess von der Beratung über die Migration bis zum Betrieb begleitet und als Hauptansprechpartner für sie da ist.“ Dem CEO zufolge wird das Leistungsspektrum des Providers sogar breiter. Consulting und Software-Entwicklung seien zu Bestandteilen des Portfolios.geworden. Somit bekomme es Plusserver nicht nur mit immer neuen Workloads jenseits von Web-Technologie und E-Commerce zu tun. „Bei Kunden decken wir heute auch einen immer größeren Teil der Wertschöpfungskette ab.“
Dass Unternehmen verstärkt in die Cloud drängen, bedeutet allerdings nicht, dass bei den Kölnern das klassische Geschäft zurückgeht. Das Gegenteil ist der Fall, wie die beiden Manager berichten. Auch die Nachfrage nach Hosting auf Infrastrukturen in Plusserver-Rechenzentren nehme zu. Der Grund dafür liegt darin, dass Anwender nicht alles willkürlich in die Cloud verlagern. „Die Kunden differenzieren mittlerweile sehr genau, was in einer privaten Umgebung und was in der Cloud gehostet werden soll.“
Stand: 08.12.2025
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So sprechen mitunter Compliance- oder Kostengründe dagegen, einen Workload in der Cloud zu betreiben. Aber auch technologische Gründe spielen eine Rolle. Anders als bei so genannten Cloud-Native-Anwendungen kommt es bei Alt-Applikationen nicht selten vor, dass ihre Verfügbarkeit auf einer Hyperscaler-Plattform eingeschränkt ist. Sollen diese Anwendungen nicht mehr oder weniger aufwändig für den Betrieb in einer Cloud-Umgebung angepasst oder sogar neu designt werden, ist häufig die Migration auf eine dedizierte Infrastruktur sinnvoll. „Für Enterprise-Anwendungen, bei denen die Verfügbarkeit fast immer eine Grundvoraussetzung ist, bietet sich eher das klassische Hosting an“, erläutert Plusserver-Experte Müller.
Hybride Welten
Somit managt der Provider für Kunden heute in aller Regel hybride Cloud-Landschaften, die sich aus Infrastrukturen in eigenen Rechenzentren und Infrastrukturen eines oder mehrerer Hyperscaler zusammensetzen. Die Marktforscher von Crisp Research zählen Plusserver in ihrem Vendor Universe 2018 daher zu den „Managed Hybrid Cloud Providern“. Dabei stufen die Analysten das Kölner Unternehmen als „Accelerator“, als einen der führenden Player im deutschen Markt, ein. Zu der Gruppe gehören auch die direkten Mitbewerber Claranet und Rackspace, die Systemhäuser All for One Steeb, Bechtle, Cancom und Dimension Data sowie die Integratoren und Outsourcing-Dienstleister Accenture, Arvato Systems, Atos, DXC, IBM Services, QSC und T-Systems.
Die Plusserver-Manager sind sich bewusst, dass mit der Positionierung als Managed Cloud Provider für den Hoster das Feld der Konkurrenten breiter wird. So zählt zu den Mitbewerbern beispielsweise auch Müllers früherer Arbeitgeber Axians, den Crisp als „Challenger“, also als Herausforderer, einstuft. Gegenüber Systemhäusern sehen die Rheinländer ihren Vorteil nicht nur in ihrem überregionalen Netz an Rechenzentren mit sieben Standorten in Deutschland. Zudem habe der Provider „digitale Prozesse tiefer durchdrungen“ und bringe andere technologische Skills mit als Unternehmen aus dem klassischen IT-Channel, führt der COO aus. „Systemhäuser sind vor allem mit kommerziellen Produkten vertraut. Dagegen verfügen wir als Hoster über jahrelange Erfahrung mit Open-Source-Technologien wie Microservices, Containern oder Open Stack, die beim Cloud Computing eine essenzielle Rolle spielen.“