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Der Mittelstand kommt an SDS nicht vorbei Erst Software macht Storage geschmeidig

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dr. Jürgen Ehneß

IT-Entscheider und Storage-Verantwortliche im Mittelstand kämpfen mit einer Flut an Daten. Diese können nicht mehr einfach abgelegt und verwahrt werden. Um den Anforderungen des Business zu genügen, müssen Software-basierte Lösungsansätze her.

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Das explosive Wachstum unstrukturierter Daten zwingt auch den Mittelstand zu Software-Defined Storage.
Das explosive Wachstum unstrukturierter Daten zwingt auch den Mittelstand zu Software-Defined Storage.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

In den ’90er-Jahren hatte die Virtualisierung keine Chance. Mickrige Speicher- und Computing-Ressourcen verhinderten, dass beispielsweise mehrere Betriebssysteme auf ein und demselben Computer ausgeführt werden konnten. Apple-Nutzer etwa versuchten damals verzweifelt, mittels „Virtual PCWindows auf ihren Macs zu implementieren – gängige Programme, man sprach damals auch (fälschlicherweise) von „Emulatoren“. Was wegen der in der Regel begrenzten Ressourcen vor allem beim Arbeitsspeicher schwerfällig, wenn überhaupt funktionierte.

Moore’s Law und die allgemeine Weiterentwicklung von Hard- und Software sorgten dann in den Nullerjahren dafür, dass vergleichsweise plötzlich alles Mögliche virtualisiert werden konnte. Das Versprechen an die Rechenzentren lautete, dass künftig alle möglichen Programme laufen konnten, völlig entkoppelt von der darunter liegenden, möglichst billigen Hardware. Die genutzten Maschinen sollten so sehr viel mehr ausgelastet werden als bislang, mit entsprechenden Kostenvorteilen. Es dauerte nicht lange, bis diese Idee auch von den Speicherspezialisten aufgegriffen wurden – Software-Defined Storage (SDS) war geboren.

Software-definierter Speicher (SDS)

So lautet denn auch die gängige Definition von SDS wie folgt: SDS ist ein Konzept, das Datenspeicherressourcen und -funktionen verwaltet und unabhängig von der zugrundeliegenden physikalischen Speicherhardware ist. Im Gegensatz zu herkömmlichen, monolithischen SAN- und NAS-Systemen ermöglichen Software-definierte Storage-Anwendungen, die Software getrennt von der Hardware zu aktualisieren. Gemeinsame Merkmale von SDS-Produkten sind die Fähigkeiten, Speicherressourcen zu aggregieren, das System über einen Server-Cluster auszuweiten, den gemeinsamen Speicherpool und Speicherdienste über eine einzige administrative Schnittstelle zu verwalten und Richtlinien für die Kontrolle der Speicherfunktionen festzulegen.

Grundsätzlich könnte man argumentieren, dass jedes Datenspeicherprodukt als Software-definiert bezeichnet werden könnte – da alle Speicherprodukte Software benötigen, um die zugrundeliegende Hardware zu verwalten und speicherbezogene Aufgaben zu managen. Allerdings wird der Marketingbegriff „SDS“ in der Regel und vorzugsweise mit Software-Produkten in Verbindung gebracht, die auf Servern mit x86-Prozessoren laufen.

Datenwachstum zwingt zum SDS

Neben den erhofften finanziellen Vorteilen gab und gibt es aber noch einen weiteren Grund, der SDS unumgänglich erscheinen lässt: das explosive Wachstum unstrukturierter Daten. Unternehmen aller Art ertrinken in Strömen von Daten, die es zum Geschäftsvorteil zu sammeln und auszuwerten gilt. Mit dem Aufkommen der Social Media mit ihren ausufernden unstrukturierten Datensätzen sowie des Internet of Things (IoT) und seinen irrwitzig aktiven Datenschleudern – zu nennen wären hier etwa Sensoren und Messstellen aller Art – hat sich die Situation nochmal verschärft. IT-Verantwortliche können diese Ströme in die Cloud kanalisieren, aber auch die fußt zwangsläufig auf immer „softwarigeren“ und virtuelleren Speicherkonzepten und Multicore-Prozessoren.

Software-Defined Storage ist damit Teil eines größeren Branchentrends, der auch Software-definierte Vernetzung (SDN), Software-definierte Infrastruktur (SDI) und Software-definierte Rechenzentren (SDDC) umfasst.

Unterscheidungsmerkmale

Über die Jahre haben sich verschiedene Typen Software-definierter Speicherprodukte herausgebildet. Einige SDS-Produkte unterstützen Block-, Datei- und Objektspeicherschnittstellen, andere sind über ein oder zwei Speicherprotokolle erreichbar. Viele SDS-Produkte können auf dem Server-Betriebssystem (OS) und in einer virtuellen Maschine (VM) laufen, und zwar On-Premises oder in einer Public Cloud. Andere SDS-Produkte laufen nur in einem Server-Hypervisor-Kernel oder einer VM. Mittlerweile sind einige SDS-Produkte in der Lage, in einem Container abzulaufen, um Serverressourcen zu schonen und die konsistente Verwaltung von Container-Anwendungen und Speicherdiensten durch ein einziges Orchestrierungswerkzeug zu erleichtern.

SDS-Anbieter bieten in der Regel Listen mit zertifizierten Hardware-Optionen an. Einige Software-definierte Speicherhersteller verkaufen Produkte, die Software mit Standard-Server-Hardware verpacken, um die Beschaffung und den Einsatz für Kunden zu erleichtern. Viele SDS-Produkte ermöglichen es den Nutzern, die Rechen- und Speicherressourcen separat zu skalieren. Hyperkonvergente Produkte skalieren Computing, Virtualisierung und Vernetzung in ein und derselben physischen Hardware. Zu den Anbietern von hyperkonvergenter Infrastruktur-Software auf Standard-Hardware gehören unter anderen Hewlett Packard Enterprise, Nutanix und Pivot3.

Mehrere große Speicherhersteller haben Software-Versionen von Speicherprodukten veröffentlicht, die zuvor an bestimmte Hardware gebunden waren. Beispiele dafür sind die UnityVSA aus dem Unity-Speicherarray und IsilonSD Edge aus dem Isilon-Skale-out-System von Dell EMC, IBMs Tier-1-Array Spectrum Accelerate sowie OnTap Select von NetApp.

Grundsätzliche Unterschiede

Durch die vielen Entwicklungslinien haben sich verschiedene Software-basierte Speicherwege herausgebildet, deren erstes Unterscheidungsmerkmal ist, ob sie Block-, Object- oder Datei-Storage vornehmen. Im Falle der Blockspeicherung werden Daten in leicht zugänglichen Blöcken mit einheitlicher Größe abgelegt. Im Falle der Objektspeicherung werden die Daten in Form von Objekten verwaltet, die nicht hierarchisch geordnet sind. Hierarchien finden sich dagegen in Dateispeichern.

Die verschiedenen Entwicklungsstränge haben zu verschiedenen Konzepten Software-basierten Speicherns geführt und tragen Namen wie „Hyper-Converged Infrastructure“ (HCI), „All-Flash-Array“ (AFA), „Hybrid-Storage“ (HS) oder eben „Software-Defined Storage“.

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Über den Autor

Dr. Dietmar Müller

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Journalist