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Verteilungskämpfe drücken Preise Distributoren sehen im B2C-Segment schwierigere Zeiten aufziehen

Redakteur: Regina Böckle

Der Kampf um Marktanteile in der dicht besiedelten Distributions-Landschaft ist noch einmal einen Gang härter geworden – teils, weil das Wirtschaftswachstum insgesamt schwächelt, teils aus brancheninternen Gründen. Reseller können davon nur bedingt profitieren.

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Die Margen in der Wertschöpfungskette brechen weiter ein.
Die Margen in der Wertschöpfungskette brechen weiter ein.
( Archiv: Vogel Business Media )

Fachhandelspartner, die ihr Hauptgeschäft im Privatkundenumfeld erwirtschaften, müssen sich auf ein schwieriges Jahr einstellen. Denn die Nachfrage in diesem Segment stagniert: Mit 87 Zählern liegt der ITC Channel Index von IT-BUSINESS und GfK erstmals in diesem Jahr leicht unter dem Vorjahresniveau.

Laut GfK entwickeln sich die SMB-Umsätze schwächer und verharren bei minus sieben Prozent unter dem Vorjahresmonat, was dem ersten Quartal 2008 für das SMB-Geschäft ein zum Vorjahresquartal identisches Marktvolumen beschert. Lediglich die Entwicklung im B2B-Bereich legte dagegen zu: Die Nachfrage der Großkunden im ersten Quartal stieg sogar zweistellig um 15 Prozent.

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Problematisches B2C-Geschäft

Im B2C-Umfeld lässt das Wachstum nach einem sehr guten Jahresstart nach, so das Fazit der GfK-Analysten Martina Sedlmaier und Dr. Rudolf Aunkofer. Zwar blieb bei Consumern die Nachfrage nach PCs und Notebooks im gesamten ersten Quartal hoch, doch das Absatzplus von 34 Prozent ist angesichts des anhaltenden Preisverfalls deutlich höher als das Umsatzwachstum. Konsequenterweise legte mit den PC- und Notebook-Absatzzahlen auch das Komponentengeschäft zu.

»Die Entwicklung verdeutlicht, dass die Nachfrage nach hochwertigen Produkten hilft, neue Marktpotenziale zu erschließen. Eine ausschließliche Positionierung über den günstigsten Preis bedarf einer Ergänzung in qualitativer Hinsicht«, lautet die Empfehlung Sedlmaiers und Aunkofers für den Channel.

Die Erfahrungen der Distributoren untermauern diese Zahlen: »Der Markt wird in diesem Jahr insgesamt schwieriger werden als 2007. Wer stark am Privatkunden-Markt orientiert ist, den wird es härter treffen – sowohl beim Umsatz als auch bei der Marge. Anbieter, die eher Industrie- und Geschäftskunden bedienen, werden diese allgemeine Entwicklung weniger bis gar nicht spüren. Der Handel agiert insgesamt dieses Jahr etwas zurückhaltender als noch vergangenes Jahr«, so COS-Chef Michael Krings.

Allgemeine Verunsicherung

Es sind mehrere Faktoren, die vor allem den Privatkonsum auch im ITK-Bereich dämpfen. Aus Sicht von Krings spielt hier die allgemeine Unsicherheit eine große Rolle: »Der Consumer ist heute mehr verunsichert als noch vor einem Jahr. Denn trotz höherer Beschäftigungsrate verfügen viele Mitbürger über weniger Möglichkeiten, Investitionen aus ihrer eigenen Tasche finanzieren zu können. Die meisten neu gewonnenen Arbeitsplätze bewegen sich bei der breiten Masse eher im unteren Gehaltssegment – auch wenn beispielsweise im IT-Umfeld viele neue Fachkräfte gesucht werden.«

Preis-Maßstäbe fehlen

Zweitens gibt es beim Endkunden eine Verunsicherung hinsichtlich der Preise, die beispielsweise bei Notebooks und Speicherbausteinen extrem gesunken sind. »Notebooks für 370 Euro und weniger anzubieten war vor Jahren noch undenkbar, heute bekommt man sie auch für diesen Preis mit einer vernünftigen Leistung«, beschreibt Krings die Lage.

Dollar-Schwäche und Extra-Boni

Obendrein wirkt sich hier die anhaltende Dollarschwäche aus, die den Preisverfall weiter ankurbelt. »Da sich ein Großteil der Produkte auf Basis von Dollar-Preislisten errechnet, hat der Dollar-Kursverfall dazu geführt, dass sich der Preisverfall, der in der Vergangenheit bei 10 bis 15 Prozent lag, auf stellenweise bis zu 50 Prozent erhöht hat«, so Ingram-Micro-Chef Gerhard Schulz. Nur mit exponentiellem Wachstum ließe sich dieser Preisverfall noch abfedern. Das zwingt aber Distributoren wie Fachhändler dazu, weitaus mehr Stückzahlen zu drehen und gleichzeitig Prozesse zu verbessern, um die Kosten in der Logistik nicht weiter zu erhöhen. Bei mäßigem Nachfrage-Wachstum ist das kaum zu machen.

Doch auch brancheninterne Missstände machen gerade dem Fachhandel im Privatkundenumfeld das Leben schwer: dazu gehören beispielsweise die »Mystery Boni«

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