Trends 2026 Infinigate blickt für das Jahr 2026 in die Glaskugel

Von Agnes Panjas 7 min Lesedauer

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Rasanter Wandel, strengere Regulierungen und höhere Ansprüche an Sicherheit und Nachhaltigkeit fordern den Channel. Infinigate skizziert für 2026 die wachstumstreibenden Trends, Umbrüche, Strategien und Tools, die den Erfolg im kommenden Jahr bestimmen.

Infinigate-Experten sehen für das Jahr 2026 bei weiterhin hohen Wachstumsraten im Cybersecuritymarkt große Chancen für innovative Geschäftsmodelle – KI, Digitale Souveränität und OT bleiben Big Points.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Infinigate-Experten sehen für das Jahr 2026 bei weiterhin hohen Wachstumsraten im Cybersecuritymarkt große Chancen für innovative Geschäftsmodelle – KI, Digitale Souveränität und OT bleiben Big Points.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Der Channel steht vor großen Herausforderungen. Welche Trends werden das Wachstum vorantreiben, wo wird es maßgebliche Umbrüche geben und mit welchen Strategien können sich Marktführer durchsetzen? Drei Experten, darunter Dean Watson, Lead Solutions Expert for Secure Networking, Infinigate UK & Ireland, Simon King, Head of Information Security, Infinigate Group und Patrick Scholl, Director OT CoE (Center of Excellence) bei Infinigate Germany, teilen ihre Prognosen für 2026 und stellen Tools, Trends und Topics vor, die im kommenden Jahr den Erfolg des Channels bestimmen werden.

Die Beraterrolle des IT-Channels bei der Einführung von KI

2026 bietet dem Channel die große Chance, sich als vertrauenswürdiger KI-Berater zu positionieren, indem er über die reine Bereitstellung von Technologie hinausgeht und strategische Beratung, Compliance-Unterstützung sowie Risikomanagement bietet – und so das volle Potenzial von KI ausschöpft und gleichzeitig die Sicherheit von Unternehmen gewährleistet.

KI, einschließlich agentischer KI, wird im nächsten Jahr sowohl KMU- als auch Enterprise-Umgebungen tiefgreifend verändern und neue Möglichkeiten für Effizienz und datengestützte Entscheidungen eröffnen. Wie bei allen disruptiven Technologien muss die Einführung sorgfältig gesteuert werden, um Chancen und Verantwortung in Einklang zu bringen. Befindet sich KI derzeit auf dem Höhepunkt des Hype Cycles, ist im nächsten Jahr mit einer Konsolidierung zu rechnen, begleitet von klareren Lizenzierungsmodellen und einer strengeren regulatorischen Governance. Dadurch können Organisationen KI mit größerem Vertrauen einsetzen und Risiken in Bezug auf Bias, Sicherheit und intransparenten Entscheidungsprozessen zu reduzieren.

KI zwischen Hype und Haftung: Blase oder Booster?

Aber das Thema KI polarisiert: Gibt es eine Blase? Sind die Erwartungen überzogen? Wird KI tatsächlich zum Produktivitätsmultiplikator – oder führt sie zu einer neuen Welle von Compliance- und Cybersicherheitsproblemen? Die Zukunft bleibt unklar, aber der Blick auf die Dotcom-Blase der späten 1990er-Jahre zeigt einige Parallelen.

Was war die Doctom-Blase?

Die Dotcom-Blase war eine Phase der spekulativen Überbewertung von Internet- und Technologieunternehmen, die Ende der 1990er Jahre stattfand. Sie begann im Jahr 1995 und erreichte ihren Höhepunkt im März 2000, bevor sie bis 2002 in einem dramatischen Börsencrash endete.

  • Während dieser Zeit erlebte der Neue Markt eine explosive Wachstumsphase, in der Unternehmen wie Amazon und eBay florierten, obwohl viele von ihnen keine Gewinne erzielten.
  • Der technologische Hype um das Internet führte dazu, dass Investoren oft die Rentabilität und Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle ignorierten.
  • Zudem erlaubten zahlreiche Börsengänge und die Verfügbarkeit von Wagniskapital vielen Startups, Kapital zu sammeln, ohne klare Strategien vorzuweisen.
  • Die Aktienkurse stiegen rasant, was zu einem markanten Anstieg des NASDAQ-Indexes führte. Als die erhofften Gewinne ausblieben, brach das Vertrauen der Anleger zusammen, und der Markt erlebte einen dramatischen Rückgang.

Hersteller werden KI weiterhin in ihre Lösungen integrieren, generative KI-Komponenten werden die administrative Komplexität reduzieren, ML-Komponenten (Machine Learning) verbessern die Erkennungsraten und agentische KI verkürzt die Reaktionszeiten. Unternehmen wollen diese Vorteile an ihre Kunden weitergebeben, doch die sichere Integration von KI in kundennahe Workflows ist komplex – und hat einige der weltweit größten Anbieter vor erhebliche Herausforderungen gestellt.

AI Security: Pionierchance für den Channel

Der Markt für „AI Security“ steckt noch in den Kinderschuhen, Lösungen entstehen, sind aber noch nicht ausgereift. Genau hier liegt die enorme Chance für den Channel: über die bloße Bereitstellung von Technologietools hinauszugehen und durch strategische Expertise, Compliance-Beratung und Risikomanagement das große Potenzial von KI zu nutzen, und Kunden zugleich sicher durch diese Transformation zu führen.

Der Kampf um Datensouveränität

Digitale Souveränität wird zu einem strategischen Asset und Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die ihre Inhalte kontrollieren und lizensieren, stärken nicht nur Resilienz, sondern sichern auch Umsatz, Reputation und ihre Position in einem zunehmend KI-gesteuerten Ökosystem. Crawler und Bots, die massenhaft Inhalte scrapen, belasten Serverinfrastrukturen, beeinträchtigen das Nutzererlebnis und erschweren die Unterscheidung zwischen legitimen und schädlichen Zugriffen. Kleine und mittelständische Unternehmen sind besonders betroffen, da ihnen oft elastische Cloud-Architekturen oder spezialisierte Bot-Management-Systeme fehlen.

Der unkontrollierte Zugriff durch KI-Plattformen verlagert Traffic und Einnahmen von den ursprünglichen Websites. Nutzer erhalten Informationen direkt über Chatbots oder KI-Suchsysteme, während Unternehmen wertvolle Einblicke in Klickverhalten, Conversion Rates und Kaufinteressen verlieren. Auch das Risiko von Reputationsschäden steigt, wenn Inhalte in fragwürdigen Kontexten erscheinen.

Darüber hinaus erleichtern KI-Bots die Erfassung personenbezogener Daten, die für personalisierte Phishing- und Social Engineering-Angriffe genutzt werden können. Da KI die Eintrittsbarrieren senkt und die Automatisierung Angriffe in großem Maßstab ermöglicht, agieren Cyberkriminelle immer erfolgreicher. Ohne die Implementierung geeigneter Kontrollmechanismen steigt das Risiko, dass Inhalte und Daten von externen KI-Modellen verarbeitet werden – ohne Kontrolle darüber, wie diese Informationen genutzt, kontextualisiert oder monetarisiert werden.

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Unternehmen können strategisch mit mehrschichtigen Schutzmaßnahmen, Lizenzmodellen und technischen Sicherheitsmechanismen gegensteuern. Dazu gehören der Schutz monetarisierter Inhalte vor automatisiertem Zugriff, die eindeutige Zuordnung öffentlich relevanter Inhalte und die Sicherung sensibler Daten durch Zugriffskontrollen, Verschlüsselung und strikte Authentifizierung. Bot-Erkennungssysteme, IP-Rate-Limiting, API-Gateways und die Pseudonymisierung personenbezogener Daten tragen dazu bei, das Risiko unkontrollierter Nutzung und bösartige Angriffe zu verringern.

Cybersicherheitsbudgets im Wandel

Cybersicherheit bleibt 2026 ein zentraler Treiber für operative Effizienz und strategische Resilienz. Unternehmen, die ihre Budgets klug einsetzen, werden Sicherheitsausgaben in messbaren Mehrwert verwandeln können. Der weltweite Cybersicherheitsmarkt soll laut Fortune Business Insights von 218,98 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 562,77 Milliarden US-Dollar im Jahr 2032 wachsen und damit im Prognosezeitraum eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 14,40 Prozent aufweisen.

Die anhaltend hohen Wachstumsraten im Cybersecurity-Markt eröffnen laut Infinigate auch im neuen Jahr Chancen für innovative Geschäftsmodelle: Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität und operative Technologie (OT) sind dabei zentrale Themen.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Die anhaltend hohen Wachstumsraten im Cybersecurity-Markt eröffnen laut Infinigate auch im neuen Jahr Chancen für innovative Geschäftsmodelle: Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität und operative Technologie (OT) sind dabei zentrale Themen.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Cybersicherheitsbudgets durchlaufen einen grundlegenden Wandel – angetrieben von regulatorischem Druck, technologischen Fortschritten und einer sich stetig weiterentwickelnden Bedrohungslage. Unternehmen lösen sich von starren Verträgen und teuren Einzeltools und setzen verstärkt auf flexible, KI-gestützte Lösungen, die Routineaufgaben automatisieren und Sicherheitsteams entlasten. KI-Technologien ermöglichen es, mit weniger Aufwand mehr abzudecken und schneller fundierte Entscheidungen zu treffen, wie es bisher nicht möglich war. Unternehmen jeder Größe setzen zunehmend auf Pay-as-you-go-Modelle, bei denen sie nur für die Services zahlen, die sie tatsächlich nutzen. Gleichzeitig bleiben die Ausgaben für Cybersicherheit stabil bei zehn bis 15 Prozent des gesamten IT-Budgets, was eine intelligente Mittelverteilung wichtiger denn je macht.

Compliance-Vorgaben, wie NIS2, DORA oder DSGVO, prägen zunehmend die Cybersicherheitsstrategien auf Vorstandsebene und verschieben den Fokus von reaktiven Maßnahmen hin zu risikobasierten Investitionen. Kosteneffiziente grundlegende Kontrollen bleiben dabei äußerst wirksam: Multi-Faktor-Authentifizierung, automatisiertes Patch-Management, Mitarbeiterschulungen sowie die Einhaltung von Frameworks wie NIST, ISO 27001 oder Cyber Essentials. Werden Sicherheitsmaßnahmen strategisch integriert, stärken sie nicht nur den Schutz, sondern erhöhen gleichzeitig die betriebliche Effizienz. Durch die Reduzierung von Ausfallrisiken, die Optimierung von Prozessen und die enge Verzahnung von Sicherheitskontrollen mit der Geschäftsstrategie wird Cybersicherheit zu einem echten Produktivitätsmotor.

Das Ende der Ära isolierter Lösungen

Die größte Herausforderung für IT-Teams ist längst nicht mehr der einzelne Angriff, sondern das Management komplexer, heterogener Systemlandschaften. Die Reduzierung dieser Komplexität wird mehr denn je zur obersten Priorität: ein Anbieter, eine Plattform, eine Konsole – der neue Standard für zukunftssichere Cybersicherheit.

2026 könnte das Jahr werden, in dem Unternehmen den Wandel von fragmentierten Sicherheitslösungen hin zu integrierten Plattformmodellen deutlich beschleunigen, bis 2030 wird ein erheblicher Anstieg der Investitionen in SASE und Plattformisierung erwartet. Die Zeit isolierter Einzelsysteme mit separaten Konsolen, redundanten Lizenzen und inkonsistenten Richtlinien ist vorbei, Organisationen setzen zunehmend auf cloudbasierte Sicherheitsplattformen, die sämtliche Sicherheits- und Netzwerkfunktionen in einem einzigen, zentral gesteuerten Service vereinen.

Die Zukunft der Cybersecurity: KI und Machine Learning

Dieser Wandel beschleunigt auch die Integration von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning. Bis 2026 werden diese Technologien keine optionalen Zusatzfunktionen mehr sein, sondern essenzielle Bestandteile jeder modernen Sicherheitsplattform. KI- und ML-Funktionen ermöglichen Echtzeit-Bedrohungsanalysen, die Automatisierung wiederkehrender Aufgaben und vorausschauende Analysen. Unternehmen, die weiterhin auf manuelle Prozesse setzen, werden mit der Geschwindigkeit und Komplexität moderner Cyberangriffe nicht mehr Schritt halten können.

Diese Entwicklung markiert den Übergang von einer reaktiven Abwehr hin zu einem proaktiven Ansatz, der Bedrohungen antizipiert und verhindert. Integrierte Plattformen liefern kontextbezogene Bedrohungsinformationen in einem zentralen Datenpool, verkürzen Reaktionszeiten drastisch und schließen Sicherheitslücken, bevor Angreifer sie ausnutzen können.

OT-Sicherheit wird zur Priorität

Die Konvergenz von IT- und OT-Sicherheit (Operational Technology) wird zu einer entscheidenden Voraussetzung für operative Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die Sicherheitsmaßnahmen ganzheitlich und konsequent umsetzen, minimieren nicht nur Risiken und steigern ihre Effizienz, sondern sichern sich auch strategische Vorteile im Markt. Für Reseller eröffnen frühzeitige Investitionen in OT-Sicherheit – durch Beratung, Implementierung oder Zertifizierungen – neue Umsatzpotentiale und positionieren sie als unverzichtbare Partner im industriellen Sicherheitsumfeld.

2026 wird OT-Security aller Voraussicht nach unverzichtbar werden, da Vorschriften wie NIS2, der Cyber Resilience Act (CRA) und die neue Maschinenverordnung verbindliche Sicherheitsstandards für Industrieanlagen und operative Systeme einführen. Während die IT-Security bereits etabliert ist, steckt die OT-Sicherheit vielerorts noch in den Anfängen und ist damit ein klarer Wachstumsmarkt für Channel-Partner. Reseller, die Expertise aufbauen, können Unternehmen bei Risikoanalysen unterstützen, segmentierte Sicherheitsarchitekturen etablieren und Compliance-Anforderungen erfüllen – und sich so als strategische Partner positionieren.

Produktions- und Industrieumgebungen geraten zunehmend ins Visier von Cyberangriffen, entweder über IT-Schwachstellen oder durch Social-Engineering-Methoden. Ein prägnantes Beispiel ist das Ende des Windows-10-Supports: viele OT-Systeme können nicht ohne Weiteres auf Windows 11 migrieren und bleiben dadurch neuen Bedrohungen ausgesetzt. Echte Cyberresilienz erfordert daher eine koordinierende Stelle, die technische und organisatorische Maßnahmen bereichsübergreifend steuert. Ein systematischer Dreischritt – kritische Assets identifizieren, gestaffelte Schutzmaßnahmen konzipieren und implementieren sowie die Sicherheitslage durch Tests und Updates fortlaufend sichern – ermöglicht eine frühzeitige Erkennung, schnelle Reaktion und minimierte Auswirkungen.

CISO: Cyberresilienz als Unternehmensstrategie

Die Rolle des Chief Information Security Officers (CISO) entwickelt sich weiter zu einer Schlüsselposition für die unternehmensweite Cyberresilienz. CISOs, die den Balanceakt zwischen strategischer Planung, operativer Umsetzung und technologischer Innovation beherrschen, kann es gelingen, Cybersicherheit nicht nur als Schutzmaßnahme zu positionieren, sondern als Wachstumstreiber und Wettbewerbsvorteil für das gesamte Unternehmen.

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