Device as a Service aus Systemhaussicht Hardware als Service: Hype oder Trend?

Von Klaus Länger 7 min Lesedauer

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As-a-Service-Modelle sind auf dem Vormarsch. Auch Hardware-Hersteller versuchen vermehrt, ihre Produkte für das Datacenter oder das Office ebenfalls als Service zu vermarkten. Wie gut das in der Praxis funktioniert, klären wir im Gespräch mit Systemhäusern.

Mit ihren Hardware-als-Service-Angeboten wollen sich die Hersteller einen neuen Vertriebsweg erröffnen. Allerdings müssen dabei die Partner mitziehen.(Bild:  cristovao31 - stock.adobe.com)
Mit ihren Hardware-als-Service-Angeboten wollen sich die Hersteller einen neuen Vertriebsweg erröffnen. Allerdings müssen dabei die Partner mitziehen.
(Bild: cristovao31 - stock.adobe.com)

Die Umsätze der Public-Cloud-­Anbieter, vor allem die der Hyperscaler AWS, Microsoft Azure und Google, sind in den vergangenen Jahren raketengleich nach oben geschossen. Waren es 2026 weltweit noch knapp 100 Milliarden US-Dollar weltweit, gehen die Analysten von Gartner davon aus, dass es 2024 etwa 679 Milliarden US-Dollar sein werden, eine Steigerung von 20 Prozent gegenüber 2023. In den Chefetagen der großen Hersteller von Datacenter-Hardware wie Servern, Storage­-Systemen und Netzwerk-Infrastruktur hat diese Verlagerung von Daten und Anwendungen in die Public Cloud natürlich für Aufregung gesorgt.

Datacenter als Service: Anleihen bei der Public Cloud

Bei Datacenter-as-a-Service-Lösungen heben die Hersteller die Flexibilität als Vorteil hervor.(Bild:  Planum - stock.adobe.com)
Bei Datacenter-as-a-Service-Lösungen heben die Hersteller die Flexibilität als Vorteil hervor.
(Bild: Planum - stock.adobe.com)

Eine Lösung für dieses Problem sollte der Vertrieb von Hardware als Service für die eigenen Rechenzentren oder Serverräume der Kunden oder auch Partner bringen, sofern diese als MSPs aktiv sind. Dieser Weg sollte die Vorteile der Public Cloud kopieren, also Opex statt Capex bei der Finanzierung, mehr Flexibilität bei der Hardware-Nutzung sowie ein einfacheres Aufsetzen der Systeme. Gleichzeitig sollen die Unternehmen bei diesem Modell ihre Herrschaft über Anwendungen und Daten im eigenen Datacenter behalten, in einem Hybrid-Cloud-Konstrukt aber auch die Public Cloud dort nutzen, wo es für sie sinnvoll ist. Das Management von lokaler Hardware und Cloud-Ressourcen erfolgt dabei über ein übergreifendes Portal, das von den Herstellern gestellt wird.

Vorreiter war hier HPE mit dem 2018 gestarteten Greenlake, gefolgt von Dell mit Apex, Lenovo mit Truscale und – als Nachzügler – Fujitsu mit Uscale. Auch Storage-­Anbieter wie NetApp oder Pure Storage haben mit Keystone beziehungsweise Evergreen//Forever ähnliche Modelle ins Leben gerufen. Laut den Herstellern herrscht reges Interesse an diesen Hardware-als-Service-Modellen für das Datacenter.

Hardware als Service gibt es aber nicht nur für das Datacenter, sondern ebenfalls für den Client-Sektor als Alternative zum Kauf oder Leasing von Notebooks oder Desktop-PCs. Hier versprechen die Hersteller den Kunden einen Rundum-­Service über den gesamten Lebenszyklus der Geräte und den Partnern.

Uns hat nun interessiert, wie sich die Situation aus Systemhaussicht aussieht. Krempeln die Hardware-as-a-Service-­Modelle ihr Geschäftsmodell tatsächlich um, haben wir es eher mit einem Hype zu tun, oder liegt die Wahrheit – wie so oft – irgendwo dazwischen?

David Spernau, Business Manager Datacenter bei Bechtle(Bild:  Matt Stark, www.mattstark.de)
David Spernau, Business Manager Datacenter bei Bechtle
(Bild: Matt Stark, www.mattstark.de)

Für David Spernau, Business Manager Datacenter bei Bechtle, ist letzteres der Fall. Datacenter-as-a-Service-Modelle sieht er für Kunden „die sehr stark skalieren und die Agilität für ihre jeweilige Private- oder Hybrid-Cloud-Infrastruktur wünschen.“ Bechtle leiste dies plattform- und herstellerunabhängig, um den Kunden die bestmögliche Lösung für ihre Herausforderung zu bieten, betont Spernau. Insgesamt adressiere Bechtle die IT-Abteilungen in ihrer IT-Transformation, wie auch andere Fachabteilungen mit neuen Themen wie Künstliche Intelligenz und IoT. Mit welchem Bezahlmodell das passiere, ist für Bechtle letztlich zweitrangig. Es liege in der Verantwortung des Systemhauses, abhängig von den Workloads der Kunden, die für sie passenden Lösungen zu finden. Dabei sei wichtig, ob Anwendungen „cloudifizierbar“ sind, um so in der Public, Private oder Hybrid Cloud laufen zu können, etwa als Container. Wo das dann beim Kunden in der Praxis passiert, sei von Applikation zu Applikation unterschiedlich.

Datacenter als Service eignet sich für Kunden, die sehr stark skalieren wollen und Agilität wünschen.

David Spernau

Ein Vorteil der Datacenter-as-a-Service­-Lösungen, den die Hersteller gegenüber den Kunden hervorheben, ist die Bezahlung des tatsächlichen Verbrauchs bei Rechenleistung und Storage-Kapazität und nicht die der installierten Ressourcen. Bei traditionellen Vertriebsmodellen wie Kauf oder Leasing liege die Überprovisionierung laut HPE im Durchschnitt bei 59 Prozent der Server- und 48 Prozent der Storage-Kapazität. Sie entsteht, da die IT-Abteilungen ihren tatsächlichen Bedarf im Voraus schlecht abschätzen können und er zudem oft schwankt. Da die Installation neuer Hardware mit lange Einkaufszyklen und Bereitstellungszeiten verbunden ist, dimensionieren IT-Abteilungen die Systeme eher zu groß, was die Fixkosten nach oben treibt. Bei As-a-Service-Lösungen kalkulieren die Hersteller ebenfalls gewisse Puffer ein, wie Spernau hervorhebt, stellen diese aber den Kunden nur in Rechnung, wenn sie tatsächlich genutzt werden. Allerdings sind „As-a-Service-­Modelle nicht für jeden Kunden eine Alternative zu klassischen Infrastruktur-Projekten“, so der Business-Manager für den Bereich Datacenter. Es gebe genügend Kunden, bei denen die Infrastruktur im Rechenzentrum nicht oder nur minimal wächst. Hier rechnen die Systemhäuser vor Ort gemeinsam mit den Kunden durch, welches Bezahlmodell sich am besten für ihre Anforderungen eignet.

Das Argument des einfacheren Managements bei As-a-Service-Lösungen lässt Sternau nur bedingt gelten. Hier hätten die Systemhäuser beziehungsweise deren Kunden oft schon eigene Lösungen im Einsatz. Bechtle verfügt hier zudem über eigene Kompetenzzentren, die die einzelnen Systemhäuser im Konzern unterstützen.

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Weniger Aufwand für die IT-Abteilung: DaaS bei Client-Rechnern

Die Kunden schätzen an Device-as-a-Service-Angeboten für Client-Rechner den eigenen minimalen IT-Aufwand.(Bild:  IBEX.Media - stock.adobe.com)
Die Kunden schätzen an Device-as-a-Service-Angeboten für Client-Rechner den eigenen minimalen IT-Aufwand.
(Bild: IBEX.Media - stock.adobe.com)

Bei Device-as-a-Service-Lösungen (DaaS) für Client-Rechner sieht Christian Malzacher, Business-Manager für das Thema Modern Workplace bei Bechtle, sowohl für die Systemhäuser als auch für die Kunden nur Vorteile. Im Gegensatz zum reinen Leasing sind bei Device as a Service das Management und der Service für die Geräte automatisch dabei. Dabei kümmert sich vor allem das Systemhaus um den Service. „Hier kann Bechtle als Stärke das breite und ganzheitliche Portfolio ausspielen“, so Malzacher. Zudem decke DaaS den gesamten Lebenszyklus ab. Hier spielen auch die Themen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit mit herein, betont der Business-Manager für Modern Workplace „Wir haben mit Bechtle Remarketing eine eigene Firma, die sich um die Wiederaufbereitung gebrauchter Geräte kümmert.“

Für kleinere Firmen ohne IT-Abteilung ist DaaS ein Mega-Angebot.

Christian Malzacher

Für das Gerätemangement bei ihren DaaS-Lösungen nutzen Hersteller wie Dell, HP, oder Lenovo eigene Cloud-basierte Werkzeuge, die mittels Telemetrie und KI eine proaktive Fehlererkennung ermöglichen sollen, was Ausfälle und damit auch Ausfallzeiten minimiert. Allerdings nutzt Bechtle darüber hinaus auch hersteller­übergreifende Management-Plattformen.

Christian Malzacher, Business-Manager Modern Workplace bei Bechtle(Bild:  Bechtle)
Christian Malzacher, Business-Manager Modern Workplace bei Bechtle
(Bild: Bechtle)

Resonanz für DaaS-Lösungen sieht Malzacher sowohl bei großen Kunden, als auch bei solchen aus dem KMU-Sektor. Hier müssen die Systemhäuser allerdings Aufklärung leisten, um den Kunden diese Lösungen überhaupt nahezubringen. Gerade kleinere und mittlere Firmen ohne oder mit nur kleiner eigener IT-Abteilung seien dann „super-interessiert, da sie, wenn sie denn wollen, im Prinzip nur noch den Strom brauchen. Für sie ist DaaS ein Mega-Angebot“.

In kleineren Systemhäusern sieht man die Device-as-a-Service-Angebote der Hardware-Hersteller anders als bei dem Riesen Bechtle. So erklärt Tobias Pflüger, Geschäftsführer beim Frankfurter Systemhaus Horn & Cosifan, dass sein Unternehmen Workplace als Service schon seit vielen Jahren mit Erfolg anbietet, allerdings in Eigenregie. Das zur Plenticon Gruppe gehörende Systemhaus kauft die PCs und Notebooks beim Hersteller, integriert sie ins eigene Anlagevermögen und bietet sie dann als Teil eines Komplettpakets den Kunden als Service an. Zu diesem Paket können auch Geräte wie Smartphones oder andere Kommunikationshardware gehören. Das Ziel von Horn & Cosifan sei, den kompletten Workplace abzudecken, so der Geschäftsführer. Den Service für die Geräte und auch den Support leistet das regional verankerte Unternehmen selbst.

Wir haben uns die Angebote angesehen und sie durchgerechnet. Aber es hat einfach nicht gepasst.

Tobias Pflüger

Tobias Pflüger, Geschäftsführer Horn & Cosifan(Bild:  Horn & Cosifan)
Tobias Pflüger, Geschäftsführer Horn & Cosifan
(Bild: Horn & Cosifan)

Beim Thema Datacenter als Service sieht der Geschäftsführer ebenfalls keinen Mehrwert in den Angeboten der Hardware-Hersteller, in seinem Fall Fujitsu mit Uscale und Lenovo mit Truscale. „Wir haben uns die Angebote angesehen und sie durchgerechnet. Aber es hat einfach nicht gepasst“, erklärt Pflüger. Und zwar weder für seine Kunden, noch für das eigene Unternehmen, das in Frankfurt eigene Rechenzentren betreibt und dort Server-Hosting, Cloud Computing und Colocation anbietet. Der Grund dafür liege vor allem in den Laufzeiten der As-a­-Service-Verträge und dem Wechselzyklus der Hardware. Server und Storage-­Systeme können bei vernünftiger Ersatzteilversorgung ohne Probleme deutlich mehr als fünf Jahre laufen, auch über die Abschreibungsdauer hinaus. Hier müssten die As-a-Service-Lösungen der Hersteller spürbar günstiger werden, um sich zu rentieren. „Die Account-Manager der Hersteller sind bei Device as a Service auch nicht sehr offensiv, sondern ziehen den Verkauf ihrer Produkte vor“, erklärt Pflüger abschließend.

Beim Datacenter als Service erwarten wir für uns eine höhere Planungssicherheit.

Jan Mauve

Jan Mauve, Geschäftsführer Microplan IT-Systemhaus(Bild:  Microplan)
Jan Mauve, Geschäftsführer Microplan IT-Systemhaus
(Bild: Microplan)

Jan Mauve, Geschäftsführer des ebenfalls zur Plenticon Gruppe zählenden Systemhauses Microplan, sieht vieles ähnlich wie Pflüger. So nutzt sein Unternehmen für das Device-as-a-Service-­Geschäft mit Client-Rechnern ebenfalls eine eigene Lösung auf Basis gekaufter Geräte, und „das schon seit Ewigkeiten“. Microplan hat laut Mauve viele kleinere Kunden, die sich um ihre IT nicht selbst kümmern können und diese Aufgabe schon immer in die Hände des Systemhauses legen. Bei seinen Kunden gebe es daher keine große Nachfrage nach As-a-Service-Angeboten für das Datacenter, abgesehen von Firewalls, da seine Firma viele Arztpraxen betreut. Allerdings läuft für ein eigenes Rechenzentrum von Microplan derzeit ein „Testballon“ mit HPE Greenlake. Mauve erwartet hier „eine höhere Planungssicherheit“ gegenüber dem Kauf oder Leasing.

Kommentar

Kein Hype – aber auch kein Mega-Trend

Bei Device as a Service für Client-Rechner sind die Hersteller eigentlich Nachzügler. Systemhäuser bieten solche Modelle schon lange an und sind auf die Modelle der Hersteller nicht angewiesen. Bei den Datacenter-as-a-Service-Lösungen ist die Flexibilität ein Vorteil für manche Kunden. Zudem ist die Planungssicherheit ein Argument. Wenn das allerdings nicht der Fall ist, fehlt manchen Systemhäusern der finanzielle Anreiz, um dann solche Lösungen anzubieten oder selbst im eigenen Rechenzentrum zu nutzen.

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