Interview mit Geschäftsführer Gernot Teufel Eno Telecom stellt Weichen gen Zukunft

Von David Binnig

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Seit dem Antritt von Gernot Teufel als dritter Geschäftsführer im April dieses Jahres weht ein frischer Wind bei Eno Telecom. Auf der Agenda stehen die Stärkung des B2B-Geschäfts, der Ausbau des Kundenportfolios sowie die Internationalisierung.

Gernot Teufel ist einer von drei Geschäftsführern bei Eno Telecom.
Gernot Teufel ist einer von drei Geschäftsführern bei Eno Telecom.
(Bild: Eno Telecom)

Seit April dieses Jahres ist Gernot Teufel beim ITK- Distributor Eno Telecom als einer von drei Geschäftsführern mit an Bord. Teufel, der für Einkauf, Vertrieb und Marketing verantwortlich ist, setzt gleich zu Beginn neue Akzente und fasst die Agenda folgendermaßen zusammen: „Wir werden B2B in der Region anfangen, wir werden uns ein bisschen internationaler aufstellen und wir werden unser Kundenportfolio erweitern.“

Teufel macht deutlich, dass die Position bei der Eno nicht nur ein kurzfristiges Gastspiel sei, sondern er auf eine langfristige Zusammenarbeit mit den Niedersachsen setze. Gemeinsam mit den beiden anderen Geschäftsführern Hendrik und Peter Horstmann, welche zugleich Mitglieder der Gesellschafterfamilie sind, will er Eno profitabel wachsen lassen. „In einem solchen Unternehmen kannst du keine Konzernstrukturen wie bei einem Broadliner einziehen“, merkt Teufel an.

Das Unternehmensprofil von Eno

Der ITK-Distributor aus Niedersachsen ist in der Kreisstadt Nordhorn im Landkreis Grafschaft Bentheim beheimatet. Der Name Horstmann und das gleichnamige Radiogeschäft, welches den Grundstein für die heutige Unternehmensgruppe legte, sind bis heute tief in der Grafschaft verwurzelt. Mit mittlerweile über 300 Mitarbeitern und 300 Millionen Umsatz in der Distribution inklusive anliegendem Expert-Markt sowie einem Reparatur- und Servicecenter ist das Familienunternehmen der zweitgrößte Arbeitgeber in der Region.

Aktuelle Lage im Markt

Die Branche befinde sich laut Teufel aktuell in einem schwierigen Fahrwasser. Gründe dafür seien vor allem Lieferkettenprobleme. Aber auch eine schwindende Kaufkraft im Einzelhandel, sowie steigende Energiepreise und eine voranschreitende Inflation spielen eine Rolle. „Wir werden das 4. Quartal vorsichtig planen um allen Eventualitäten aus dem Weg zu gehen.“ In diesen turbulenten Zeiten beschäftigt sich der Distributor auch damit, wie das Portfolio der Zukunft aussehen könne. „Ich brauche nicht den neunten Smartphone-Hersteller, aber vielleicht brauche ich Balkonkraftwerke von einem deutschen namenhaften Hersteller, um den Leuten die Möglichkeit zu geben, kostengünstig Strom zu produzieren oder ihre Energiekosten zu senken.“

Erweiterung des Kundenportfolios

Teufel betont zudem, dass Eno ein ITK-Distributor sei, der schon seit jeher auch Produkte anderer Couleur vermarktet habe. Das Portfolio wird dabei zeitnah justiert und mit Artikeln ergänzt, die aktuell gebraucht werden. So wurde der Bereich „Health“ etwa mit Hygienesets für Autoverbandskästen, Schnelltests sowie Masken erweitert. Auch im Segment „Fun“ ist man mit Produkten wie Drohnen oder Schachcomputern vielseitig aufgestellt. Außerdem ist Eno einer der wenigen Distributoren in Deutschland mit einer eigenen und breit aufgestellten Automotive-Abteilung.

Der Distributor verfügt über eine breite Kundenbasis bestehend aus Retailern, E-Commerce, Versandhandel und 4.000 Fachhändlern. Dabei bedient das Unternehmen auch verschiedene Nischen, die von größeren Playern in der Distribution nicht berücksichtigt werden. Diversifikation und eine breite Streuung im Portfolio sind hier für Teufel das Stichwort. „Wir sind nicht zu abhängig von einem Produktbereich und das ist auch die Maßgabe, nach der wir uns in den nächsten Jahren richten wollen. Wir wollen uns breiter aufstellen.“

B2B-Geschäft

Das B2B-Geschäft will Eno laut Teufel zuerst auf lokaler Ebene in der Region angehen. Bei Angeboten an kleine und mittlere Firmen wolle man auch verstärkt mit nachhaltigen Konzepten punkten. Zugleich würde man aktuell aber nicht versuchen im großen Stil in das B2B-Geschäft einzusteigen. „Das wird schon über Komsa oder Brodos par excellence gespielt, da haben die Jungs einen klasse Job gemacht und gut vorgelegt“, merkt Teufel anerkennend an.

Herstellerverträge

Eno arbeitet nach eigener Aussage mit einer großen Anzahl an Herstellern zusammen und überprüft durchgehend, ob und welche Partner für eine Zusammenarbeit in Frage kommen. Gerade bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder ist dort laut Teufel gerade viel in Bewegung. So kommen aktuell wieder vermehrt Anfragen von kleinen und mittleren Herstellern, welche die Spezialkanäle des Distributors nutzen wollen. Benefits, die Eno gegenüber einem Broadliner besitzt, sind laut Teufel flache Hierarchien und Agilität. Durch die schnelle Handlungsfähigkeit der Geschäftsführung könne man den großen Mitspielern im Markt so hin und wieder eine Nasenlänge voraus sein.

Ein Schwerpunkt von Eno ist die Netzvermarktung. „Wir sind in der Distribution einer der fünf Distributoren, die einen Vertrag mit der deutschen Telekom und Vodafone haben. Und wir machen auch 1&1. Das heißt: wir kaufen viel Ware bei den Netzbetreibern raus, die wir dann in die Distribution geben dürfen.“ Das Portfolio der Nordhorner beinhaltet außerdem die Marken Congstar, Otelo, Telefónica, O2, Blau, Ortel Mobile, Lebara, Yourfone und Pÿur.

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Auf die Nachfrage nach der Relevanz von direkten Herstellerverträgen hat Teufel eine differenzierte Meinung: „Ein Herstellervertrag ist Fluch und Segen zugleich.“ Bei der indirekten Beschaffung von Produkten ohne festen Herstellervertrag sieht Teufel deshalb auch kein Problem. So könne man sich die Ware im freien Markt besorgen und sei nicht von Forecasts und Lieferengpässen abhängig. Durch diese Flexibilität können Händler im Markt agiler beliefert werden. Agilität ist für den Distributor noch aus einem anderen Grund wichtig. Denn Eno verfügt laut Teufel nur über ein Zehntel des Lagerbestandes im Vergleich zur Konkurrenz. Das wirkt sich andererseits natürlich positiv auf die Kostenstruktur und den Cashflow des Unternehmens aus.

Internationalisierung

Die Internationalisierung spielt in der neuen Agenda von Eno ebenfalls eine wichtige Rolle. „Ich möchte dringend mit meiner Organisation über den Tellerrand Deutschland und die DACH-Region hinausschauen“, betont Teufel. Gerade hinsichtlich der Akquise neuer Bezugs- und Betriebsquellen sei dies elementar. Das Unternehmen bietet seinen Mitarbeitern aktuell bereits zusätzliche Sprachkurse an, wo diese ihr Business Englisch auffrischen können. Und auch inaktive Händler sollen wieder reaktiviert werden, führt Teufel weiter aus. In diesem Zuge wird der Außendienst von Eno zukünftig wieder das komplette Produktportfolio, welches aus 14.000 Produkten besteht, anbieten. Die Umstrukturierung erfolgt ab dem neuen Geschäftsjahr.

Broadliner versus Local Heroes

Abschließend gibt Teufel einen Ausblick, wie sich die Distribution zukünftig entwickeln wird. Er verweist dabei auf einen zentralen Unterschied zwischen TK-Markt und IT-Sektor. Denn Broadliner haben in der Netzvermarktung schlicht nicht dieselbe Marktmacht wie etwa im klassischen IT-Sektor, was wiederum bedeutet, dass diese eine Region nicht komplett versorgen können. Dies ist ein klarer Pluspunkt von Local Heroes. Auch die Netzbetreiber haben dies erkannt, und greifen vermehrt auf das regionale Expertenwissen der lokalen Platzhirsche zurück.

Die europäische Distributionslandschaft werde laut Teufel deswegen auch in Zukunft, trotz aktuell schwieriger Lage, nicht schrumpfen. Denn Hersteller brauchen die Distribution nach wie vor für die Verteilung, Planung und Lagerhaltung der Ware. Dazu kommt: Wo früher noch Distributoren das Außenlager der Hersteller waren, hat sich das Blatt gewendet, so Teufel. Der Hersteller muss nun gezielt mit den Distributoren zusammenarbeiten. „Die Planung fängt beim Endkunden beziehungsweise Händler an. Dies bedeutet, dass die ganze Supply Chain nun von hinten aufgezäumt wird.“ Teufel ist sich deshalb sicher, dass Eno als einer von vielen ITK-Distributoren in Deutschland auch zukünftig erfolgreich und profitabel wirtschaften wird.

Vita

Der 56-jährige kennt sowohl die nationale als auch internationale Distribution wie seine Westentasche. Vor seinem Wechsel zu Eno war Teufel rund 6 Jahre bei dem Marktforschungsunternehmen Gfk tätig, wo er thematisch für die Bereiche weltweite Distributionen & IT-Hersteller zuständig war. Von 2014 bis 2016 war er in der deutschen Mobilfunkbranche als Country Manager für Deutschland bei Sony Mobile beschäftigt. Auf internationalem Parkett agierte Teufel von 2007 bis 2014 bei Panasonic für die Bereiche Schnurlostelefone, IP-Telefone und Elderly Mobile. In seinem Zuständigkeitsbereich, der 26 Länder umfasste, arbeitete er mit verschiedenen Retailern und Distributoren zusammen. Von 1998 bis 2006 war der gelernte Diplom-Kaufmann als Senior Sales Manager bei Samsung Mobile aktiv.

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