Google Pixel 6a im Test Google rüstet Mittelklasse auf

Von Christoph Dernbach, dpa

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Bislang hatten Googles A-Modelle schwächere Chips als die großen Pixel-Smartphones. Vorbei: Mit dem Pixel 6a verabschiedet sich der Konzern von dieser Strategie und integriert einen starken Prozessor in das Mittelklasse-Phone. Für die Nutzer eine feine Sache.

Das Google Pixel 6a ist ein leistungsfähiges Smartphone mit einem zuverlässigen Kamerasystem, langen Akkulaufzeiten und regelmäßigen Betriebssystem-Updates.
Das Google Pixel 6a ist ein leistungsfähiges Smartphone mit einem zuverlässigen Kamerasystem, langen Akkulaufzeiten und regelmäßigen Betriebssystem-Updates.
(Bild: Google )

Tensor, so heißt Googles seit vergangenem Jahr eingesetzte selbst entwickelte Chip-Systemarchitektur. In den aktuellen Spitzenmodellen Pixel 6 und Pixel 6 Pro konnte das Tensor-System vor allem bei der Kamera-App Tester überzeugen.

Mit dem neuen Pixel 6a bringt Google diesen auf künstliche Intelligenz spezialisierten digitalen Dampfhammer auch in die Mittelklasse. Das ist eine Premiere. Für die A-Varianten gab es seit dem Pixel 3a immer etwas weniger Leistung. Anfang Mai auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 2022 überraschte Konzernchef Sundar Pichai aber mit der Ankündigung, den aktuellen Tensor-Chip auch in das kommende Mittelklasse-Modell zu stecken.

Viel Rechenleistung

Die Rechenleistung sorgt zum einen dafür, dass sämtliche Apps und Games schnell starten und flüssig laufen. Im Praxistest machte sich auch nicht bemerkbar, dass das Pixel 6a nur über einen etwas knapp dimensioniertem Hauptspeicher von 6 Gigabyte (GB) verfügt (8 GB im Pixel 6, bis zu 12 GB im Pixel 6 Pro).

Der Flash-Speicher zum Sichern von Fotos, Bildern, Apps und Dokumenten umfasst 128 GByte und ist auch leider nicht durch eine externe Speicherkarte erweiterbar. Daher muss man hin und wieder aufräumen oder die Speicherung in die Cloud verlagern.

Ein markanter breiter Kamerastreifen

Optisch gibt es auf den ersten Blick wenig Unterschied zu den Spitzenmodellen. Die markante Kameraleiste ist ebenso vorhanden, wie die Stereolautsprecher und das frontfüllende Display mit Kameraloch. Im Vergleich zum ähnlich großen Pixel 6 ist das 6a rund 29 Gramm leichter. Die Rückseite besteht aus Kunststoff statt aus Glas. Das Gehäuse fühlt sich aber genauso solide und gut verarbeitet an wie sein größeres Geschwistermodell. Es ist nur ein wenig kratzempfindlicher als das Gorilla Glass Victus von Pixel 6 und 6 Pro.

Auffällig: Wo es beim teureren Pixel 6 eine plane Glasleiste für die Kamera gibt, ist beim A-Modell das ovale Kameramodul mit fühlbarer Kante in einen passenden Ausschnitt eingefügt.

Das Display ist langsamer, aber schnell genug und hell

Eine kleine Überraschung erlebten wir im Praxistest: Dem kleineren 6,1-Zoll-OLED-Display des 6a fehlt zwar die schnelle Bildwiederholrate des Pixel 6, wodurch es etwas weniger flüssig läuft. Bei der Helligkeit konnten wir bei dem Einsteigermodell einen hervorragenden Wert von 1.000 Candela messen. Die beiden teureren Pixel-Modelle kamen dagegen „nur“ auf ebenfalls helle 800 Candela. Ansonsten erscheint das Display des 6a gestochen scharf und farbenfroh.

Das Pixel 6a hat zwei 12-Megapixel-Kameras auf der Rückseite: eine Haupt- und eine Ultraweitwinkelkamera. Und obwohl Google das Gerät nicht den von vielen Fans erhofften 50-MP-Sensor der teureren Geschwistermodelle ausgestattet hat, können sich die Bilder sehen lassen. Die Aufnahmen bei Tageslicht fallen scharf und farbenfroh aus. Bei den Farben übertreibt das Pixel 6a im Gegensatz zu vielen Modellen asiatischer Hersteller auch nicht.

Die Bilder sind nicht quietschbunt, sondern fallen naturgetreu aus. Und je weniger Umgebungslicht zur Verfügung steht, desto besser performt das Pixel 6a. Im Dunkeln ist kaum Farbrauschen zu erkennen. Der Nachtsichtmodus liefert großartige Ergebnisse.

Künstliche Intelligenz an Bord

Die Zoom-Qualitäten sind etwas weniger überzeugend – mangels Teleobjektiv. Beim Digitalzoom mit 2-facher Vergrößerung sieht alles noch sehr gut aus. Bei der 7-fachen Vergrößerung verschwimmen aber die Details. Im Test überzeugen konnte der Porträt-Modus. Er funktioniert sowohl bei Objekten und Haustieren als auch bei Personen. Die Videoqualität bis zu 4K bei 60 Bildern pro Sekunde ist solide, aber nicht überragend.

Die Leistungsfähigkeit des Tensor-Chipsystems kommt bei der Kamera-App voll zum Tragen. So kann das Pixel 6a im Nachtmodus das Farbrauschen reduzieren, weil mehrere Algorithmen die Bildqualität optimieren. Die KI sorgt auch dafür, dass unterschiedlichste Hauttöne naturgetreu dargestellt werden. Außerdem gibt es auch den „Magic Eraser“. Das ist ein digitaler Radiergummi, mit dem man Bildelemente per Fingertipp löschen kann. Unerwünschte Schilder, Stromleitungen oder Personen kann man so weitgehend spurlos aus dem Bild wischen.

Bei den KI-Fähigkeiten kann das kleine Pixel 6a voll mit den größeren Schwestermodellen 6 und 6 Pro mithalten. So erkennt „Google Lens“ Textstellen im Bild und bietet eine Übersetzung an. Das funktioniert offline mit 55 Sprachen, online mit 104 Sprachen. In Chatprogrammen kann auch das das Pixel 6a live übersetzen.

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Ein schlauer Rekorder, der auch mitschreibt

Exklusiv für die drei aktuellen Pixel-Modelle ist die Rekorder-App. Sie kann nicht nur gesprochene Sprache als Audiodatei aufzeichnen, sondern auch in Echtzeit in geschriebenen Text umwandeln. Dazu muss das Pixel nicht online sein. Damit kann man sich bei einem längeren Interview oder einer aufgezeichneten Vorlesung umständliches Abtippen ersparen.

Zur Praxistauglichkeit des Pixel 6a trägt auch eine sehr ordentliche Batterielaufzeit bei. Früher machten die Pixel-Phones vergleichsweise schnell schlapp. Unser Testgerät gab sich erst nach neun Stunden und 30 Minuten Dauerbelastung geschlagen. Zum Vergleich: Das Pixel 6 Pro hielt knapp zehn Stunden durch. In der Schachtel liegt kein Ladegerät mehr, aber immerhin ein USB-Adapter. Kabelloses induktives Laden ist leider nicht möglich.

Fazit: Viel Leistung, guter Preis

Das Pixel 6a ist seit Ende Juli für knapp 460 Euro im Handel. Das ist ein ausgezeichnetes Preis- Leistungsverhältnis. Zum Vergleich: Für das Pixel 6 muss man in der 128 GByte-Variante immerhin 110 Euro mehr bezahlen. Das Pixel 6 Pro mit 128 GByte RAM kostet dann schon knapp 800 Euro. Für das Pixel 6a spricht das helle OLED, die exzellente Kamera, die bei wenig Licht zu Höchstform aufläuft, sowie die KI-Leistungsfähigkeit. Manche Foto-Freunde werden ein Teleobjektiv vermissen.

Wer ein etwas kompakteres Smartphone bevorzugt, das auch in jede Tasche passt, dem kann man uneingeschränkt das Pixel 6a empfehlen. Es bietet eine hervorragende Leistung, sein Kamerasystem ist zuverlässig, die Akkulaufzeit ist sehr gut, und es wird über viele Jahre hinweg regelmäßig Software-Updates erhalten.

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