Agorum Mit No-Code Prozesse und Wissen managen

Autor: Dr. Stefan Riedl

Agorum Core ist ein ECM-System, das als zentralisiertes File- sowie Mailserver-System fungiert. Externe Mailserver können ebenfalls eingebunden werden. Darauf aufsetzend lassen sich Anwendungen abbilden, beispielsweise ­Vertrags- oder Aktenverwaltung oder Projektmanagementsysteme.

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Eine Frage des Wordings: Statt von einem Dokumentenmanagementsystem (DMS) oder Enterprise Content Management (ECM) ist immer häufiger von Enterprise Information Management (EIM) die Rede.
Eine Frage des Wordings: Statt von einem Dokumentenmanagementsystem (DMS) oder Enterprise Content Management (ECM) ist immer häufiger von Enterprise Information Management (EIM) die Rede.
(Bild: fotomek - stock.adobe.com)

Die Zukunft von Agorum liegt im No-Code-Bereich. Dazu wird dieser Tage ein eigenes Prozessflussdiagrammmodell veröffentlicht, welches an Business Process Model and Notation (BPMN) angelehnt ist, „aber aus unserer Sicht nach 15 Jahren praktischer Arbeit in diesem Umfeld praktikabler ist“, so Oliver Schulze, Geschäftsführer bei Agorum. „Wir sprechen von der Agorum Core Workflow Engine, beziehungsweise der Agorum Core Workflow Definition.“

Agorum Core 10.0

Abgebildet werden damit beispielsweise Prozesse wie der Umgang mit einer Eingangsrechnung, die zur Freigabe weitergeleitet und an Datev übergeben wird. Ende Dezember wird das Modell mit der neuen Version Agorum Core 10.0 eingeführt. „Zentraler Bestandteil des Konzeptes sind Standardbausteine, mit denen im Sinne des No-Code-Ansatzes gearbeitet werden kann: Etwas an SAP übergeben; etwas an Datev übermitteln; etwas mit Deadline weiterleiten, Input eingeben; Entscheidungsbausteine wie beispielsweise „Wenn Betrag über 10.000 Euro, dann Mitteilung an Geschäftsführung“. „Zum Start sind 30 bis 40 Bausteine in der Toolbox, die wir ständig erweitern und neue Bausteine online zur Verfügung stellen werden. Mit diesem Werkzeug erhalten Kunden und Partner eine große Unabhängigkeit in allen Digitalisierungsvorhaben, beispielsweise in Hinblick auf die Homeoffice-Thematik“, sagt Schulze.

Anwendungen und Konfigurationen

Rolf Lang (l.) und Oliver Schulze (r.), beide Geschäftsführer bei Agorum
Rolf Lang (l.) und Oliver Schulze (r.), beide Geschäftsführer bei Agorum
(Bild: Agorum)

Rolf Lang, Geschäftsführer und Gründer von Agorum erläutert, wie neue Anwendungen entstehen: „Im Sinne eines DMS, ECMs oder EIMs können Nutzer Notizen an Dokumente heften, die die Zusammenarbeit erleichtern. Letztendlich können so viele Anwendungen generiert werden: Ticketsystem, CRM, DMS, Filesharing, Collaboration inklusive Chat, und viele weitere.“ Agorum Core ist in diesem Zusammenhang also als Basissystem zu verstehen, dessen Konfiguration den Unterschied ausmacht. Wurde beispielsweise eine Patientenaktenverwaltung für ein Unternehmen aus dem Pflegesektor erstellt, ist dies eine Konfiguration, die auch andernorts ausgerollt werden kann. „Unsere Kunden wollen jedoch in der Regel kein Standardsystem, sondern eines, das konkret auf ihre Organisation abgestimmt ist. Hier kommen dann unsere Partner ins Spiel, im Sinne des Projektgeschäfts“, so Lang.

Open Source statt Abhängigkeiten

Den Open-Source-Weg beschritt Agorum im Jahr 2002. Damals wurde die Entwicklung auf ein neues Fundament gestellt, nachdem Oracle seine Lizenzmetrik umgestellt hat und das darauf basierende Produkt viel zu teuer geworden wäre. „Was die Datenbank angeht, setzten wir auf MySQL beziehungsweise PostgreSQL, ermöglichten aber auch den Einsatz von Kauf-Datenbanken wie Oracle oder Microsoft SQL. Als Suchmaschine kam Apache Solr zum Einsatz und und was die Programmierung angeht, war JavaScript die freie Programmiersprache der Wahl“, blickt Rolf Lang zurück. Jede Komponente sollte so austauschbar sein, dass kein Hersteller mehr durch Lizenzpolitik oder ähnliches einen Strich durch die Rechnung machen kann. 2008 kam dann die Basisversion von agorum core unter der Open-Source-Lizenz GPL v2 auf den Markt.

Freie Version und Pro-Vesion

Diese Lizenz ermöglicht es neben der freien Version auch eine Pro-Version mit einer Closed-Lizenz anzubieten. Der Hauptunterschied zur freien Version besteht in Automatisierungsroutinen für Geschäftsprozesse und den Konfigurationsmöglichkeiten hinsichtlich Dashboards, individuellen Sucheinstellungen und Workflows. Außerdem sind ein Wartungspaket und Zusatzmodule dabei, beispielsweise Integrationsmöglichkeiten der Active Directory.

„Mit Agorum wird Low-Code-basiert gearbeitet, sprich mit einer Workflow-Engine und einem Editor“, sagt Oliver Schulze, ebenfalls Geschäftsführer bei Agorum.

Der indirekte Vertriebsweg

Ein Partner hat beispielsweise einer Konfiguration für eine Sozialstation – eine Pflegeeinrichtung – etabliert, die nun auch andernorts ausgerollt werden kann. „Kunden kommen auf uns zu, mit der betrieblichen Herausforderung, das ERP samt Archiv revisionssicher im Sinne von DSGVO und GoBD zu bekommen – auch hier ergeben sich für unsere Partner weiteres Vermarktungspotenzial beziehungsweise Skalierungsmöglichkeiten“, sagt der Firmengründer.

Einen klassischen Marktplatz, auf dem Konfigurationen angeboten werden können, gibt es nicht, aber bereits Überlegungen, die in diese Richtung laufen. Stattdessen wird derzeit mit einem so genannten Plugin-Manager gearbeitet, über den Erweiterungen verfügbar sind.

Das Partnerprogramm ist vierstufig, mit den Ausprägungen Reseller, Bronze, Silber und Gold. Hier spielen Zielvorgaben und Zertifizierungen eine Rolle. Die jährliche Partnergebühr zur Teilnahme am Partnerprogramm beträgt 1.500 Euro, mit der je nach Partnerstufe ein gewisses Support-Kontingent einher geht, welches für Schulungen oder für technische Unterstützung eingesetzt werden kann. Auf der Suche sei man vor allem nach Partnern mit Fachkenntnissen der Prozesse in Branchen, in denen Digitalisierung ganz oben auf der Agenda steht, so der Agorum-Gründer.

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Leitender Redakteur