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Smart Gardening & Smart Farming

Digitalisierung mit grünem Daumen

| Autor / Redakteur: Oliver Schonschek / Dr. Andreas Bergler

Einige professionelle Mähroboter nutzen bereits GPS-Navigation, zusätzliche Begrenzungskabel sind dann überflüssig.
Einige professionelle Mähroboter nutzen bereits GPS-Navigation, zusätzliche Begrenzungskabel sind dann überflüssig. (Bild: Oliver Schonschek)

Ob im Stadtpark, auf dem Acker oder im heimischen Garten: Digitale, smarte Lösungen sind gefragt. Neue Verfahren und Produkte bringen die Digitalisierung in den grünen Branchen weiter voran und erleichtern ITK-Fachhändlern und Systemhäusern den Einstieg in einen Zukunftsmarkt. Viele Anbieter suchen Partner für den Vertrieb und die Implementierung.

Smart Gardening und Digitalisierung gehören zu den Trendthemen im Gartenmarkt 2020 und darüber hinaus, erklärte der Marktforscher Klaus Peter Teipel im Februar auf einer Veranstaltung des IVG (Industrieverband Garten), in dem sich Hersteller von Produkten der „Grünen Branche“ für den Hobby- und Profimarkt zusammengeschlossen haben.

Smart Gardening unterstützt den privaten Gärtner dabei, sich auf angenehmere Gartenarbeiten zu beschränken. Durch eine automatische Bewässerungssteuerung kann im Sommer bis zu 45 Stunden Zeit beim Gießen gespart werden, schätzt der Gartengerätehersteller Gardena. Eine ganze Arbeitswoche Freizeit schenkt ein Rasenmäher-Roboter, der in einem Jahr etwa 40 Stunden manuelles Rasenmähen erspart. Entsprechend beliebt sind Produkte aus dem Bereich Smart Gardening: Gardena berichtet von einem spürbaren Marktwachstum in den Kernsegmenten Bewässerung und Mähroboter.

Doch nicht nur in Privatgärten befinden sich zunehmend smarte Produkte zur Automatisierung, auch in Stadtparks und in der Landwirtschaft hält die Digitalisierung immer stärker Einzug. Die derzeitige Landwirtschaft entwickelt sich weg von der kleinbäuerlichen hin zu einer hocheffizienten, standortangepassten und effizienteren Landwirtschaft, erklären die Experten von Roland Berger.

Präzisionslandwirtschaft

Sie sprechen von Präzisionslandwirtschaft („Precision Farming“). Dabei geht es um das Zusammenspiel unterschiedlicher Segmente, etwa Flottenverwaltung, gezielter Einsatz von Drohnen, optimierte Betriebsführung, optimierte Aussaat und exakter Einsatz von Düngemitteln. Grundlage dafür sind Plattform-Lösungen, zentrales Bindeglied ist die Konnektivität, so die Studie „Farming 4.0: How precision agriculture might save the world“.

Offensichtlich geht es nicht nur um Zeitersparnis im Garten, sondern um Einsparung von Ressourcen und die Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung. Eine Untersuchung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf im Auftrag von Gardena zeigte: Der Einsatz von automatischer Bewässerung führt zu einer effizienteren Wassernutzung sowie zu einer reicheren Ernte und gesünderen Pflanzen.

Im Jahr 2050, so prognostizieren es Demographen, werden etwa 9,8 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Die Landwirtschaft muss sich deshalb von Grund auf reformieren. Entscheidend ist dabei auch der Einsatz digitaler Werkzeuge, wie die genannte Roland-Berger-Studie betont.

Wenn man sich ansieht, wie die Digitalisierung in den grünen Branchen voranschreitet, wird schnell deutlich, dass IT-Dienstleister und ITK-Fachhändler eine zunehmend große Rolle spielen können bei der Automatisierung auf dem Feld, im Gewächshaus, im Park und in den Gärten.

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Roboter in Gärten und Parks: GPS, Apps und Integrationen

Wenn der ITK-Fachhandel zusätzlich zu Smart-Home-Produkten auch Smart Gardening in das Sortiment aufnimmt, stellt sich die Frage, welche Services von Kunden dann gewünscht werden und wie man diese erbringen kann. Bei Mährobotern zum Beispiel ist es oftmals die Verlegung des Begrenzungsdrahts, damit sich der Roboter im Garten orientieren kann und nicht über das Ziel hinausschießt beim Rasenschnitt. Kann oder will es der Kunde nicht selbst machen, bieten Hersteller oder Fachhändler bisher einen Installationsservice an.

Für einen ganzen Stadtpark und andere große Grünflächen erscheint dies aber sehr aufwändig. Hier helfen digitale Technologien, so dass man sich als IT-Dienstleister oder -Fachhändler keinen Installationsservice zulegen muss, wenn man einem Unternehmen oder einer Gemeinde zusätzlich zu Smart Building Lösungen auch eine Automatisierung der Grünflächen-Pflege anbieten möchte.

Husqvarna EPOS ist ein hochpräzises Satellitennavigationssystem für Profi-Automower und andere autonome Pflegemaschinen. Statt mit einem an den Rasenrändern verlegten Begrenzungskabel wird der Einsatz-Bereich der Maschinen virtuell mithilfe von Satellitendaten eingegrenzt. Das kabellose System erreicht eine Genauigkeit von 2-3 Zentimetern. Mit Husqvarna Autonomous Operation präsentiert der Anbieter eine autonome Lösung, die das Mähen sehr großer und schwer zugänglicher Grünflächen ermöglicht.

Ein weiteres Beispiel für die Digitalisierung in den grünen Branchen: Zu den Mährobotern gehören in aller Regel Apps. Mit dem smart Assistant von Gardena zum Beispiel steht dem Anwender ein Chatbot zur Seite. Die geplanten Zeiten für Bewässerung und Rasenpflege lassen sich steuern nach Sonnenstand, mit automatischen Anpassungen je nach Jahreszeit, über Sensorwerte sowie auch über die Wettervorhersage. Durch die Unterstützung von IFTTT („If this, than that“) lässt sich eine Vielzahl an Anwendungen und Geräten miteinander verbinden. Auch ganze Ketten von Aktionen sind möglich. Bei komplexen Automatisierungsprojekten lassen sich hier Services erbringen und einbinden.

Smart Gardening und Farming führt zu neuen Partnerschaften

Seit Mai 2019 ist das Gardena smart system in die Haussteuerung der Telekom integriert. Die Integration in Magenta SmartHome ist ein Beispiel, wie Smart Gardening auf Smart Home Plattformen verfügbar wird und wie sich Smart Gardening in die ITK-Branche ausdehnt.

Im Bereich Smart Farming entstehen neue Dienstleistungen. Wie diese aussehen können, zeigen Beispiele wie die Entwicklung passender Smart-Farming-Software durch das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (https://www.itwm.fraunhofer.de/de/abteilungen/opt/produktion-ablauf-planung/smart-farming.html), die Smart Agriculture Lösungen von Bosch (https://www.bosch-mobility-solutions.de/de/highlights/vernetzte-mobilit%C3%A4t/smart-agriculture/), das Smart Farming – Portfolio von BayWa (https://www.baywa.de/smart-farming/) oder die eigene Business Unit AgTech von SAS für Datenanalysen im Bereich Agriculture.

Mit dem Deepfield Connect Field Monitoring von Bosch erhalten Nutzer Daten, etwa zu Wetter und Pflanzenwachstum, direkt aufs Smartphone. Das herstellerunabhängige und offene Ökosystem NEVONEX bringt digitale Services in die Landmaschine. Es ermöglicht die nahtlose Vernetzung von Arbeitsabläufen und Maschinen. Anbieter von Agrartechnik oder Betriebsmitteln können auf der Plattform ihre unterschiedlichen Services anbieten. Diese können direkt auf vorhandenen und neuen Landmaschinen ausgeführt werden, bei denen ein NEVONEX-fähiges Steuergerät installiert ist. Eine Vernetzung der an der Landmaschine vorhandenen oder nachgerüsteten Sensoren schafft weitere Potenziale. So lassen sich etwa die Ausbringung von Saatgut, Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln optimieren oder Arbeitsabläufe automatisieren.

KI für Pflanzengesundheit

In der Landwirtschaft besteht ein großes Potenzial für den Einsatz von KI und Analytik zur Verbesserung der Pflanzengesundheit, der Bodenproduktivität und der Ernteerträge, so der Analytics-Anbieter SAS. In der Landwirtschaft entsteht eine große Anzahl von Daten. Diese Daten stammen von IoT-Geräten, die Informationen zu Topographie, Bodenqualität, Wetter und Viehfutter sowie Bilder von Pflanzen sammeln. Drohnen und intelligente Traktoren werden immer häufiger eingesetzt und liefern Daten zu Ernteerträgen und Landvermessungen. Diese Daten liefern die Basis für Analytics-Services und diese wiederum die Grundlage für weitere Dienstleistungen.

Ob man nun als Fachhändler sein Smart-Home-Sortiment um Smart-Gardening-Produkte erweitert oder als IT-Dienstleister Data Analytics und andere IT-Services in die Gewächshäuser oder auf die Felder bringt: Die Digitalisierung der grünen Branchen nimmt weiter Fahrt auf und bietet spannende Wachstumschancen, nicht nur für die Pflanzen.

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