Die Netgo Group positioniert sich als Digitalisierungspartner ihrer Kunden. Nach zahlreichen Akquisitionen formt sie ein integriertes Portfolio, zu dem Leistungen von der Infrastruktur bis zum Geschäftsprozess gehören. IT as a Service steht dabei im Fokus.
Die Netgo Group richtet sich auf das IT-as-a-Service-Modell aus.
(Bild: greenbutterfly - stock.adobe.com)
Infrastruktur allein ist zu wenig. Dessen war man sich beim Borkener Systemhaus Netgo schon vor Jahren bewusst. Das Management hat daher im Zuge der Akquisitionsstrategie des Unternehmens in Anwendungs- und Prozesskompetenz investiert. Eine Perle ging den Westfalen im Dezember 2019 mit Mehrwerk ins Netz. Der Karlsruher Dienstleister versteht sich als Bindeglied zwischen IT und Fachbereichen und hilft Kunden dabei, ihre Prozesse mit Hilfe von Software zu verbessern. Zu Beginn dieses Jahres schaffte es Mehrwerk mit dem Tool MPMX ins Leader-Segment des ersten Gartner-Quadranten für Process Mining. Der badische Spezialist ließ IT-Riesen wie IBM und Microsoft hinter sich. Nur Celonis, Software AG und SAP wurden von den Analysten besser bewertet.
Oliver Mauss, CEO bei Netgo, treibt die Integration innerhalb der Gruppe voran.
(Bild: Netgo Group)
„Unser Ziel war es, dass wir überhaupt in den Magic Quadrant kommen“, berichtet Oliver Mauss, CEO der Netgo Group. „Dass Mehrwerk von Gartner als Leader eingestuft wird, sehen wir als riesigen Erfolg an.“ Die Karlsruher sind in der Gruppe nicht die einzige Einheit, die Kunden bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen unterstützt. Abläufe in Unternehmen sowohl durch Standardprodukte als auch durch individuellen Code zu verbessern, ist Aufgabe der Sparte Netgo Software. Deren Experten beraten Kunden zu Business-Anwendungen, gehen ihnen bei der Implementierung zur Hand, entwickeln spezifische Lösungen für sie und modernisieren Legacy-Software. Erreicht werden sollen dadurch unter anderem mehr Transparenz in den Abläufen, eine einfachere Datennutzung und ein höherer Automatisierungsgrad.
Finanziert durch Private Equity
Netgo gehört zu den am schnellsten wachsenden Systemhäusern im deutschen ITK-Channel. 2007 gegründet, baute das Unternehmen sein Kompetenzspektrum und seine geografische Reichweite seit 2016 durch mehrere Zukäufe aus. Im Herbst 2019 verkauften die Gründer Benedikt Kisner und Patrick Kruse die Mehrheit der Anteile an die niederländische Private-Equity-Gesellschaft Waterland. Daraufhin hat sich das Akquisitionstempo bei den Westfalen beschleunigt. Elf Unternehmen kamen seither neu hinzu, darunter größere Häuser wie Arxes-Tolina (Berlin) und Cema (Mannheim). Mittlerweile beschäftigt die Gruppe rund 1.450 Mitarbeiter. 2022 erzielte sie einen Umsatz von 370 Millionen Euro. Fünf Jahre zuvor waren es noch 230 Mitarbeiter, und die Erlöse lagen bei 45 Millionen Euro.
Im Oktober 2021 kam es zu einem Wechsel an der Spitze: Kisner übergab die Position des CEO an Mauss, der zuvor Führungsfunktionen bei den Service Providern Plusserver und Ionos wahrgenommen hatte. Im Monat darauf kam der langjährige Also-Manager Michael Gericks, der bei dem internationalen Distributor unter anderem für Digitale Plattformen verantwortlich war, als Chief Commercial Officer zu Netgo. Das neue Management führte die Unternehmen des Verbunds enger zusammen, vereinheitlichte Systeme und Prozesse und nahm bei mehreren Häusern ein Rebranding vor. „Im Gegensatz zu manch anderen im Markt haben wir ein klar definiertes Modell, in das wir zugekaufte Unternehmen integrieren “, betont Mauss.
Geschäftsbereich IT-Solutions
Bei aller Anwendungs- und Prozesskompetenz machen Systemhausleistungen nach wie vor einen großen Teil des Geschäfts der Gruppe aus. Sie fallen in den Geschäftsbereich IT-Solutions, zu dessen Spektrum die Beschaffung von Hardware und Software, der Aufbau von Infrastrukturen und Arbeitsplatz-Umgebungen sowie die Implementierung von Security-Systemen gehören. Dabei erbringt Netgo alle erforderlichen Services wie Beratung, Systemintegration, Wartung und Support. Dem Trend im IT-Channel folgend, entwickelt sich auch dieses Geschäft weiter. So übernehmen die IT-Profis bei Kunden immer häufiger Betriebsaufgaben, sodass der Anteil der Managed Services steigt. Zudem wird ein wachsender Teil der IT as a Service bereitgestellt, sowohl in der eigenen Netgo Cloud als auch in der Public Cloud.
Das Management treibt die Transformation hin zu Managed Services und Cloud, die mit einer zunehmenden Standardisierung einhergeht, aktiv voran. Die Netgo Cloud basiert auf einer Shared Infrastructure, die der Dienstleister in einem Rechenzentren in Aachen betreibt. Ein zweites soll in diesem Jahr in Berlin entstehen. Was Hyperscaler angeht, so arbeitet Netgo vor allem mit Microsoft zusammen. Ein großer Teil der IT der Kunden wird aber nach wie lokal betrieben. „Wir geben niemandem ein Bereitstellungsmodell vor“, führt der CEO aus. „Vielmehr wählen wir die Infrastrukturlösung, die sich für die Applikationen des Anwenders am besten eignet – On-Premises, in der Netgo Cloud oder in der Public Cloud.“ Dieser Ansatz laufe häufig auf ein hybrides Szenario hinaus. „Darüber legen wir einen einheitlichen Management-Layer und ein einheitliches Service-Konzept.“
Zentrale Einheiten
Was sich standardisieren lässt, wird bei Netgo vom Prinzip her zentral erbracht. Dazu hat das Unternehmen innerhalb der IT-Solutions zwei Einheiten gebildet. Bei Netgo Production handelt es sich um die Cloud- und Managed-Services-Fabrik der Gruppe. Sie entwickelt As-a-Service-Angebote auf den Feldern Infrastruktur, Workplace, Security und Cloud und stellt sie bereit. Netgo eServices betreibt eine digitale Procurement-Plattform, den sogenannten Centralhub, über den das Handelsgeschäft mit Hardware- und Software-Produkten automatisiert abgewickelt wird. Beide Einheiten agieren nicht selbst am Markt. „Wir zielen nicht auf Wettbewerb innerhalb der Gruppe ab. Der Wettbewerb findet draußen statt.“
Stand: 08.12.2025
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Für die Vermarktung der Angebote sind die Niederlassungen in der Fläche zuständig. Die Gruppe kommt bundesweit mittlerweile auf mehr als 30 Standorte, die sich auf fünf Regionen aufteilen: Mitte, Nord, Ost, Süd und West. Die lokalen Teams leisten Vertriebsarbeit, erbringen projektbezogene Services und Vor-Ort-Support. Diese Aufgabenteilung lässt sich als internes Channel-Modell beschreiben: Netgo Production und eServices treten wie Hersteller auf, und die Häuser in der Fläche agieren als ihre Vertriebs- und Service-Partner. Der größte Standort befindet sich in Berlin, wo die Gruppe mittlerweile mehr Leute beschäftigt als in der Zentrale in Borken. Am Berliner Südkreuz entsteht derzeit ein neuer Campus. Die drittgrößte Niederlassung ist der ehemalige Hauptsitz von Cema in Mannheim.
Competence Center
Netgo betreut Kunden über alle Branchen hinweg. Die Kernklientel bilden Unternehmen mit 50 bis 5.000 IT-Arbeitsplätzen. Zu den strategischen Herstellerpartnern zählen Anbieter wie Cisco, Citrix, Dell, Fortinet, HP; HPE, Lenovo, Microsoft, SAP, Sophos und VMware. Neben zentralen und lokalen Einheiten gibt es zwei Competence Center, die überregional agieren. Das eine ist die Einheit Netgo Public, die Behörden und Einrichtungen von Bund, Ländern und Kommunen betreut.
Beim zweite Competence Center handelt es sich um Netgo Tax. Diese Spezialeinheit wurde im September 2022 gegründet. Darin führte die Gruppe das Geschäft mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern zusammen, nachdem sie im März 2022 den Datev-Spezialisten CKN aus Waltrop übernommen hatte. Im Mai hat Netgo das Kanzleigeschäft durch die Akquisition der beiden Dienstleister Nitsche aus dem bayrischen Markt Kaufering und Glöckler & Lauer aus Neu-Ulm verstärkt. In dem Competence Center, das Kanzleien mit IT-Equipment ausstattet und ihnen Datev-Software als Service bereitstellt, sind inzwischen mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt. „Netgo Tax ist der größte Spezialist für Kanzlei-IT in Deutschland, und und wir arbeiten konsequent daran, diese führende Position auszubauen“, betont Mauss.
Die meisten Gesellschaften der Gruppe treten inzwischen unter der Marke Netgo auf. Nur wenige Einheiten, die ganz spezifische Leistungen anbieten, wie etwa Mehrwerk haben ihren etablierten Namen behalten. Dazu zählt auch Commehr, ein Berliner Dienstleister, der 2020 übernommen wurde. und der sich mit seiner Cloud- und Netzwerk-Expertise als IT-Partner für Startups und schnell wachsende Unternehmen positioniert. Eine andere eigenständige Marke ist Sila. Das Beratungshaus wurde 2008 von Kisner und Kruse in Borken gegründet. Es erbringt Consulting-Leistungen zu Governance, Risk & Compliance (GRC), zu Informationssicherheits-Managementsystemen (ISMS) und zu Software Asset Management (SAM).
Unter die Top Ten
Netgo peilt auch für die Zukunft sowohl organisches als auch anorganisches Wachstum an. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen beim Umsatz ein Plus von mehr als 20 Prozent. Daran möchte es in diesem Jahr anknüpfen. Eine eigene Abteilung für Mergers & Acquisitions hält Ausschau nach geeigneten Übernahmekandidaten. Ziel der Gruppe ist es, unter die Top Ten der IT-Dienstleister in Deutschland zu kommen. Mauss schätzt, dass sie dafür beim Jahresumsatz die Marke von 700 Millionen Euro erreichen muss.