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Automatisierung als Allheilmittel? MeinAdmin setzt auf Managed Services

| Autor: Sarah Böttcher

Seit gut eineinhalb Jahren verkauft MeinAdmin keine Produkte, sondern nur noch Services. Die Transformation vom klassischen Systemhaus zum MSP verlief jedoch anders als erwartet. Mit einem hohen Automatisierungsgrad möchte Gründer Patrick Jäger nun weiter wachsen.

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Ein hoher Automatisierungsgrad ist nicht zuletzt auch eine mögliche Lösung für den Fachkräftemangel.
Ein hoher Automatisierungsgrad ist nicht zuletzt auch eine mögliche Lösung für den Fachkräftemangel.
(Bild: Alexander Limbach - stock.adobe.com)

Vom einsamen Nerd bis zum Hackergenie – Vorurteile über IT-Fachkräfte beziehungsweise System Engineers gibt es viele. Neben analytischem und logischem Verständnis sowie einer Dosis Pragmatismus, muss ein IT-ler bisher auch unbedingt eine dicke Haut haben. Denn Kundenbeschwerden stehen in vielen IT-Häusern heute noch auf der Tagesordnung. Schließlich verdienen klassische Systemhäuser so ihr Geld. Wenn der Drucker streikt, der Server abraucht oder die Speicherkapazität an ihre Grenzen kommt – der externe IT-Dienstleister wird nur im Notfall gerufen.

Patrick Jäger, Gründer und Geschäftsführer bei MeinAdmin
Patrick Jäger, Gründer und Geschäftsführer bei MeinAdmin
(Bild: MeinAdmin)

Auch bei MeinAdmin verlief das tägliche Business nach dem IT-Feuerwehr-Prinzip. „Wir haben zehn Jahre lang mit dem Leid unserer Kunden Geld verdient. Aber wir wussten es damals nicht besser“, betont CEO und MeinAdmin-Gründer Patrick Jäger. Am 1. Januar 2019 hat sich der heutige MSP vom Break&Fix-Modell verabschiedet und setzt nun ausschließlich auf Managed Services. Während andere IT-Häuser ihr Geschäftsmodell als Mischform aus reinem Hardware- und Softwareverkauf sowie der Bereitstellung von Services aufgestellt haben, hat sich MeinAdmin komplett zum Managed Service Provider gewandelt. Doch der Weg dorthin war schwieriger als anfangs gedacht. „An bestimmte Dinge sind wir zu naiv herangegangen. Maßlos unterschätzt haben wir neben Zeit und Geld das Mindset der Mitarbeiter“, erklärt Jäger. Deswegen musste sich das Unternehmen im Zuge der Transformation auch erstmals von Mitarbeitern trennen.

Über leidige Diskussionen und den Fachkräftemangel

Doch nicht nur eigene Mitarbeiter, sondern auch Kunden hat MeinAdmin durch die Transformation zum MSP verloren. Doch das Gros der Kunden hat laut Jäger „nur darauf gewartet monatlich zahlen“ zu können. Aktuell hat der Service Provider 723 Kunden. Auch MeinAdmin ermöglichte die Umstellung auf monatliche Einnahmen, nach dem herausfordernden Übergang von Projekt- zu wiederkehrenden Umsätzen, letztendlich eine bessere Planbarkeit sowie weniger Budgetdiskussionen mit den Endkunden. „Wir wollten die Hoheit zurück“, klagt Jäger. „Viele Endkunden haben vergessen wer der Profi ist.“ Leidige Diskussionen über die richtige Produktlösung haben sich Jäger zufolge durch die Transformation zum MSP erledigt.

In den kommenden Monaten stehen bei dem Service Provider mehrere Akquisitionen an. Der Hauptgrund hinter den geplanten Übernahmen: der omnipräsente Fachkräftemangel. Durch den Kauf von kleinen Systemhäusern gewinnt der MSP dringend benötigtes Fachpersonal. Dieses Vorgehen ist in der ITK-Branche aktuell keine Seltenheit. Noch in diesem Jahr soll durch eine Übernahme ein neuer Standort in Berlin und damit 20 weitere Mitarbeiter hinzugewonnen werden. MeinAdmin hat seinen Hauptsitz in Leipzig; ein weiterer Standort befindet sich in Ellwangen.

Durch die Erschließung weiterer Standorte verfolgt MeinAdmin das Ziel, für seine Kunden „der nette IT-ler von nebenan zu werden.“ Dabei hat der MSP keineswegs Enterprise-Kunden im Auge. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) kommen als Kundengruppe in Frage. Laut Jäger kämpfen Service Provider um die spannenden mittelständischen Unternehmen im Markt: „Es gibt zahlreiche Firmen, die sind deutlich kleiner und im Break&Fix-Modell auch zu zeitaufwendig und mit zu hohen Kosten zu betreuen. Mit einem hohen Automationsgrad kann ein MSP jedoch auch kleinste Unternehmen adressieren,“ argumentiert Jäger und sieht diese Vorgehensweise als Chance für sein Unternehmen. So verfolgt MeinAdmin das Ziel Enterprise-IT auch KMU zur Verfügung zu stellen. Dies soll durch einen hohen Automatisierungsgrad innerhalb des Unternehmens gelingen.

Standardisierung und Automatisierung

Ziel von Automatisierung ist es, bestehende Ressourcen besser zu nutzen. So ist ein hoher Automatisierungsgrad nicht zuletzt auch eine mögliche Lösung für den Fachkräftemangel. Denn das Ziel von Automatisierung ist, hochqualifiziertes Fachpersonal von lästigen Standardtätigkeiten zu befreien, damit sie sich auf wesentliche Aufgaben konzentrieren können. Beispielsweise um potenzielle Probleme in der Infrastruktur der Kunden zu finden, bevor diese auftreten. Schließlich bezahlen Kunden dafür, dass Probleme am besten bereits im Vorfeld vermieden werden und nicht für die manuellen Tätigkeiten der Techniker.

MeinAdmin hat zunächst wiederkehrende Aufgaben automatisiert, wie beispielsweise Updates von Virenscannern, die Einführung eines Patch Managements oder die Installation von Workstations. Danach hat der Service Provider kritische Applikationen vollautomatisiert. So beispielsweise die Erstellung eines Backups oder die Xchange-Migration in die Cloud. Durch einen hohen Automatisierungsgrad können so auch keine qualifizierten Fachleute diverse Automatisierungsvorhaben für MeinAdmin-Kunden ausführen.

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Über den Autor

 Sarah Böttcher

Sarah Böttcher

Online CvD & Redakteurin